Mittwoch, 17. Januar 2024

Small Caps: Darum bieten kleine Unternehmen aktuell große Chancen

 Kleine Unternehmen, die sogenannten "Small Caps," sind ein faszinierender Teil des Aktienmarktes. Small- und Mid- Caps bieten oft das Potenzial für beeindruckende Renditen, aber auch erhebliche Schwankungen. Grundsätzlich kann die Aufnahme von Small Caps in ein Portfolio die Diversifikation erhöhen und so das Gesamtrisiko der Portfolios reduzieren. Außerdem sind Small und Midcaps im historischen Vergleich überwiegend sehr günstig bewertet. Warum dies so ist, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Die Vorteile von Small Caps liegen in ihrem Wachstumspotenzial

Die starkansteigenden Zinsen und Rezessionsängste der letzten beiden Jahre haben dafür gesorgt, dass Small Caps hinter den Aktien großer Unternehmen zurückgeblieben. Es lohnt sich aber genau hinzuschauen, warum dies so ist und insbesondere wann dieses Verhältnis wieder kippen könnte.
Small Caps sind Unternehmen mit einer vergleichsweise geringen Marktkapitalisierung. Die genaue Definition kann je nach Börse und Region variieren, aber im Allgemeinen sind Small Caps typischerweise Unternehmen, deren Marktwert im Bereich von einigen Millionen bis zu einigen Milliarden Dollar liegt. Diese Unternehmen sind in der Regel kleiner als ihre "Large Cap" und "Mid Cap" Pendants, die oft in den Schlagzeilen stehen.

verschiedene Anlageklassen im Renditevergleich von 2003 bis 2023

Kleine Unternehmen haben oft erhebliches Wachstumspotenzial. Sie können schneller expandieren, neue Märkte erschließen und innovative Produkte oder Dienstleistungen entwickeln. Zudem sind Small Caps in der Regel agiler und flexibler als große Konzerne. Sie können sich schnell an Veränderungen in der Geschäftsumgebung anpassen und Chancen nutzen, die sich bieten. Dies ist besonders wichtig in Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen oder sich ändernder Marktdynamiken.

Auch die Tatsache, dass Small Caps oft weniger im Rampenlicht stehen, kann von Investoren genutzt werden. Da sie von den meisten Investoren übersehen werden, können sie unterbewertet sein und Fondsmanagern die Möglichkeit bieten, günstige Aktien zu finden. Im Gegensatz dazu werden größere Unternehmen ständig und sehr genau analysiert, sodass ich in diesem Segment seltener echte „Schnäppchen“ finden lassen. Schließlich sind kleine Unternehmen oft Innovationsführer und entwickeln neue Produkte oder Dienstleistungen, die den Markt verändern können. Investoren, die auf der Suche nach innovativen Ideen sind, könnten in Small Caps fündig werden.

Allerdings sind auch Nachteile mit Small Caps verbunden

Das Wachstumspotenzial von Small Caps geht in der Regel mit höheren Risiken einher. Kleinere Unternehmen sind anfälliger für Marktvolatilität, Finanzprobleme und Wettbewerbsdruck. Zudem haben Small Caps oft geringere Handelsvolumina als große Unternehmen, was zu geringerer Liquidität an den Börsen führt. Es kann schwieriger sein, Aktien zu kaufen oder zu verkaufen, insbesondere in größeren Mengen. Dies kann unter Umständen zu starken (Tages-)Schwankungen führen.

Des Weiteren verfügen kleine Unternehmen in der Regel über begrenztere finanzielle und personelle Ressourcen im Vergleich zu großen Konzernen, was sich auf ihre Fähigkeit auswirken kann, Wachstumsziele zu erreichen oder sich von Krisen zu erholen. Außerdem bedeutet die geringere Anzahl an Analysten, die Small Caps verfolgen und analysieren, dass gerade Privatanleger schwieriger an Informationen gelangen.

Der aktuelle Abschwung seit Beginn des Jahres 2022 wurde allerdings noch von weiteren Faktoren begünstigt. Die Zentralbanken der entwickelten Märkte haben auf die hohe Inflation mit aggressiven Zinserhöhungen reagiert. Infolgedessen zieht sich die Inflation von ihren Höchstständen im Sommer zurück, insbesondere in den USA. Sie bleibt jedoch noch über den Zielraten vieler Zentralbanken, insbesondere in Großbritannien und Europa. Zum Beispiel betrug die Inflation in der Eurozone im September immer noch 4,3 Prozent, verglichen mit dem 2 Prozent Ziel der EZB.

Small Caps reagieren besonders stark auf die steigenden Zinssätze

Dies liegt unter anderem in ihrem häufig höheren Verschuldungsniveau. Viele Small Caps sind auf Fremdkapital angewiesen, um zu wachsen oder ihre Geschäftstätigkeiten zu finanzieren. Wenn die Zinssätze steigen, erhöhen sich die Kosten für die Bedienung von Schulden, was die Gewinne der Unternehmen belastet. Dies kann dazu führen, dass die finanzielle Situation von Small Caps instabiler wird, da sie unter dem Druck steigender Zinsen leiden. Darüber hinaus wird die Fähigkeit dieser Unternehmen beeinträchtigt, neues Kapital aufzunehmen, insbesondere wenn sie in der Vergangenheit auf Kredite oder Anleihen angewiesen waren, um ihre Expansionspläne zu finanzieren.

Eine eingeschränkte Kapitalverfügbarkeit kann das Wachstumspotenzial von Small Caps erheblich beeinträchtigen. Zudem tendieren Anleger oft dazu, in Zeiten steigender Zinsen ihr Kapital aus riskanteren Anlagen abzuziehen und in sicherere Anlagen wie Staatsanleihen oder größere, etablierte Unternehmen zu investieren. Dies führt zu einem Rückgang der Nachfrage nach Small-Cap-Aktien und kann deren Preise drücken. Infolgedessen können Small Caps in Zeiten steigender Zinsen Schwierigkeiten haben, ihre Aktienkurse aufrechtzuerhalten.

Geldvermögens der privaten Haushalte in Deutschland im Jahr 2022

Für das Jahr bedeutete 2022 dies konkret: Konnte sich der DAX im Vorjahr mit einem Minus von rund 12 Prozent vergleichsweise passabel aus der Affäre ziehen, standen beim SDAX satte 27 Prozent Verlust zu Buche. Auch seit Jahresbeginn 2023 liefen die Kurse der Small Caps den Large Caps nur hinterher.

Trotz oder gerade wegen dieser Entwicklung, sollten sich Anleger gerade jetzt wieder mit den kleinen Unternehmen auseinandersetzen. Denn die genannten negativen Faktoren werden auf den Kopf gestellt, wenn wir aus einer Phase steigender Zinsen oder einer Rezession herauskommen. In Erholungsphasen übertreffen kleinere Unternehmen normalerweise ihre größeren Konkurrenten. Aufgrund ihrer Natur sind Small Caps wendiger und können schneller auf Veränderungen in der Geschäftsumgebung reagieren als Large Caps.

Kleinere Unternehmen können daher von den neuen Chancen profitieren, die eine wachsende Wirtschaft bietet. Der daraus resultierende Anstieg des Risikoappetits der Investoren hilft auch kleinen Unternehmen.

Auch die aktuellen Bewertungen sind attraktiv

In Europa handeln kleinere Unternehmen historisch betrachtet eigentlich mit einem Aufschlag gegenüber großen Unternehmen aufgrund ihres überlegenen Wachstums- und Ertragspotenzials. Nach der schwachen Performance des letzten Jahres handeln europäische Small Caps derzeit allerdings wieder mit einem Rabatt gegenüber ihren größeren Pendants. Angesichts des potenziellen Aufschwungs beim Verlassen von Abschwüngen könnte dies einen attraktiven Einstiegspunkt für langfristige Investoren darstellen.

In den USA spielt sich eine ähnliche Dynamik ab. Hier ist der Bewertungsabschlag von Small Caps gegenüber Large Caps so groß wie seit mehr als 40 Jahren nicht mehr. Ein Einstieg sollte sich also langfristig lohnen. Tatsächlich haben Small-Cap-Aktien in den USA nach einem ähnlichen Niveau der "Günstigkeit" Anfang 2001 in den folgenden drei, fünf und zehn Jahren deutlich besser abgeschnitten.
Grundsätzlich kann die Aufnahme von Small Caps in ein Portfolio die Diversifikation erhöhen und somit das Gesamtrisiko eines Portfolios reduzieren.

  • Erstens weisen Small Caps oft eine geringere Korrelation zu Large-Cap-Aktien auf, was die Risikostreuung im Portfolio verbessert.
  • Zweitens sind Small Caps weniger von internationalen Märkten abhängig, wodurch das Portfolio gegenüber globalen Risiken abgeschirmt wird.
  • Drittens agieren Small Caps in verschiedenen Branchen und Sektoren, was Chancen in Nischenmärkten eröffnet.

Die Einbeziehung dieser Unternehmen kann dazu beitragen, das Portfolio gegenüber internationalen Risiken zu schützen und Renditechancen in vielfältigen Marktbedingungen zu bieten.

