Freitag, 29. Oktober 2021

Geldanlagen im 3. Quartal 2021 - Die Börsen erreichten zwischenzeitlich Rekordkurse

 Im 3. Quartal 2021 erreichten die Aktienmärkte neue Höchststände und konnten diese aber nicht bis in den Oktober halten. Anziehende Corona-Zahlen, die angekündigte Straffung der Geldpolitik und China-Sorgen führten zuletzt zu einer Abkühlung. Auch der Ausgang der Bundestagswahl hatte nur kurz einen positiven Effekt. Langfristig ist der Ausblick der Marktexperten aber positiv. Die Rahmenbedingungen für Wachstum bleiben stabil und die Erholung der Unternehmensgewinne spiegeln dies auch wider.

Bundestagswahl hat kaum Einfluss auf Märkte

Der Ausgang der Wahlen in Deutschland hat internationale Anleger kalt gelassen und selbst den DAX Index nicht nachhaltig beeinflusst. Von den möglichen Regierungskoalitionen wird kein entscheidender Kurswechsel erwartet - zumindest was das Ausland betrifft. Deutschland wird ein verlässlicher Handelspartner bleiben und im Verhältnis zu den großen Industrienationen sollte sich nichts Grundlegendes ändern. Da fällt auch nicht ins Gewicht, dass sich die Koalitionsbildung als schwierig und langwierig herausstellen könnte. Wie so häufig nach Wahlen gilt die Phrase „Politische Börsen haben kurze Beine“. Viel wichtiger für die nächsten Monate sollten also Faktoren wie die Geldpolitik, Entwicklung der Unternehmensgewinne, Inflation und Konjunktur bleiben.

Federal Reserve stellt Straffung der Geldpolitik in Aussicht

Die US-Wirtschaft hat sich aus Sicht der US-Notenbank Federal Reserve System (Fed) in den vergangenen Monaten weiter von ihrem Corona-Einbruch erholt. Wie Fed-Chef Jerome Powell Ende September erklärte, hatten sich die Arbeitsmarktdaten zuletzt weiter verbessert. Die stark gestiegene Inflation halten die Währungshüter eher für ein kurzfristiges Phänomen, getrieben von Engpässen in einigen Wirtschaftsbereichen im Zuge der wirtschaftlichen Öffnung nach der Corona-Krise. Mögliche Zinserhöhungen stellte Powell frühestens für das Jahr 2022 in Aussicht. Und dies auch nur, wenn sich an den Rahmenbedingungen nicht grundsätzlich etwas ändert. Zugleich bereitet die Fed die Finanzmärkte darauf vor, dass das in der Corona-Krise gestartete große Wertpapierkaufprogramm womöglich noch in diesem Jahr heruntergefahren wird. Die Zentralbank schickt sich also an, den anhaltenden Krisenmodus langsam zu verlassen.

Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Lage der europäischen Wirtschaft?

Europa weiter auf Erholungskurs

Die guten Zahlen aus europäischen Unternehmen wurden von Anlegern mit neuen Börsen-Rekordständen Anfang September goutiert. Erst zum Ende des Quartals kühlte die Euphorie wieder etwas ab. Wie erwartet gingen mit Anbruch der kälteren Jahreszeit die Corona-Zahlen wieder leicht in die Höhe und die Lieferengpässe bei wichtigen Wirtschaftsgütern wie Computerchips sorgten teilweise für Produktionsausfälle. Im Euroraum kam als dritter Belastungsfaktor ein Preisanstieg für Gas und Strom hinzu, der einen zusätzlichen Kostenschub für sämtliche Wirtschaftsbereiche nach sich zieht. Diese Effekte drücken zwar aktuell auf die Stimmung, sollten aber mittel- bis langfristig überwunden werden. Mit einer raschen Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) ist weiterhin nicht zu rechnen. Niedrige Zinsen werden als Konjunkturprogramm für Unternehmen im Euroraum also noch länger bestehen bleiben.

Chinesische Aktien leiden unter Regulierung und „Evergrande“

Die chinesische Wirtschaft wurde in den letzten Monaten durch eine striktere Regulierung der Behörden in Peking geprägt. Ins Visier der Regierung gerieten dabei auch die chinesischen Technologieriesen, deren Monopolstellung im Markt schon länger kritisiert wurde. Von einer der letzten Entscheidungen aus Peking waren aber auch private Bildungsunternehmen betroffen, die zukünftig ihre Dienstleistungen nur noch gemeinnützig anbieten dürfen. Mit diesem Schritt will Peking für mehr Bildungsgerechtigkeit sorgen und die häufig sehr teuren Angebote für die gesamte Bevölkerung zugänglich machen. Weitere Regelungen betrafen insbesondere die Themen Umweltschutz und CO2-Einsparung. Ziele also, die auch für westliche Beobachter nachvollziehbar sind. Trotzdem sorgt die Vehemenz des Durchgreifens und die schwierige Vorhersehbarkeit weiterer Regulierungsschritte für Unsicherheit. Verstärkt wird diese noch durch die Krise des Immobilienentwicklers „Evergrande“. Marktbeobachter hoffen hier weiterhin auf ein rasches Eingreifen der Regierung. Die chinesische Zentralbank pumpte in den letzten Wochen zwar bereits Milliarden Dollar in die Finanzmärkte, ein klares Bekenntnis aus Peking zur Rettung des Konzerns ist vorerst aber ausgeblieben. Die Volatilität an asiatischen Aktien könnte also noch die nächsten Wochen hoch bleiben, an den perspektivischen Wachstumsaussichten ändert dies aber vorerst nichts.

Anleiheanleger finden positive Renditen in Schwellenländern

Das angekündigte Herunterfahren der Anleihekäufe durch die Notenbanken hat Anleiheinvestments in den westlichen Industrienationen belastet. Staatsanleihen werden es in diesem Umfeld auch in den nächsten Monaten schwer haben und selbst Unternehmensanleihen mit Investmentgrade-Bewertung könnten im Vergleich zum ersten Halbjahr schwächer abschneiden. Anleiheexperten und Fondsmanager tendieren daher aktuell stärker zu Hochzins- und Schwellenländer-Anleihen, die auch im abgelaufenen Quartal schon zu den Renditebringern im Rentensegment gehört haben. Die wirtschaftliche Erholung nach Corona hat sich hier bereits positiv auf die Ausfallraten ausgewirkt und für eine robuste Entwicklung der Gesamtrenditen geführt.

Fazit

Nach einem rekordverdächtigen ersten Halbjahr 2021 scheint das Wachstum zuletzt ins Stocken geraten zu sein. Betrachtet man aber das Gesamtbild und insbesondere Unternehmensdaten, zeigt sich, dass der Erholungskurs weiter intakt geblieben ist. Auch wenn die Corona-Krise wahrscheinlich noch lange nicht ausgestanden ist, nehmen die meisten Regierungen weltweit Abstand von Lockdowns oder anderen harten Maßnahmen, wie im Vorjahr oder öffnen die Wirtschaft bereits komplett. Dieses größte Risiko für das Wachstum ist für die Börsen daher auch kaum noch von Relevanz. Weitere belastende Themen, wie Inflation, Lieferengpässe, chinesische Regulierung und Evergrande-Krise haben zwar das Potential kurzfristig für Schwankungen zu sorgen, auf lange Sicht zeichnet sich aber eine Fortführung der wirtschaftlichen Erholung ab. Die fiskalische und geldpolitische Unterstützung durch Regierungen und Notenbanken sollte den globalen Börsen ebenfalls weiter Auftrieb geben. Mit Blick auf die schwache Entwicklung von Zinsanlagen, Anleihen und der hohen Inflation, führt für Anleger daher kaum ein Weg an Aktieninvestments vorbei.

Quartalsbericht Q3 2021

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Montag, 11. Oktober 2021

Anlagekommentar September 2021 - Weltwirtschaft ist etwas weniger dynamisch und die Energiepreise steigen rasant an

 Die wirtschaftliche Erholung in Europa und den USA ist solide geblieben und wurde vom privaten Konsum getragen. Die Industrieproduktion hat sich erwartungsgemäß sowohl in Europa als auch in den USA auf nahezu Vorpandemieniveaus erholt. Die Corona-Delta-Variante hat sich zuletzt für einzelne Branchen als eine geringfügige Belastung entwickelt. Lieferengpässe und Engpässe am Arbeitsmarkt in den USA haben zudem die Aktivität etwas belastet, obwohl dadurch der Normalisierungsprozess nicht in Frage gestellt wird. Die wirtschaftliche Dynamik in den kommenden Monaten wird nicht wesentlich schwächer sein, als in der starken ersten Jahreshälfte, wobei Europa und die USA weiterhin vergleichsweise gut abschneiden werden.

Entwicklung der Anlagemärkte im September 2021

Der September 2021 sorgte für die längst überfällige Marktkorrektur an den Aktienmärkten. Nachdem die wichtigsten Aktienindizes in der westlichen Welt Anfang September noch neue Höchststände erreicht hatten, sorgten die Inflationssorgen, die an Schwung verlierende weltweite Wirtschaftserholung und erste Gewinnwarnungen den Investoren merklich zu. Allerdings fielen die Kursrückgänge dennoch ziemlich moderat aus. So ging der globale Aktienindikator MSCI World Index um -4,3 Prozent zurück, wobei vor allem hoch bewertete Technologie- und Wachstumswerte als Replik auf die sprunghaft angestiegenen langfristigen Renditen überproportional verloren haben.

