Montag, 29. Dezember 2025

Sicherheit als Investmentchance: Denn die Investitionen in die Gefahrenabwehr werden tendenziell steigen

 Investitionen in Verteidigungs- und Sicherheitsunternehmen galten noch vor wenigen Jahren für viele Privatanleger als ein Tabuthema. Rüstungswerte standen häufig auf Ausschlusslisten von Fonds oder ETFs. Das Image der Unternehmen war negativ besetzt und ethische Bedenken dominierten die Wahrnehmung. Inzwischen hat sich diese Sichtweise grundlegend gewandelt. Die geopolitische Lage, massive Budgetsteigerungen und technologische Fortschritte haben den europäischen Verteidigungssektor in den Fokus von Anlegern gerückt.

Weltweit stiegen die Militärausgaben 2024 auf rund 2,7 Billionen US-Dollar, ein Plus von 9,4 Prozent. Europa legte mit etwa 17 Prozent deutlich stärker zu als andere Regionen. Hinzu kommt die politische Verpflichtung der NATO-Mitglieder bis 2035 bis zu fünf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung und Sicherheit zu investieren. Die EU unterstützt diesen Trend mit Programmen zur Stabilisierung von Lieferketten und der Förderung gemeinsamer Beschaffungsvorhaben. Für Anleger eröffnen sich damit klare, langfristige Chancen in einem Markt, der zuvor als Nische galt.

Staatliche Programme werden langfristig kalkuliert - Stabilität für Investoren

Staatliche Programme für Luft- und Raumfahrt, Munition, Panzer und technische Geräte laufen über mehrjährige Zyklen, wodurch Auftragsbücher für Unternehmen verlässlich gefüllt sind. Das schafft für Investoren eine Stabilität, die in klassischen konjunkturabhängigen Branchen selten ist. Gleichzeitig umfasst der Sektor heute deutlich mehr als klassische Rüstungsgüter: Sensorik, Software, Kommunikationssysteme, Wartung und Cyberabwehr sind zentrale Bestandteile. Die zunehmende Bedeutung von Cyberabwehr spiegelt die Realität moderner Sicherheitsrisiken wider. Angriffe auf kritische Systeme können immense wirtschaftliche und politische Schäden verursachen.

Deutschland - Militärausgaben 1953 bis 2024

Unternehmen, die auf Cyberabwehr spezialisiert sind, liefern daher nicht nur Produkte für Verteidigungsbehörden, sondern auch für zentrale zivile Infrastrukturen wie Energieversorgung, Transport und Kommunikation. Das eröffnet wiederkehrende Erlöse, stabilisiert die Geschäftsmodelle und macht Cyberabwehr zu einem der am stärksten wachsenden Segmente im Verteidigungsbereich.

Europa holt in diesem Bereich massiv auf. Staaten wie Deutschland, Frankreich, Polen und Schweden erhöhen ihre Verteidigungsbudgets deutlich, modernisieren ihre Streitkräfte und investieren in neue Technologien. Die EU verstärkt zudem industrielle Kooperationen, um langfristig ihre Lieferketten zu sichern. Dies stärkt nicht nur etablierte Unternehmen, sondern auch innovative Zulieferer. Damit können Anleger an einem breit gefächerten Sektor teilhaben, der sowohl traditionelle als auch zukunftsorientierte Geschäftsfelder vereint.

Auch der Blick auf Nachhaltigkeit hat sich verändert

Früher wurde der Verteidigungssektor von vielen Anlegern wegen ethischer Bedenken gemieden. Heute lassen sich Investments differenzierter gestalten. Viele Fonds schließen weiterhin kontroverse Waffen aus, während Unternehmen, die sogenannte „dual-use-Lösungen“ (sowohl zivil als auch militärisch nutzbar) oder sicherheitsrelevante Technologien liefern, zunehmend als notwendig für Stabilität und gesellschaftliche Sicherheit angesehen werden. Für Anleger bedeutet das: Ein Investment kann in Einklang mit eigenen ESG-Vorstellungen stehen, wenn die Auswahl bewusst getroffen wird.

Für 2026 zeigt sich ein vielversprechender, aber differenzierter Ausblick. Die bereits beschlossenen Budgetsteigerungen sichern Aufträge für mehrere Jahre, insbesondere in klassischen Segmenten (Luftverteidigung, Munitionsproduktion, Panzer- und Schiffstechnologie). Gleichzeitig entstehen neue Wachstumsfelder: Cyberabwehr, digitale Sicherheit und Raumfahrtanwendungen werden künftig deutlich an Bedeutung gewinnen. Experten gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Cyberlösungen stark steigen wird, weil Staaten und kritische Infrastruktur zunehmend Angriffen ausgesetzt sind und gleichzeitig regulatorische Anforderungen an Sicherheit zunehmen.

Technologische Fortschritte, darunter Drohnen, elektronische Kriegsführung und intelligente Überwachungssysteme, könnten in den nächsten Jahren eine immer größere Rolle spielen. Dies erhöht die Diversifikation innerhalb von Fonds und ETFs, da Hardware-, Service- und Technologiefirmen gemeinsam vertreten sind. Anleger können so Risiken einzelner Unternehmen reduzieren, während sie am Wachstum des Sektors partizipieren.

Politische und regulatorische Risiken werden das Thema aber auch in 2026 begleiten

Der weitere Verlauf des Ukraine-Kriegs, Haushaltsänderungen, Regierungswechsel oder geänderte Prioritäten können Aufträge verzögern. Exportkontrollen oder internationale Abkommen können den Zugang zu Märkten beeinflussen. Diese Risiken sollten Anleger bewusst einplanen, weshalb der Verteidigungssektor idealerweise als kleiner, klar definierter Baustein im Portfolio genutzt wird. Gleichzeitig bieten die langfristige Nachfrage, die breite Wertschöpfung und die strukturellen Wachstumstreiber gute Chancen auf stabile Erträge, auch in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit.

Fazit

Insgesamt zeigt sich: Verteidigungs- und Sicherheitsinvestments sind heute keine Randerscheinung mehr. Europa investiert massiv in seine Fähigkeiten, politische Zusagen sichern Aufträge, und technologische Innovationen erweitern die Chancen für Unternehmen und Anleger. Mit einem klaren Ziel, definiertem Risiko und einer bewussten Berücksichtigung von ESG-Kriterien kann der europäische Verteidigungssektor 2026 als interessanter Satellit im Portfolio dienen. Cyberabwehr und digitale Sicherheit könnten dabei zu den dynamischsten Segmenten zählen, die das Thema langfristig prägen.

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Sonntag, 16. November 2025

Der globale Wettlauf um strategische Rohstoffe

 Die weltweite Nachfrage nach strategischen Rohstoffen steigt rasant. Materialien wie Lithium, Kupfer, Kobalt oder Seltene Erden sind längst nicht mehr auf einzelne Industrien beschränkt, sondern bilden das Fundament zahlreicher Zukunftstechnologien. Ohne sie wären Elektroautos, Batterien, erneuerbare Energieanlagen oder moderne Kommunikations- und Rechenzentren kaum denkbar. Selbst Bereiche wie Medizintechnik oder Verteidigung hängen stark von diesen Rohstoffen ab.

Der globale Rohstoffhunger hat damit auch für Anleger eine große Bedeutung

Die Versorgung mit diesen Rohstoffen ist jedoch komplex und wird durch geopolitische Abhängigkeiten erschwert. China dominiert die Verarbeitung vieler kritischer Materialien und beherrscht den Markt bei Seltenen Erden, Kobalt, Lithium und Graphit. Der aktuelle Handelskonflikt zwischen China, den USA und anderen Staaten verstärken die Unsicherheit auf den Märkten zusätzlich. So haben Exportbeschränkungen bei Seltenen Erden, die in vielen Produkten von Smartphones über Elektroautos bis hin zu Verteidigungstechnologie eingesetzt werden, zu Preissprüngen und Sorgen um Lieferketten geführt. Alternativen wie australische, kanadische oder afrikanische Förderprojekte sind zwar geplant, neue Minen benötigen aber oft über zehn Jahre, bevor sie mit der Förderung starten können.

Lithium - Wo der Treibstoff der Elektroautos schlummert

Die langfristigen Wachstumstreiber sind vielfältig. Elektrofahrzeuge benötigen deutlich mehr Kupfer, Lithium und Kobalt als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Windkraftanlagen und Solarmodule setzen Seltene Erden und weitere spezialisierte Metalle ein. Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Rechenzentren und 5G-Netze erhöhen den Bedarf an Halbleitern, Aluminium und Kupfer. Gleichzeitig werden strategische Materialien in der Medizintechnik, in der Verteidigung und in der Industrieautomation immer wichtiger. Das Angebot bleibt jedoch begrenzt.

Vor diesem Hintergrund gewinnen Recycling und Kreislaufwirtschaft an Bedeutung

Wiederverwertung von Batterien und Elektronik kann Rohstoffe einsparen und gleichzeitig den Energieverbrauch deutlich reduzieren. Beispielsweise spart die Herstellung von Aluminium aus recyceltem Material bis zu 95 Prozent Energie im Vergleich zur Primärproduktion, bei Batteriemetallen sind es rund 80 Prozent. Kreislauflösungen tragen damit nicht nur zur Versorgungssicherheit bei, sondern unterstützen auch die Dekarbonisierung der Industrie. Politische Initiativen in Europa sowie den USA schaffen zusätzliche Anreize für Recycling und die Nutzung lokaler Ressourcen. Zu den Maßnahmen gehören Vorgaben für recycelte Anteile in Batterien oder steuerliche Vorteile für heimische Rohstoffe. Trotzdem reicht dies aktuell nicht aus, um den „Rohstoffhunger“ zu stillen.

Für Anleger eröffnet die wachsende Nachfrage nach strategischen Rohstoffen Chancen, die über den Energiesektor hinausgehen. Unternehmen, die diese Materialien fördern, verarbeiten oder innovative Recyclingtechnologien einsetzen, können von langfristigem Wachstum profitieren. Auch Firmen, die strategische Metalle für die Digitalisierung, Industrie 4.0, Verteidigung oder Medizintechnik bereitstellen, sind Teil dieses Wachstumsmarktes. Investitionen über Fonds oder ETFs, die auf Rohstoffe, strategische Metalle oder zukunftsweisende Technologien ausgerichtet sind, ermöglichen es, an diesen Entwicklungen teilzuhaben.

Zudem gelten Rohstoffe seit jeher als guter Schutz vor Inflation

Steigen die Preise allgemein, ziehen oft auch die Rohstoffpreise an. Das liegt daran, dass sie reale Werte darstellen. Also Dinge, die man nicht einfach „vermehren“ kann wie Geld. Auch bei einem schwächeren US-Dollar sind Rohstoffe interessant. Da sie weltweit meist in Dollar gehandelt werden, steigen ihre Preise, wenn der Dollar an Wert verliert. Für Anleger kann das ein wichtiger Vorteil sein. So bieten Rohstoffe nicht nur langfristige Wachstumschancen, sondern auch Stabilität in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit.

Dabei sollten Anleger jedoch beachten, dass Rohstoffmärkte volatil sind und stark auf politische Entscheidungen, neue Projekte oder technologische Innovationen reagieren. Eine breite Streuung über verschiedene Materialien und Regionen kann helfen, Risiken zu reduzieren. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von nachhaltigen Standards. Unternehmen, die ökologische, soziale und Governance-Aspekte (ESG) in ihren Lieferketten verbessern, den Bergbau effizienter gestalten und Recyclinglösungen einsetzen, sind besonders interessant. Nicht nur für verantwortungsbewusste Anleger, sondern auch für institutionellen Investoren, die auf transparente und nachhaltige Geschäftsmodelle setzen.

