Donnerstag, 13. Juni 2024

Der demografische Wandel - Chancen für die Anlagestrategie nutzen

 In der Regel lassen sich wichtige und marktrelevante Entwicklungen nur extrem schwer vorhersagen. Eine der wenigen Ausnahmen ist der demografische Wandel. Die Alterung der Bevölkerung in den Industrienationen sowie das Bevölkerungswachstum in den Schwellenländern wird sich unaufhaltsam fortsetzen und die Börsen nachhaltig beeinflussen. Anleger sollten sich dies zu Nutze machen und auf die vielen Facetten dieser Entwicklung vorbereitet sein.

Lebenserwartung steigt Jahr für Jahr an

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts überstieg die durchschnittliche Lebenserwartung in keinem Land der Welt 40 Jahre. Heute übertreffen hingegen alle Länder diese Marke. Die aktuelle durchschnittliche weltweite Lebenserwartung ist nun höher als die Lebenserwartung des gesündesten und wohlhabendsten Landes im Jahr 1950. Gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung immer weiter. Nach Berechnungen der Vereinten Nationen wird die Weltbevölkerung bis 2050 von derzeit 8,1 Milliarden auf 9,7 Milliarden Menschen anwachsen. Bis zum Jahr 2100 soll die Bevölkerungszahl fast 11 Milliarden erreichen. Mehr Menschen benötigen natürlich mehr Wohnraum, Energie und vor allem ausreichend Lebensmittel.

Die weltweite Lebenserwartung steigt aus mehreren Gründen: Fortschritte in der Medizin, bessere Diagnosemöglichkeiten und effektivere Behandlungen haben viele Krankheiten heilbar oder besser behandelbar gemacht. Impfprogramme, gesteigerte Hygienestandards und Zugang zu sauberem Trinkwasser haben ebenfalls erheblich zur Steigerung der Lebenserwartung beigetragen. Zudem sind Mangelernährung und Hunger in vielen Regionen auf dem Rückzug. Dass die Lebenserwartung global steigt, ist grundsätzlich eine gute Nachricht. Es ergeben sich aus dieser Entwicklung aber auch Herausforderungen, auf die sich Staaten und Unternehmen erst einstellen müssen.

Demografie in Deutschland

Mit der schnellen Alterung der Bevölkerung in den großen Volkswirtschaften wird die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen in den kommenden Jahrzehnten stark ansteigen. Bis 2050 wird jeder sechste Mensch weltweit 65 Jahre oder älter sein – eine Altersgruppe, die in der Regel dreimal so viel für medizinische Leistungen ausgibt wie jüngere Generationen. In Deutschland ist laut Robert Koch-Institut bereits heute jeder Fünfte älter als 65. Im Jahr 2060 soll es jeder Dritte sein.

Während der Gesundheitssektor insgesamt von der demografischen Entwicklung profitieren könnte, liegen einige der größten Wachstumschancen voraussichtlich in Innovationen, die auf altersbedingte Krankheiten abzielen, wie Alzheimer, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Orthopädie. Auch der Dienstleistungssektor im Bereich Gesundheit sollte weiter wachsen – etwa die Segmente Rehabilitation und Pflege.

Demografische Wandel weitreichende Auswirkungen in vielen Lebensbereichen

Gleichzeitig hat der demografische Wandel weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Neben der wachsenden Bedeutung einer effizienten Gesundheitsversorgung entstehen neue Bedürfnisse. Der steigende Anteil älterer Menschen mit hoher Kaufkraft wird das Konsumverhalten erheblich beeinflussen. Viele Senioren sind bei Renteneintritt noch fit, aktiv und konsumfreudig. Sie reisen gerne und investieren in Gesundheitsprävention.

Wer lernen will, wie man mit diesen Herausforderungen umgehen kann, sollte genau auf Japan schauen. Keine andere Industrienation altert so schnell, und gleichzeitig unternimmt kaum ein anderes Land so viele Anstrengungen, um die Probleme der alternden Gesellschaft zu bewältigen. So sind japanische Unternehmen wie Toyota und Honda Vorreiter bei der Entwicklung von Assistenzrobotern, die Routineaufgaben für pflegebedürftige oder hilfsbedürftige Menschen übernehmen, sodass diese weiterhin selbstständig zu Hause leben können.