DAX Entwicklung

Bei den amerikanischen Anlageindizes, wie dem S&P 500 Index ging es um -4,8 Prozent runter und der  NASDAQ 100 Index kam mit -5,7 Prozent "unter die Räder". Bei den europäischen Werten ging es auch Bergab, wie beim deutschen DAX Index mit -3,6 Prozent, dem Eurostoxx 50 Index mit -3,5 Prozent, dem britischen FTSE 100 Index mit -0,5 Prozent, Frankreichs CAC 40 Index mit -2,4 Prozent und Spaniens IBEX 35 Index sogar nur -0,6 Prozent.

Die asiatischen Aktienmärkte tendierten dagegen uneinheitlich. Die Besorgnis über Ansteckungseffekte auf den chinesischen Immobilienmarkt von möglichen Zahlungsausfällen und dass harte Durchgreifen der chinesischen Regierung gegen den Technologiesektor belasteten das Wachstum der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft. Dass sich der SSE Composite Index trotzdem um +0,7 Prozent verbessern konnte, lag vor allem daran, dass die Zentralbank die Märkte mit Liquidität stützte und die Anleger davon ausgingen, dass die Regierung einen Preisverfall am Immobilienmarkt auf jeden Fall verhindern will. Gegen den Trend konnte sich der japanische NIKKEI 225 Index um +4,8 Prozent auf ein 31-Jahreshoch stark verbessern.

Auch an den globalen Rentenmärkten standen die Zeichen auf Baisse. Trotz schwächerer Konjunkturindikatoren will die US-Notenbank Federal Reserve System (Fed) ab November die Anleihenkäufe sukzessive zu reduzieren. Ziel der amerikanischen Währungshüter ist, Mitte des nächsten Jahres keine weiteren Staats- und Hypothekenanleihen mehr aufzukaufen. Auch die Präsidentin Christine Lagarde der Europäischen Zentralbank (EZB) stieß ins gleiche Horn. So sollen die Anleihekäufe bereits im vierten Quartal langsam reduziert werden. Gleichzeitig hoben sowohl Fed als auch EZB ihre Inflationsprognosen für dieses Jahr an und thematisierten die gestiegenen Energiepreise. Dies- und jenseits des Atlantiks stiegen die Renditen für langlaufende Staatsanleihen an.

Mit Diversifikation die Anlagerisiken professionell verteilen

Wer langfristig Vermögen bilden will, kommt am Aktienmarkt kaum vorbei. Dies galt schon früher so und in der aktuellen Niedrigzinsphase umso mehr. Aber wie kann man als Sparer die Schwankungen an der Börse in den Griff bekommen? Mit der Diversifikation seiner Anlagen kann man ein günstiges Verhältnis von Renditechance und Risiko schaffen.

Langfristige Renditechancen nutzen

An Aktien geht im Umfeld niedriger und negativer Zinsen deshalb kein Weg vorbei. Denn die Börse bietet Sparern die Chance auf interessante Renditen für den langfristigen Vermögensaufbau. Ein Beispiel: Deutsche Aktien aus dem DAX haben über Zeiträume von 15 Jahren im Schnitt eine Rendite von 8,9 Prozent erzielt. Und selbst nach dem Kurseinbruch im Frühjahr 2020 lag der DAX über das ganze Jahr gesehen im Plus.

Aktien sind wie alle Wertpapieranlagen jedoch mit Risiken verbunden. Die Kurse schwanken und unerwartete Ereignisse, wie die erste Coronawelle, können den ganzen Markt erschüttern. Wie können Sparer diese Risiken in den Griff bekommen, um Renditechancen bei möglichst geringen Kursschwankungen zu erzielen? Hier kommt die Risikostreuung ins Spiel und heißt im Fachdeutsch: Diversifikation.

Die Portfoliotheorie und die Korrelation

Diversifikation ist ein Begriff der Portfoliotheorie, die der spätere Wirtschafts-Nobelpreisträger Harry M. Markowitz in den 1950er-Jahren entwickelt hat. Markowitz erkannte, dass einzelne Anlagen bei der Rendite-Risiko-Analyse nicht isoliert voneinander betrachtet werden dürfen: Auch ihr Zusammenspiel mit den anderen Bestandteilen des Portfolios spielt eine große Rolle. Dieses Zusammenspiel heißt Korrelation. Zwei Vermögensanlagen, deren Kurse sich ungefähr im Gleichklang bewegen, sind hoch korreliert; dies könnte zum Beispiel für die Aktien von zwei Unternehmen gelten, die im gleichen Land in der gleichen Branche tätig sind. Verlaufen die Kurse dagegen weitgehend unabhängig voneinander, ist die Korrelation gering.

Aktien sind wie alle Wertpapieranlagen jedoch mit Risiken verbunden. Die Kurse schwanken und unerwartete Ereignisse, wie die erste Coronawelle, können den ganzen Markt erschüttern. Wie können Sparer diese Risiken in den Griff bekommen, um Renditechancen bei möglichst geringen Kursschwankungen zu erzielen? Hier kommt die Risikostreuung ins Spiel und heißt im Fachdeutsch: Diversifikation.

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Und das hat positive Folgen: In einem Portfolio aus gering korrelierten Anlagen gleichen sich die Kursschwankungen mit der Zeit aus. Dies sogt dafür, dass das Verlustrisiko bei gleichbleibender Renditechance sinkt. Ein diversifiziertes Portfolio ermöglicht so ein deutlich besseres Verhältnis von Rendite und Risiko als eine Einzelanlage.

Wie setzt man die Diversifikation in der Praxis um

Aktiensparer sind deshalb gut beraten, dass sie die Struktur ihres Gesamtportfolios im Auge zu behalten. Dies ist sinnvoller, anstatt unsystematisch in Einzeltitel zu investieren - auch wenn dies auf den ersten Blick attraktiv erscheint. Dabei können die Sparer ihre Risiken auf mehreren Ebenen streuen:

  1. innerhalb eines Aktienportfolios
    • indem sie ihr Vermögen auf verschiedene Branchen und Regionen verteilen
  2. über die Anlageklassen hinweg
    • indem sie zum Beispiel Aktienanlagen und Anleihen miteinander kombinieren
  3. auf der Zeitachse
    • indem sie regelmäßig kleinere Beträge anlegen und so günstige Durchschnittskosten erzielen

Was bedeutet das in der Praxis? Regelmäßig Geld anzulegen ist nicht kompliziert, denn man kann als Aktiensparer dazu einfach einen Sparplan eröffnen. Für Laien ist eine gezielte Diversifikation innerhalb der Anlageklasse und darüber hinaus aber nur schwer zu realisieren. Denn ein Portfolio aus gering korrelierten Wertpapieren zu managen erfordert die kontinuierliche Beobachtung der Märkte und der relevanten Kennzahlen. Diese Aufgabe sollten Sparer professionellen Fondsmanagern überlassen.

Durchschittskaufmethode

Ein Blick auf die aktuellen Anlagestrategien

In der für die Finanzmärkte wichtigen US-Wirtschaft ist die Normalisierung weiter im Gang und die Volkswirtschaften in Europa dürften mit etwas Verzögerung dieser Richtung folgen. Dieses Szenario ist an den Kapitalmärkten, denn führende Börsenindizes befinden sich auf Allzeithochs und die Kreditaufschläge von Unternehmensanleihen nahe Rekordtiefs, weitgehend eingepreist. Nach drei Monaten mit hohen monatlichen Zuwächsen der Kernkonsumentenpreise in den USA im Umfang von 0,7 Prozent bis 0,9 Prozent deutet der Anstieg im Juli 2021 mit 0,3 Prozent auf eine mögliche Entspannung hin. Allerdings sollte aufgrund der anhaltend hohen Konsumnachfrage und Engpässen in Lieferketten ein Wiederaufflackern der Inflation nicht überraschen. Die anstehenden reduzierten Anleihekäufe (Tapering) der US-Notenbank Fed sollten von den Marktteilnehmern weitestgehend eingepreist sein. Nach den Wahlen in Deutschland am 26. September 2021 dürften langwierige Koalitionsverhandlungen folgen, wobei an den Kapitalmärkten je nach Koalition höchstens geringfügige Auswirkungen zu erwarten sind.

Zu den positiven Faktoren für die Börsen zählt insbesondere eine kräftige Zunahme der Unternehmensgewinne in diesem Jahr. Eine Korrektur wäre zu erwarten, wenn sich die wirtschaftliche Normalisierung verzögern sollte. Auch die US-Unternehmenssteuern bleiben in den kommenden Monaten weiter ein Thema, wobei eine Erhöhung wie sie Präsident Joe Biden anstrebt, angesichts der hauchdünnen demokratischen Mehrheit im Senat unwahrscheinlich ist. Der Anstieg der Inflation in den USA dürfte von den meisten Investoren als temporäres Phänomen betrachtet werden und kaum belasten. Bis zum Jahresende kann von leicht steigenden Anleiherenditen, insbesondere in den USA ausgegangen werden. Für die Börsen sollte dies in aller Regel keine negativen Auswirkungen haben.

So sprechen mittelfristig in einem weiter anhaltenden Nullzinsumfeld die Dividendenrenditen und Ertragsaussichten für Aktien für Erfolg. Aufgrund des aktuellen Wirtschaftsszenarios werden konjunktursensitive Werte und damit auch das Segment kleinerer und mittelgroßer Unternehmen auf Erholungskurs bleiben. Aber auch bei Value-Aktien gibt es weiterhin Potenzial und auch defensive Unternehmen mit einer soliden Dividendenhistorie sollten besser abschneiden als Unternehmensanleihen mit Anlagequalität. Nach der derzeitigen längeren Phase eines insgesamt positiven Börsentrends sind Gewinnmitnahmen weiter wahrscheinlich. Ohne signifikante negative Nachrichten sind Korrekturphasen jedoch meist von kurzer Dauer und würden eher weiter Einstiegsmöglichkeiten zum Nachkaufen bieten.