Fazit

Wer strategische Rohstoffe als Beimischung in einem diversifizierten Portfolio berücksichtigt, kann damit an einem langfristigen Nachfragewachstum teilhaben, das nicht nur die Energiewende, sondern auch Digitalisierung, Industrie 4.0, Medizintechnik und Verteidigung umfasst. Anleger müssen jedoch die Risiken von Preisvolatilität, geopolitischen Spannungen und technologischen Veränderungen im Blick behalten. Strategische Rohstoffe sind damit nicht nur ein unverzichtbarer Baustein für die Industrie der Zukunft, sondern ein interessantes Anlagesegment, das die zentralen Trends der kommenden Jahrzehnte widerspiegelt.

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Dienstag, 28. Oktober 2025

Dollarschwäche in 2025 – Auswirkungen und Chancen für Anleger

 Die Dollarschwäche prägt das Jahr 2025 und verändert die Spielregeln für Anleger im Euroraum grundlegend. In diesem Beitrag sollen die Ursachen – von Zinsdifferenzen über US-Fiskalpolitik bis hin zu Marktpsychologie – eingeordnet werden und zeigen, welche Chancen und Risiken daraus entstehen. Besonders beleuchtet werden soll, wie sich der schwächere Greenback auf US-Aktien und -Anleihen aus Euro-Sicht auswirkt und wann Währungsabsicherungen sinnvoll sein können. Ein Schwerpunkt liegt zudem auf Gold als strategischem Stabilitätsanker in Phasen nachlassender Dollarstärke. Das Ziel: Eine klare Orientierung, damit man die Bewegungen am Devisenmarkt nicht nur versteht, sondern gezielt für dass Portfolio nutzen kann.

Nach Jahren der Stärke gerät der US-Dollar 2025 zunehmend unter Druck

Im ersten Halbjahr 2025 verzeichnete er sogar den stärksten Rückgang seit über fünf Jahrzehnten. Gegenüber dem Euro verlor der sogenannte „Greenback“ mehr als 12 Prozent. Für Anleger aus dem Euroraum entfaltet diese Entwicklung eine doppelte Wirkung: Wer in den vergangenen Jahren in US-Aktien oder -Anleihen investiert war, musste jüngst zusehen, wie Währungsgewinne schmolzen oder Renditen durch den schwächeren Wechselkurs geschmälert wurden. Gleichzeitig eröffnen die aktuellen Wechselkursniveaus aber auch neue Chancen, denn amerikanische Wertpapiere sind aus Euro-Sicht nun günstiger zu haben. Wer günstigere Alternativen abseits des Dollars sucht, wird aber ebenfalls noch fündig.

Welche Möglichkeiten der Geldanlage nutzen Sie aktuell?

Die Gründe für die Dollar-Schwäche sind vielfältig. Eine zentrale Rolle spielt die US-Wirtschaftspolitik. Die Staatsverschuldung ist zuletzt massiv gestiegen und liegt inzwischen bei über sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ein Defizit, wie man es sonst nur aus klassischen Krisenzeiten kennt. Gleichzeitig setzt die US-Regierung unter Präsident Donald Trump ihre expansive Haushaltspolitik fort. Steuererleichterungen und neue Ausgabenprogramme („Big Beautiful Bill“) haben das Vertrauen in die Solidität der amerikanischen Finanzen belastet.

Genauso wie die Unsicherheit aufgrund der aggressiven Zollpolitik gegenüber vielen wichtigen Handelspartnern. Hinzu kommt das innenpolitische Klima: Donald Trump attackiert regelmäßig die Notenbank Federal Reserve und deren Vorsitzenden Jerome Powell, um eine noch lockerere Geldpolitik durchzusetzen. Diese Einmischung in die Unabhängigkeit der Fed verunsichert die Märkte erheblich und beschädigt das Bild des US-Dollar als „sicherer Hafen“.

Euro gegenüber US-Dollar in 2025

Auch das Zinsumfeld trägt zur Dollarschwäche gegenüber dem Euro bei. Während die Europäische Zentralbank nach mehreren Zinssenkungen eine Pause eingelegt hat und die Inflation im Euroraum bei etwa zwei Prozent liegt, werden in den USA weitere Zinssenkungen erwartet. Der Zinsunterschied, der den Dollar in den vergangenen Jahren gestützt hat, schrumpft somit, was den Euro zusätzlich stärkt. Gleichzeitig erhält der Euro Rückenwind durch geplante Investitionen in Deutschland, unter anderem in Infrastruktur und Verteidigung, die das Wirtschaftswachstum in der Eurozone fördern sollen.

Auswirkungen für europäische Anleger

Für europäische Anleger stellt sich damit die Frage, wie sie auf diese Entwicklung reagieren sollen. Kurzfristig ist klar: Wer bereits in US-Aktien investiert ist, sieht die Renditen durch den schwächeren Dollar geschmälert. Gleichzeitig sind die Titel aus Euro-Sicht nun günstiger geworden, was für Investitionen interessant sein kann. Allerdings bleiben die Bewertungen vieler amerikanischer Unternehmen im historischen Vergleich hoch, weshalb Wechselkursüberlegungen allein kein ausreichendes Kaufargument darstellen sollten.

Bei US-Anleihen zeigt sich ein ähnliches Bild: Zehnjährige Staatsanleihen werfen derzeit rund 4,3 Prozent Rendite ab, während vergleichbare deutsche Bundesanleihen nur bei etwa 2,6 Prozent liegen. Sollten sich die Wechselkurse in Richtung ihres langfristigen Durchschnitts bewegen, könnten Anleger mit US-Anleihen sogar zusätzliche Währungsgewinne erzielen. Gleichwohl bleibt dieses Szenario unsicher, denn eine weitere Abwertung des Dollar würde die Renditen entsprechend belasten.

Währungsabsicherungen sind in diesem Umfeld nicht immer sinnvoll. Sie können zwar kurzfristige Volatilität abfedern, doch auf längere Sicht mindern sie häufig die Rendite und sind zudem mit laufenden Kosten verbunden. Viele Experten empfehlen daher, bei langfristigen Aktieninvestments auf Währungsabsicherungen zu verzichten und die Diversifizierung über Länder und Währungen zu nutzen. Bei Anleihen kann ein gezieltes Hedging sinnvoll sein, um das Portfolio stabiler zu gestalten.

Gold – stabiler Anker in Zeiten von Dollarschwäche

Die jüngste Entwicklung des US-Dollars macht deutlich, dass Anleger ihr Portfolio nicht nur auf Aktien und Anleihen stützen sollten. Gold spielt in diesem Zusammenhang eine zunehmend wichtige Rolle. Die gelbe Edelmetallwährung gilt seit Jahrhunderten als sicherer Hafen in Zeiten wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheit. Steht der Dollar unter Druck, tendiert Gold dazu, an Wert zu gewinnen und ist damit eine natürliche Absicherung gegen Währungsrisiken.

Aktuell beobachten wir zudem, dass nicht nur private Anleger, sondern auch Zentralbanken weltweit ihre Goldreserven deutlich aufstocken. Länder wie China, Russland und andere Schwellenländer haben in den vergangenen Jahren ihre Bestände massiv erhöht. Ziel dieser Aufstockungen ist es, unabhängiger vom US-Dollar zu werden und die Risiken einer globalen Finanzwelt abzufedern, in der der Dollar bisher die dominante Reservewährung war.

Gold dient dabei nicht nur als Absicherung gegen Inflation oder Währungsabwertung, sondern auch als strategisches Mittel zur Diversifizierung der nationalen Reserven. Für europäische Anlegerinnen und Anleger bedeutet dies konkret: Gold kann als Teil eines global diversifizierten Portfolios helfen, das Risiko von Währungsschwankungen abzufedern und die Resilienz des Portfolios insgesamt zu erhöhen.

Wie geht es weiter?

Alles in allem ist der Abgesang auf den Dollar als Weltleitwährung verfrüht. Die USA bleiben die größte und produktivste Volkswirtschaft der Welt, ihr Kapitalmarkt ist liquide und ihre Unternehmen dominieren viele Schlüsselindustrien. Dennoch zeichnet sich ab, dass die einstige Selbstverständlichkeit einer Dollar-Stärke nicht mehr gilt. Für europäische Anleger bedeutet dies, dass sie ihre Erwartungen an die Rolle der US-Währung anpassen und den Dollaranteil in ihren Portfolios überdenken sollten. Wer die aktuelle Situation klug nutzt, kann sowohl Chancen wahrnehmen als auch Risiken reduzieren. Entscheidend ist, nicht in kurzfristige Spekulationen zu verfallen, sondern die Dollarschwäche als Anlass zu nehmen, das eigene Portfolio global breiter und robuster aufzustellen.

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Montag, 20. Oktober 2025

Geldanlagen im 3. Quartal 2025 - US-Zoll- und Geopolitik weiter globale Belastungsfaktoren

 Das 3. Quartal 2025 war gekennzeichnet von fortgesetzten Verwerfungen. Allen voran belastet die US-Zollpolitik, die im September global noch einmal verschärft wurde (u.a. Pharmaprodukte). Es kam zu Vereinbarungen zwischen den USA und der EU, die die Position der USA markant verbesserten und die EU ebenso wie Japan und Südkorea zu massiven Energiekäufen und Investitionen in den USA verpflichten.

Die US-Politik, mit Zoll- und Sanktionspolitik Willfährigkeit dritter Länder zu erzwingen (u.a. Indien), setzt sich daneben fort und teilt die Welt weiter zwischen dem westlichen Block und dem Globalen Süden. Die rückläufige Homogenität in der Weltwirtschaft verringert Potentialwachstumskräfte.

Belastungsfaktor für die Realwirtschaft und die Finanzmärkte

Die Geopolitik blieb und bleibt in der Gesamtheit ein Belastungsfaktor für die Realwirtschaft und die Finanzmärkte. Zum Ende des Quartals kamen Hoffnungswerte auf eine Befriedung des Gaza-Konflikts durch den US-Friedensplan auf. Dagegen nimmt der Konflikt des Westens mit dem Iran ob des Atomprogramms zu. Der Ukraine-Konflikt setzte sich im 3. Quartal fort. Es ergab sich ein verstärkter Schulterschluss zwischen den USA und der EU gegenüber Russland. Der Konflikt eskalierte verbal und waffentechnisch (voraussichtliche Tomahawk Lieferungen durch USA) im Quartalsverlauf. Eine geographische Ausweitung des Konflikts steht im Raum.

Als Konsequenz dieser Gemengelage konnte die nicht korrelierte Anlageklasse der Edelmetalle, allen voran Gold (Phalanx von historischen Höchstkursen), aber auch Silber (höchste Notierungen seit 2011) und Bitcoin an Boden gewinnen. Trotz dieser herausfordernden Rahmenbedingungen erhöhte der Internationale Währungsfonds (IWF) die globale Wachstumsprognose im World Economic Outlook per Juli 2025 von bisher 2,8 Prozent auf 3,0 Prozent für das laufende Jahr. Für die Industrieländer wurde die Prognose per 2025 um 0,1 Prozent auf 1,5 Prozent hochgesetzt, für den Globalen Süden lag die Revision bei +0,4 Prozent auf 4,1 Prozent.

Innerhalb der Industrienationen wurde die BIP-Prognose für die USA um 0,1 Prozent auf jetzt 1,9 Prozent erhöht. Für die Eurozone ging es um 0,2 Prozent auf 1,0 Prozent nach oben. Die deutsche BIP-Prognose erfuhr eine Anpassung um 0,1 Prozent auf jetzt 0,1 Prozent Wachstum per 2025. Unter den bedeutenden Ländern nimmt Deutschland bezüglich des Wachstums den letzten Rang ein.