Auch in anderen Ländern entwickeln Unternehmen seit vielen Jahren eine Vielzahl von Produkten, die Senioren ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen sollen. Beispielsweise hat der Automobilhersteller BMW einen Nothalteassistenten für ältere Menschen entwickelt, der in medizinischen Notfällen automatisch die Steuerung übernimmt: Das Auto aktiviert selbstständig die Warnblinkanlage und manövriert kontrolliert an den rechten Straßenrand, wo es sicher anhält. Gleichzeitig sendet das Fahrzeug einen Notruf ab.

Demografie-Trend wird nicht nur in Themenfonds abgebildet

Viele Themenfonds, die mit dem Trend „Demografie“ Gewinne erwirtschaften, setzen aber nicht nur auf die Überalterung der Gesellschaft und ihre Folgen. Stattdessen werden auch Unternehmen in die Portfolios aufgenommen, die von der wachsenden Weltbevölkerung und dem steigenden Wohlstand in den Schwellenländern profitieren. Dazu gehören viele klassische Konsumtitel, Online-Plattformen und Luxusgüter-Hersteller, die sich großer Beliebtheit bei der wachsenden Mittelschicht in Asien und Lateinamerika erfreuen.

Der Blick vieler Fondsmanager und Anleger richtet sich dabei besonders auf China: Laut der Unternehmensberatung McKinsey wird die Zahl der Haushalte der oberen Mittelschicht (mit einem Einkommen von über 22.000 US-Dollar) bis 2023 um 70 Prozent steigen. Die Regierung in Peking strebt bis 2035 an, das Land zu einem Staat mit moderatem Wohlstand zu entwickeln. Dazu führt sie verstärkt Maßnahmen ein, um die Selbstversorgung und den Binnenkonsum zu fördern. Es wird erheblich in Technologie und Innovation investiert, insbesondere in grüne Technologien, Telekommunikation und Robotik. Die Urbanisierung und damit verknüpftes Konsumverhalten nehmen weiter zu.

Volkswirtschaft profitiert von demografischer Entwicklung

Ein weiterer Bereich, der weltweit vom demografischen Wandel beeinflusst wird, ist die Infrastruktur. Dazu zählen zum Beispiel Stromnetze, Windparks, Wasserleitungen, Straßen, öffentliche Gebäude sowie Flughäfen, die für das Funktionieren und die Entwicklung einer Volkswirtschaft unerlässlich sind. Aufgrund ihrer herausragenden Bedeutung erfreuen sich Infrastruktureinrichtungen oft einer monopolistischen Marktsituation und hoher Eintrittsbarrieren. Dies bietet Investoren Sicherheit und Aussicht auf eine stabile Rendite.

Wie hoch der Stellenwert einer funktionierenden und sich weiterentwickelnden Infrastruktur auch in den Industrienationen ist, lässt sich gut an den Milliardenprogrammen erkennen, die von Regierungen auf den Weg gebracht wurden. Allein die US-Regierung hat bis 2026 1,2 Billionen Dollar an staatlichen Fördermitteln zur Verfügung gestellt, um die dortige Infrastruktur zu modernisieren. Diesen Januar hat die EU (unter anderem) mit einem 252 Millionen Euro „Programm zur Stärkung der Digitalen Infrastruktur“ nachgezogen.

Fazit

Unternehmen, die zukünftig von der demografischen Entwicklung profitieren werden, haben gute Aussichten auf langfristiges Wachstum. Dieses Wachstum ist weitgehend unabhängig von wirtschaftlichen Schwankungen, da der demografische Wandel nur minimal von konjunkturellen Einflüssen betroffen ist. Die Senioren von morgen oder übermorgen sind längst geboren. Investoren sollten diesen wachsenden Markt daher auf keinen Fall ignorieren. Denn angesichts der jüngsten Prognosen ist eines offensichtlich: Diese gesellschaftliche Entwicklung ist nicht aufzuhalten.

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Dienstag, 21. Mai 2024

Wenn die Zinsen wieder fallen: Welche Aktien werden gewinnen?

 Die meisten Marktexperten sind sich einig: 2024 wird das Jahr der Zinswende. Uneinigkeit herrscht dabei nicht mehr über das „Ob“, sondern nur noch über das „Wann“. Vom aktuellen Zinshoch wird es damit wieder schrittweise heruntergehen. Davon sollten diverse Aktien und Branchen profitieren – doch wer wird wohl der größte Gewinner sein? Dieser Frage widmet sich eine aktuelle Studie der „HQ Trust“, welche die Daten vergangener Zinssenkungs-Perioden unter die Lupe genommen hat.