Trotz einer möglicherweise hohen Marktvolatilität in den kommenden Monaten, sollte man sich als Anleger zunehmend auf eine weitgehende Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität in den kommenden 12-24 Monaten einstellen. Zu berücksichtigen gilt auch, dass sich die relevanten Stellen, wie Regierungen, Gesundheitssysteme, Einzelpersonen und Unternehmen seit Monaten viel dazu gelernt haben, mit der Situation umzugehen. In der aktuellen Phase sind Unternehmen zu bevorzugen, die sich bisher in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewährt haben und eine solide Bilanz aufweisen.

Weiterhin sorgen dennoch Dividendenwerte für gute Erträge und der regionale Fokus im Aktienbereich bleibt weiter auf Europa und den USA gerichtet. Als interessantes langfristiges Thema zur Depotbeimischung kann der Fokus auf eine „Alternde Gesellschaft“ gelegt werden und über unterschiedliche Anlagemöglichkeiten abgebildet werden. Auch globale Immobilienaktienfonds können zur Depotdiversifikation beitragen, denn stabile Dividendenzahlungen durch regelmäßige Mieterträge und die Partizipation an aussichtsreichen Langfristtrends zeichnen diesen Anlagebereich aus. Da die Renditen für Staatsanleihen in Europas Kernländern bei kurzen bis mittelfristigen Laufzeiten oft negativ sind, bleibt das Umfeld für Anleihen-Investoren weiter eine Herausforderung. Auch nach dem die Kreditaufschläge in der letzten Zeit zurückgegangen sind, bleiben die Unternehmensanleihen weiterhin die bessere Ertragsperspektive als die Staatsanleihen. In diesem Umfeld sollten Unternehmensanleihen aus dem gesamten Euroraum weiter den Vorzug erhalten.

Anlagemärkte Entwicklung

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Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

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Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
  • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
  • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London
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Quelle:  Bereich "Mit Diversifikation die Anlagerisiken professionell verteilen" von DJE Kapital AG

Donnerstag, 23. September 2021

ESG-Regulierung - Ein Ausblick und welche Rolle dabei der Geldanlage zukommt

 Die Umsetzung der EU-Richtlinie, mit der Finanzströme in nachhaltige Produkte umgelenkt werden sollen, ist in vollem Gange. Warum die ESG-Regulierung trotz allen Aufwands unverzichtbar ist, welche Pflichten den Marktteilnehmern daraus erwachsen und was das Ganze Anlegern bringt, soll nachfolgend betrachtet werden.

Wie schnell unser CO2-Ausstoß sinken muss

Jeglicher Verzug bedeutet eine noch schärfere Einschränkung in der Zukunft. Die Kurve muss ab sofort steil nach unten gehen, im ähnlichen Umfang wie im Jahr 2020 während des monatelangen Lockdowns, in dem die Treibhausgase in Deutschland nach ersten Berechnungen um 8,7 Prozent sanken. Dieser Trend muss mit jährlich 7 Prozent Reduktion fortsetzt werden. 2021 wird dies vermutlich leider nicht der Fall sein. Der Treibhausgasausstoß wird gegenüber 2020 wieder deutlich steigen. Als Teil der Finanzindustrie, ob als Asset Manager oder als Anlageberater besteht eine wesentliche Rolle in der Kommunikation und in der Aufklärung. Anleger sollten über die Möglichkeiten nachhaltiger Geldanlagen informiert und beraten werden.

notwendige CO2-Reduktion, um den Ausstoß bis 2040 beziehungsweise 2055 auf Null zu reduzieren

Seit dem 2. August 2022 ist dies dann keine bloße Option mehr, sondern eine Verpflichtung gemäß europäischer Regulierung. Ab diesem Zeitpunkt müssen Anlageberater und Vermögensverwalter die Anleger nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen im Beratungsgespräch befragen. Die Eignungsbeurteilung wird dann um die Nachhaltigkeitspräferenzen erweitert.

Welche Rolle dabei der Finanzbranche zukommt

Der Anfang August in Teilen veröffentlichte Weltklimabericht des Weltklimarates der Vereinten Nationen, dem 195 Staaten zugestimmt haben, hat uns erneut die Dringlichkeit zu handeln vor Augen geführt. Wir müssen jetzt agieren, um den Klimawandel zu stoppen, indem wir der Erhöhung der Treibhausgasintensität in der Atmosphäre Einhalt gebieten. Oder anders formuliert: Wir sollten die Treibhausgasemission sofort reduzieren. Jeglicher Verzug bedeutet eine noch schärfere Einschränkung in der Zukunft.

Die Neufassung der Delegierten Verordnung zur MiFID sieht vor, dass Fondsprodukte drei Kategorien entsprechen können, um als nachhaltig zu gelten: Entweder sie berücksichtigen ökologische und soziale Mindeststandards oder -ausschlüsse, oder sie weisen zumindest einen Teil nachhaltiger Investitionen nach der Definition der Offenlegungsverordnung (OffenlegungsVO), genauer Art. 2 Nr. 17 OffenlegungsVO, aus, oder sie investieren zumindest zum Teil in ökologische  Anlagen nach der Taxonomieverordnung (TaxonomieVO), genauer in taxonomiekonforme Tätigkeiten und Geschäftsmodelle.

Was die ESG-Regulierung Anlegern bringt

Die erste Gruppe der Mindeststandards oder -ausschlüsse ist in der Verordnung technisch umschrieben als Finanzprodukte, „die bezogen auf die wichtigsten nachteiligen Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren negative externe Effekte von Investitionen auf die Umwelt oder die Gesellschaft berücksichtigen“. Nachhaltigkeitsfaktoren sind dabei Effekte des investierten Unternehmens auf die Umwelt, im Gegensatz zu Nachhaltigkeitsrisiken in den Bereichen Umwelt, Soziales oder Unternehmensführung, die von außen negativ auf das Unternehmen einwirken können. Nachhaltigkeitsfaktoren sind Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, die Achtung der Menschenrechte und die Bekämpfung von Korruption und Bestechung nach Art. 2 Nr. 24 OffenlegungsVO.

Umfrage zur Beachtung von Nachhaltigkeit bei Geschäftsreisen der Deutschen bis 2020

Die Nachhaltigkeitsfaktoren, die berücksichtigt werden, müssen – anhand qualitativer oder quantitativer Indikatoren (Zielgrößen) – auch im Zeitverlauf nachgewiesen werden können. Das können, müssen aber nicht Indikatoren sein, die auch nach der OffenlegungsVO herangezogen werden und beispielsweise auf Gesellschaftsebene nach der OffenlegungsVO zu veröffentlichen sind. Beispiele wären: Treibhausgasemissionen (Scope 1, 2, 3), Emissionen ins Wasser, Verletzungen der zehn UN Global Compact Prinzipien oder auch der Anteil an Frauen in Vorstand und Aufsichtsrat.

Die zweite Gruppe an nachhaltigen Produkten muss zumindest einen Teil an nachhaltigen Investitionen im Sinne des Art.2 Nr. 17 OffenlegungsVO enthalten. Nach der OffenlegungsVO ist eine Investition nachhaltig, wenn sie zur Erreichung eines Umweltziels oder eines sozialen Ziels beiträgt oder wenn Geld in Humankapital fließt.

Die dritte Gruppe: Im Gegensatz dazu ist die Taxonomie auf sechs Umweltziele ausgerichtet. Sie kategorisiert Wirtschaftsaktivitäten als nachhaltig, wenn sie wesentlich zu einem oder mehreren der Umweltziele beiträgt. Zwei dieser Ziele - Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel - werden bereits in einem umfassenden Katalog auf eine Reihe von Wirtschaftssektoren angewandt und übersetzen damit die abstrakten Anforderungen in konkrete nachhaltige Aktivitäten der Realwirtschaft. Angaben zu diesen ersten beiden Zielen müssen ab dem 1. Januar 2022 in die vorvertraglichen Informationen, also die Verkaufsprospekte, sowie die regelmäßigen Berichte aufgenommen werden.

Was heißt das nun ganz praktisch? Vermögensverwalter werden ihre Produkte beispielsweise in diese drei Gruppen einordnen und gegebenenfalls nach einem Kriterium ordnen, so dass der Anlageberater transparent über die drei Gruppen aufklären und dann dem Anleger Produkte dieser Kategorien empfehlen kann. Dafür sind auf Seiten der Fondsgesellschaften und der Anlageberater noch einige Anstrengungen notwendig. Eine gewisse Vereinheitlichung der Kriterienkataloge ist dabei wünschenswert, damit verhindert wird, dass die Anleger vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen.

Weitere Offenlegungspflichten im Überblick

Auf die Fondsgesellschaften werden in nächster Zeit weitere Veröffentlichungspflichten zukommen. Auf diese erweiterten Pflichtveröffentlichungen können Anlageberater dann zurückgreifen: Ab 1. Juli 2022 werden Musterformulare für die Darstellung von Art. 8 und 9 Fonds nach der OffenlegungsVO anzuwenden sein. Nach dem jetzigen Gesetzgebungsstand greifen zu diesem Zeitpunkt die detaillierten sogenannten Level-2-Vorgaben der OffenlegungsVO zu vorvertraglichen Informationspflichten bei Produkten nach Art. 8 und Art. 9 sowie die periodische Berichtspflicht in den regelmäßigen Berichten, wie unter anderem im Jahresbericht. Dann berichten die Fondsgesellschaften auch in Verbindung mit der TaxonomieVO über den Taxonomieanteil der ersten beiden Umweltziele in den jeweiligen Fonds, soweit darauf im Verkaufsprospekt Bezug genommen wird.