Aktueller Einkaufsmanagerindices in Q3-2025 als Bewertungsmaßstab

Unter Zugrundelegung der aktuellen Einkaufsmanagerindices (Sentiment-Indikatoren, Frühindikatoren, Scheidewert zwischen Wachstum und Kontraktion 50 Punkte) als Bewertungsmaßstab ergibt sich in der westlichen Welt zum Ende des 3. Quartals 2025 ein positives Gesamtbild. Die USA führen im gesamtwirtschaftlichen Zuschnitt (Composite Index) bezüglich der westlichen Industrienationen oder Industrieregionen mit 53,6 Zählern vor der Eurozone mit 51,2 Zählern, Japan mit 51,1 Punkten und Großbritannien mit 51,0 Zählern. Unter den bedeutenden Wirtschaftsnationen der Welt rangiert Indien weiter auf dem 1. Rang mit 61,9 Punkten. Chinas Composite Index stellte sich auf 50,6 Zähler.

Die Inflationsentwicklungen lieferten im 3. Quartal 2025 weltweit ein heterogenes Bild. Im Quartalsvergleich sank der Ölpreis (Brent) unwesentlich von 66,59 USD auf 66,38 USD (Stichtag für alle Rohstoffe 29. September), nachdem zuvor am 30. Juli 2025 Höchstkurse bei 72,69 USD markiert wurden. Bei den Erdgaspreisen ergab sich in Europa ein Rückgang um gut 3 Prozent im Quartalsvergleich, in den USA ein Rückgang um rund 16 Prozent. Bei Industriemetallen dominierten steigende Preise. Kupferpreise legten im Quartalsvergleich auf EUR-Basis um knapp 5,9 Prozent zu. Bei Nickel lag das Plus auf EUR-Basis bei rund 1,5 Prozent. Bei Aluminium kam es auf EUR-Basis zu einem Anstieg in Höhe von circa 4,3 Prozent.

Verbraucherpreise in der EU stabil und in den USA angestiegen

In der Eurozone ergab sich bei den Verbraucherpreisen in der Phase von Juni bis August mit unverändert 2,0 Prozent keine Veränderung. Dagegen kam es in den USA in diesem Zeitraum zu einem Anstieg in Höhe von 2,7 Prozent auf 2,9 Prozent und in Großbritannien zu einer Zunahme von 3,6 Prozent auf 3,8 Prozent. Auch in Japan gaben die Verbraucherpreise in diesem Zeitfenster von 3,3 Prozent auf 2,7 Prozent nach.

Im 3. Quartal 2025 stellte sich bei den Verbraucherpreisen in China im Verlauf ausgehend von 0,1 Prozent im Juni ein Verfall auf -0,4 Prozent per August 2025 ein. In Indien, das grundsätzlich von höheren Inflationsraten geprägt war, sank der Anstieg der Verbraucherpreise seit Oktober 2024 von 6,21 Prozent auf 2,07 Prozent (August 2025).

Das 3. Quartal 2025 war bezüglich der Zentralbankpolitik gekennzeichnet von einer Zinssenkung in den USA und dem UK um jeweils um 0,25 Prozent auf 4,125 Prozent, respektive 4,00 Prozent.  Die Europäische Zentralbank (EZB) pausierte im 3. Quartal in ihrem Zinssenkungszyklus (Anlagezins 2,00 Prozent). Japans Notenbank verweigerte Zinserhöhungen (aktuell 0,50 Prozent). In China wurden die Zinssätze für die „Loan Prime Rates“ trotz des Deflationsbilds unverändert belassen (1-jährige Kredite 3,00 Prozent, 5-jährige Kredite 3,50 Prozent).

Fazit zum 3. Quartal 2025

Die Weltwirtschaft verliert wegen der geopolitischen Krisenherde und der disruptivem US-Zoll-als auch Standortpolitik, aber auch wegen mangelnder Reformbereitschaft in Frankreich und Deutschland Potentialwachstumskräfte, hält aber aktuell ein Wachstumstempo real um die 3 Prozent-Marke.

Die Konjunkturverläufe zwischen den Wirtschaftsräumen des Westens und des Globalen Südens blieben und bleiben pro Globalem Süden ausgerichtet. Die Anpassungen der IWF-Prognosen im Juli waren eindeutig.

Während sich der „Globale Süden“ untereinander weiter globalisiert und organisiert, Effizienzen erhöht und Wachstumspotentiale generiert, läuft der „Westen“, allen voran Europa, das Risiko durch Abgrenzungspolitik und zusätzlich durch die Akzeptanz des „US-Zolldiktats“ und Verweigerung überfälliger Reformen unterproportional zu wachsen.

Die erwarteten Inflationsimpulse durch die US-Zollpolitik sind bisher nicht eingetreten. Das grundsätzlich moderate Inflationsbild erlaubte der US-Notenbank den Beginn des Zinssenkungszyklus mit unterstützenden Folgen für die US-Wirtschaft und die US-Finanzmärkte.

Die Perspektive: Geopolitische Risiken höher, aber Wirtschaft zuversichtlich

Die von den USA ausgehenden geopolitischen und wirtschaftlichen Turbulenzen werden sich grundsätzlich auf die globale Wirtschaftsaktivität weiter belastend auswirken. Ein nachhaltiger Lastwechsel in Richtung verstärkten globalen Wachstums ist vor dem aktuell verfügbaren Nachrichten- und Datenhintergrund unwahrscheinlich, auch wenn sich die globale Wirtschaft resilient, erkennbar an harten Daten, und zuversichtlich, erkennbar an Sentiment-Indikatoren, zeigt.

Weitere von den USA ausgehende Turbulenzen sind im Rahmen der gewollten Disruption zur Neugestaltung des Welt-Organigramms zu Gunsten von US-Interessen latent möglich. Die Neuausrichtung der USA in der Ukraine-Krise, jetzt enger an der Seite der EU und der Ukraine, impliziert darüber hinaus eine militärische Eskalation mit dem Risiko einer geografischen Ausweitung des Konflikts. Die Möglichkeit, dass der Konflikt eine globale Dimension annimmt, steigt mit entsprechend belastenden Folgen für Real- und Finanzwirtschaft. Der Anstieg des Goldpreises mit neuen historischen Höchstmarken im September diskontierte dieses Risikoszenario.

Eine aktuell möglich erscheinende Friedenslösung im Gaza-Konflikt kann im 4. Quartal 2025 ein Aufheller der Stimmung sein

Im 4. Quartal 2025 werden das derzeitig milde globale Inflationsszenario und das daraus resultierende Potential für Zinssenkungen entlastend wirken, allen voran in den USA, aber auch in Fernost, wo es partiell zu Deflationsszenarien (u.a. China, Thailand) kommt.

Die US-Politik unter Präsident Trump zeigte und zeigt in der US-Wirtschaft Wirkung. Durch die Reformen, die das Leistungspotential der Ökonomie erhöhen, wirken sich die US-Disruptionen zu Gunsten der US-Wirtschaft aus. Allein die zugesagten Investitionen der EU, Japans und Südkoreas belaufen sich auf mehr als 1,5 Billionen USD. Sie werden ihre Wirkung, sofern es dazu kommt (Rechts- und Potentialfragen), entfalten. Die US-Wirtschaft ist und bleibt der Profiteur der „US-Wirtschaftskriege“.

Das US-Wachstum per 2. Quartal 2025 wurde unerwartet im Verlauf von 3,0 Prozent (Erstschätzung) final auf 3,8 Prozent (annualisiert) revidiert. Die Industrieproduktion stieg die letzten drei Monate im Jahresvergleich um die Marke von 1 Prozent. Die Einzelhandelsumsätze verzeichneten in den letzten drei Monaten im Jahresvergleich Zuwachsraten von 4,09 Prozent - 5,00 Prozent. Die lange Zeit in Rezession befindliche US-Immobilienwirtschaft zeigt mit der Zinssenkung erste Anzeichen einer Erholung. So lieferten der Index anhängiger Hauskäufe (Top seit 05/2025), der MBA Hypothekenmarktindex (Top seit 04/2022) und der Absatz neuer Wohnimmobilien (Top seit 01/2022) allesamt positive Entwicklungen.

Trumps massive Erfolge, Investitionen in die USA zu leiten (mehr als 5 Billionen USD), spielen auf kurze Sicht eine untergeordnete Rolle, sie haben mittel- und langfristig positiven Charakter. Unterschwellig unterstützend wirken in den USA die Themen Energieversorgungssicherheit und insbesondere im Vergleich zu Europa günstige Energiepreise. Die USA werden auch im 3. Quartal 2025 der „Outperformer“ unter den westlichen Nationen sein. Verwerfungen durch einen aktuell möglichen Shutdown wären temporärer Natur, wie vergangene Shutdowns belegen, und würden im Zeitverlauf aufgeholt.

Frankreich entwickelt sich zum Problemfall für die EU

Die beiden Schwergewichte der EU, Deutschland und Frankreich, waren mangels umfassender Reformpolitik im 3. Quartal 2025 Belastungsfaktoren in der Eurozone. In Frankreich spitzt sich die Lage zu. Das Thema Unregierbarkeit steht im Raum und damit eine Fortsetzung der verfehlten Politikansätze. Die deutsche Regierung bewegt sich zwischen Wortbrüchen und Reformankündigungen, ohne bisher belastbare Inhalte zu produzieren, und hat laut Meinungsumfragen das Vertrauen der Bevölkerung, aber auch großer Teile der Wirtschaft verloren. Die ehemaligen Problemländer, allen voran Spanien und Griechenland, sind dank der Reformen die Stabilisatoren der Eurozone.

Ihre Kraft und ihr Einfluss reichen jedoch nicht aus, um das Blatt der Eurozone zum Guten zu wenden. Das Risiko, dass Deutschland und Frankreich die EU und Eurozone im relativen Vergleich zu anderen Wirtschaftsräumen im 4. Quartal 2025 weiter nach unten ziehen, nimmt zu. Fehlende Konkurrenzfähigkeit der beiden Kernländer bei den Rahmendaten wird durch die US-Reform- und Zollpolitik, jüngst aber auch durch das UK durch Hinwendung zur Atomkraft und starke US-Investitionen in Zukunftsindustrien, weiter zunehmen. Kontinentaleuropa (ex Schweiz) wird Verlierer innerhalb des Westens bleiben. Zudem ist Kontinentaleuropa bei Ausweitung des Ukraine-Konflikts potentielles „Theatre of war“.

Indien liefert derzeit in Asien die stärksten Datensätze. Inwieweit das aggressive US-Zollregime gegen Indien diese Performance stören kann, ist offen. Frühindikatoren reagierten bisher nicht oder kaum. Die wirtschaftsfreundliche Grundausrichtung der Regierung Chinas stabilisiert den regionalen Ausblick im Hinblick auf die exogenen Herausforderungen. Weitere Zinssenkungen zur stärkeren Stimulanz sind im Hinblick auf den hohen positiven Realzins jederzeit möglich. Die Daten Chinas sollten vor diesem Hintergrund weiter von Stabilität mit positivem Grundton geprägt sein.

Die in die Zukunft gerichteten Wirtschaftsdaten deuten in Richtung einer zunehmenden Dynamik der Weltkonjunktur

Der von JP Morgan für die Weltwirtschaft ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft (Global Composite PMI) signalisierte per August 2025 mit 52,9 Punkten den höchsten Indexwert seit 14 Monaten, solides Wachstum implizierend. Der Dienstleistungssektor trug dazu wesentlich bei.

Der Einkaufsmanagerindices (PMIs) signalisiert in dem Sektor des Verarbeitenden Gewerbes für die USA mit 52,0 Punkten (S&P Index) Expansion. Dagegen implizieren die PMIs für die Eurozone mit 49,5 Punkten (Deutschland 48,5), für Japan mit 48,4 Zählern und das UK mit 46,2 Zählern Kontraktion.

Die aktuell verfügbaren Werte der Länder des Globalen Südens für diesen Sektor belegen für  Indien mit 57,5 Zählern starke Expansion (Industrieproduktion +4,0 Prozent), dagegen für China mit 49,8 Punkten (Industrieproduktion +5,2 Prozent), für Russland  mit 48,7 Zählern (Industrieproduktion +0,5 Prozent)  und für Brasilien mit 47,7 Punkten (Industrieproduktion +0,2 Prozent) Kontraktion.