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Montag, 15. Januar 2024

Vorabpauschale für 2023 - Anstieg vom Basiszins auf 2,55 Prozent und die Folgen für ETF & Fonds

 Da sich im Kalenderjahr 2023 der Basiszinssatz erstmals seit Jahren wieder deutlich im positiven Bereich befindet, rückt für Kapitalanleger, welche in ETFs und Investmentfonds investiert sind, die Vorabpauschale wieder in den Fokus. Nachfolgend soll verdeutlicht werden, was es damit auf sich hat und welche Folgen daraus resultieren. Anhand einer Beispielkalkulation, wird die gegebenenfalls zu zahlende Vorabpauschale für das Jahr 2023 berechnet. Die Zahlung, beziehungsweise Belastung durch das Anlageinstitut erfolgt Anfang 2024.

Positiver Basiszins für 2023 kann eine vorzeitige Steuerbelastung auslösen

Bei der Prüfung, ob es durch die Vorabpauschale zu einer Steuerbelastung kommt oder nicht und wie hoch eine etwaige Steuerbelastung ausfällt, ist ein sehr komplexes Verfahren. Hierbei spielt der sogenannte Basiszinssatz eine wichtige Rolle. Der Basiszinssatz leitet sich aus der langfristig erzielbaren Rendite für öffentliche Anleihen ab und wird jeweils vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) zum Beginn eines jeden Kalenderjahres veröffentlicht.

Basiszinssätze für die Berechnung der Vorabpauschale für die Kalenderjahre 2018 bis 2023:

Jahr Basiszinssatz
20180,87 %
20190,52 %
20200,07 %
2021-0,45 %
2022-0,05 %
20232,55 %

Nachdem der Basiszinssatz in den vergangenen Jahren jeweils sehr gering, bzw. sogar negativ war, wurde der Basiszinssatz für das Jahr 2023 vor kurzem mit +2,55 Prozent festgestellt. Mit einem solchen positiven Basiszinssatz ist eine der Grundvoraussetzungen für eine Steuervorabbelastung für Fonds für das Kalenderjahr 2023 gegeben. Eine derartige Belastung erfolgt dann zum Jahresbeginn 2024. Für die Jahre 2021 und 2022 erfolgte keine Vorwegsteuerbelastung für die Anleger, das der Basiszinssatz negativ war.

Ermittlung der Vorabpauschale 2023 für ETF und Fonds

Ob eine Steuerbelastung 2023 erfolgt oder nicht, hängt aber noch von weiteren Faktoren ab

Zur Verdeutlichung bietet sich eine Beispielrechnung zur Ermittlung der Vorabpauschale bzw. der sich daraus ergebenden möglichen Steuerlast an.

Beispielrechnung zur Vorabpauschale 2023: Thesaurierender Aktienfonds, Fondsrücknahmepreis Anfang 2023 1.000 Euro

Es werden nacheinander nachstehende Rechnungen angestellt:

  • Rechnung 1: Es wird der Rücknahmepreis des Fonds zum Jahresbeginn mit 70 % des Basiszinssatzes multipliziert. Von dem Ergebnis werden ggf. im Kalenderjahr getätigte Ausschüttungen abgezogen. Wenn der Fonds teilfreigestellt ist, wird dieses ebenfalls berücksichtigt.
    • 1.000,00 Euro (Rücknahmepreis) * 2,55 % * 70 % (anteiliger Basiszinssatz) - 0,00 Euro (Ausschüttung) = 17,85 Euro
    • 17,85 Euro * 70 % (Teilfreistellung) = 12,495 Euro vorläufige Vorabpauschale
  • Rechnung 2: Als zweite Berechnung wird geprüft, welchen Wertzuwachs der Fonds im Kalenderjahr aufweist.
    Beispiel A: Wertzuwachs 100 Euro vom 01.01.23 - 31.12.2023
    100 Euro Wertzuwachs * 70 % (Teilfreistellung) = 70,00 Euro vorläufige Vorabpauschale
    Beispiel B: Wertzuwachs 10 Euro vom 01.01.23 - 31.12.2023
    10,0 Euro Wertzuwachs * 70 % (Teilfreistellung) = 7,00 Euro vorläufige Vorabpauschale
    Anmerkung: Ist die Wertentwicklung des Fonds im Kalenderjahr negativ, wird keine Vorabpauschale erhoben.
  • Rechnung 3: Die Ergebnisse der Rechnung 1 und der Rechnung 2 werden verglichen. Das niedrigere der beiden Ergebnisse stellt die endgültige Vorabpauschale dar.
    • Vergleich vorläufige Vorabpauschale 12,495 Euro aus Rechnung 1 versus vorläufige Vorabpauschale 70,00 Euro aus Rechnung 2, Beispiel 2 a: 12,495 Euro ist niedriger. In der Folge wäre im Beispiel 2 a die endgültige Vorabpauschale 12,495 Euro.
    • Vergleich vorläufige Vorabpauschale 12,495 Euro aus Rechnung 1 versus 7,00 Euro vorläufige Vorabpauschale aus Rechnung 2, Beispiel 2 b: 7,00 Euro ist niedriger. In der Folge wäre in der Variante 2 b die endgültige Vorabpauschale 7,00 Euro.

So errechnet sich die Abgeltungssteuer auf die Vorabpauschale 2023

Die so ermittelte endgültige Vorabpauschale stellt die Grundlage für die Berechnung der Steuerlast dar. Sind Verlustvorträge vorhanden oder liegt ein Freistellungsauftrag vor, so erfolgt hier eine Gegenrechnung und eine Berechnung der Abgeltungssteuer entfällt. Andernfalls erfolgt eine Belastung der Abgeltungsteuer.

Nachstehend die Belastungshöhe der Abgeltungsteuer aus den vorherigen Beispielen:

  • endgültige Vorabpauschale 12,495 Euro * 25 % Abgeltungssteuer = 3,12 Euro Abgeltungssteuer (zzgl. Soli und ggf. KiSt)
  • endgültige Vorabpauschale 7,00 Euro * 25 % Abgeltungssteuer = 1,75 Euro Abgeltungssteuer (zzgl. Soli und ggf. KiSt)

Folgende Dinge sind für Anleger auch wichtig:

  • Die Belastung der Vorabpauschale erfolgt immer rückwirkend.
  • Durch die Gegenrechnung von Ausschüttungen sind insbesondere thesaurierende und teilthesaurierende Fonds von der Vorabpauschale betroffen.
  • Die vorab gezahlte Steuer ist nicht verloren, sondern wird bei einem späteren Fondsverkauf steuermindernd berücksichtigt. Dies erhöht jedoch nochmals die Komplexität der Vorausberechnung der zu erwartenden Steuern bei einem späteren Fondsverkauf. Soll der Erlös aus Fondsverkäufen wieder reinvestiert werden, sollte daher entweder:
    a) eine leicht zeitversetzte Wiederanlage erfolgen, damit bereits die Verkaufsabrechnung vorliegt
    b) eine Voranfrage zur Ermittlung der voraussichtlichen Steuerlast an die depotführende Stelle gestellt werden
    c) ausreichend zusätzlicher Liquiditätspuffer auf dem Konto vorhanden sein.
  • Grundsätzlich erfolgt der Einzug der Steuer durch die depotführende Stelle. Ist ein Einzug nicht möglich, wird dies dem Finanzamt gemeldet.

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Mittwoch, 20. Dezember 2023

Schneeräumpflicht: Was bei Schnee und Eis zu beachten ist

 Wie jedes Jahr sorgt die Winterzeit je nach Höhenlage früher oder später für eine weiße Pracht. Was die Kinder freut, kann sich für Fußgänger oder den Straßenverkehr zu einer Geduldsprobe entwickeln. Da sich durch Schnee und Eis beispielsweise Fußwege in Rutschbahnen verwandelt können, gibt es in Deutschland die sogenannte Schneeräumpflicht, die an allen Tagen der Woche gilt. Die Pflicht Gehwege von Schnee und Eis zu befreien, ist jedoch regional unterschiedlich festgelegt. Was Hausbesitzer, Eigentümer und Mieter wissen sollten, wenn Wege verschneit oder vereist sind.

Wer ist für die Beseitigung von Schnee und Eis verantwortlich?

Nach den Grundsätzen der allgemeinen Verkehrssicherheit ist der Winterdienst von demjenigen zu erfüllen, der auch für den Zustand der Gehwege und Zufahrten verantwortlich ist. Wer ein Grundstück oder ein Gebäude für Personen (z.B. Besucher, Handwerker oder Postboten) zugänglich macht, ist deshalb verpflichtet dafür zu sorgen, dass diese keine Schäden durch vorhersehbare Gefahren erleiden. Die Verkehrssicherungspflicht betrifft bei Privatwegen zunächst den Eigentümer. Vermieter können die Aufgabe auch auf den Mieter übertragen. Dies sollte dann aber auch im Mietvertrag ausdrücklich vereinbart werden, denn eine Regelung in der Hausordnung ist nicht ausreichend. Auch ein Gewohnheitsrecht, wonach Bewohner im Erdgeschoss eines Hauses zur Schneebeseitigung verpflichtet sind, gibt es nicht.