Das aktuelle Zinsniveau kann mit Fug und Recht als eine echte Ausnahmeerscheinung eingestuft werden. So liegen nach Jahren der Niedrig- oder sogar Minuszinsen die Leitzinsen in Europa und den USA auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren. Die schnell ansteigende Inflation in den Industrienationen hatte die Notenbanken zu diesen extremen Maßnahmen gezwungen. Mit dem Absinken der Teuerungsrate in die Nähe der „gewünschten“ drei Prozent sollte es aber nun zu entsprechenden Gegenmaßnahmen kommen.

EZB wird wohl vor der Fed den ersten Schritt für fallende Zinsen einleiten

Während die Experten zu Jahresbeginn noch von einer rascheren Senkung der Zinsen in den USA ausgegangen waren, prognostizieren Marktbeobachter jetzt sogar einen früheren Schritt der Europäischen Zentralbank (EZB), womöglich schon im Sommer. Die Bank of England sowie die Schweizerische Nationalbank könnten zeitnah folgen. Grund für das Zögern der US-Notenbank Federal Reserve System (Fed) waren die zuletzt starken Wirtschafts- und insbesondere die Arbeitsmarktzahlen. Die Lohnsteigerungen in den USA könnten aktuell eher für mehr Kauflust sorgen und die Inflation noch länger als gedacht auf hohem Niveau halten. Fed-Chef Jerome Powell wird also vielleicht noch etwas abwarten – aber nicht ewig!

Diese Trendwende sollten Anleger genau im Blick behalten und ihre Depots frühzeitig darauf vorbereiten. Denn Zinssenkungen hatten in der Vergangenheit sehr unterschiedliche Auswirkungen auf verschiedene Aktiensegmente und Branchen. Beim Blick in die Vergangenheit haben Kapitalmarktanalysten hier klare Gewinner und Verlierer gefunden. In einer Studie der „HQ Trust“ wurde dafür die Performance von Aktien aus 20 verschiedenen Sektoren in insgesamt 13 Zinssenkungsphasen untersucht.

Das Ergebnis war dabei relativ eindeutig und könnte einige Anleger überraschen: Die größten Gewinner waren nicht etwa dynamische Technologiewerte, sondern Branchen, die eher als defensiv eingeschätzt werden. Spitzenreiter war in der Historie der Bereich der „Genuss-Konsumgüter“, also Nahrungsmittel, Getränke und Tabak. Auf Platz 2 folgt die Branche „Körperpflege, Drogerien und Lebensmittelgeschäfte“. Beide Marktsegmente schafften es sogar, in allen betrachteten Phasen den Gesamtmarkt zu outperformen.

Der Genusssektor entwickelte sich dabei um durchschnittlich 18,1 Prozent besser als der Gesamtmarkt, der Bereich Körperpflege immerhin um 14,2 Prozent. Gefolgt werden diese klassischen Konsum-Sektoren vom „Gesundheitsbereich“. Dieser schaffte es in zwölf von 13 Fällen, den breiten Markt zu schlagen, bei einer durchschnittlichen Überrendite von 14 Prozent.

Doch was macht diese Aktien gerade in Phasen fallender Zinssenkungen so stark?

Um diese Frage zu beantworten, muss man die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen genauer betrachten, welche während einer Zinsreduktionsphase vorliegen beziehungsweise diese auslösen. Notenbanken werden Leitzinsen insbesondere dann senken, wenn sich das Wirtschaftswachstum bereits etwas abgekühlt hat. Unternehmen, die aus einer Zeit hoher Zinsen kommen, werden durch diese belastet und dies schlägt sich häufig auch in den Gewinnen wieder. Zinssenkungen reduzieren diese Belastungen zwar wieder, allerdings wirkt sich die Entlastung in der Regel erst mit zeitlichem Verzug auf die Unternehmen und deren Aktienkurse aus.

Anleger fokussieren sich in diesen Zeiten daher gerne auf Unternehmen, die Gewinne stabil halten können. Unternehmen aus dem Bereich der Basiskonsumgüter oder dem Gesundheitsbereich bieten überwiegend Produkte und Dienstleistungen an, die auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten weiter nachgefragt werden (müssen). In diesem Zusammenhang muss auch die Branche der „Versorger“ genannt werden, welche Haushalte mit Energie oder Wasser beliefern. Unabhängig vom Gesamtmarkt können diese Unternehmen ihre Umsätze und Gewinne relativ stabil halten. Zusätzlich profitieren sie besonders von niedrigeren Finanzierungszinsen, da sie aufgrund des sehr kapitalintensiven Geschäfts oft einen hohen Verschuldungsgrad aufweisen.