Früher, ab dem 1. Januar 2022, gilt die TaxonomieVO auf Level 1 und ergänzt die OffenlegungsVO auf Level 1. So ist zu beschreiben, wie Art. 8 Fonds zur Erreichung eines Umweltziels beitragen. Nach Art. 9 eingestufte Fonds müssen aufzeigen, wie sie ein gesetztes Ziel erreichen. Sollte dies ein Einsparungsziel von Treibhausgasen sein, so sollte diese Zielsetzung anhand der EU-Benchmark-VO und deren Kriterien gewährleistet werden. Spätestens bis zum 30. Juni 2021 haben die Fondsgesellschaften mit mehr als 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf deren Internetseite veröffentlicht, wie sie die nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen auf Unternehmensebene berücksichtigen. Die einzelnen Indikatoren werden die Unternehmen in einem definierten Formular voraussichtlich bis zum 30. Juni 2023 darstellen müssen.

Vollständigkeitshalber sei angemerkt, dass seit März 2020 die Berichtspflicht besteht, wie nach Art. 6 OffenlegungsVO die Nachhaltigkeitsrisiken in Investitionsentscheidungen einbezogen werden, wie bei Art. 8 die beworbenen ökologischen und/oder sozialen Merkmale erfüllt oder wie nach Art. 9 die angestrebte nachhaltige Investition erreicht werden sollen. Daran kann man erkennen, dass die Transparenz für den Anleger schrittweise erhöht wird.

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Quelle: Dr. Andreas Steinert, Head of ESG Business Amundi Deutschland

Montag, 6. September 2021

Anlagekommentar August 2021 - Strategieprüfung der EZB bei ihrer Geldpolitik und Lieferengpässe belasten die Konjunkturindikatoren

 Die EZB hat erstmals seit 2003 eine Strategieüberprüfung vorgenommen und dessen Resultate sind im Rahmen der Markterwartungen ausgefallen. Trotz leicht angepasstem Wortlauts bei der Inflationsrate, bleibt das Inflationsziel bei 2 Prozent und wird symmetrisch interpretiert. Dies bedeutet, dass sowohl eine höhere als auch eine tiefere Inflation eine geldpolitische Reaktion auslöst. Bei der Beurteilung der Inflation sollen zukünftig auch die Kosten für selbst genutztes Wohneigentum mit einfließen, wodurch die Inflation um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte erhöht wird. Auch nach der Strategieüberprüfung bleibt weiter unklar, wie die Europäische Zentralbank (EZB) den Anstieg der Inflation auf 2 Prozent bewerkstelligen kann, wenn faktisch die Untergrenze für die Nominalzinsen erreicht ist.

Dagegen ist in den USA, anders als in Europa, die Strategie bereits vorgezeichnet. Die Federal Reserve System (Fed) prognostiziert die ersten Zinserhöhungen für das Jahr 2023, wodurch das Ende der Nullzinsphase absehbar ist. Diese Zinserwartungen stützen den Dollar. Voraussichtlich weitgehend unerheblich ist für die Finanzmärkte, wann die Anleihekäufe (Tapering) in den USA reduziert werden. Aus den jüngsten Ausführungen des Fed-Chefs Jerome Powell lässt sich derzeit diesbezüglich keine Eile erkennen, wobei man abzuwarten muss, wie die Fed reagiert, wenn die monatlichen Inflationsraten weiter hoch bleiben.

Entwicklung der Anlagemärkte im August 2021

Aufgrund der überwiegend positiven Nachrichtenlage haben im August die Aktienmärkte mehrheitlich einen Zuwachs erzielen können. So konnten in den USA der S&P 500 Index um 2,9 Prozent und der technologieorientierte NASDAQ Composite Index um 4,0 Prozent ansteigen. Auch in Europa zeigte das Aktienbarometer ein positives Umfeld. So erreichten die Leitindizes in Frankreich CAC 40 Index und Großbritannien FTSE 100 Index ein Plus von 1 Prozent. Der deutsche DAX Index, in Spanien der IBEX 35 Index und der Schweiz der Swiss Market Index legten sie sogar um ca. 2 Prozent zu.

DAX Entwicklung

Noch etwas besser entwickelten sich die Aktienmärkte in Italien mit dem FTSE MIB Index mit +3 Prozent sowie in der Niederlande der AEX-Index und Österreich der Austrian Traded Index mit je 4 Prozent. Der europäische Eurostoxx 50 Index konnte sich deshalb auch um +2,6 Prozent nach oben bewegen. Die internationalen Aktienindizes in Japan und China konnten die Verluste des Vormonats zu einem Großteil wieder ausgleichen und so legte der japanische NIKKEI 225 um 5 3 Prozent und Chinas SSE Composite Index mehr als 4 Prozent zu. Und so verwundert es nicht, dass der der weltweite MSCI World Index (EUR) auch um +2,8 Prozent zu legen konnte.

Mit der angestiegenen Inflation im August 2021, welche erneut deutlich über den Erwartungen lag, kletterten im August die Renditen über alle Anleiheklassen. Allerdings geschah dies jedoch in einem relativ geringen Ausmaß. Dadurch sahen sich die großen Notenbanken noch nicht veranlasst, ihre geldpolitische Expansionsstrategie anzupassen.

Wohin wird sich die zukünftige Zinspolitik der US-Notenbank entwickeln?

Die Sachlage ist für die Fed ziemlich eindeutig, denn die US-Wirtschaft läuft derzeit sehr gut. Dagegen ist das wichtigere Thema, ob die derzeitigen hohen Inflationszahlen ein temporäres Phänomen sind oder ob man sich an eine Periode mit einer erhöhten Inflation gewöhnen muss. Fachleute denken, dass eher letzteres der Fall sein wird, denn das Grundproblem bleibt, dass die internationalen Lieferketten nach wie vor nicht wie gewohnt zur Verfügung stehen. Dem gegenüber hat die Nachfrage gleichzeitig stark angezogen und bei den Unternehmen herrscht eine gewisse Planungsunsicherheit. Denn die nächste COVID-19-Welle rollt schon an, obwohl die weltweite Durchimpfungsrate noch nicht zufriedenstellend darstellt. So sind die Unternehmen verständlicherweise zögerlich darin Kapazitäten auszubauen, weil einerseits die Lieferketten noch nicht klaglos funktionieren und andererseits das Vertrauen in eine länger anhaltende wirtschaftliche Expansion noch nicht gefestigt genug ist.

Wie kann die Lage der US-Wirtschaft derzeit eingeschätzt werden?

Dies ist wohl derzeit eine der wichtigsten Schlüsselfragen, denn ohne dem Wirtschaftsmotor USA läuft derzeit nichts in der westlichen Welt. Fachleute denken, dass dies zwar in erster Linie ein eher psychologisches Phänomen ist. Die Tatsache, dass wenn in den USA nichts läuft, dann läuft auch in der übrigen Weltwirtschaft nicht viel, ist nicht zu leugnen. So kann Asien beispielsweise alleine die Weltwirtschaft nicht genügend ankurbeln. Die in letzter Zeit von China eingeführten gesetzlichen Maßnahmen, welche vor allem gegen die großen international tätigen chinesischen Unternehmen gerichtet waren, machen nur zu deutlich, wie stark die westliche Welt von den in China erzeugten Produkten abhängig ist. China ist und bleibt ein gewisser Risikofaktor im weltwirtschaftlichen Gefüge. Europa als Wirtschaftseinheit ist nach wie vor weltpolitisch zu schwach, um eine wirklich entscheidende Rolle zu spielen. Also bleibt wieder einmal nur die USA, die den Ton sowohl politisch als auch wirtschaftlich im Westen angibt.

Und von der US Wirtschaft gibt es eigentlich derzeit nur gute Nachrichten. Am besten lässt es sich am Wirtschaftswachstum zeigen. Im 2. Quartal 2021 ist die US Wirtschaft um 12,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Die chinesische Wirtschaft allerdings nur um 7,9 Prozent. Natürlich mögen die Daten durch die Corona-Pandemie ein wenig verzerrt sein, aber was bleibt ist das beeindruckende US-Wirtschaftswachstum im 2. Quartal. Hinzu kommt, dass es derzeit einen Nachfrageüberhang und lange Lieferzeiten gibt. Das hingegen sichert jedoch nach heutigem Stand eine mehr als solides Wirtschaftswachstum der US-Wirtschaft für den weiteren Verlauf des Jahres 2021. Derzeit liegen die Schätzungen für 2021 bei einem US-Wirtschaftswachstum von 6 Prozent für 2021. Ähnlich gut entwickeln sich die für den Aktieninvestor so wichtigen Unternehmensgewinne. Wenn keine unerwarteten Ereignisse eintreten, ist der Wirtschaftsausblick für die US-Wirtschaft für das gesamte Jahr 2021 hervorragend. Für Europa gilt ähnliches, wenngleich wie immer die Wirtschaftsdynamik in den USA um einiges höher ist als in Europa.

Was kann von der US Notenbank für den Rest des Jahres erwartet werden?

Die US-Notenbank hat ja schon angedeutet, dass das Ende der ultraniedrigen Zinspolitik in Sicht ist. Realistisch kann man davon ausgehen, dass die US-Notenbank im Laufe des Herbstes noch etwas deutlicher auf bevorstehende Zinsschritte hinweisen wird. Experten erwarten allerdings nicht, dass es in diesem Jahr noch zu tatsächlichen Zinserhöhungen kommen wird. Man wird wohl die Anleihe Kaufprogramme zurückfahren und so ein langsames ansteigen der Zinsen am langen Ende auslösen. Dies alles jedoch immer unter der Voraussetzung, dass keine unvorhergesehenen wirtschaftlichen oder politischen Ereignisse auftreten. In Europa wird die EZB bestenfalls im Sommer 2022 auch auf diesen Kurs einschwenken.