Zufriedenheit mit Winterdienst am Wohnort

Wenn der Eigentümer oder Mieter beispielsweise aufgrund Alters, Krankheit oder Berufstätigkeit nicht in der Lage ist, die Räum- und Streupflicht zu erfüllen, muss er rechtzeitig für einen Ersatz sorgen, auch wenn dies nur durch eine entgeltliche Hilfskraft erfolgen kann. Bei Blitzeis müssen zur Räum- und Streupflicht Verantwortliche allerdings nicht z.B. vom Arbeitsplatz nach Hause eilen, um den Bürgersteig zu streuen, denn die Rechtsprechung legt den Fußgängern eine gewisse Sorgfalt ans Herz.

Wann und in welchem Umfang muss geräumt und gestreut werden?

Es gilt in der Regel, dass die Schneeräumpflicht werktags um 7.00 Uhr und an Sonn- und Feiertagen um 8.00 Uhr oder 9.00 Uhr beginnt und um 20.00 Uhr endet. Zu den genauen zeitlichen Pflichten geben die jeweiligen Gemeindesatzungen wichtige Anhaltspunkte. In Ausnahmefällen kann aber auch eine Räumung außerhalb dieser Zeiten notwendig sein. Für die Gehwege vor dem Haus gilt, dass diese mindestens anderthalb Meter breit geräumt und gestreut werden müssen, so dass zwei Menschen aneinander vorbeipassen.

Bei den Zugängen zum Hauseingang, zu den Mülltonnen oder den Garagen sollte die Räumung mindestens einen halben Meter breit sein. Zum Streuen sollte etwa Sand oder feiner Split verwendet werden, um die Flächen abzustumpfen. Streusalz ist in vielen Orten verboten oder nur bei extremer Glätte erlaubt.

Wie oft muss geräumt oder gestreut werden?

Dies ist rechtlich noch nicht eindeutig geklärt. So muss zum Beispiel bei Dauerschneefall nicht fortlaufend gefegt oder geschoben werden, wenn dies völlig nutzlos wäre. Sobald es aber nur noch wenig oder gar nicht mehr schneit, muss zum Besen oder Schneeschieber gegriffen werden. In den meisten Gemeinden gilt eine Frist von einer halben Stunde nach Ende des Schneefalls. Bei Glatteisbildung besteht im Regelfall eine sofortige Streupflicht. Zudem müssen Eigentümer oder verantwortliche Mieter andere Menschen etwa Nachbarn - um Hilfe bitten, wenn sie selbst verhindert sind. Empfehlung: Mit einem Blick in die örtliche Gemeindesatzung kann man sich rückversichern.

Wer kommt für mögliche Schäden auf?

Wenn ein Passant auf einem nicht geräumten oder gestreuten Gehweg zu Schaden kommt, kann er Schadenersatz geltend machen. Der Eigentümer oder Streu- und Reinigungspflichtige muss dann womöglich für Schmerzensgeld, Verdienstausfall und Behandlungskosten aufkommen. Mieter oder Bewohner eines Einfamilienhauses sind in diesen Fällen durch die private Haftpflichtversicherung abgesichert. Wer darüber hinaus vorsätzlich oder fahrlässig der Räum-und Streupflicht vor seinem Haus nicht nachkommt, weil er beispielsweise im Urlaub ist, dem können jedoch Geldbußen von bis zu zehntausend Euro drohen.

Vermieter, Besitzer eines Mehrfamilienhauses oder Eigentümergemeinschaften benötigen für eine ausreichende Absicherung eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung. Die Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung springt auch ein, wenn ein Passant durch herabrutschenden Schnee vom Dach oder Eiszapfen verletzt wird.

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Dienstag, 12. Dezember 2023

Künstliche Intelligenz: Historische Anlagechance oder riesiger Hype?

 In der modernen Industrie hat sich die Künstliche Intelligenz (KI) zu einem integralen Bestandteil entwickelt. Dagegen bringen Technologien wie ChatGPT tiefgreifende Veränderungen in Arbeits- und Kommunikationsweisen mit sich . Dieser Trend zieht weltweit die Aufmerksamkeit von Unternehmen und Investoren auf sich. Mit dem Aufkommen von KI-Technologien wie ChatGPT, die im Alltag Millionen von Menschen erreichen, erleben wir einen wachsenden Einfluss von KI auf Wirtschaft und Arbeitswelt.

Anleger und Unternehmen erkennen zunehmend das Potenzial von KI, sind aber auch mit der  Herausforderung konfrontiert, die wahren Profiteure dieser Technologie zu identifizieren. In Deutschland zeigte sich das Interesse an KI durch Investitionen in heimische Unternehmen wie „Aleph Alpha“, unterstützt von führenden Wirtschaftsakteuren und politischen Entscheidungsträgern. Im Folgenden soll das Thema KI näher beleuchtet werden.

Mit ChatGPT erobert KI nun auch den normalen Alltag

Immer neue Entwicklungsschritte und Anwendungsmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) sind bereits seit mehreren Jahren ein Thema. Mit dem Start von ChatGPT ist diese nun auch im Alltag von Millionen Menschen angekommen und hat einen regelrechten Hype ausgelöst. Sowohl im kollektiven Bewusstsein als auch an den Börsen. Wenige zweifeln daran, dass die Künstliche Intelligenz in den nächsten Jahren und Jahrzehnten unsere Wirtschaft und die Arbeitswelt verändern wird. Bei so viel Vorschusslorbeeren sollten Anleger trotzdem genau hinschauen: Wer sind zukünftig tatsächlich die größten Profiteure der neuen Technologie und sind diese noch fair bewertet?

Wie hoch der Stellenwert der KI auch in Deutschland ist, hat sich Anfang November gezeigt. Mehrere große Investoren aus der deutschen Wirtschaft verkündeten gemeinsam mit Wirtschaftsminister Robert Habeck den Einstieg beim deutschen KI-Unternehmen „Aleph Alpha“. SAP-Produktchef Thomas Saueressig, Bosch-Digitalchefin Tanja Rückert und der Digitalvorstand Rolf Schuhmann von der Schwarz Gruppe sicherten dem Start-Up aus Heidelberg nicht nur Investitionen in Höhe von 500 Millionen Dollar, sondern auch Aufträge in dreistelliger Millionenhöhe zu.

Der Ton wird in den USA und China angegeben

Im Vergleich zu den 20 Milliarden Dollar, die angeblich allein Microsoft in den ChatGPT-Entwickler OpenAI gesteckt hat, mag diese Summe zwar vergleichsweise klein anmuten, sendet aber eine wichtige Botschaft: Deutschland und Europa möchten nicht in eine technologische Abhängigkeit geraten. Denn die Entwickler der wichtigsten KI-Sprachmodelle sitzen aktuell überwiegend in den USA und China.

Sollte diese Technologie zukünftig zum allgegenwärtigen Alltagsassistenten werden, will Europa unbedingt auch über eigene Alternativen verfügen. Zu häufig wurden in den letzten Jahren wichtige technologische Entwicklungen verschlafen und mit Neid auf die US-Tech-Riesen aus den USA geschaut.

Das Beispiel „Aleph Alpha“ zeigt auch, dass es im Markt der Künstlichen Intelligenzen noch Nischen gibt, die findige Unternehmen besetzen können. Anstatt einfach eine deutsche Variante von ChatGPT zu entwickeln, spezialisierten sich die Heidelberger ganz gezielt auf Anwendungen für Unternehmen und Behörden. Zudem bietet ihre KI eine entscheidende Innovation: Im Gegensatz zu den großen Konkurrenten kann ihr Sprachmodell eigene Aussagen belegen und selbst auf etwaige Widersprüche hinweisen.

Künstliche Intelligenz kann für einen Produktivitätsschub sorgen

Eine Erfolgsstory aus dem Bereich KI und Digitalisierung wäre wichtig für die deutsche Wirtschaft. Denn längst ist klar, dass für weiteres Wachstum – bei gleichzeitig alternder Bevölkerung und Fachkräftemangel – die Produktivität deutlich gesteigert werden muss. Einen solchen Produktivitätsschub könnte die Künstliche Intelligenz durch ihre Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten bieten.

Insbesondere bei der Automatisierung von wiederholenden und zeitaufwendigen Aufgaben spielt sie ihr Potential aus. Durch maschinelles Lernen können Algorithmen dazu trainiert werden, bestimmte Prozesse eigenständig zu erledigen. Dies führt nicht nur zu einer erheblichen Zeitersparnis, sondern ermöglicht es den Mitarbeitern auch, sich auf anspruchsvollere und kreativere Aufgaben zu konzentrieren. Diverse Modelle können zudem große Mengen von Daten in Echtzeit analysieren und wertvolle Einblicke liefern. Unternehmen können damit Muster und Trends erkennen, die für menschliche Analysten schwer zu identifizieren wären. Dieser datengetriebene Ansatz ermöglicht eine präzisere Planung und strategische Ausrichtung.