Der Dienstleistungssektor bewegte sich im 3. Quartal 2025 laut Einkaufsmanagerindices in einer Gesamtbetrachtung im erhöhten Wachstumsmodus und sorgte für die gute Performance der Einkaufsmanagerindices bezüglich der Gesamtwirtschaft (Composite Indices).

Einkaufsmanagerindices des Dienstleistungssektors im Vergleich

Der Dienstleistungssektor ist der bedeutendste Sektor der Gesamtwirtschaft mit einem Anteil zwischen 60Prozent-70Prozent der Gesamtwirtschaft. Dieser Sektor war im 3. Quartal 2025 der entscheidende Katalysator des Wachstums. Das wird sich im 4. Quartal 2025 fortsetzen. Die vollzogenen Zinssenkungen als auch die Erwartung weiterer Zinssenkungen liefern für die Verstetigung der Wirtschaftsaktivität grundsätzlich Unterstützung. Neben den damit einhergehenden reduzierten Finanzierungskosten am Geldmarkt (bis zu 12 Monaten) ergibt sich eine psychologische Unterstützung für die Wirtschaftsakteure durch die Zinssenkungen.

Fed mit erster Leitzinssenkung in diesem Jahr

Die im 3. Quartal 2025 verfügte Leitzinssenkung seitens der Federal Reserve (0,25 Prozent) hatte leichte Traktion am Rentenmarkt, dagegen verpuffte die Leitzinssenkung der Bank of England (0,25Prozent). Damit stand der Entlastung am Geldmarkt, die wichtig für die Finanzierung des Umlaufvermögens ist, eine überschaubare Entlastung am US-Kapitalmarkt und keine Entlastung am britischen Rentenmarkt gegenüber (Investitionen). Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe stieg im Quartalsvergleich von 2,60 Prozent auf aktuell 2,72 Prozent und die 10-jährige britische Staatsanleihe von 4,48 Prozent auf 4,70 Prozent. Anders war das in den USA. Dort kam es im 3. Quartal 2025 zu einem Rückgang von 4,21 Prozent auf 4,15 Prozent.

Der Industrierohstoffsektor hatte auf die Weltwirtschaft und die Weltfinanzmärkte keine belastenden Auswirkungen. Ölpreise waren wenig verändert, Gaspreise rückläufig und Industriemetallpreise leicht ansteigend. Dagegen ergaben sich im Sektor Agrarrohstoffe bei Weizen (+21,9 Prozent), Kaffee (+21,3 Prozent), Orangensaft (+8,8 Prozent) und Zucker (+3,5 Prozent) Preisanstiege. Kakao (-25,2 Prozent) war dagegen deutlich günstiger. Die maßgeblichen Inflationstreiber waren im 3. Quartal 2025 die Lebensmittelpreise.

Die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft hängt an der internationalen Politik (Zoll- und Geopolitik), aber auch an den Notenbanken bezüglich der Zinspolitik. Entspannung bei diesen Themen eröffnet der Weltwirtschaft und den Finanzmärkten positives Potential. Die Spreizung bezüglich der potentiellen Konjunkturentwicklungen zwischen den Industrienationen und den Schwellenländern setzt sich fort. Die Spreizung der Konjunkturentwicklungen innerhalb der Eurozone zu Lasten Deutschlands wird ohne massive Umsteuerung in Berlin nicht abnehmen. Frankreich ist gefordert, erscheint aber politisch gelähmt. Die Vorzeichen für die Eurozone und die EU sind kritisch.

Der Finanzmarkt und die Wirtschaft - Nachhaltige Reaktionen am Rentenmarkt

An den Finanzmärkten ergaben sich im Sommerquartal 2025 teilweise starke Neubewertungen. Die stabile bis leicht freundliche globale Konjunkturlage war neben den Zinssenkungen der Federal Reserve System (Fed) und der Bank of England wesentlich verantwortlich für die überwiegend freundliche Performance der Aktienmärkte, insbesondere in den USA und in Fernost ex Indien. Die geowirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen und/oder Eskalationen stellten im 3. Quartal 2025 nur kurzfristige Belastungen für die Aktienmärkte dar.

Am Rentenmarkt waren die Reaktionen ob des Risikoclusters nachhaltiger. Hier ergaben sich ex USA überschaubare Renditeanstiege. Bezüglich der prekären politischen als auch haushaltstechnischen Lage Frankreichs, aber auch des UK erschienen die Renditestände trotz des überschaubaren Renditeanstiegs in Europa zunächst widerstandsfähig zu sein. Bemerkenswert waren die Bewertungen der nicht korrelierten Anlageklassen Gold, Silber und Bitcoin. Sie legten markant zu. Erkennbar ist, dass Sachwerte oder nicht korrelierte Anlagen (Aktien, Gold, Silber, Bitcoin) im 3. Quartal 2025 gefragt waren. Versicherungen waren „en vogue“.

Aktienmärkte: Aktienmärkte legten überwiegend zu im Quartalsverlauf Q3-2025

Das Sommerquartal war an den Aktienmärkten weit überwiegend von einer positiven Grundtendenz geprägt. Der MSCI World Index konnte im Quartalsvergleich um 6,96 Prozent zulegen. Europas Märkte zogen den MSCI-Index nach unten. Der DAX verlor 0,12 Prozent und der Eurostoxx 50 Index legte mit 4,40 Prozent im Vergleich zum MSCI World unterproportional zu. US-Märkte performten oberhalb des Anstiegs des MSCI World Index um die 8 Prozent oszillierend. Treiber des Anstiegs waren die Märkte in Fernost ex Indien, insbesondere der Aktienmarkt Chinas (+17,9 Prozent), aber auch der Hangseng Index (+11.56 Prozent) und der NIKKEI 225 Index (+10,98 Prozent). Indiens Markt ist weiter in einem Korrekturmodus (-4,00 Prozent).

Im 3. Quartal 2025 wirkten unterschiedliche Katalysatoren auf die Aktienmärkte. Grundsätzlich unterstützte eine Hinwendung der Marktakteure zu Sachwerten, zu denen Aktien gehören. Die stabile bis freundliche Konjunkturlage lieferte keinen Gegenwind. Ebenso generierten Unternehmensdaten keine nachhaltigen negativen Überraschungen. Befürchtungen starker Inflationsimpulse durch die US-Zollpolitik bestätigten sich im Quartalsverlauf zunächst nicht. Der Beginn des Zinssenkungszyklus in den USA wirkte insbesondere auf US-Märkte unterstützend. So markierten der S&P 500 und der US Tech 100 im letzten Drittel des Septembers 2025 neue historische Höchstmarken. Die Entscheidung der US-Regierung, sich an Unternehmen zu beteiligen, wirkte sich unterstützend auf individuelle Werte und auf den Gesamtmarkt aus (u.a. Intel).

Die US-Zoll- und Sanktionspolitik ist bisher erfolgreich

Die USA setzten sich gegenüber der EU, Japan und Südkorea mit einem „Diktat“ durch. Die Bedingungen für US-Exporte haben sich drastisch verbessert, während die Exportchancen der betroffenen Länder markant reduziert sind. Die Zusagen massiver Energiekäufe in den USA und Investitionen der drei genannten Länder in den USA implizieren darüber hinaus für die gesamte US-Wirtschaft perspektivisch einen höheren Potenzialwachstumspfad. Die Revisionen des US BIP im 2.Quartal 2025 von 3,0 Prozent auf 3,8 Prozent belegen die Stärke der US-Wirtschaft gegenüber anderen Industrienationen. Laut GDP Now der Federal Reserve Atlanta liegt der aktuelle Prognosewert für das 3. Quartal 2025 bei 3,9 Prozent.

Die unterproportionale Performance der europäischen Aktienmärkte erklärt sich über die verschlechterten Terms of Trade in Kontinentaleuropa im internationalen Vergleich. Dazu gehört auch eine nachteilige Aufstellung im Energiesektor bezüglich der Energiepreise und der nachhaltigen Versorgungssicherheit. Die Stärke der Reformländer kann nicht die Schwäche der Kernländer ausgleichen. Ausbleibende Reformen und politische Unsicherheiten in Frankreich und Deutschland reduzierten die Attraktivität der hiesigen Aktienmärkte. Zudem belastet das Risiko, dass bei fortgesetzter Eskalation im Ukrainekrieg Kontinentaleuropa zum „Theatre of War“ mutieren kann.

Die Aktienmärkte in Fernost waren ex Indien die erfolgreichsten Märkte. Die Bereitschaft der Marktteilnehmer, sich in China und Hongkong stärker zu engagieren, korreliert mit der Erkenntnis, dass China sich bisher relativ erfolgreich gegen das US-Zolldiktat wehren konnte und die Wirtschaft von den US-Zöllen und US-Sanktionen nur überschaubar betroffen war. Der Nikkei-Index profitierte zuletzt von einer entspannteren Inflationssituation in Japan und stabiler Performance der Wirtschaft. Indiens Aktienmarkt war der Verlierer. Die US-Zölle und die US-Drohkulisse gegen Indien wegen der etablierten Geschäftsbeziehung zu Russland wirken belastend. Für das Herbstquartal liegt der Fokus der Märkte auf Geopolitik, auf Entwicklungen in der US-Zoll- und Sanktionspolitik, Unternehmensdaten als auch der US-Zinspolitik.

Rentenmärkte: US-Märkte genießen mehr Vertrauen im Quartalsverlauf Q3-2025

Die Rentenmärkte der USA und Europas zeigten sich im Verlauf des 3. Quartals 2025 in unterschiedlicher Verfassung. Während in den USA im Quartalsvergleich ein zarter Renditerückgang verzeichnet wurde, kam es in Europa, Japan und China zu leichten Renditeanstiegen. In den USA bildeten sich die Renditen seit Mitte Juli ausgehend von 4,50 Prozent zurück. Dagegen ergab sich in Europa auf den erhöhten Niveaus eine Seitwärtsbewegung oder sogar Renditeanstiege in diesem Zeitraum (Frankreich). Diese korreliert mit den Problemen Frankreichs, aber auch mit dem Reformmangel der Kernländer. Der hohe positive Realzins (siehe Grafik) von 2,74 Prozent ist Ausdruck der französischen Krisenlage.

Ergo genießen die US-Märkte höheres Vertrauen an den internationalen Kapitalmärkten. Unterstützend wirkte die Einleitung des US-Zinssenkungszyklus. Die Zinssenkung der Bank of England hatte ähnlich wie zuletzt bei den EZB-Zinssenkungen keine entlastende Wirkung auf die Kapitalmarktrenditen. Mit den verbesserten Rahmendaten in den USA und den sich verschlechternden Rahmendaten für Europa sollte sich das Vertrauen in die US-Kapitalmärkte auch hinsichtlich des im Vergleich attraktiven US-Realzinses fortsetzen.

Devisenmärkte: Eurostärke bemerkenswert, Gold und Silber stehlen die Show im Q3-2025

Der Euro konnte im 3. Quartal 2025 weitgehend die vorherige Stärke, insbesondere gegenüber dem USD und CHF, verteidigen und sogar gegenüber dem JPY und GBP leicht ausbauen. Hinsichtlich der unterproportionalen Performance der europäischen Aktien- und Rentenmärkte gegenüber den USA als auch der Tatsache, dass Produktionskapazitäten aus der Eurozone in die USA verlagert werden, stellt sich die Frage, welche Kapitalströme zu dieser Euro-Performance führen. Das gilt umso mehr, als dass sich die geowirtschaftlichen Bedingungen durch die US-Zollpolitik für die Eurozone markant verschlechterten und die Leistungsertüchtigung der USA bezüglich der Wachstumsdaten unerwartet und bemerkenswert war und ist.