Welche Bedeutung hat das alles für den Aktienmarkt?

Derzeit stehen alle Ampeln an den Aktienmärkten auf Grün, gelegentlich mit einer kurzzeitigen Gelbphase. Doch angesichts der aktuellen Wirtschaftszahlen haben die Kapitalmärkte durchaus noch Potential nach oben für den Rest des Jahres 2021. Dies gilt allerdings unter der Voraussetzung, dass keine unvorhergesehenen Entwicklungen eintreten. Auf jeden Fall gibt es ausreichend Liquidität im Wirtschaftssystem, welche nach Investitionsmöglichkeiten suchen. Nach wie vor gibt es zum Aktienmarkt derzeit keine wirklichen Alternativen, denn der Anleihemarkt wird sich über kurz oder lang mit langsam steigenden Zinsen abfinden müssen. Daher ist der Anleihemarkt derzeit keine wirkliche Alternative zu den Aktieninvestments. Die nach wie vor steigenden Unternehmensgewinne lassen dies auch zu. Deshalb kann man durchaus für den Rest des Jahres 2021 zuversichtlich sein, dass noch ein ausreichendes Kurspotential vorhanden ist.

Ein Blick auf die aktuellen Anlagestrategien

In der für die Finanzmärkte wichtigen US-Wirtschaft ist die Normalisierung weiter im Gang und die Volkswirtschaften in Europa dürften mit etwas Verzögerung dieser Richtung folgen. Dieses Szenario ist an den Kapitalmärkten, denn führende Börsenindizes befinden sich auf Allzeithochs und die Kreditaufschläge von Unternehmensanleihen nahe Rekordtiefs, weitgehend eingepreist. Nach drei Monaten mit hohen monatlichen Zuwächsen der Kernkonsumentenpreise in den USA im Umfang von 0,7 Prozent bis 0,9 Prozent deutet der Anstieg im Juli 2021 mit 0,3 Prozent auf eine mögliche Entspannung hin. Allerdings sollte aufgrund der anhaltend hohen Konsumnachfrage und Engpässen in Lieferketten ein Wiederaufflackern der Inflation nicht überraschen. Die anstehenden reduzierten Anleihekäufe (Tapering) der US-Notenbank Fed sollten von den Marktteilnehmern weitestgehend eingepreist sein. Zu den den Wahlen in Deutschland am 26. September 2021 dürften langwierige Koalitionsverhandlungen folgen, wobei an den Kapitalmärkten je nach Koalition höchstens geringfügige Auswirkungen zu erwarten sind.

Zu den positiven Faktoren für die Börsen zählt insbesondere eine kräftige Zunahme der Unternehmensgewinne in diesem Jahr. Eine Korrektur wäre zu erwarten, wenn sich die wirtschaftliche Normalisierung verzögern sollte. Auch die US-Unternehmenssteuern bleiben in den kommenden Monaten weiter ein Thema, wobei eine Erhöhung wie sie Präsident Joe Biden anstrebt, angesichts der hauchdünnen demokratischen Mehrheit im Senat unwahrscheinlich ist. Der Anstieg der Inflation in den USA dürfte von den meisten Investoren als temporäres Phänomen betrachtet werden und kaum belasten. Bis zum Jahresende kann von leicht steigenden Anleiherenditen, insbesondere in den USA ausgegangen werden. Für die Börsen sollte dies in aller Regel keine negativen Auswirkungen haben.

So sprechen mittelfristig in einem weiter anhaltenden Nullzinsumfeld die Dividendenrenditen und Ertragsaussichten für Aktien für Erfolg. Aufgrund des aktuellen Wirtschaftsszenarios werden konjunktursensitive Werte und damit auch das Segment kleinerer und mittelgroßer Unternehmen auf Erholungskurs bleiben. Aber auch bei Value-Aktien gibt es weiterhin Potenzial und auch defensive Unternehmen mit einer soliden Dividendenhistorie sollten besser abschneiden als Unternehmensanleihen mit Anlagequalität. Nach der derzeitigen längeren Phase eines insgesamt positiven Börsentrends sind Gewinnmitnahmen weiter wahrscheinlich. Ohne signifikante negative Nachrichten sind Korrekturphasen jedoch meist von kurzer Dauer und würden eher weiter Einstiegsmöglichkeiten zum Nachkaufen bieten.

Trotz einer möglicherweise hohen Marktvolatilität in den kommenden Monaten, sollte man sich als Anleger zunehmend auf eine weitgehende Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität in den kommenden 12-24 Monaten einstellen. Zu berücksichtigen gilt auch, dass sich die relevanten Stellen, wie Regierungen, Gesundheitssysteme, Einzelpersonen und Unternehmen seit Monaten viel dazu gelernt haben, mit der Situation umzugehen. In der aktuellen Phase sind Unternehmen zu bevorzugen, die sich bisher in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewährt haben und eine solide Bilanz aufweisen.

Weiterhin sorgen dennoch Dividendenwerte für gute Erträge und der regionale Fokus im Aktienbereich bleibt weiter auf Europa und den USA gerichtet. Als interessantes langfristiges Thema zur Depotbeimischung kann der Fokus auf eine „Alternde Gesellschaft“ gelegt werden und über unterschiedliche Anlagemöglichkeiten abgebildet werden. Auch globale Immobilienaktienfonds können zur Depotdiversifikation beitragen, denn stabile Dividendenzahlungen durch regelmäßige Mieterträge und die Partizipation an aussichtsreichen Langfristtrends zeichnen diesen Anlagebereich aus. Da die Renditen für Staatsanleihen in Europas Kernländern bei kurzen bis mittelfristigen Laufzeiten oft negativ sind, bleibt das Umfeld für Anleihen-Investoren weiter eine Herausforderung. Auch nach dem die Kreditaufschläge in der letzten Zeit zurückgegangen sind, bleiben die Unternehmensanleihen weiterhin die bessere Ertragsperspektive als die Staatsanleihen. In diesem Umfeld sollten Unternehmensanleihen aus dem gesamten Euroraum weiter den Vorzug erhalten.

Anlagemärkte Entwicklung

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

Die Informationen sind unverbindlich und stellen weder eine Anlageempfehlung oder sonstige Beratung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch. Eine Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Anlegers. Die dargestellten Informationen, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten sowie das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
  • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
  • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London
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Quelle:  Bereich "Wohin wird sich die zukünftige Zinspolitik der US-Notenbank entwickeln" von Schiketanz Capital Advisors GmbH

Montag, 30. August 2021

Aktivistische Investoren - Strategie von Powerplay bis Partnerschaft

 Kampagnen aktivistischer Investoren waren lange vor allem ein angelsächsisches Phänomen, haben aber in den vergangenen Jahren auch in Kontinentaleuropa an Fahrt aufgenommen. Dabei sorgen einige Akteure routiniert für Theaterdonner, während das Gros hinter den Kulissen die Zusammenarbeit sucht.

Als Heuschreckenplage einen schlechten Ruf bekommen

Machen wir uns nichts vor, der aktivistische Investor hatte gerade in Deutschland einen denkbar schlechten Einstand. Vor der sogenannten Heuschreckendebatte Mitte der Nullerjahre weithin unbekannt, galten diese Marktteilnehmer danach als Inbegriff des externen Aggressors, der rücksichtslos sein Partikularinteresse verfolgt, nämlich in kürzester Zeit die angepeilte Rendite realisieren, um sich umgehend das nächste Ziel vorzuknöpfen. Allein: Während dieses Bild schon damals nicht passte, lässt es sich mit der Realität heute erst recht nicht in Deckung bringen.

Anzahl aktivistische Kampagnen Global

Hauptaufhänger, um die Materie auf die griffige Formel zu reduzieren, sind die öffentlichen Kampagnen, betrieben in erster Linie von US-Beteiligungsgesellschaften. In der Tradition der Corporate Raiders der 1980er Jahre suchen sie dabei – für den konfliktscheuen deutschen Diskurs ungewohnt direkt - die offene Konfrontation mit der Unternehmensführung, um durch martialisches Auftreten maximale Aufmerksamkeit zu erregen. So attestiert beispielsweise das New Yorker Branchen-Urgestein Guy Wyser-Pratte in seinem offenen Brief von 2018 an die familiengeführte Bremer OHB-Gruppe den Hanseaten „die Führungsstruktur einer Feudalaristokratie, mit Vasallen, die ihrem Grundherrn zu Diensten sind“.

Brachial-Rhetorik soll Aktionäre aufrütteln

Sinn und Zweck der Brachial-Rhetorik: Die etalierten Aktionäre aufrütteln, sie offen für Bündnisse machen, um dann gemeinsam die erhobenen Forderungen durchzusetzen. Prominentestes Beispiel der jüngeren Geschichte ist der US-Finanzinvestor Cerberus, benannt nach dem Höllenhund der griechischen Mythologie, und sein Engagement bei der Commerzbank. Schon seit 2017 an Bord, hält man etwa 5 Prozent der Anteile und ist damit größter Aktionär nach dem Bund.

 

Mitte 2020 ging dann wieder einmal eines dieser garstigen Schreiben in Frankfurt ein, in dem hohe Kosten, falsche Strategie und Untätigkeit der Commerzbank-Verantwortlichen kritisiert wurden. Drei Wochen später nahmen CEO Martin Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann ihren Hut. Auch wenn das Bundesfinanzministerium dementiert, gehen Beobachter doch fest von einer Absprache zwischen Bund und Cerberus aus.