Die Zukunftschancen dieser Technologie lassen sich in diesem Jahr auch an der Aktienkursentwicklung von vielen Technologieunternehmen ablesen. Die Auswahl der richtigen Werte war für Anleger und Fondsmanager dabei aber gar nicht so einfach. Im allgemeinen Hype wurden kurzfristig auch die Aktienkurse von Unternehmen nach oben getrieben, die keine wirklichen Innovationen oder langfristige Strategien vorweisen konnten. Genau so schnell wie sie nach oben gingen, fielen die Bewertungen dieser Aktien auch wieder.

Unternehmen mit vielen Nutzerdaten profitieren

Grundsätzlich profitieren insbesondere Unternehmen, die bereits über zahlreiche Nutzerdaten verfügen und bereits Erfahrung mit künstlicher Intelligenz haben. Dies wären Unternehmen, wie Meta (ehem. Facebook), Amazon, Apple, Google und Twitter. Hinzu kamen Chiphersteller, deren Halbleiter-Technologie Grundlage der Künstlichen Intelligenz ist und damit erstmal unverzichtbar bleiben.

Viele Fondsmanager haben aber auch weitere Bereiche ausgemacht, die langfristig von KI profitieren sollten:

  • Soziale Medien und Marketing
    KI hat einen erheblichen Einfluss auf soziale Medien. Plattformen verwenden KI-Algorithmen für personalisierte Werbung, basierend auf dem individuellen Nutzerverhalten. Die Technologie ermöglicht außerdem die Gesichtserkennung, um Fotos und Videos zu organisieren.
  • E-Commerce
    Personalisierte Produktempfehlungen basieren auf KI-Analysen von Nutzerverhalten und Präferenzen. Die Logistik wird durch KI-optimierte Routenplanung und Bestandsverwaltung effizienter gestaltet. Dadurch werden nicht nur operative Kosten gesenkt, sondern auch die Kundenzufriedenheit gesteigert.
  • Automobilindustrie
    KI revolutioniert die Automobilindustrie, insbesondere im Bereich autonomes Fahren. Fahrerassistenzsysteme, die auf maschinellem Lernen basieren, sollen die Sicherheit auf den Straßen verbessern. Die Vernetzung von Fahrzeugen wird durch KI ermöglicht, was zu fortschrittlicheren und effizienteren Transportlösungen führt.
  • Gesundheitswesen
    Im Gesundheitswesen spielt KI eine entscheidende Rolle bei der Analyse großer medizinischer Datenmengen. Die Technologie unterstützt Ärzte bei präziseren Diagnosen und ermöglicht personalisierte Behandlungsansätze. KI trägt dazu bei, medizinische Forschung voranzutreiben und den Zugang zu individualisierter Medizin zu erleichtern.

Alles in allem wird deutlich, dass Künstliche Intelligenz einen großen Einfluss auf viele Bereiche der Wirtschaft hat. Der Einsatz von KI verbessert Abläufe, eröffnet neue und innovative Lösungen und fördert die Entstehung fortschrittlicher Produkte und Dienstleistungen. So sorgt KI dafür, dass Unternehmen effizienter arbeiten können, indem sie intelligente Technologien nutzen, die nicht nur bestehende Prozesse optimieren, sondern auch Raum für völlig neue Ideen und Entwicklungen schaffen.

Fazit

Mit dem Aufkommen des KI-Zeitalters sollten Investoren das große Potenzial dieser Technologie nicht ignorieren. Doch wie uns frühere technologische Fortschritte bereits gezeigt haben, ist es für Anleger einfach, sich von den neuesten Megatrends mitreißen zu lassen. Viel schwieriger ist es jedoch, zu erkennen, welche Unternehmen letztendlich zu den Gewinnern gehören werden. Bei der Anlage sollte der Fokus dabei nicht ausschließlich auf den Anbietern von Sprachmodellen oder anderen KI-Lösungen liegen.

Auch im Bereich der Hardware rund um das Thema KI wird es diverse Gewinner geben. Hinzu kommen Unternehmen, deren Geschäftsmodelle nichts direkt mit Künstlicher Intelligenz zu tun haben, aber durch ihre Nutzung enorme Effizienzsteigerungen erhalten. Durch eine entsprechend breite Streuung können Anleger, die auf eine KI-Revolution setzen, ihr Risiko deutlich verringern.

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Dienstag, 14. November 2023

Technologie-Aktien-Boom sorgt für eine Indexanpassung im Nasdaq 100

 Die fünf größten Technologiekonzerne der Welt sind knapp neuneinhalb Billionen Dollar wert: Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet und Nvidia. Diese gigantischen Bewertungen führten zu einer Gewichtung der Werte von mehr als 50 Prozent im Nasdaq 100. Eine Anpassung der Indizes durch den Index Anbieter war nötig. Welche Auswirkungen eine solche Anpassung auf die entsprechenden Einzelwerte oder Märkte hat, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Der wichtige Nasdaq 100 Index musste diesen Sommer außerplanmäßig angepasst werden

Durch die Kursrally bei Apple, Alphabet, Nvidia, Microsoft & Co. sind die großen Technologiewerte übermächtig geworden. Die Anpassung soll die „Überkonzentration im Index“ beheben. Welche Auswirkungen eine solche Indexanpassung auf die entsprechenden Einzelwerte oder Märkte hat und ob dieses Vorgehen auch bei anderen Indizes Schule machen könnte, wollen wir uns etwas näher anschauen. Knapp neuneinhalb Billionen Dollar sind die fünf größten Technologiekonzerne der Welt wert: Apple,  Microsoft, Amazon, Alphabet und Nvidia. Das ist fünfmal so viel wie alle 40 Dax-Konzerne zusammen.

Kursverlauf des Technologie-Aktienindex Nassaq-Index

Diese gigantischen Bewertungen haben inzwischen auch große Auswirkungen auf die  Zusammenstellung verschiedener Indizes. Die sechs größten Werte im Nasdaq 100 erreichten zuletzt ein Gewicht von mehr als 50 Prozent. Das bedeutet: Wer einen Indexfonds auf den Nasdaq kauft, diversifiziert immer weniger und setzt stattdessen sein Geld auf eine Handvoll Techgiganten. Nicht umsonst wird der Index vom Marktbeobachtern scherzhaft auch als „Microsoft-Apple-Nvidia-Amazon-Meta-Tesla-Alphabet-Index“ bezeichnet. Der Rendite hat das bisher noch nicht geschadet: Der Nasdaq-100-Index, der als wichtigster Tech-Aktienindex gilt, obwohl er auch zahlreiche Nicht-Tech-Werte wie Pepsi & Co und Starbucks enthält, hat zwischen Januar und Juni knapp 40 Prozent zugelegt.

Das war sein bestes erstes Halbjahr überhaupt und auch mehr als während der Internetblase zur Jahrtausendwende. Zum Vergleich: Der bekannte US-Leitindex Dow Jones legt im gleichen Zeitraum nur um etwa 5 Prozent zu. Damit Fondsmanager nicht gegen Vorgaben der US-Börsenaufsicht verstoßen, war der Indexanbieter beim NASDAQ 100 jetzt allerdings zum Handeln gezwungen: Laut der Diversifizierungsregel der Aufsichtsbehörde darf das Gesamtgewicht der größten  Aktienbestände (die einen Anteil von 4,5 Prozent oder mehr haben) insgesamt nicht mehr als 48 Prozent betragen.

Damit ETFS, die den Index nachbilden, oder Fondsmanager, die sich an ihm orientieren, nicht gegen diese Regelung verstoßen, mussten die Anteile der größten „Schwergewichte“ verringert werden.

Die Neugewichtung erfolgte dabei auf Basis der aktuellen Titel

Es kamen also keine weiteren Aktien hinzu, um die Gewichtung zu „verwässern“. Konkret fiel der Anteil der sieben größten Unternehmen von 56 Prozent auf 44 Prozent. Mit fast 3 Prozent fiel die „Schrumpfung“ bei den Unternehmen Microsoft und Nvidia am größten aus. Im Gegenzug stiegen die Gewichte der 93 übrigen Aktien. Beispielsweise stiegen die Anteile des Halbleiterherstellers Broadcom um 0,6 Prozentpunkte, während die des Softwarekonzerns Adobe und des Telekommunikationsspezialisten Cisco um jeweils 0,4 Prozentpunkte nach oben gingen.

Weitere Gewinner sind etwa die Kaffeehauskette Starbucks, Booking Holdings (das das Online-Reiseportal booking.com besitzt) und das Pharmaunternehmen Gilead Sciences. Freuen kann sich über die Anpassung auch die Deutsche Telekom. Denn die US-Tochter „T-Mobile US“ wird ebenfalls im NASDAQ 100 Index geführt und macht etwa 1 Prozent des Gesamtgewichts aus. Wenn die Nachfrage nach diesen Aktien steigt, hat dies auch einen positiven Einfluss auf die Bewertung der US-Tochter in der Bilanz der Deutschen Telekom (sie hält aktuell 50,43 Prozent am US-Mobilfunkanbieter).