Die Resilienz des Euros ist im Vergleich zu Gold, Silber und Bitcoin unwesentlich. Der Zerfall des globalen Organigramms und die US-Abkehr vom rechtsbasierten System erhöhte markant die Attraktivität nicht korrelierter Anlageklassen, allen voran von Gold („Währung ohne Fehl und Tadel“) als auch des Silbers („das Gold des kleinen Mannes“).

Fazit für die Devisenmärkte im dritten Quartal 2025

Die Stärke und Resilienz des Euros stach im 3. Quartal 2025 hervor und verdient sich den Begriff „bemerkenswert“. Belastende Daten und Fakten perlten ohne Wirkung ab. Die Performance von Gold und Silber als auch Bitcoin belegten die Nachfrage nach nicht korrelierten Anlagen mit Versicherungscharakter.

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Externe Quellen:

  • Netfonds AG

Geldanlagen im dritten Quartal 2025 als ePaper lesen

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Freitag, 12. September 2025

Asien-Pazifik rückt in den Fokus: Chancen in herausfordernden Zeiten

 Während die Aktienmärkte in den USA und Europa in den letzten Jahren glänzten, hinkten die Schwellenländer Asiens häufig hinterher. Doch das Blatt wendet sich langsam: Seit Jahresbeginn haben viele asiatische Börsen aufgeholt. Für Anleger, die ihr Portfolio breiter aufstellen möchten, lohnt sich daher ein genauer Blick auf die führenden Volkswirtschaften der Region.

Die Weltwirtschaft befindet sich in einem Umbruch

Lange Zeit waren die großen Industrieländer, allen voran die USA, der zentrale Motor für Wachstum und Innovation. Doch die Gewichte verschieben sich. Immer stärker rückt Asien und der Pazifik in den Vordergrund. Die Region verfügt nicht nur über enorme Ressourcen, sondern auch über eine junge, wachsende Bevölkerung, die zunehmend in die globale Mittelschicht aufsteigt. Diese demografische Dynamik, kombiniert mit technologischem Fortschritt und politischen Reformen, eröffnet Anlegerinnen und Anlegern attraktive Perspektiven.

Wachstum des Bruttoinlandsprodukts nach Ländergruppen bis 2027

China: Von der Werkbank zur Hightech-Nation

China ist nach wie vor das Schwergewicht in Asien. Mit einem Anteil von über einem Viertel am weltweiten Schwellenländer-Index spielt die Volksrepublik eine zentrale Rolle für internationale Investoren. Doch die chinesische Wirtschaft befindet sich in einer Transformation. Lange Zeit galt China als „Werkbank der Welt“: Günstige Arbeitskräfte, starke Exportorientierung und ein boomender Immobilienmarkt waren die Haupttreiber des Wachstums. Dieses Modell stößt jedoch an Grenzen. Heute verfolgt die Regierung eine andere Strategie: weniger Abhängigkeit vom Immobiliensektor und den volatilen Exporten, stattdessen mehr Gewicht auf Binnenkonsum und Hochtechnologie.

Besonders sichtbar wird dieser Wandel im Technologiesektor. China hat in den vergangenen zehn Jahren massiv in künstliche Intelligenz, Halbleiterproduktion und Elektromobilität investiert. Unternehmen wie das KI-Start-up „DeepSeek“ haben international für Aufsehen gesorgt. Auch im Bereich E-Mobilität oder moderner Batterien hat China beeindruckende Fortschritte erzielt.

Gleichzeitig bleibt der Binnenmarkt ein stabiles Fundament. Mit mehr als einer Milliarde Konsumenten, die zunehmend wohlhabender werden, entsteht eine robuste Nachfrage nach Konsumgütern. Das macht viele chinesische Unternehmen weniger anfällig für Handelskonflikte. Zwar sorgen geopolitische Spannungen, insbesondere im Verhältnis zu den USA, immer wieder für Volatilität. Doch erste Annäherungen, etwa gegenseitige Zollreduzierungen auf Elektronik und Halbleiter, deuten auf Entspannung hin. Insgesamt zeigt der chinesische Aktienmarkt seit Ende 2024 wieder deutliche Erholungstendenzen. Für langfristig orientierte Anleger bietet dies Chancen.

Indien: Der Wachstumsmotor Asiens

Indien gilt schon seit einigen Jahren als die dynamischste große Volkswirtschaft der Welt und die jüngsten Zahlen bestätigen diesen Ruf. Mit einem erwarteten Wachstum von rund 6,5 Prozent liegt das Land klar vor den meisten Industrieländern. Ein wesentlicher Treiber ist die junge, konsumfreudige Bevölkerung. Schon heute zählt Indien mehr als 1,4 Milliarden Menschen und jedes Jahr wächst die Mittelschicht um Millionen. Diese Gruppe sorgt für eine stetig steigende Nachfrage.

Besonders stark ist Indien im Bereich IT-Services und Software. Viele international tätige Unternehmen lassen ihre Dienstleistungen in Indien erbringen und einheimische Konzerne expandieren zunehmend auch ins Ausland. Damit ist Indien ein zentraler Akteur in der globalen Digitalwirtschaft. Auch die Börse spiegelt diese Dynamik wider: Der indische Leitindex Nifty50 hat sich seit 2020 nahezu verdoppelt. Das zeigt, dass Investoren das Potenzial Indiens klar erkannt haben. Zwar sind die Bewertungen inzwischen gestiegen, doch im Vergleich zu den langfristigen Wachstumsaussichten erscheinen sie weiterhin attraktiv.

Ein zusätzlicher Vorteil: Indische Unternehmen sind in hohem Maße auf ihre Binnenwirtschaft ausgerichtet. Anders als exportabhängige Volkswirtschaften wie Taiwan oder Südkorea sind sie weniger anfällig für globale Handelsstreitigkeiten. Das macht den Markt stabiler auch in Zeiten geopolitischer Unsicherheit.

Japan: Hightech, Stabilität und eine neue Anlegerkultur

Japan unterscheidet sich deutlich von China und Indien: Es handelt sich nicht um ein Schwellenland, sondern um die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Dennoch gewinnt Japan für Anleger erneut an Bedeutung. Das Land ist führend in Hightech-Bereichen wie Robotik, Automatisierung und Halbleiterproduktion. Gerade in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz und Digitalisierung die Weltwirtschaft prägen, profitieren japanische Unternehmen von ihrer technologischen Stärke.

Zudem erlebt die japanische Börse eine Renaissance. Einerseits macht der schwache Yen Exporte wettbewerbsfähiger, was die Gewinne vieler Unternehmen steigert. Andererseits haben zahlreiche Konzerne begonnen, ihre Unternehmensführung stärker auf die Interessen der Aktionäre auszurichten. Dazu zählen Dividendenerhöhungen, Aktienrückkäufe und mehr Transparenz. Maßnahmen, die Japan lange Zeit zurückgehalten haben, die Attraktivität für Investoren nun aber deutlich erhöhen.

Japan bietet damit eine Mischung aus Stabilität, Innovationskraft und einer sich verbessernden Aktienkultur. Für Anleger, die ihr Portfolio diversifizieren möchten, ist es eine interessante Ergänzung zu den wachstumsstarken, aber volatileren Schwellenländern Asiens.

Gemeinsame Trends und Chancen in Asien

Betrachtet man die Region als Ganzes, wird deutlich, dass Asien von mehreren übergreifenden Entwicklungen profitiert. Millionen junger Menschen rücken in die Mittelschicht auf und treiben die Konsumnachfrage, während gleichzeitig technologische Innovationen, wie KI, Halbleiter und Elektromobilität, die Wirtschaft vorantreiben. Zudem wächst der Binnenhandel innerhalb der Region, wodurch viele Volkswirtschaften weniger stark von westlichen Märkten abhängig sind.

Ein schwächerer US-Dollar wirkt unterstützend, da er die Finanzierungskosten asiatischer Unternehmen senkt und Kapitalzuflüsse begünstigt. Hinzu kommt, dass die Bewertungen vieler Aktien im Vergleich zu westlichen Märkten nach wie vor attraktiv sind. Neben den großen Playern China, Indien und Japan gibt es auch in anderen asiatischen Ländern spannende Entwicklungen.

Südkorea und Taiwan profitieren stark vom Halbleiter-Boom, während Indonesien und Vietnam zunehmend als Produktionsstandorte für Konsum- und Industrieprodukte an Bedeutung gewinnen. Auch kleinere Märkte wie die Philippinen oder Malaysia weisen dynamisches Wachstum auf, das Anlegern interessante Ergänzungen in einem breit aufgestellten Portfolio bieten kann.

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Mittwoch, 3. September 2025

US-Schulden: Nur ein Sturm im Wasserglas oder die Ruhe vor dem Sturm?

Die USA stehen erneut im Rampenlicht der Finanzwelt und diesmal geht es um mehr als nur politische Schlagzeilen. Das gigantische Steuer- und Ausgabenpaket namens „One Big Beautiful Bill Act“, maßgeblich vorangetrieben von Präsident Donald Trump, sorgt für einen starken Anstieg der US-Staatsschulden. In den nächsten zehn Jahren könnte der Schuldenstand damit um mehrere Billionen US-Dollar wachsen. Bereits heute liegt die Schuldenquote bei über 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – Tendenz steigend. Doch wie ernst ist die Lage wirklich? Und was bedeutet sie für Kapitalanleger?

Bereits heute verschlingt der Schuldendienst rund ein Fünftel der gesamten Steuereinnahmen des US-Staats

Damit rückt eine Frage wieder in den Mittelpunkt der Debatte: Wie tragfähig sind die US-Staatsschulden noch? Zwar sind die Vereinigten Staaten mit ihrer weltweit führenden Wirtschaftskraft, dem tiefen Anleihemarkt und der Rolle des US-Dollars als globale Leitwährung in einer Sonderposition. Dennoch wächst unter Experten die Sorge, dass der bisherige Vertrauensvorschuss bröckeln könnte. Denn die durchschnittliche Restlaufzeit amerikanischer Schulden beträgt nur 5,8 Jahre. Das bedeutet: Steigende Zinsen wirken sich rasch auf den Bundeshaushalt aus und erhöhen die Zinslast.

Staatsverschuldung der USA in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2030

Im Hintergrund dieser Entwicklungen steht eine größere finanzpolitische Debatte: Ist eine dauerhaft expansive Haushaltsführung mit hohen Defiziten tragbar oder droht eine Dynamik, die nicht mehr zu kontrollieren ist? Wissenschaftliche Modelle gehen davon aus, dass die Vereinigten Staaten unter günstigen Bedingungen noch etwa 20 Jahre Zeit hätten, um ihre Haushaltspolitik zu korrigieren. Doch je länger mit konkreten Maßnahmen gewartet wird, desto kleiner wird der Spielraum. Ein plötzlicher Vertrauensverlust könnte dazu führen, dass Investoren ihr Kapital möglicherweise aus den USA abziehen und in stabilere Währungsräume wie Japan, die Schweiz oder Deutschland umschichten.

In der Folge könnte der US-Dollar unter Druck geraten, US-Anleihen würden an Attraktivität verlieren und die Zinsen könnten stark steigen, was wiederum die Schuldentragfähigkeit weiter schwächt. US-Aktienmärkte, insbesondere Finanzwerte, gelten in diesem Fall als besonders anfällig. Gleichzeitig würden sichere Häfen wie Gold profitieren. Tatsächlich haben viele Zentralbanken in den vergangenen Jahren ihre Goldreserven erhöht, was als Absicherung gegen mögliche Vertrauensverluste in den Dollar gedeutet wird.