Anzahl aktivistische Kampagnen USA

Der Fall steht damit exemplarisch für eine Entwicklung, die sich in den USA bereits vollzogen hat. Denn raues Gebaren mancher Adresse hin oder her, aktivistische Investoren haben sich den regionalen Gegebenheiten hierzulande längst angepasst und sind mittlerweile auch in Deutschland als vollwertige Player etabliert. Tatsächlich bilden die lautstarken Akteure mit ihren weithin sichtbaren Kampagnen bloß die Spitze des Eisbergs. Der Großteil gerade der in Europa ansässigen aktivistischen Investoren vermeidet einer Analyse der Boston Consulting Group zufolge Schaukämpfe, betont seine langfristige Anlagestrategie und gilt als grundsätzlich konstruktiv und kooperationswillig, wie etwa die Investmentgesellschaft Cevian, die den schwedischen Automobilzulieferer Autoliv im Rahmen eines Kooperationsvertrages unterstützt.

Aktivistische Investoren können auch werthaltige Investitionen umsetzen

Auf diese Weise haben Aktivisten im Zuge der weltweit starken Zunahme an Kampagnen in den vergangenen Jahren auch in Europa Fuß gefasst. So ist die Zahl aktivistischer Kampagnen in Europa dem Analyse-Unternehmen Insightia zufolge zwischen 2010 und 2015 um 126 Prozent gestiegen. Zwar fand das Hauptgeschehen der weltweit insgesamt knapp 600 Kampagnen demnach im bisherigen Spitzenjahr 2018 mit 293 noch immer in den USA statt, Gesamt-Europa verzeichnete im selben Zeitraum aber immerhin schon 124 davon. Die wirkliche Zahl dürfte indes höher liegen, da nicht alle Anteilskäufe die Schwelle zur Meldepflicht überschreiten oder Forderungen öffentlich gemacht werden. Obwohl die Aktivitäten im Zuge der Corona-Krise zuletzt insgesamt etwas zurückgegangen sind, rechnen Beobachter angesichts des reifen US-Marktes damit, dass der Anteil Europas künftig weiter zunehmen wird.

Anzahl aktivistische Kampagnen Europa

Unternehmen im Fokus sind oft Konglomerate im Wandel mit unterdurchschnittlicher Renditeerwartung, besonders im Vergleich zu spezialisierten Wettbewerbern, eine Situation aktuell vorzufinden etwa im Automobilsektor oder der Energiewirtschaft. Die Forderungen nach renditewirksamen Veränderungen beziehen sich zumeist auf neue Köpfe für Vorstand und Aufsichtsrat, Änderungen an der Unternehmensstrategie oder gleich den Verkauf ganzer Teile des Unternehmens.

Dabei bescheinigen laut Boston Consulting Group inzwischen nach früheren Berührungsängsten auch klassische Investoren den Aktivisten ein gutes Gespür für die Werttreiber eines Unternehmens: Mehr als die Hälfte der Befragten begrüßte schon 2018 den Einstieg von Aktivisten, während sich ganze 70 Prozent davon positiven Einfluss auf Unternehmensstrategie und Kostenstruktur versprachen.

Welche Rolle Nachhaltigkeit, ESG & Co. dabei spielen

Mit ihrem Tun sind die ursprünglichen Aktivisten indes schon lange nicht mehr unter sich, im Gegenteil: Denn egal ob unter dem Label Shareholder Activism, Active Ownership oder Shareholder Engagement - aktives Beteiligungsmanagement ist mittlerweile so sehr im Mainstream angekommen, dass die Zeitschrift BOARD schon 2017 feststellte, es sei heute ein Verhalten, keine Investorenklasse mehr.

Dementsprechend unterhalten neben Akteuren wie Pensionsfonds oder Private Equity Gesellschaften vor allem große Vermögensverwalter wie Blackrock oder die DWS längst eigene Teams, die sich um die aggregierten Interessen der Anleger kümmern. Gerade global tätige Vermögensverwalter sind dabei durch ihre schiere Größe zu Plattformen avanciert, zu zentralen Anlaufstationen, die Forderungen bündeln und etwa schon im Vorfeld Erfolgschancen ausloten.

So ist ein neuer, regelmäßiger Dialog zwischen den Akteuren entstanden, bei dem sich erfreulicherweise alle Beteiligten bei ihren Forderungen immer stärker auf einen gemeinsamen Nenner verständigen können, nämlich - befeuert von regulatorischer Seite ebenso wie unter dem Eindruck des Klimawandels - Nachhaltigkeit, ESG & Co. Eine Entwicklung, die Mut machen sollte.

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Mittwoch, 18. August 2021

Anlagekommentar Juli 2021 - Eine historische Inflationsentwicklung und eine ungleichmäßige Entwicklung der Aktienmärkte

 Episoden extrem hoher Inflation finden sich oft in einer Konstellation, in der einem hohen Finanzbedarf des Staates eine ungenügende privatwirtschaftliche Finanzierung gegenübersteht. Wenn in der Folge die Notenbank zur Finanzierung der Staatsausgaben eingesetzt wird, kann ein solcher Prozess sogar eine Hyperinflation - wie in der Weimarer Republik - auslösen. Dies setzt aber voraus, dass die Notenbanken unter staatlicher Kontrolle stehen.

Ebenso lässt sich die Inflation in den USA nach dem zweiten Weltkrieg mit staatlicher Einflussnahme auf die Geldpolitik in Zusammenhang bringen. Trotz der 1913 gesetzlich festgeschriebenen Unabhängigkeit der Notenbank wurde die US-Geldpolitik zwischen 1933 und 1951 faktisch vom Kongress und der Regierung bestimmt. Bemerkenswert ist der Anstieg der Inflation zwischen Mitte der 1950er und Anfang der 1980er Jahre, wobei die Ursachen im Wesentlichen in einer aktivistischen Wirtschaftspolitik lagen, die einen Anstieg der Inflation in Kauf genommen hat. Zusätzlich wurde die Inflation in den 1970er Jahren Ölpreisschocks angeheizt.

Die Inflation von 1901 bis 2021

Phasen hoher Inflation haben gemeinsam, dass diese letztlich das unbeabsichtigte oder tolerierte Resultat der Umsetzung (wirtschafts-)politischer Ziele ist. Die enorm hohen Anleihekäufe (quantitative Lockerung) führender Notenbanken in Industrieländern seit der Finanzkrise mögen auf den ersten Blick Parallelen zur Geschichte, als Zentralbanken als Notenpresse instrumentalisiert wurden, aufweisen. Die Motivation hinter den derzeitigen Anleihekäufen ist aber eine ganz andere. Die quantitative Lockerung wird seit der Finanzkrise von den Notenbanken auf breiter Front als geldpolitisches Instrument eingesetzt. Dabei erwerben die Notenbanken Staatsanleihen nach eigenem Ermessen und nicht auf Anordnung von Regierungen.

Entwicklung der Anlagemärkte im Juli 2021

Der Juli 2021 war zusammenfassend betrachtet eher ein sehr ruhiger Börsenmonat. So stieg in den USA der S&P 500 Index um moderate 2,3 Prozent und der technologieorientierte NASDAQ Composite Index kam auf eine Zuwachs von 1,2 Prozent an. Dagegen war das europäische Aktienbarometer vielschichtiger und zeigte eine hohe Bandbreite unterschiedlicher Wertentwicklung. Je zyklischer die Prägung und je höher die Neuinfektionszahlen in den jeweiligen Ländern ausfielen, desto schwächer entwickelte sich tendenziell der lokale Aktienmarkt. So konnten Finnland und Schweden mit einem Plus von rund fünf Prozent aufwarten und lagen damit an der europäischen Spitze. Der deutsche DAX Index trat mit plus 0,1 Prozent eher auf der Stelle. Dagegen verloren Spaniens IBEX 35 Index und Russlands RTS Index über 1,5 Prozent und der britische FTSE 100 Index musste auch um -0,1 Prozent nachgeben. Der Eurostoxx 50 Index konnte dagegen um +0,6 Prozent zulegen.

 

DAX Entwicklung

Dagegen mussten die meisten asiatischen Aktienindizes heftige Verluste hinnehmen. So verlor der japanische NIKKEI 225 Index 5,2 Prozent und der chinesische SSE Composite Index kam mit 5,4 Prozent unter die Räder. Auch Hang Seng Index gab nach und rutschte gar um 9,6 Prozent ab. Grund für den Ausverkauf war eine Vielzahl staatlicher Eingriffe chinesischer Behörden. Sie trafen die heimischen Bildungs-, Technologie-, Gesundheits- und Immobilienwerte mit immenser Wucht und hatten Ausstrahlungswirkungen auf die gesamte südostasiatische Region.

Dazu kam, dass sich die Corona-Deltavariante besonders rasch ausbreitete. Bisher hatte Asien verstärkt auf die Abstands- und Hygieneregeln gesetzt. Die Impfungen gegen den Corona-Virus schritten dagegen nur langsam voran, so dass die neue Variante infolge der hohen Infektiosität ein leichtes Spiel hatte. Zugleich führten die rigorosen Eindämmungsmaßnahmen in vielen asiatischen Staaten zu anhaltenden Lieferschwierigkeiten bei vielen Vorprodukten. Dennoch blieben insgesamt die Auswirkungen auf das Wachstum begrenzt. So stiegen die als Vorreiter angesehenen südkoreanischen Exporte im Juli um mehr als ein Drittel.