Gerade für die großen Werte im Index hielten sich die kurzfristigen Auswirkungen der Anpassung aber in Grenzen. Die Kurse der großen Unternehmen und auch der NASDAQ insgesamt konnten in den Tagen nach der Umschichtung sogar leicht zulegen.

Die wertvollsten Marken weltweit nach Markenwert 2022 im Ranking

Jenseits der aktuellen Tagesentwicklungen ergeben sich aus der Nasdaq-Reform in den USA zwei langfristige Szenarien, auf die Anleger ein besonderes Augenmerk richten sollten:

  1. Falls der anhaltende Boom im Bereich Technologie und  Künstliche Intelligenz (KI) sich unvermindert fortsetzt, könnte dies dazu führen, dass Unternehmen wie Apple, Microsoft und ähnliche weniger starken Einfluss auf die Aufwärtsbewegung des Nasdaq-100-Index ausüben werden. In diesem Fall könnte die Performance der amerikanischen Technologiebörse etwas gedämpfter sein als bisher.
  2. Im Gegenzug könnte die Nasdaq zukünftig widerstandsfähiger sein, wenn die Kurse der stark gestiegenen und hoch bewerteten Aktien der aktuellen Tech-Größen eines Tages an Wert verlieren oder sogar stark zurückgehen. In diesem Szenario würde die Nasdaq weniger stark beeinträchtigt werden.

Die grundsätzliche Diskussion um die schlechte Diversifikation von vielen US- oder Welt-Indizes wird in jedem Fall weitergehen. Schon länger in der Kritik ist vor diesem Hintergrund auch der beliebte „MSCI World“. Das Portfolio des Index deckt immerhin 1.513 Unternehmen aus 23 Industrienationen. Die meisten Anleger gehen daher auch von einer breiten Streuung der Anlagen aus, die die Schwankungen des Index verringern sollen. Schaut man sich die Gewichtungen der Länder und Einzelwerte  aber genauer an, erkennt man aber auch hier Klumpenrisiken. Die zehn größten Positionen kommen hier alleine auf ein Gewicht von fast 20 Prozent. Auch hier dominieren die großen Technologie-Aktien. Die restlichen gut 80 Prozent verteilen sich auf die übrigen 1.500 Unternehmen auf.

Auch bei der Ländergewichtung fällt ein Ungleichgewicht auf

Für einen „Welt-Index“ sollte der Anteil von 70 Prozent US-Aktien den ein oder anderen Anleger dann doch kräftig überraschen. Für Euro-Anleger ist dies besonders relevant, da sie damit auch einem Währungsrisiko ausgesetzt sind. Wird der Dollar im Verhältnis zum Euro schwächer, wirkt sich das auch negativ auf die Performance ihrer Anlage aus. Im umgekehrten Fall können sie aber auch von einer Dollarstärke profitieren. Befürworter des Index geben aber zu bedenken, dass die Gewichtung der Unternehmen nach der Marktkapitalisierung nicht umsonst der Regelfall bei der Indexerstellung
ist.

Die wertvollsten Unternehmen sind schließlich nicht ohne Grund in einer marktbeherrschenden Position. Ihre Produkte oder Dienstleistungen sind in der Regel weltweit angesehen und nicht mehr aus dem Leben der Menschen wegzudenken. Ein hoher Marktanteil, stabile Bilanzen und hoher Cashflow machen sie darüber hinaus auch in Krisenzeiten besonders widerstandsfähig. Dies hat auch der MSCI World gerade in schwierigen Börsenjahren immer wieder bewiesen. Wer sich trotzdem eine breitere Streuung in seinem Welt-ETF haben möchte, muss aber nicht auf eine etwaige Anpassung des MSCI World warten.

Am Markt gibt es schon längst Alternativen, die vermeintliche Schwächen des Welt-Index vermeiden wollen. Wen etwa der hohe USA-Anteil im Index stört, kann auf den MSCI World All Countries zurückgreifen, der auch 26 Schwellenländer wie China in das Portfolio aufnimmt. Noch kleiner wird das Gewicht von Aktien aus den Vereinigten Staaten, wenn die Ländergewichtung nach der Höhe des BIP gewichtet wird. Hier verringert sich die US-Quote von knapp 70 auf etwa 30 Prozent. Darüber hinaus gibt es inzwischen auch Welt-Indizes, die alle Unternehmen genau gleich gewichten. So ist sichergestellt, dass kein Land oder Einzelunternehmen ein Übergewicht im Index besitzt. Der Performance hätte diese Allokation in den letzten Jahren des Technologie-Hypes aber eher geschadet.

Übrigens: Wer Angst vor einer regulatorischen Anpassung  des DAX Index hat, kann an dieser Stelle beruhigt werden. Die fünf größten Unternehmen im deutschen Leitindex vereinen zusammen „lediglich“ etwa 37 Prozent des Index-Gewichts auf sich. Ein Eingreifen wird hier also erstmal nicht nötig werden.

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Montag, 30. Oktober 2023

Geldanlagen im 3. Quartal 2023 - Die globale Konjunkturdynamik befindet sich in einer unausgeprägten Phase

Eine heterogene Konjunkturdynamik war im dritten Quartal 2023 die hauptsächliche Prägung. So lieferte der Internationalen Währungsfonds (IWF) Anfang des Quartals im Juli 2023 eine Aktualisierung der Wachstumsprognosen. Dabei wurde das  globale Wirtschaftswachstum per 2023 von zuvor 2,8 Prozent auf 3,0 Prozent hoch gesetzt. Der Wachstumsclip der Industrienationen wurde von 1,3 Prozent auf 1,5 Prozent revidiert. Japan setzte mit seinen Wirtschaftsdaten überwiegend positive Akzente. Japan reüssiert derzeit in der G-7 Runde mit den stärksten Einkaufsmanagerindizes vor den USA, aber auch dem höchsten BIP-Wachstumsclip im 2. Quartal 2023 (1,2 Prozent im Quartalsvergleich).

Die Wachstumsprognose der aufstrebenden Länder wurde von 3,9 Prozent auf 4,0 Prozent seitens des IWF angepasst. Die aufstrebenden Länder bleiben damit die globalen Wachstumstreiber, allen voran die Länder aus der Region Asien mit einem Wachstumsclip per 2023 von 4,5 Prozent unverändert zur Aprilprognose des IWF.

Geopolitischen Lage weiter für aktuelle Marktsituation verantwortlich

Maßgebliche Hintergründe des unausgeprägten Konjunkturszenarios waren weiterhin Auswirkungen der geopolitischen Lage und deutlich anziehende Ölpreise dank verstärkter Kooperation Russlands und Saudi-Arabiens als so genannte „Swing Producer“. Auch die in westlichen Ländern fortgesetzte Zinserhöhungspolitik mit ihren zeitversetzten Wirkungen hatte einen moderierenden Einfluss. China, das Land mit dem größten BIP auf Basis der Kaufkraftparität, verlor zunächst an Wirtschaftsdynamik (Juli-Daten), um dann jedoch wieder unerwartet an Boden zu gewinnen (August-Daten).

Die Vereinigten Staaten lieferten ein durchwachsenes Datenbild, das Ausdruck unterproportionalen Wachstums ist. Der private Konsum und der industrielle Sektor generierten moderate Wachstumsimpulse. Sowohl die durch Zinserhöhungen belasteten Immobilienmärkte als auch der Bausektor belasteten das Wachstum. Der Arbeitsmarkt zeigte sich fortgesetzt in positiver Verfassung.

In der westlichen Hemisphäre fiel Europa bezüglich der Wirtschaftslage weiter zurück, das gilt sowohl für die EU als auch für Großbritannien. So wurde auch das BIP der Eurozone per 2. Quartal 2023 von 0,3 Prozent im Quartalsvergleich auf 0,1 Prozent revidiert. Rückläufige Tendenzen bei den Frühindikatoren weisen in Richtung Rezessionsrisiken. Positiv stach „noch“ die Anomalie starker oder zumindest widerstandsfähiger Arbeitsmärkte (nachlaufende Wirtschaftsindikatoren) ins Auge.

Innerhalb der Eurozone verlor Deutschland fortgesetzt an Boden

Die im 3. Quartal veröffentlichten Daten des Bruttoinlandsprodukts lieferten mit einer Veränderung um 0,0 Prozent zum Vorquartal die schwächsten Werte der G-7 Länder. Die Wachstumsprognose des IWF wurde im Juli für das Gesamtjahr 2023 von -0,1 Prozent auf -0,3 Prozent revidiert. Prekär fielen die Frühindikatoren (Einkaufsmanagerindizes, Konsumklima) im Vergleich zu den großen Wirtschaftsnationen aus. Die Bundesbank erwartet für das dritte Quartal laut aktuellem Monatsbericht eine leichte Kontraktion der Wirtschaftsleistung. Die verfügbaren Daten des Konsums, der Industrie, der Baubranche und des Immobilienmarktes weisen rezessive Werte aus.