Diese Szenarien klingen erstmal alarmierend

Dennoch sprechen viele Argumente dafür, dass eine unkontrollierte Schuldeneskalation auf absehbare Zeit unwahrscheinlich ist: Die USA sind mit Abstand der größte und liquideste Anleihemarkt der Welt und der US-Dollar ist die globale Leitwährung. Diese Sonderrolle sorgt dafür, dass Investoren weiterhin amerikanische Staatsanleihen nachfragen. Trotz steigender Schulden und trotz politischer Unsicherheiten. Zehnjährige US-Anleihen notieren derzeit bei stabilen Renditen um 4,35 Prozent. Von einem Vertrauensverlust oder gar Panik ist am Markt aktuell nichts zu spüren. Und das aus gutem Grund: Die wirtschaftliche Schlagkraft der USA, ihre Innovationskraft und die institutionelle Stärke des Landes sorgen weiterhin für eine hohe Kreditwürdigkeit.

Zudem existiert kein „kritischer Schwellenwert“, ab dem eine Schuldenquote automatisch in eine Krise mündet. Vielmehr entscheidet das Zusammenspiel verschiedener Faktoren darüber, wie tragfähig Schulden sind. Dazu zählen das Wirtschaftswachstum, Zinsniveau, politische Stabilität und internationale Verflechtungen. Solange Anleger davon überzeugt sind, dass die USA ihren Verpflichtungen langfristig nachkommen können, bleibt auch die Finanzierung gesichert.

Ein weiterer wichtiger Stabilitätsanker ist die US-Notenbank Federal Reserve

Im Fall einer echten Vertrauenskrise könnte die Federal Reserve System (Fed), wie bereits in der Finanzkrise 2008 oder in der Pandemie 2020, erneut als Käufer von Staatsanleihen auftreten. Ihre Fähigkeit Liquidität bereitzustellen, hat sich in der Vergangenheit mehrfach als wirksam erwiesen, um Marktpanik zu stoppen und die Finanzierungskosten des Staates zu senken. Zwar hätte ein solches Eingreifen auch Nebenwirkungen, wie etwa höhere Inflation oder einen schwächeren Dollar, doch als kurzfristige Notmaßnahme ist es ein wirkungsvolles Instrument.

Auch aus der Perspektive der globalen Finanzarchitektur spricht vieles gegen eine Eskalation. Die USA sind so eng mit dem internationalen Finanzsystem verflochten, dass ein Zahlungsausfall nicht nur die Vereinigten Staaten treffen würde, sondern weltweite Schockwellen auslösen könnte. Institutionelle Investoren, Ratingagenturen und andere Staaten haben daher ein ureigenes Interesse daran, die Stabilität der US-Finanzen aufrechtzuerhalten. Das macht die USA „too big to fail“.

Nicht zuletzt zeigen auch historische Erfahrungen, dass Schuldenstände nicht zwangsläufig zu einer Krise führen müssen. Nach der Finanz- und Schuldenkrise 2008 sowie nach der Pandemie stieg die Schuldenquote stark an und sank anschließend wieder, ohne dass es zu einem wirtschaftlichen Schock kam. Entscheidend ist, dass das Wirtschaftswachstum höher bleibt als die langfristigen Finanzierungskosten. Damit ist auch ein hoher Schuldenstand dauerhaft tragbar.

Das bedeutet nicht, dass alles im Lot ist

Die strukturelle Neuverschuldung bleibt hoch, politische Reformen sind dringend nötig und die Fed muss ihre Rolle sorgfältig austarieren. Doch unter dem Strich sprechen viele Faktoren dafür, dass die USA, mit ihrem stabilen Finanzsystem und zahlreichen Sicherungsmechanismen, auch weiterhin als verlässlicher Schuldner gelten.

Für Geldanleger ist daher Gelassenheit empfehlenswert. Eine bewusste Streuung der Kapitalanlagen, eine ausgewogene Mischung aus Aktien, Anleihen und Sachwerten sowie ein langfristiger Anlagehorizont bleiben die besten Mittel, um sich gegen mögliche Marktverwerfungen zu schützen. Wer gut diversifiziert ist, kann auch in einem Umfeld wachsender US-Staatsschulden ruhig schlafen.

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Dienstag, 29. Juli 2025

Dividenden & Value-Strategie als Stabilitätsanker in einem schwierigen Marktumfeld

 Wenn die Börse mal wieder Achterbahn fährt, sehnen sich nicht wenige Anleger nach einem stabilen Haltegriff, an dem man sich in stürmischen Zeiten sicher festhalten kann. Einen solchen Halt gibt es tatsächlich auch im Aktienbereich: Dividendenfonds bzw. Dividendenaktien. Diese bieten regelmäßige Ausschüttungen, die auch in volatilen Märkten für laufende Erträge sorgen und Kursschwankungen durch Dividendenzahlungen abschwächen können. Dazu passt auch, dass gerade sogenannte „Value“-Aktien sich in 2025 anschicken, die Wachstumstitel zu übertreffen.

Die globalen Finanzmärkte haben seit dem Jahr 2007 erhebliche Turbulenzen durchlebt

Beginnend mit der Finanzkrise 2008/2009 über die Euro-, Corona- und Ukrainekrise bis hin zu den jüngsten geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten. Trotz dieser wiederkehrenden Marktvolatilität und makroökonomischen Herausforderungen haben sich Dividendenzahlungen als bemerkenswert widerstandsfähig und verlässlich erwiesen.

Die weltweite Gesamtsumme der ausgeschütteten Dividenden hat sich in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten sogar mehr als verdoppelt. Diese kontinuierliche Steigerung spiegelt nicht nur das Wachstum der Unternehmensgewinne wider, sondern auch die zunehmende Bereitschaft von Unternehmen, ihre Aktionäre durch regelmäßige Ausschüttungen am Erfolg teilhaben zu lassen.

Auch die Aussichten für die kommenden Jahre bleiben positiv

Marktexperten und Analysten prognostizieren weitere Zuwächse bei den Dividendenzahlungen. Diese optimistische Einschätzung basiert auf der erwarteten Erholung der Unternehmensgewinne, der verbesserten Bilanzqualität vieler Konzerne sowie deren strategischem Fokus auf nachhaltige Ausschüttungspolitik. Anleger sind also gut beraten, wenn sie Dividendenaktien in ihren Depots nicht vernachlässigen.

Die Top 5 Dividendenzahler im DAX sind Mercedes-Benz, die Allianz, Volkswagen, die Deutsche Telekom und BMW

Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen zudem, dass Dividendenausschüttungen über längere Zeiträume einen erheblichen Anteil der Gesamtrendite von Aktieninvestments ausmachen können. Ein eindrucksvolles Beispiel für die Macht der Dividenden lieferte Warren Buffett, einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten. Das "Orakel von Omaha" hat über Jahrzehnte bewiesen, dass Dividenden weit mehr sind als nur ein netter Bonus. Seine Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway erhält mittlerweile jährlich mehrere Milliarden Dollar an Dividendenausschüttungen von den Unternehmen, in die sie investiert hat. Dividendenfonds greifen Buffetts bewährten Ansatz auf und machen ihn für Privatanleger zugänglich. Diese Fonds investieren gezielt in Unternehmen, die regelmäßig und möglichst steigende Dividenden zahlen.

Fondsmanager betrachten nicht die Rendite, sondern auch Qualitätskriterien

Bei der Auswahl geeigneter Dividendentitel achten professionelle Fondsmanager aber nicht nur auf die Dividendenrendite, sondern auf verschiedene Qualitätskriterien: Die finanzielle Stabilität steht dabei an erster Stelle, denn nur Unternehmen mit soliden Bilanzen und nachhaltigen Geschäftsmodellen können langfristig verlässliche Dividenden zahlen. Besonders wertvoll sind Unternehmen mit einer eindrucksvollen Dividendenhistorie, die ihre Ausschüttungen über viele Jahre kontinuierlich erhöht haben und damit Managementqualität sowie Geschäftsstabilität demonstrieren.

Die Ausschüttungsquote gibt ebenfalls wichtige Hinweise: Eine moderate Quote von typischerweise 40 bis 60 Prozent des Gewinns signalisiert eine nachhaltige Dividendenpolitik, während zu hohe Quoten oft nicht dauerhaft aufrechterhalten werden können. Schließlich achten erfahrene Manager auf Branchendiversifikation, da die Streuung über verschiedene Wirtschaftssektoren das Risiko von sektorspezifischen Dividendenkürzungen deutlich reduziert.

Derzeit bieten viele dividendenstarke Titel eine besonders attraktive Investmentchance – nicht zuletzt, weil es sich dabei häufig um sogenannte Value-Aktien handelt. Das sind Aktien von Unternehmen, die an der Börse als unterbewertet gelten – also günstiger gehandelt werden, als sie nach Einschätzung vieler Analysten und Investoren eigentlich wert sind. Der Wert eines Unternehmens wird typischerweise anhand bewährter Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) bestimmt.

Value-Aktien finden sich häufig in etablierten Branchen mit moderatem Wachstumspotenzial

Typisch für diese Unternehmen ist ein solider Geschäftsverlauf sowie die Ausschüttung eines Teils der Gewinne in Form von Dividenden. In den vergangenen Jahren lagen diese Aktien in der Anlegergunst meist hinter den wachstumsstarken „Growth“-Titeln zurück. Im ersten Halbjahr 2025 jedoch drehte sich dieses Bild im Zuge eines volatiler gewordenen Marktumfelds – mit Potential für eine weitere Erholung.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Dividendenaktien nicht immun gegen Marktvolatilität sind und dass eine fundierte Bewertung der Unternehmen und ihrer finanziellen Gesundheit erforderlich ist. Ein diversifizierter Ansatz, der verschiedene Anlageklassen und Strategien berücksichtigt, ist in volatilen Marktphasen immer ratsam.

Fazit

Dividendenstrategien sind nichts für ungeduldige Anleger, die schnelle Gewinne suchen. Sie eignen sich jedoch hervorragend für alle, die langfristig und mit Disziplin Vermögen aufbauen möchten. Die Kombination aus regelmäßigen Ausschüttungen, deren Wiederanlage und langfristigem Kurswachstum kann zu beeindruckenden Ergebnissen führen – vorausgesetzt, Sie bleiben auch in schwierigen Marktphasen bei Ihrer Strategie.

Denken Sie daran: Diversifikation ist und bleibt das A und O einer erfolgreichen Geldanlage. Dividendenaktien sollten einen wichtigen, aber nicht den einzigen Baustein Ihres Portfolios darstellen.

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Sonntag, 27. Juli 2025

Geldanlagen im 2. Quartal 2025 - US-Zoll- und Geopolitik sorgen nur temporär für Verwerfungen an Märkten und die Weltwirtschaft verliert an Dynamik

 Das 2. Quartal 2025 war gekennzeichnet von Verwerfungen durch die US-Zollpolitik und Geopolitik, allen voran dem fortgesetzten Gaza-Konflikt und den Angriffen seitens Israels und der USA auf den Iran und der zunächst temporären Befriedung dieses Iran-Israel-USA-Konflikts. Der Ukraine-Konflikt setzte sich im 2. Quartal fort, ohne dass ein kurzfristiges Ende des Konflikts erkennbar ist. Das Thema China versus Taiwan stand kaum im Fokus.

Die US-Zollpolitik war und ist bezüglich des Themas Wirtschaft einer der entscheidenden Belastungsfaktoren

Zölle sind administrierte Preiserhöhungen. Sie belasten grundsätzlich die Wirtschaftssubjekte und das Potenzialwachstum. Die USA schlossen im 2. Quartal erfolgreich ein Handelsabkommen mit dem Vereinigten Königreich. Mit China wurde der Handelskonflikt entschärft. Die Verhandlungen mit der EU laufen und sollen laut aktuellen Meldungen zum Quartalsende eine positive Grundtendenz aufweisen. Dagegen eskalierten die Verhandlungen zum Quartalsende zwischen den USA und Kanada. Die USA brachen die Handelsgespräche ab. Kanada knickte daraufhin bei der Digitalsteuer ein, sodass Gespräche fortgesetzt werden können. Das Thema der US-Zollpolitik bleibt trotz teilweiser Lösungen ein latenter Belastungsfaktor sowohl für die realwirtschaftliche Entwicklung als auch für die Finanzmärkte.