Trotz einer hohen Inflation sinken die Zinsen

Obwohl die Inflation im Juli 2021 die Erwartungen deutlich übertraf und vielerorts sogar die Preissteigerungen nach der Finanzkrise vor 13 Jahren in den Schatten stellte, sanken die Renditen dies- und jenseits des Atlantiks abermals und die Zinskurven flachten sich weiter ab. So sahen sich zwar mehrere Notenbanken der westlichen Welt genötigt, ihre Inflationsprognose anzuheben, nicht aber ihre geldpolitische Expansionsstrategie anzupassen. Die US-Notenbank Federal Reserve System (Fed) beließ die Zinssätze sowie ihre Zinsprognose unverändert und setzte ihre Anleihenkäufe in einem unvermindertem Tempo weiter fort. Vor der Diskussion über eine mögliche Drosselung der Anleihekäufe will die Fed auf eine deutlichere Verbesserung am Arbeitsmarkt warten. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) korrigierte ihr Inflationsziel auf symmetrische 2 Prozent und die Anleihenkäufe könnten sogar noch weiter ausgeweitet werden.

Die Rohstoffpreise profitieren dagegen vom Zinsrückgang

Durch den Zinsrückgang bekam der Rohstoffbereich einen Anschub, wodurch der Goldpreis um 2,5 Prozent anstieg und die Marke von 1.800 US-Dollar je Feinunze zurück eroberte. Auch  Industriemetalle und Rohöl konnten sich verbessern, obwohl die chinesische Regierung mit der Freigabe strategischer Reserven die Rohstoffpreise versuchte zu stabilisieren.

Für Schwellenländer sind Rohstoffe ein Wachstumstreiber

Während die Rohstoffpreise im ersten Halbjahr des Jahres 2020 noch einen historischen Einbruch verbuchten, so stehen derzeit die Vorzeichen für ein längerfristiges Comeback auf einem sehr positiven Trend: Weltweit gibt es riesige Konjunkturprogramme, eine sich erholende Nachfrage sowie die Angebotsknappheit aufgrund von strukturellen Unterinvestments in den vergangenen Jahren treiben die Preise für Rohstoffe durchgängig nach oben.

Rohstoffexporte sind für viele Schwellenländer weiterhin wichtige Wachstumstreiber. Aus diesem Grund ermöglicht die positive Preisdynamik, welche auch längerfristig anhalten dürfte, einen sehr optimistischen Ausblick für Schwellenländer in den kommenden Jahren. Deshalb dürfte in diesen Ländern das Wachstum im Jahr 2021 und auch in den folgenden Jahren darüber hinaus positiv überraschen. Dies betrifft besonders auf Lateinamerika zu, wo Rohstoffe für viele Länder mehr als zwei Drittel des gesamten Exportvolumens ausmachen.

Durch die klimafreundliche Politik entsteht ein Nachfrageschub für Metalle

So ist besonders für viele Basismetalle wie Kupfer, Nickel und Eisenerz mit einem weiterhin hohe Preise zu rechnen, obwohl diese bereits auf Rekordständen handeln. Neben strukturellen Angebotsdefiziten sollten Metalle dennoch von mehreren Aspekten profitieren. Einerseits befeuern die weltweit angekündigten riesigen Konjunkturprogramme Infrastrukturinvestitionen und damit die Nachfrage nach Basismetallen auf breiter Front. Andererseits wird es für viele Metalle auch einen Nachfrageschub aufgrund des weltweit verstärkten Fokus auf klimafreundliche Alternativen geben.

Prise für Rohstoffe aus Latainamerica

So wurde in den USA bereits ein Teil des im April 2021 bewilligten 1,9 Billionen USD schweren Hilfspakets für Investitionen im Klimaschutz und umweltfreundlichen Energien zugeteilt. Aber auch in Europa und China wächst der Fokus auf eine umweltfreundliche Politik. Profitieren sollten hiervon Metalle wie Kupfer, Silber, Nickel und Platinum, die für Elektrofahrzeuge, aber auch deren Batterien und Ladeinfrastruktur, sowie Solaranlagen und vieles mehr benötigt werden. Allein die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen soll bis zum Jahr 2025 von 2 Millionen auf 8 Millionen steigen.  Ein Elektrofahrzeug enthält im Durchschnitt fast dreimal so viel Kupfer wie ein Fahrzeug mit einem Verbrennungsmotor.

Schnelle Erholung der Mobilität und des Ölmarktes

Auch wenn der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergiemix stetig steigt, erwartet der Weltenergierat, dass fossile Brennstoffe, wie Öl, Gas und Kohle bis ins Jahr 2050 in absoluten Zahlen immer noch dominieren werden. Deshalb wird der Ölmarkt auch weiter relevant bleiben. Und während Metalle bereits wieder auf Rekordniveaus gehandelt werden, besteht für den Ölpreis noch ein Aufwärtspotenzial aus einer Normalisierung nach der Corona-Pandemie. Durch die erfolgreichen Impfstrategien und damit erreichter Immunität gegen COVID-19 erholt sich seit Anfang des Jahres kontinuierlich die globale Mobilität. Dadurch steigt auch wieder die Nachfrage nach Öl. Entsprechend stiegen die Preise inzwischen auf über 70 US-Dollar pro Barrel, was einem Anstieg von rund 40 Prozent seit Jahresbeginn entspricht.

Auch Agrarprodukte befinden sich auf einem Mehrjahreshoch

Viele Agrarprodukte, sowohl traditionelle Produkte wie Soja, Mais und Weizen, aber auch andere Rohstoffe wie Kaffee, Zucker oder Pflanzenöle, befinden sich derzeit ebenfalls auf einem Mehrjahreshoch. Allein im Monat Mai stiegen die globalen Lebensmittelpreise um 4,8 Prozent, was einer schnellsten Rate innerhalb von zehn Jahren entspricht. Diese Preiseentwicklung wurde angetrieben durch Angebotsausfälle, unter anderem aufgrund von Trockenheit und Ernteverzögerungen, aber auch durch Unterbrechungen in den Lieferketten, einer starken Nachfrage insbesondere aus China sowie einer Abwertung des US-Dollars. Gleichzeitig muss dabei jedoch auch ein scharfes Auge auf die Inflationsentwicklung aufgrund von Preisanstiegen bei den Nahrungsmitteln geworfen werden, da sich dies in ärmeren und/oder importabhängigen Schwellenländern sehr schnell auch negativ auswirken kann.

Ein Blick auf die aktuellen Anlagestrategien

In der für die Finanzmärkte wichtigen US-Wirtschaft ist die Normalisierung weiter im Gang und die Volkswirtschaften in Europa dürften mit etwas Verzögerung dieser Richtung folgen. Dieses Szenario ist an den Kapitalmärkten, denn führende Börsenindizes befinden sich auf Allzeithochs und die Kreditaufschläge von Unternehmensanleihen nahe Rekordtiefs, weitgehend eingepreist. Daher und aufgrund der bevorstehenden saisonal oft schwachen Börsenmonate sind überdurchschnittliche Kursgewinne wie in den letzten Monaten zusehends unwahrscheinlicher. Selbst bei etwas niedrigeren Ertragsaussichten unterstützen die wirtschaftlichen Entwicklungen und die monetären Rahmenbedingungen weiterhin eine Übergewichtung von Aktien und Unternehmensanleihen.

Zu den positiven Faktoren für die Börsen zählt insbesondere eine kräftige Zunahme der Unternehmensgewinne in diesem Jahr. Eine Korrektur wäre zu erwarten, wenn sich die wirtschaftliche Normalisierung verzögern sollte. Auch die US-Unternehmenssteuern bleiben in den kommenden Monaten weiter ein Thema, wobei eine Erhöhung wie sie Präsident Joe Biden anstrebt, angesichts der hauchdünnen demokratischen Mehrheit im Senat unwahrscheinlich ist. Der Anstieg der Inflation in den USA dürfte von den meisten Investoren als temporäres Phänomen betrachtet werden und kaum belasten. Bis zum Jahresende kann von leicht steigenden Anleiherenditen, insbesondere in den USA ausgegangen werden. Für die Börsen sollte dies in aller Regel keine negativen Auswirkungen haben.

So sprechen mittelfristig in einem weiter anhaltenden Nullzinsumfeld die Dividendenrenditen und Ertragsaussichten für Aktien für Erfolg. Aufgrund des aktuellen Wirtschaftsszenarios werden konjunktursensitive Werte und damit auch das Segment kleinerer und mittelgroßer Unternehmen auf Erholungskurs bleiben. Aber auch bei Value-Aktien gibt es weiterhin Potenzial und auch defensive Unternehmen mit einer soliden Dividendenhistorie sollten besser abschneiden als Unternehmensanleihen mit Anlagequalität. Nach der derzeitigen längeren Phase eines insgesamt positiven Börsentrends sind Gewinnmitnahmen weiter wahrscheinlich. Ohne signifikante negative Nachrichten sind Korrekturphasen jedoch meist von kurzer Dauer und würden eher weiter Einstiegsmöglichkeiten zum Nachkaufen bieten.

Trotz einer möglicherweise hohen Marktvolatilität in den kommenden Monaten, sollte man sich als Anleger zunehmend auf eine weitgehende Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität in den kommenden 12-24 Monaten einstellen. Zu berücksichtigen gilt auch, dass sich die relevanten Stellen, wie Regierungen, Gesundheitssysteme, Einzelpersonen und Unternehmen seit Monaten viel dazu gelernt haben, mit der Situation umzugehen. In der aktuellen Phase sind Unternehmen zu bevorzugen, die sich bisher in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewährt haben und eine solide Bilanz aufweisen.