Investitionen lassen sich nur durch massive Subventionen (Halbleitersektor, Batterien) realisieren, da die Konkurrenzfähigkeit des Standorts schwach ist. Das Risiko der mittel- und langfristigen Energieversorgungssicherheit und das akute Thema der nicht vorhandenen Konkurrenzfähigkeit bei Energiepreisen als energieintensivster Industriestandort des Westens wirkten belastend. Im 3. Quartal 2023 wurde dieses Manko sowohl von dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag als auch dem Bundesverband der deutschen Industrie fortgesetzt thematisiert. Das von der Regierung initiierte Wachstumschancengesetz adressiert viele kritische Baustellen, unter anderem die Belastung durch überbordende Bürokratie, es forciert auch Steuervereinfachungen und Anreize.

Das akute Primärrisiko für den Standort, das Energieproblem, wurde in dem Gesetz nicht berücksichtigt. Die Entspannung des Inflationsdrucks im ersten Halbjahr setzte sich in der westlichen Welt im dritten Quartal 2023 nicht erwartungsgemäß fort. Dafür waren unter anderem Energiepreise verantwortlich. So legte der Preis der Ölsorte Brent seit dem 30. Juni 2023 von 74,81 USD auf 93,27 USD pro Fass um circa 25 Prozent zu. Im Jahresvergleich kam es im Vergleich zum Ultimo September 2022 zu einem Anstieg um gut 5 Prozent. Die Erdgaspreise nahmen im 3. Quartal im Quartalsvergleich in Europa um 15,5 Prozent zu.

Dagegen kam es in den USA bei Erdgaspreisen zu einem Rückgang im 3. Quartal 2023 um 5,4 Prozent. An den Metallmärkten ergaben sich tendenziell eher entlastende Entwicklungen. So sank der Nickelpreis seit Ende des 2. Quartals 2023 um 5,7 Prozent, der Kupferpreis fiel um 1,4 Prozent. Der Aluminiumpreis stieg dagegen um 5,8 Prozent (energieintensive Produktion, Korrelation zu Energiepreisen). Bei den Lebensmitteln war das Bild im 3. Quartal durchwachsen. Während die Preise gegenüber dem Ultimo des 2. Quartals bei Weizen (-4,3 Prozent) und bei Schweinefleisch (-13,9 Prozent) sanken, kam es bei Mastrind (+10,7 Prozent), bei Zucker (+13,1 Prozent) und bei Orangensaft (+32,1 Prozent) beispielsweise zu Preiserhöhungen.

Globale Inflation hat eine heterogene Entwicklung

Die Inflationsentwicklungen auf globaler Ebene bezüglich der letzten drei Monate liefern ein heterogenes Bild.

Entwicklung der Inflation im Quartalsverlauf

Die Zinspolitik der Zentralbanken wurde im dritten Quartal heterogener. Japan hielt unverändert an der Negativzinspolitik fest (Leitzins -0,10 Prozent). Die EZB hat im dritten Quartal auf den beiden Sitzungen den Leitzins jeweils um 0,25 Prozent auf jetzt 4,50 Prozent erhöht. Die Federal Reserve (5,375 Prozent) als auch die Bank of England (5,25 Prozent) und die Schweizer Nationalbank (1,75 Prozent) verzichteten im September auf Zinserhöhungen, auch hinsichtlich des Verweises darauf, dass Zinsmaßnahmen erst mit mehr als 12 Monaten ihre volle Wirkung entfalten.

Anders als in der westlichen Hemisphäre setzte China mit einer Zinssenkung im August um weitere 0,10 Prozent einen Kontrapunkt. Anders als im Westen steht China vor Deflationsrisiken mit Verbraucherpreisen bei 0,1 Prozent und Erzeugerpreisen bei -3,0 Prozent. In der Folge konnte die Weltwirtschaft im dritten Quartal 2023 keine nennenswerte Dynamik entwickeln. Die Homogenität im Konjunkturverlauf der Weltwirtschaft nimmt zunehmend ab.

Die Perspektive für die weitere globale Entwicklung

Eine kurzfristige Trendwende zu erhöhter globaler Wirtschaftsdynamik ist am Ende des dritten Quartals 2023 in Richtung des vierten Quartals und darüber hinaus nicht erkennbar. Sowohl die unausgeprägte Konjunkturdynamik in den Industrieländern bedingt durch Geopolitik und deren ökonomischen Folgen als auch die einsetzenden Wirkungen des aggressivsten Zinserhöhungszyklus in der westlichen Welt ex Japan zeitigt einen bremsenden Konjunktureinfluss durch Nachfrageausfälle für die Schwellenländer, ohne deren positive Grundtendenz zu gefährden.

In den letzten zehn Jahren wuchsen die Binnenverkehre des „Globalen Südens“ überproportional und forcierten damit eine zunehmende Abkoppelung von dem westlichen Konjunkturzyklus. Diese wirtschaftliche Abkoppelung erfuhr eine politische Formierung. Im dritten Quartal ergab sich bezüglich der Geopolitik eine wesentliche Veränderung. Die Ländergruppe BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) erweitert sich per Anfang 2024 um sechs weitere Mitglieder. Hinzukommen werden Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Iran, Ägypten, Argentinien und Äthiopien.

Damit vereinigt BRICS+ ab Anfang 2024 circa 37 Prozent der Weltwirtschaftsleistung (Basis Kaufkraftparität) auf sich. BRICS+ vertritt dann 46 Prozent der Weltbevölkerung und kontrolliert 80 Prozent der weltweiten Ölproduktion.

Weitere 20 Länder des Globalen Südens wollen dem BRICS-Verbund beitreten. Der bisher lose Bund der BRICS-Länder intensiviert zudem den Aufbau eines eigenen Organigramms (Institutionalisierung), um eigenen Interessen mehr politisches Gewicht und wirtschaftliche Potenz zu verleihen. Als Fazit bietet sich an, dass diese neue Struktur das Potenzialwachstum dieser Gruppe positiv beeinflussen wird. Es werden sich auch positive Wechselwirkungen mit den Industrienationen ergeben, die der Weltwirtschaft perspektivisch mehr Widerstandskraft und Wachstumspotenzial verleihen werden.

Die in die Zukunft gerichteten Wirtschaftsdaten deuten in Richtung unausgeprägter Konjunkturdynamik in einer globalen Betrachtung. Der von JP Morgan ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft (Global Composite PMI) sank von Mai bis August von gut 54 auf 50,6 Punkte (50 Punkte markiert die Grenze zwischen Wachstum und Kontraktion).

Rückläufige Einkaufsmanagerindizes signalisieren keine Kehrtwende

Die Einkaufsmanagerindizes signalisierten insbesondere in dem Sektor des Verarbeitenden Gewerbes fortgesetzte Kontraktion und Dynamikverluste. So liegen die Einkaufsmanagerindizes des Westens für diesen Sektor per September 2023 allesamt unter 50 Punkten, der Marke, die zwischen Wachstum und Kontraktion unterscheidet (Indien 58,6, China 51,0, USA 48,9, Japan 48,6, UK 44,2, Eurozone 43,4 und Deutschland 39,8). Anzumerken ist, dass der Sektor des Verarbeitenden Gewerbes bezüglich des Themas Energiepreise sensibel ist. Europa ist und bleibt durch die eigene Politik im Vergleich zu den USA und Japan in einer kritischen Situation.

Der Dienstleistungssektor verlor im dritten Quartal laut Einkaufsmanagerindizes global an Wachstumsdynamik. Die Heterogenität zwischen den Ländern, die sich im dritten Quartal ergeben hat, unterstreicht die Tendenz zu Lasten der Länder mit Problemen in der Energiepolitik (Indien 60,1, Japan 53,3, China 51,0, USA 50,2, Deutschland 49,8, Eurozone 48,4, UK 47,2).

Innerhalb der Weltwirtschaft ergeben sich erkennbar uneinheitliche Dynamiken, die sowohl mit den Themen der Energieversorgungssicherheit als auch der Energiepreise (Konkurrenzfähigkeit) korreliert sind. Je länger ein global unausgewogenes Szenario diesbezüglich dominiert, desto größer wird die Divergenz der strukturellen und konjunkturellen Entwicklungen gegenüber den diesbezüglich benachteiligten Regionen werden, allen voran gegenüber Westeuropa und maßgeblich gegenüber Deutschland.

Hinsichtlich möglicher weiterer Zinserhöhungen in westlichen Ländern und den damit verbundenen Unsicherheiten bleibt der Druck auf die Immobilienmärkte und die Baubranche ausgeprägt. Für den „Globalen Süden“ sind die Aussichten mangels hoher Inflation und Zinserhöhungen überwiegend besser.

Auch bei den Rohstoffpreisen ist kein Trendwechsel in Sicht

Im Rohstoffsektor ist der Ausblick kritischer sowohl für die weitere Entwicklung der Ökonomie als auch des Preisgefüges. Das aktive Preismanagement Russlands und Saudi-Arabiens durch fortgesetzte Produktionskürzungen, das als Resultat einen Anstieg der Ölpreise um 25 Prozent (Brent) trotz unausgeprägter Konjunkturlage zur Folge hatte, ist bedeutend, denn höhere Energiepreise wirken sich auf alle anderen Rohstoffpreise erhöhend aus (Beispiel Lebensmittelpreise wegen Korrelation Dünger/Energie, energieintensive Förderung von Erzen). Das Risiko, dass Rohstoffpreise einen stärkeren bremsenden Konjunktureinfluss ausüben werden, ist gegenüber dem Vorquartal erhöht.