In der Folge dieser Rahmenbedingungen verkürzte der Internationale Währungsfonds (IWF) die globale Wachstumsprognose im World Economic Outlook per April 2025 deutlich von bisher 3,3 Prozent auf 2,8 Prozent für das laufende Jahr. Für die Industrieländer und den Globalen Süden lagen die negativen Anpassungen jeweils bei 0,5 Prozent. Innerhalb der Industrienationen wurde die BIP-Prognose für die USA markant um 0,9 Prozent auf jetzt 1,8 Prozent gesenkt. Dagegen lag die Revision der BIP-Daten der Eurozone bei „nur“ -0,2 Prozent auf jetzt 0,8 Prozent. Die deutsche BIP-Prognose wurde um 0,3 Prozent auf 0,0 Prozent herabgesetzt. Unter den bedeutenden Ländern schneidet laut aktuellen Prognosen des IWF nur Mexiko mit -0,3 Prozent Kontraktion des BIP schlechter ab.

Aktueller Einkaufsmanagerindices in Q2-2025 als Bewertungsmaßstab

Unter Zugrundelegung der aktuellen Einkaufsmanagerindices (Sentiment-Indikatoren, Frühindikatoren, Scheidewert zwischen Wachstum und Kontraktion 50 Punkte) als Bewertungsmaßstab ergibt sich in der westlichen Welt zum Ende des 2. Quartals 2025 ein positives Gesamtbild. Die USA führen im gesamtwirtschaftlichen Zuschnitt (Composite Index) bezüglich der westlichen Industrienationen oder Industrieregionen mit 52,8 Zählern vor Japan mit 51,4 Punkten, Großbritannien mit 50,7 Punkten und der Eurozone mit 50,2 Zählern. Unter den bedeutenden Wirtschaftsnationen der Welt rangiert Indien weiter auf dem 1. Rang mit 61,0 Punkten. Chinas Composite Index stellte sich auf 50,7 Zähler.

Die Inflationsentwicklungen lieferten im 2. Quartal 2025 überwiegend leichte Entspannungssignale mit Ausnahme des UK. Im Quartalsvergleich sank der Ölpreis (Brent) von 74,67 USD um rund 11 Prozent auf 66,41 USD (Stichtag für alle Rohstoffe 27. Juni), nachdem zuvor am 22. Juni 2025 Höchstkurse bei 85,76 USD (Kontext Angriff auf Iran) markiert wurden.

Bei den Erdgaspreisen ergab sich in Europa ein Rückgang um gut 19 Prozent im Quartalsvergleich, in den USA ein Einbruch um rund 26 Prozent. Bei Industriemetallen dominierten fallende Preise. Kupferpreise gaben im Quartalsvergleich auf EUR-Basis um gut 3,7 Prozent nach. Bei Nickel lag das Minus auf EUR-Basis bei rund 11 Prozent. Bei Aluminium kam es auf EUR-Basis zu einem Rückgang in Höhe von rund 4,2 Prozent.

Rückgang der Verbraucherpreise in der Phase von März 2025 bis Mai 2025

In der Eurozone ergab sich als Konsequenz ein Rückgang der Verbraucherpreise in der Phase von März 2025 bis Mai von 2,2 Prozent auf 1,9 Prozent. In den USA verharrte der Anstieg im Jahresvergleich bei 2,4 Prozent. Großbritannien verzeichnete dagegen von März 2025 bis Mai 2025 einen signifikanten Anstieg von 2,6 Prozent auf 3,4 Prozent. In Japan nahmen die Verbraucherpreise in diesem Zeitfenster von 3,6 Prozent auf 3,5 Prozent ab. Im Verlauf des 2. Quartals 2025 ergab sich in China ein Deflationsszenario mit einem Rückgang der Verbraucherpreise um 0,1 Prozent und einem Rückgang der Erzeugerpreise um 3,3 Prozent.

Das 2. Quartal 2025 war bezüglich der Zentralbankpolitik gekennzeichnet von zwei Zinssenkungen in der Eurozone um jeweils 0,25 Prozent auf aktuell 2,00 Prozent (Anlagezins). Die US-Notenbank Federal Reserve System (Fed) verzichtete auf weitere Zinsschritte und nahm eine abwartende Haltung ein (Fed Funds Satz 4,375 Prozent). Im UK kam es zu einer Senkung um 0,25 Prozent auf jetzt 4,25 Prozent. Japans Notenbank verweigerte weitere Zinserhöhungen (aktuell 0,50 Prozent). In China wurden die Zinssätze für die „Loan Prime Rates“ wegen der Deflationslage leicht um jeweils 0,10 Prozent reduziert (1-jährige Kredite jetzt 3,00 Prozent, 5-jährige Kredite aktuell 3,50 Prozent).

Entwicklung der Inflation im Quartalsverlauf

Fazit zum 2. Quartal 2025

Die Weltwirtschaft verliert wegen der geopolitischen Krisenherde und der disruptiven US-Zollpolitik bedeutungsvoll an Dynamik. Die Konjunkturverläufe zwischen den Wirtschaftsräumen des Westens und des Globalen Südens bleiben weiter markant pro Globalem Süden ausgerichtet. Während sich der „Globale Süden“ untereinander weiter globalisiert und organisiert (zuletzt Annäherung Indien/China), Effizienzen erhöht und Wachstumspotenziale generiert, läuft der „Westen“, allen voran Europa, das Risiko durch Abgrenzungspolitik gegenüber China und Russland unterproportional zu wachsen.

Die Neuausrichtung der USA zur Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Kooperation mit Russland, die wiederholt von US-Präsident Trump in Aussicht gestellt wurde, mag der US-Wirtschaft bei Umsetzung weitere Vorteile gegenüber der Ökonomie Europas verschaffen. Zudem war Trump seit seiner Amtseinführung im Januar sehr erfolgreich, Investitionen und Geschäftsvolumen in die USA zu lotsen (KI bis zu 3 Billionen USD, Pharmasektor circa 230 Mrd. USD, Saudi-Trip bis zu 2 Billionen USD).

Die Perspektive: 2025, bleibt weiter ein Jahr der Turbulenzen

Die von den USA ausgehenden geopolitischen und wirtschaftlichen Turbulenzen wirken sich grundsätzlich auf die globale Wirtschaftsaktivität fortgesetzt belastend aus. Ein schneller Lastwechsel in Richtung verstärkten Wachstums ist vor dem aktuell verfügbaren Nachrichten- und Datenhintergrund unwahrscheinlich. Weitere von den USA ausgehende Turbulenzen sind im Rahmen der gewollten Disruption zur Neugestaltung des Welt-Organigramms zu Gunsten von US-Interessen latent möglich.

In diesem Kontext konstatierte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ, Zentralbank der Zentralbanken), dass die Weltwirtschaft nach ihrer Einschätzung vor einer neuen Ära der Unsicherheit stehe. Zunehmende Handelskonflikte und geopolitische Spannungen gefährdeten das globale Finanzsystem laut jüngst veröffentlichtem Jahresbericht. Der von den USA vorangetriebene Handelskrieg und andere politische Weichenstellungen zerfaserten die etablierte Wirtschaftsordnung.

Dies stelle auch das Vertrauen der Öffentlichkeit in Institutionen wie die Zentralbanken auf die Probe. In dem Jahresbericht warnte die BIZ eindringlich vor der weltweit steigenden Staatsverschuldung. Dieser Trend könne nicht so weitergehen. Zudem trügen die Alterung der Bevölkerung, der Klimawandel und Probleme in den Lieferketten zu einem unbeständigeren Umfeld bei.

Nicht nur die seitens der USA mit Zöllen belegten Länder sind und bleiben ökonomischen Stresszuständen ausgeliefert. Die Daten aus den USA belegen, dass die US-Wirtschaft holpert. So sank die Kapazitätsauslastung der US-Industrie von März auf Mai 2025 von 77,8 Prozent auf 77,4 Prozent. Der S&P Composite Index, der mit 52,8 Punkten solides Wachstum der Gesamtwirtschaft impliziert, scheint die Realität nur in Teilen abzubilden.

So bleibt der US-Immobiliensektor in einem rezessiven Umfeld gefangen, messbar am Index der anhängigen Hausverkäufe (tiefste Niveaus der letzten 25 Jahre) oder dem NAHB Housing Market Index (Tiefststand seit 12/2022). Auch die Daten des die US-Wirtschaft tragenden Sektors der Dienstleistungen sind ambivalent. Der Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektor nach Lesart des ISM notierte per Mai bei 49,9 Punkten (zarte Kontraktion), während der Index, der von S&P für diesen Sektor erhoben wird, mit 53,7 Zählern solides Wachstum impliziert.

Derartige Divergenzen forcieren keine Zuversicht für die Realwirtschaft und die Finanzmärkte

Trumps massive Erfolge, Investitionen in die USA zu leiten, spielen auf kurze Sicht eine untergeordnete Rolle, sie haben mittel- und langfristigen positiven Charakter. Unterschwellig unterstützend wirken in den USA die Themen Energieversorgungssicherheit und insbesondere im Vergleich zu Europa günstige Energiepreise.

Bezüglich der Ukraine-Krise bleiben die USA determiniert, Frieden zu schaffen, was insbesondere für Europa Potenzial (Aspekte Kosten, Wirtschaftspotenzial) erhöhen würde. Die Politik seitens des UK, Frankreichs, Deutschlands und der EU wirkt trotz unterstützender Lippenbekenntnisse jedoch faktisch gegen diese Entwicklung. Ergo steht dieser positive Katalysator voraussichtlich weiter zeitnah nicht zur Verfügung.

Einkaufsmanagerindices des Dienstleistungssektors im Vergleich

Die Nahostlage bleibt kritisch. Die zunächst temporäre Befriedung des Iran-Israel-USA-Konflikts wirkt positiv. Anders der Gaza-Konflikt, er bleibt virulent und ungelöst. Die beiden Schwergewichte der EU, Deutschland und Frankreich, sind mangels umfassender Reformpolitik weiter Belastungsfaktoren in der Eurozone. Die ehemaligen Problemländer sind dank der Reformen heute die Stabilisatoren der Eurozone.

Die Wahlen in Deutschland haben sich bezüglich der zu erwartenden Inhalte der neuen Regierung bisher als wenig belastbar erwiesen. Wortbrüche und Brüche des Koalitionsvertrags (zuletzt Stromsteuer) pflastern den Weg der neuen schwarz-roten Koalition und unterminieren das Vertrauen von Wirtschaft und Bürgern. Das Risiko, dass Deutschland die EU und Eurozone nach unten zieht, ist und bleibt gegeben. Fehlende Konkurrenzfähigkeit bei den Rahmendaten wird bestenfalls unterproportional seitens Deutschlands, Frankreichs und der EU adressiert.

Die in China aufgelegten Konjunkturprogramme und die wirtschaftsfreundliche Grundausrichtung der Regierung stabilisieren den regionalen Ausblick im Hinblick auf die exogenen Herausforderungen. Weitere Zinssenkungen zur stärkeren Stimulanz sind im Hinblick auf den hohen positiven Realzins jederzeit möglich. Die Daten Chinas sollten vor diesem Hintergrund weiter von Stabilität mit positivem Grundton geprägt sein.

Die in die Zukunft gerichteten Wirtschaftsdaten deuten in Richtung einer Dynamikabschwächung der Konjunktur

Der von JP Morgan für die Weltwirtschaft ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft (Global Composite PMI) signalisierte per Mai 2025 mit 51,2 Punkten versus Februar 2025 mit 51,5 Punkten zunächst überschaubare Momentum-Verluste.