Weiterhin sorgen dennoch Dividendenwerte für gute Erträge und der regionale Fokus im Aktienbereich bleibt weiter auf Europa und den USA gerichtet. Als interessantes langfristiges Thema zur Depotbeimischung kann der Fokus auf eine „Alternde Gesellschaft“ gelegt werden und über unterschiedliche Anlagemöglichkeiten abgebildet werden. Auch globale Immobilienaktienfonds können zur Depotdiversifikation beitragen, denn stabile Dividendenzahlungen durch regelmäßige Mieterträge und die Partizipation an aussichtsreichen Langfristtrends zeichnen diesen Anlagebereich aus. Da die Renditen für Staatsanleihen in Europas Kernländern bei kurzen bis mittelfristigen Laufzeiten oft negativ sind, bleibt das Umfeld für Anleihen-Investoren weiter eine Herausforderung. Auch nach dem die Kreditaufschläge in der letzten Zeit zurückgegangen sind, bleiben die Unternehmensanleihen weiterhin die bessere Ertragsperspektive als die Staatsanleihen. In diesem Umfeld sollten Unternehmensanleihen aus dem gesamten Euroraum weiter den Vorzug erhalten.

Anlagemärkte Entwicklung

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

Die Informationen sind unverbindlich und stellen weder eine Anlageempfehlung oder sonstige Beratung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch. Eine Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Anlegers. Die dargestellten Informationen, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten sowie das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
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Quelle:  Bereich " Durch die klimafreundliche Politik entsteht ein Nachfrageschub für Metalle" von MainFirst GmbH

Mittwoch, 28. Juli 2021

Rohstoffmarkt erholt sich nachhaltig - Steht ein Rohstoffbullenmarkt oder gar ein Superzyklus an?

 Nachdem die Rohstoffpreise innerhalb der Corona-Krise im vergangenen Jahr zeitweise tief gefallen sind, befinden sich diese seit geraumer Zeit wieder im Aufschwung. Laut Experten dürfte sich dieser Trend weiter fortsetzen und sie erwarten einen Rohstoff-Bullenmarkt. Denn das Jahr 2021 war bisher ein glänzendes Jahr für Rohstoffe. Nach kleineren Korrekturen erholten sich die Rohstoffaktien nachhaltig. Steht den Anlegern ein Rohstoffbullenmarkt bevor oder gar ein Superzyklus, wie ihn manche Beobachter schon ausrufen?

Wunsch oder Wirklichkeit?

Die Coronakrise und ihre Auswirkungen bleiben das bestimmende Thema an den internationalen Finanzmärkten und die Folgen werden weit über das laufende Jahr hinausreichen. Doch wer wird letztlich die Rechnung für die Pandemie begleichen? Geld mit dem Füllkrug auszuschütten ist aktuell sicher notwendig - eine völlig aus der Kontrolle geratene Liquiditätsschwemme wieder einzudämmen wird jedoch für die kommenden Generationen eine Mammutaufgabe darstellen. Rohstoffe als knappes Wirtschaftsgut waren auch in der Vergangenheit immer Gegenstand von Preissteigerungen oder Inflation. Man darf gespannt sein, ob letzteres die Antwort auf die Frage nach der Rückzahlung sein wird oder welche Alternativen der Politik einfallen.

 Veränderung der Rohstoffpreise 2020 gegenüber 2019

Eines scheint allerdings sicher: Neben den massiv angestiegenen Notenbankbilanzen, den historisch niedrigen Zinsen, weisen weltweit bereits über 16 Billionen US-Dollar an Staatsanleihen negative Zinsen auf. Dazu kommen die steigenden politischen Unsicherheiten und dadurch werden die Auswirkungen der Corona-Politik eine der Triebfedern für steigende Goldpreise bleiben. Schon im vergangenen Jahr hat der Goldpreis nicht nur sein Allzeithoch von 1921 US-Dollar je Unze erreicht, sondern auch die Marke von 2.000 US-Dollar je Unze überwinden können. Es scheint gut möglich, dass wir gerade den Beginn einer neuen Goldhausse sehen und in den kommenden Monaten weiter steigende Goldpreise und Silberpreise erleben werden.

Die Goldminen sind historisch weiter extrem günstig

Für Minenaktien ist ein steigender Gold- oder Silberpreis grundsätzlich positiv, da die Minen letzten Endes einen Hebel auf den zugrundeliegenden Rohstoff darstellen. Darüber hinaus ist dieses Mal einiges anders als bei vorangegangenen Goldhaussen.

Kosten der Goldgewinnung im Vergleich zur Goldpreisentwicklung

Wie man dem obigen Chart entnehmen kann, war es bei vorangegangen Haussen stets problematisch, dass die Kosten für die Goldgewinnung nahezu gleichzeitig und in ähnlichem Tempo wie der Goldpreis selbst angestiegen sind. So konnten die Unternehmen zwar höhere Umsätze vermelden, die Gewinne sprudelten allerdings nicht, sondern waren meist lediglich stabil und Investoren konnten sich nur kurzfristig über steigende Aktienkurse freuen. Doch mittlerweile ist die Situation anders: Die Korrektur seit 2011 hat bei vielen Rohstoffunternehmen zum Umdenken geführt, nun spielen die Kosten eine deutlich größere Rolle als in der Vergangenheit. Wachstum ist nicht mehr das vorrangige Ziel, sondern der freie Cash-Flow. Derweil sind die Kosten bei fast allen Produzenten bislang stabil geblieben und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich daran bald etwas ändert und die Margen wieder schrumpfen.

Bei Silber und Explorationsunternehmen besteht Potential

Bereits Ende März - zum Höhepunkt der Coronakrise - war auch Silber in Anbetracht des historisch einmaligen Gold-Silberratios extrem spannend. In Silberunternehmen zu investieren zahlte sich deutlich aus, da sich seit Ende März nicht nur der Silberpreis deutlich erholen konnte, sondern auch die Silberaktien eine deutliche Outperformance gegenüber allen anderen Rohstoffunternehmen vorweisen können. Das Gold-Silber Ratio hat sich von seinem Allzeithoch bei 120 auf aktuell 80 reduziert, bleibt damit aber weiter über seinem historischen Mittel bei 63,6 und wir erwarten, dass es in den kommenden Monaten mindestens auf den historischen Durchschnitt zurückfallen wird.

Nach der extremen Übertreibung im März nach oben, wäre es allerdings überraschend, wenn es dabei bleibt. Deutlich wahrscheinlicher erscheint, dass es nach der Übertreibung nach oben nun zu einer Übertreibung nach unten kommen wird mit einem Ratio von 40 als Ziel. Bei einem Goldpreis von 2.000 würde dies einem Silberpreis von 50 US-Dollar je Unze und damit dem Allzeithoch von 2011 bei 49,51 US-Dollar entsprechen. Auch fundamental ist dieses Preisziel in erster Linie aufgrund der weiterhin fehlenden neuen Projekte und damit einhergehend einer zwangsweise fallenden Produktion in den kommenden Jahren als realistisch anzusehen.

Für Industriemetalle sind steigende Preise zu erwarten

Die mangelnde Exploration vergangener Jahre zieht sich hierbei durch den gesamten Rohstoffsektor. Es werden dringend neue Rohstoffprojekte benötigt um die alten auslaufenden Projekte zu ersetzen und die steigende Nachfrage zu bedienen. Das gilt auch oder gerade für Industriemetalle. So verschlingt beispielsweise die Produktion von Elektroautos Schätzungen der Internationalen Energieagentur IAE mit Sitz in Paris zufolge sechs Mal mehr Kupfer, Kobalt, Lithium und Nickel als die von Verbrennern, bei Windparks ist der Faktor im Vergleich zu herkömmlichen Gas-Kraftwerken noch einmal höher. Durch die Bemühungen, den Klimawandel durch eine Energiewende zu bremsen, dürfte die Nachfrage nach diesen Metallen daher in den kommenden Jahren förmlich explodieren.Die

Immerhin: Die gestiegenen Edelmetallpreise haben in den vergangenen Monaten zum ersten Mal seit 2011 wieder zu einer deutlich gestiegenen Geldaufnahme für Explorationsunternehmen geführt. Wurden in den vergangenen Jahren insbesondere bereits bekannte Lagerstätten erneut exploriert, werden gänzlich neue Projekte erst jetzt wieder in Betracht gezogen. In den kommenden Monaten und Jahren sind daher spektakuläre Neuentdeckungen zu erwarten und alleine diese Erfolge werden dem gesamten Sektor enormen Auftrieb verleihen.

Preise für 40 Metalle, Energiegüter und Agrarrohstoffe

Grundsätzlich haben bislang in erster Linie die großen und liquiden Produzenten vom neuen Rohstoffbullenmarkt profitiert. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Junior- und Explorationsaktien künftig gegenüber den großen Produzenten aufholen werden, so dass eine deutliche Outperformance dieses Sektors zu erwarten ist. Für den Anleger heißt dies: Trotz der bereits gestiegenen Preise können Kurskorrekturen zum Ausbau bestehender Positionen genutzt werden.

Während die Chancen auf einen Rohstoffbullenmarkt damit sehr gut sind, sind die Aussichten für einen möglichen Rohstoff-Superzyklus - von manchen bereits im Frühjahr proklamiert - zumindest nicht schlecht. Diese Phasen überdurchschnittlicher, langfristig und auf breiter Front steigender Rohstoffpreise, meist ausgelöst durch einen dauerhaften Anstieg der Nachfrage, messen Ökonomen allerdings nicht wie bei herkömmlichen Konjunkturzyklen in Jahren, sondern Jahrzehnten. Ob es tatsächlich dazu kommt, kann daher erst die Zukunft zeigen. Der Boden für einen strukturellen Boom ist durch die erwähnte Energiewende und billionenschwere staatliche Konjunkturprogramme jedenfalls bereitet.

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Quelle: Tobias Tretter, Commodity Capital AG