Die Perspektiven für den Technologiesektor oder zumindest für Teile dieses Sektors heben sich positiv ab. Die Disruption durch Künstliche Intelligenz greift unter Schwankungen Raum. Diese Entwicklung wird sich grundsätzlich fortsetzen. Perspektivisch wirkt Künstliche Intelligenz durch massive Erhöhung der Effizienz reduzierend auf Inflation.

Die verfügbaren Fakten liefern keine Grundlagen für einen Trendwechsel in Richtung einer belebteren Gangart der Weltkonjunktur in zeitlicher Nähe. Die Spreizung bezüglich der Konjunkturentwicklungen zwischen den Industrienationen wird sich zu Gunsten der Schwellenländer tendenziell ausweiten. Die Spreizung der Konjunkturentwicklungen innerhalb der Eurozone zu Lasten Deutschlands wird ohne Umsteuerung in Berlin und Brüssel nicht abnehmen.

Der Finanzmarkt und die Wirtschaft im Rückblick und Vorausschau Q3-2023

An den Finanzmärkten ergab sich im Sommerquartal ein Gesamtbild, das von Konsolidierung respektive leichter Korrektur der in Teilen bemerkenswerten positiven und widerstandsfähigen Lage (Aktienmärkte) im ersten Halbjahr 2023 geprägt war.

Die Divergenz zwischen der Konjunkturentwicklung in den Industrienationen im Vergleich zu den Schwellenländern wird an diversen Märkten kaum oder weiter nicht diskontiert. Ebenso wird den Themen der unterschiedlichen Qualität (Realzins, siehe Tabelle 2) an den Rentenmärkten wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Aktienmärkte: Ein Blick auf den Quartalsverlauf Q3-2023

Es kam nach dem zumeist freundlichen Verlauf der Aktienmärkte im ersten Halbjahr 2023 im dritten Quartal 2023 im Zeitverlauf weit überwiegend zu Korrekturen, die in das historische saisonale Muster passen.

Vergleich der Aktienmärkte im Quartalsverlauf

Innerhalb dieses Korrekturmodus liefen US-Märkte besser als die europäischen Märkte. Die Vorteile des US-Wirtschaftsraums gegenüber Europa bezüglich der Themen Innovationspolitik, Regulatorik, Energiepolitik, Steuerpolitik und Subventionspolitik wirkten und wirken zu Lasten der Finanzmärkte Europas und zu Gunsten des  Marktes USA.

Die Schwäche an Chinas Aktienmärkten war im Quartalsvergleich im internationalen Vergleich uneinheitlich. Sie bewegte sich leicht unterhalb des Niveaus des MSCI World Index. Weiter verfingen Themen wie Chinas Wachstumsvorteile, Zinssenkungspotentiale, Realzins oder konservative Bewertungskriterien nicht. Erkennbar spielten und spielen geopolitische Erwägungen in der Kapitalallokation westlicher Teilnehmer außerhalb der westlichen Einflusssphäre eine belastende Rolle für Chinas Märkte.

Indien, das eine politische Ambivalenz zwischen dem Westen und Osten lebt, setzte an den Aktienmärkten mit einem Anstieg des Sensex Index um 2 Prozent die positivsten Akzente an den größeren internationalen Aktienmärkten im dritten Quartal 2023.

Japan konnte die fulminante positive Outperformance des 1. Halbjahres 2023 im Sommerquartal nicht fortsetzen. Die anhaltende Niedrigzinspolitik und überwiegend positive Konjunkturdaten (relativer Vergleich) wurden am Aktienmarkt nicht weiter mit Aufwärtsmomentum diskontiert.

Fazit für die Aktienmärkte im dritten Quartal 2023

Die Grundtendenz an den Aktienmärkten entsprach mit Ausnahme Indiens dem saisonalen Muster.  Die Divergenz bei den Korrekturen und Konsolidierungen reflektierten die zunehmend heterogeneren Standortbedingungen auf dieser Welt. Sie waren und sind Folge der geopolitischen Auseinandersetzungen, die die Kapitalallokation durch die dominanten westlichen Kapitalsammelstellen nachweislich fortgesetzt beeinflusst.

Rentenmärkte: Ein Blick auf den Quartalsverlauf Q3-2023

Die westlichen Zentralbanken laufen in ihrer Zinspolitik zum Ende des dritten Quartals nicht mehr im Gleichschritt. Von der US-Notenbank wurde richtigerweise eine Zinspause erwartet, weil längst sowohl am Geld- als auch am Kapitalmarkt positive reale Zinsen etabliert wurden, anders als in der restlichen westlichen Welt. Die EZB lieferte eine weitere Zinserhöhung wider Erwarten der Märkte. Dagegen verweigerten sich unerwarteterweise sowohl die Bank of England als auch die Schweizer Nationalbank einer Leitzinserhöhung per September. Die heterogeneren Handlungsweisen der Notenbanken hatten keinen nennenswerten Einfluss auf die Rentenmärkte.

Die Handlungsweisen der Notenbanken lassen aber in der Gesamtheit erkennen, dass der größte Teil der Leitzinsanpassungen hinter uns liegt. Die Erwartung rückläufigen Inflationsdrucks hat sich im dritten Quartal 2023 moderiert. Auch wegen der höheren Ölpreise zeigt sich das Inflationsbild derzeit hartnäckiger. Noch implizieren die Vorlaufindikatoren (Erzeuger- und Importpreise) perspektivisch rückläufige Verbraucherpreisdaten. Die Implikation ist hinsichtlich aktueller Energiepreisentwicklungen moderater als im Vorquartal.

Fazit für die Rentenmärkte im dritten Quartal 2023

Für die Rentenmärkte in Europa bieten sich im Zuge der voraussichtlichen Zinserhöhungen (aktuell maximal 2 Erhöhungen à 0,25 Prozent) moderat höhere Renditen. Die prozentuale Traktion der Rentenmärkte bezüglich der Leitzinserhöhungen sollte in der Eurozone weiter bei circa 50 Prozent - 60 Prozent liegen. Das entspräche den Erfahrungswerten aus den bisher vorgenommenen Zinserhöhungen des aktuellen Zyklus. In den USA hängt die kurzfristige Entwicklung von dem aktuellen US-Haushaltsstreit ab. Mittel- und langfristig betrachtet stehen die USA am Ende des Leitzinserhöhungszyklus. Ergo sollte sich für die US-Rentenmärkte im Bereich 4,50 Prozent - 4,70 Prozent ein Renditetop ausbilden (10-jährige US-Staatsanleihen).

Devisenmärkte: Ein Blick auf den Quartalsverlauf Q3-2023

An den Devisenmärkten bestimmten bis Ende des zweiten Quartals 2023 Erwartungen über die weitere Zinspolitik der Notenbanken zu großen Teilen das Geschehen. Das hat sich im dritten Quartal trotz unerwarteter Wendungen der Zentralbankpolitiken verändert. Die Volatilität nahm zwischen den westlichen Hauptwährungen deutlich ab.

Im dritten Quartal 2023 konnte der Euro seine vorherige Stärke gegenüber dem US-Dollar nicht halten und hat sukzessive Boden verloren. Im Hinblick auf die Zinsdifferenz, die konjunkturelle Differenz als auch die des Aspektes der Standortqualität und der realen Kapitalströme (Investition in den USA durch Europa auch durch IRA-Programm) ist die Widerstandskraft des Euros bemerkenswert.

Gegenüber dem japanischen Yen gab es für den Euro nur geringfügigen Bodengewinn. Der Euro markiert derzeit die höchsten Bewertungen seit circa 15 Jahren. Gegenüber dem britischen Pfund und dem Schweizer Franken ergaben sich keine signifikanten Veränderungen.

Devisenmärkten im Quartalsverlauf

Fazit für die Devisenmärkte im dritten Quartal 2023

Der Mangel an Volatilität wirft Fragen auf, da sich strukturelle Veränderungen zu Lasten der Eurozone ergeben, die derzeit nicht diskontiert werden. Ebenso ist die Zinssensibilität unausgeprägter als noch im zweiten Quartal 2023. Der aktuelle Status relativer Stabilität unter den westlichen Hauptwährungen erscheint in einem historischen Kontext Qualitäten einer Anomalie aufzuweisen.

Quartalsbericht Q3 2023

Geldanlagen im dritten Quartal 2023 als ePaper lesen

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Freitag, 15. September 2023

Zinswende - Welche Anlageklassen sind die Gewinner des rapiden Zinsanstiegs

 Die Europäische Zentralbank (EZB) hat erst im Juli 2023 die Leitzinsen auf 4,25 Prozent erhöht. Dies ist der höchste Stand seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008. Der rapide Anstieg der Zinsen über die letzten 18 Monate in Europa und auch in den USA hat die Finanzmärkte zwischenzeitlich durcheinandergewirbelt. Grund genug, im Folgenden auf diese Entwicklungen zurückzublicken und Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Denn eines ist sicher: Die Zeit wieder sinkender Zinsen kommt bestimmt!