Die Einkaufsmanagerindices (PMIs) signalisieren in dem Sektor des Verarbeitenden Gewerbes für die USA mit 52,0 Punkten (S&P Index) und für Japan mit 50,4 Zählern Expansion. Dagegen ergeben sich in der Eurozone laut Definition des Index mit 49,4 Punkten (Deutschland 49,0) und im UK mit 47,7 Zählern Kontraktion. Die aktuell verfügbaren Werte der Länder des Globalen Südens für diesen Sektor aus Indien (58,4) und aus Russland (50,2) implizieren Wachstum. Dagegen implizieren die Werte aus China (49,7) und aus Brasilien (49,4) Kontraktion.

Der Dienstleistungssektor bewegte sich im 2. Quartal 2025 laut Einkaufsmanagerindices in einer Gesamtbetrachtung im Quartalsvergleich ex Deutschland und Brasilien im Wachstumsmodus. Der Dienstleistungssektor ist der bedeutendste Sektor der Gesamtwirtschaft mit einem Anteil zwischen 60 Prozent-70 Prozent der Gesamtwirtschaft. Dieser Sektor war im 2. Quartal 2025 losgelöst vom partiellen Dynamikverlust zumeist der entscheidende Katalysator des Wachstums. Das wird sich im dritten Quartal 2025 fortsetzen.

Die vollzogenen Zinssenkungen als auch die Erwartung weiterer Zinssenkungen liefern für die Verstetigung der Wirtschaftsaktivität grundsätzlich Unterstützung

Neben den damit einhergehenden reduzierten Finanzierungskosten am Geldmarkt (bis zu 12 Monaten) ergibt sich eine psychologische Unterstützung für die Wirtschaftsakteure durch die Zinssenkungen. Die im 2. Quartal 2025 verfügten Leitzinssenkungen seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) (0,50 Prozent) und der Bank of England (0,25 Prozent) hatten jedoch auf den Rentenmärkten nur partielle Traktion. Damit stand der Entlastung am Geldmarkt, die wichtig für die Finanzierung des Umlaufvermögens ist, eine überschaubare Entlastung am Kapitalmarkt gegenüber (Investitionen).

Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sank im Quartalsvergleich von 2,73 Prozent auf aktuell 2,60 Prozent und die 10-jährige britische Staatsanleihe von 4,68 Prozent auf 4,48 Prozent. Anders war das in den USA. Dort kam es nach dem Renditeverfall im 1. Quartal 2025 zu einer Seitwärtsbewegung (4,21 Prozent). Die US-Notenbank verzichtete fortgesetzt auf Zinssenkungen. Der Rohstoffsektor hatte auf die Weltwirtschaft und die Weltfinanzmärkte leicht unterstützende Auswirkungen im Rahmen von Preisrückgängen insbesondere in den Sektoren Energie und Industriemetallen im 2. Quartal 2025.

Die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft hängt an der internationalen Politik (Zoll- und Geopolitik), aber auch an der US-Notenbank bezüglich der Zinspolitik. Entspannung bei diesen Themen eröffnet der Weltwirtschaft und den Finanzmärkten positives Potential. Die Spreizung bezüglich der potentiellen Konjunkturentwicklungen zwischen den Industrienationen und den Schwellenländern setzt sich fort.

Die Spreizung der Konjunkturentwicklungen innerhalb der Eurozone zu Lasten Deutschlands wird ohne massive Umsteuerung in Berlin nicht abnehmen. Das bisherige Reformpaket weist in die richtige Richtung, ohne jedoch Primärursachen (u.a. Energie) zu bereinigen. Das Risiko einer deutschen konjunkturellen „Scheinblüte“ mit konsumtiven ökonomischen Einmaleffekten anstelle von investiven Multiplikatoreffekten (Generierung von Steuersubstrat) steht im Raum, wenn die strukturellen Kernursachen nicht adressiert werden.

Der Finanzmarkt und die Wirtschaft - Zollschock sorgt für geopolitische Eskalationen

An den Finanzmärkten ergaben sich im Frühjahrsquartal teilweise starke Neubewertungen. Losgelöst von der schwächeren globalen Konjunkturdynamik und den geowirtschaftlichen als auch geopolitischen Herausforderungen waren Risikoaktiva nach dem 8. April gefragt. Die Erholung korrelierte nach dem Zollschock mit der Erkenntnis, dass US-Präsident Trump eine pragmatische Herangehensweise in den Zollkonflikten einschlug, um potentielle Schäden für die US-Wirtschaft zu minimieren, aber ohne seine Zielprojektionen aufzugeben. Die geopolitischen Eskalationen, allen voran der Angriff auf den Iran durch Israel und die USA, hatten keine nachhaltige Risikoaversion zur Folge.

Aktienmärkte: Aktien legten zu, Divergenzen bei der Amplitude im Quartalsverlauf Q2-2025

Das Frühjahrsquartal war an den Aktienmärkten von einem hohen Maß an Heterogenität bei positiver Grundtendenz geprägt. Der MSCI World Index konnte im Quartalsvergleich um 10,96 Prozent zulegen. Die US-Märkte stachen positiv hervor, gleiches gilt für den Nikkei Index. Die europäischen Märkte generierten eine heterogene Performance. Der DAX stieg deutlich, der Eurostoxx 50 Index mühte sich auf leicht positives Terrain. Auch der indische Aktienmarkt reüssierte. Dagegen lieferten sowohl der Hangseng (Hongkong) als auch der CSI 300 (Festlandchina) zwar eine positive, aber unterproportionale Entwicklung.

Im 2. Quartal 2025 zerstreuten sich die Ängste, die im März 2025 aufkamen, dass die so genannten „Trump-Trades“ zur Disposition stünden. Aktien und Krypto-Anlagen lieferten eine starke Performance gekoppelt an den Pragmatismus Trumps in den Zollkonflikten. Auch das Thema der US-Leitzinssenkungen wurde zum Ende des 2. Quartals 2025 hoffähiger. Im Raum stehen zwei Zinssenkungen im weiteren Jahresverlauf.

Vergleich der Aktienmärkte im Quartalsverlauf

Trotz der Verluste in der globalen Wirtschaftsdynamik lief die Berichtssaison der Unternehmen positiv. In der Berichtssaison setzten insbesondere US-Techwerte positive Akzente, allen voran Microsoft und Alphabet. In der Folge waren insbesondere US-Aktienmärkte nachgefragt. Die Leitzinssenkungen der EZB und der Bank of England verfehlten zwar eine umfassende Wirkung am Rentenmarkt, sie wurden dennoch vom Aktienmarkt goutiert. Die anhaltenden Anpassungen internationaler Portfolien zu Gunsten europäischer Titel bleibt ein hintergründiger Unterstützungsfaktor.

Die Aktienmärkte in Fernost generierten kein einheitliches Bild. Der NIKKEI 225 Index (Japan) stieg signifikant nach der Schwäche im 1.Quartal 2025. Der indische Markt (Sensex) hat sich deutlich erholt. Anzeichen eines Endes der mehr als ein Jahr dauernden Konsolidierung sind gegeben. Dagegen liefen sowohl die Märkte Festlandchinas (CSI 300) als auch Hongkongs der Performance hinterher. Beide Märkte, aber vor allen Dingen Festlandchina, werden aus politischen Gründen weniger stark in Portfolien berücksichtigt. Für das Sommerquartal gilt es, die Wendungen in der Geopolitik und in der Zollpolitik eng zu begleiten. Entspannungen liefern Aufwärtspotenzial.

Rentenmärkte: Fallende Renditen in Europa, Seitwärtsbewegung in den USA im Quartalsverlauf Q2-2025

Die Rentenmärkte der USA und Europas zeigten sich im Verlauf des 2. Quartals 2025 in unterschiedlicher Verfassung. Augenfällig war und ist, dass die Zinssenkungen der EZB und der Bank of England im 2.Quartal 2025 am Rentenmarkt nur partiell verfingen. Offenbar gibt es ein Vertrauensdefizit der Märkte gegenüber den beiden Zentralbanken, aber auch begründete Sorgen bezüglich der öffentlichen Haushaltspolitiken in Europa.

Vergleich der Rendite-Entwicklungen an den Rentenmärkten

Die Verweigerung der Fed, Zinsen trotz repressiven Realzinses um die Marke von +2 Prozent (EUR +0,10 Prozent, Japan -3,0 Prozent) zu senken, verhinderte eine positive Performance der US-Staatsanleihen.

Fazit für die Aktienmärkte und Rentenmärkte im zweiten Quartal 2025

Die nicht gegebene Traktion der Kapitalmärkte auf die Leitzinssenkungen im 1. Quartal 2025 wich einer unterproportionalen Traktion der Leitzinssenkungen europäischer Notenbanken im 2. Quartal 2025. Damit nahm die Steilheit der Zinskurven zu. Der Verzicht der US-Notenbank auf Zinssenkungen verhinderte Renditerückgänge an den US-Märkten. Die Wirksamkeit der Leitzinssenkungen bezüglich der Forcierung der Investitionstätigkeit, die maßgeblich kapitalmarktabhängig ist, bleibt in Europa unausgeprägt.

Devisenmärkte: Euro profitiert markant im Quartalsverlauf Q2-2025

Der Euro profitierte stark von Sorgen über die öffentlichen US-Haushalte und deren nachhaltige Finanzierung. Die Herabstufung der Bonität der USA um eine Stufe seitens der Ratingagentur Moody’s lieferte einen weiteren Katalysator. Auch die geringere negative Anpassung des BIP der Eurozone (-0,2 Prozent auf +0,8 Prozent) im Vergleich zu den USA (-0,9 Prozent auf +1,8 Prozent) mag hilfreich gewesen sein. Verbalakrobatik, dass der EUR in die Rolle des USD hineinwachsen werde oder könne, wirkten losgelöst von Fakten psychologisch unterstützend.

Die den Euro belastenden Faktoren:

  • der zunehmenden Zinsdifferenz zu Gunsten des USD am Geldmarkt,
  • des hohen positiven Realzinses in den USA gegenüber der Eurozone,
  • der leistungsertüchtigenden Reformpolitik der USA (Steuern, Subventionen, weniger Bürokratie, billige Energie, Versorgungssicherheit) bei unzureichender Reformpolitik in Europa,
  • der Wachstumsdifferenz zu Gunsten der USA,
  • der US-Wirtschafts- und Technologiefreundlichkeit,
  • und der hohen Investitionszusagen (reale Kapitalzuflüsse) der Unternehmen (KI, Pharma etc.) für den US-Standort

spielen derzeit keine tragende Rolle.

Devisenmärkten im Quartalsverlauf

Fazit für die Devisenmärkte im zweiten Quartal 2025

Die derzeit stattfindende Anpassung der internationalen Portfolien zu Gunsten Europas hält an und unterstützt den Euro, allen voran den Schweizer Franken. Die Fokussierung auf die US-Haushaltsproblematik unter Ausblendung der zunehmenden Probleme in den Haushalten der Länder der Eurozone ist ein zweiter Katalysator. Die Vorteile der USA als Wirtschaftsstandort, die Ansätze der Haushaltskonsolidierung, die dortigen Verbesserungen der Rahmendaten und der Zinsvorteil werden derzeit nicht diskontiert.

Gold konnte im 2. Quartal 2025 weiter glänzen und legte wegen der globalen Unsicherheiten und Umbrüche um 5,70 Prozent zu. Hintergründig unterstützen ausgeprägte Notenbankkäufe. Gold hat im Jahr 2024 den Euro als zweitgrößte Devisenreserve hinter dem USD abgelöst. Bitcoin als nicht korreliertes Anlagegut profitierte stark und legte um 30,11 Prozent zu.

wichtiger Hinweis:
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Externe Quellen:

  • Netfonds AG

Geldanlagen im zweiten Quartal 2025 als ePaper lesen

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