Die Leitzinsen sind ein zentrales Instrument der Geldpolitik

Deshalb werden die Leitzinsen in jeder Volkswirtschaft im Kampf gegen Inflation (Zinserhöhungen) oder zur Stützung der Konjunktur (-senkungen) als Steuerungsinstrument herangezogen. Bei Zinserhöhungen steigt der Kostenaufwand für Geschäftsbanken, wenn sie sich bei ihrer Zentralbank Geld leihen. Diese zusätzlichen Kosten werden in der Regel von den Geschäftsbanken auf ihre Kunden (Privatleute und Unternehmen) übertragen. Verändert eine Zentralbank ihre Leitzinsen, hat das aber nicht nur direkte Effekte auf den Finanzsektor, sondern zieht auch weitreichende Konsequenzen für alle Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Edelmetalle nach sich.

Nach mehreren Zinserhöhungen im Verlauf dieses Jahres zeichnet sich laut Marktexperten langsam das Ende des Zinserhöhungszyklus ab. Angesichts der zurückgehenden Kerninflation in den USA wird es immer unwahrscheinlicher, dass die Federal Reserve System (Fed) weitere Zinserhöhungen durchführt. Im Gegensatz dazu wird in Europa mindestens ein weiterer Zinsschritt im laufenden Jahr erwartet. Einige Wirtschaftswissenschaftler haben jedoch jüngst für die Idee einer Zinspause im September plädiert. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, sowie Friedrich Heinemann, Ökonom am Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW, sprachen sich dafür aus, die Wirkung der jüngsten Zinserhöhungen abzuwarten und ihre Auswirkungen auf die Inflationsentwicklung zu beobachten. Im Oktober könnte die Europäische Zentralbank (EZB) dann immer noch mit einem Zinsschritt reagieren.

Entwicklung des Zinssatzes der Europäischen Zentralbank für das Hauptrefinanzierungsgeschäft von 1999 bis 2023

Für eine Trendumkehr frühzeitig die Anlagestrategie anpassen

Anleger, die von einer möglichen Trendumkehr bei den Zinsen profitieren möchten, sollten frühzeitig ihre Anlagestrategie anpassen, um auf potenziell fallende Zinsen vorbereitet zu sein. Hierbei ist es entscheidend, die Reaktion verschiedener Anlageklassen auf Zinsänderungen genau zu analysieren. Und selbst innerhalb der einzelnen Kategorien kann es deutliche Unterschiede in der Stärke der Reaktion geben.

1. Anlageklasse Anleihen:

Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, und ihre Rendite steht in direktem Zusammenhang mit den aktuellen Zinssätzen. Steigende Leitzinsen führen dazu, dass neu emittierte Anleihen höhere Zinsen bieten müssen, um Anleger anzulocken. Bestehende Anleihen mit niedrigeren Zinssätzen verlieren daher an Attraktivität und könnten an Wert verlieren, wenn Anleger auf dem Sekundärmarkt höhere Renditen verlangen. So geschehen im Jahr 2022, als steigende Zinsen zu massiven Verlusten bei langlaufenden Anleihen führten. Anleihen mit kürzeren Laufzeiten wurden hingegen deutlich weniger von Zinsschwankungen beeinflusst – egal ob nach oben oder nach unten.

Umgekehrt könnten sinkende Leitzinsen die Nachfrage nach bestehenden Anleihen erhöhen, da sie im Vergleich zu neuen Anleihen mit niedrigeren Zinssätzen attraktiver werden. Dies kann zu steigenden Anleihepreisen führen, was zu Kapitalgewinnen für Anleiheinvestoren führt. Allerdings könnten stark sinkende Zinsen auch zu einem Punkt kommen, an dem die Renditen auf Anleihen so niedrig sind, dass Investoren nach alternativen Anlageklassen suchen.

Aktuell bewegen sich Anleihe (noch) in einem besonderen Umfeld: Die Zinsstruktur ist invers! Das bedeutet, dass die Renditen für kurzlaufende Anleihen höher sind als die Renditen für langlaufende Anleihen. Es sollte also noch eine Weile vorteilhaft sein, sogenannte „Kurzläufer“ zu bevorzugen. Erst wenn die Zinsen wieder fallen oder sich die Konjunktur deutlich aufhellt, könnte die Situation wieder zu Gunsten der „Langläufer“ kippen.

2. Anlageklasse Aktien:

Steigende Leitzinsen belasten in der Regel den Aktienmarkt. Investoren könnten ihre Kapitalallokation überdenken und vermehrt in festverzinsliche Anlagen umschichten, die nun attraktivere Renditen bieten. Die höheren Opportunitätskosten für den Besitz von Aktien können zu einem Rückgang der Nachfrage führen, was wiederum die Aktienkurse unter Druck setzt. Unternehmen könnten auch mit steigenden Zinskosten für Schulden konfrontiert werden, was ihre Gewinnmargen reduzieren könnte. Niedrige Leitzinsen haben tendenziell positive Effekte auf den Aktienmarkt. Sie verringern die Attraktivität von Anleihen und anderen festverzinslichen Anlagen, da diese im Vergleich zu Aktien niedrigere Renditen bieten.

Investoren könnten daher vermehrt in Aktien investieren, um höhere Erträge zu erzielen. Dies kann zu einer erhöhten Nachfrage nach Aktien führen, was wiederum die Kurse steigen lässt. Darüber hinaus können niedrige Zinsen die Kosten für Unternehmenskredite reduzieren. Unternehmen können günstiger Kapital aufnehmen, um Investitionen zu tätigen und zu wachsen. Dies kann sich positiv auf die Gewinne und somit auf die Aktienkurse auswirken. Gemeinhin zählen in Zeiten niedriger Zinsen insbesondere Wachstums-Aktien zu den Gewinnern. Diese profitieren oft stärker als Value-Aktien von den niedrigen Finanzierungskosten.

Darüber hinaus steigen die Bewertungen der Wachstumsunternehmen stärker, da die zukünftig erwarteten Erträge weniger stark abdiskontiert werden. Gerade Nebenwerte und Technologieaktien werden in Zeiten fallender Zinsen damit wieder besonders attraktiv. Die Entscheidung zwischen Value- und Growth-Aktien hängt aber letzten Endes von den individuellen Anlagezielen und der Risikobereitschaft ab. Während Value-Aktien in einem unsicheren Marktumfeld Stabilität bieten könnten, könnten Growth-Aktien mit ihrem Potenzial für zukünftiges Wachstum locken.

3. Anlageklasse Rohstoffe und Edelmetalle:

Leitzinsänderungen haben auch Einfluss auf Rohstoffmärkte, insbesondere auf Rohstoffe, die in US-Dollar gehandelt werden. Sinken die Leitzinsen in den USA schneller und stärker als in anderen Währungsregionen, schwächt dies den US-Dollar und kann den Preis von Rohstoffen steigen lassen. Da Rohstoffe auf den internationalen Märkten in Dollar notieren, können sie für Inhaber anderer Währungen günstiger werden, was die Nachfrage befeuert. Stärker als von der Zins- oder Währungsentwicklung sind Rohstoffe aber von der Konjunktur abhängig. Kommt die Wirtschaft – dank fallender Zinsen – besser in Schwung und die Auftragslage der Unternehmen verbessert sich, so steigt auch die Rohstoffpreise.

Im Segment der Rohstoffe nehmen Edelmetalle eine Sonderrolle ein. Gold wird oft als "sicherer Hafen" betrachtet, der in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und hoher Inflation Schutz bieten kann. Bleiben die Notenbanken im Kampf gegen die Inflation erfolgreich, könnte dies Gold also weniger attraktiv machen. Auf der anderen Seite reduzieren fallende Zinsen auch die Opportunitätskosten für den Besitz von Gold, da es im Gegensatz zu Aktien und Anleihen keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Dividenden generiert.

 

 Zehnjährige Staatsanleihen ausgewählter Länder im Juli 2023 und deren Rendite

Fazit

Die Auswirkungen von Zinsänderungen sind nicht immer vorhersehbar und werden von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst, einschließlich wirtschaftlicher Bedingungen und globaler Ereignisse. Eine kontinuierliche Überwachung der Marktentwicklungen und eine Anpassung der Anlagestrategie sind daher von großer Bedeutung. Mit einem Mix aus Aktien und Anleihen sollten Anleger aber gut auf die Zinswende vorbereitet sein. Bei größerer Risikoneigung kann der Anteil von Aktien und insbesondere Wachstumswerten in den Portfolios erhöht werden. Im Anleihesegment ist bei der Auswahl auf die Laufzeit (Duration) der Wertpapiere zu achten. Kippt die Zinskurve, können langlaufende Anleihen wieder stärker gewichtet werden.

Beim Blick auf die möglichen Gewinner der Zinswende sollte aber auch eine breite Streuung der Anlagen nicht vernachlässigt werden. Diese bleibt auch in Zeiten sinkender Zinsen der beste Schutz vor bösen Überraschungen.

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