Außerdem zeichnen sich die erfolgreichen Unternehmen in den betrachteten Phasen durch ihre Preissetzungsmacht aus. Nach den Preiserhöhungen zu Zeiten hoher Inflation sind diese Unternehmen nicht gezwungen, ihre Preise wieder zu senken oder können diese sogar erhöhen. Eine Fähigkeit, die gerade auch in der aktuellen Situation des Jahres 2024 von großer Bedeutung sein wird. Nicht eindeutig war das Ergebnis bei Branchen wie Versicherungen, Finanzdienstleistungen, Chemie, Telekommunikation, Reisen und Freizeit. Diese gehörten etwa genauso häufig zu den Gewinnern wie zu den Verlierern in Zeiten fallender Zinsen.

Aktienkurse - Branchen mit Aufholpotential

Es gibt allerdings auch eindeutige Verlierer der Studie

Zu diesen gehörten etwa die Unternehmen des Bereichs „Rohstoffe“. In elf von 13 Zeiträumen blieben diese Aktien hinter dem Gesamtmarkt zurück und sorgten für Anlegerfrust. Grund für diese „Underperformance“ war die üblicherweise sinkende Rohstoff-Nachfrage von Unternehmen, die in wirtschaftlichen Schwächephasen unter Auftragsmangel leiden oder weniger Investitionen in neue Projekte durchführen.

Sogenannte „zyklische Werte“ – die stark von der wirtschaftlichen Konjunktur abhängig sind – haben es daher in Zinssenkungsphasen eher schwer. Einen überraschend schwachen vorletzten Platz nehmen die Unternehmen der Technologiebranche ein. Immerhin gilt es unter Anlegern als Binsenweisheit, dass Technologiewerte gerade bei fallenden Zinsen besonders stark abschneiden. Der Gedanke dahinter ist, dass Unternehmen mit starkem Wachstum anhand der erwarteten Gewinne in der Zukunft bewertet werden.

Fallen die Zinsen, werden diese Erträge weniger stark abgezinst und damit höher bewertet

Dies führt in der Regel zu steigenden Kursen. Betrachtet man die Zahlen der Studie genauer, fällt bei Technologie-Unternehmen dann auch wirklich eine Besonderheit auf: Das Ergebnis des Sektors wird durch die extreme Schwächephase nach Platzen der Blase zu Beginn des Jahrtausends stark negativ beeinflusst. Rechnet man dieses Ausnahmeereignis aus den Zahlen heraus, rücken die Technologiewerte zur Spitzengruppe auf. Auch in der bisher letzten Zinssenkungsphase belegten sie sogar einen starken zweiten Platz hinter den Versorgern.

Fazit

Auch wenn die Studie ein paar interessante Anhaltspunkte für die Strategie in Zinssenkungsperioden gibt, bleibt sie am Ende ein Blick in den Rückspiegel, der keine Garantie für die aktuelle Marktphase liefern kann. Neben der historischen Performance muss selbstverständlich das aktuelle Bewertungsniveau berücksichtigt werden. Einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der einzelnen Branchen wird auch der Zeitpunkt der Zinswende haben.

Sollte diese sehr bald und in einer Phase wirtschaftlicher Schwäche einsetzen, könnten defensive Aktien besonders robust reagieren. Lassen sich die Notenbanken aber weiterhin viel Zeit und senken die Zinsen erst in eine Konjunkturerholung hinein, würden diese Aktien wohl immer noch profitieren, aber auch zyklische Werte würden wieder stärker in den Fokus der Anleger geraten.

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Dienstag, 7. Mai 2024

Geldanlagen im 1. Quartal 2024 - Maßvolle globale Konjunkturdynamik und die Schwellenländer bleiben Stabilisatoren

 Das erste Quartal 2024 war gekennzeichnet von einer Fortsetzung der maßvollen Konjunkturdynamik in der Weltwirtschaft. Der Internationale Währungsfonds erhöhte im Januar 2024 die Wachstumsprognose gegenüber der Oktober-Prognose für das Wirtschaftswachstum der Weltwirtschaft im laufenden Jahr von 2,9 Prozent auf 3,1 Prozent (2023 3,1 Prozent). Das Wachstum bleibt jedoch global ungleich verteilt. Industrieländer werden laut aktueller IWF-Prognose 2024 um 1,5 Prozent (Oktober-Prognose 1,4 Prozent) zulegen, während die aufstrebenden Länder die Wirtschaftsleistung um 4,1 Prozent (Oktober-Prognose 4,0 Prozent) ausweiten werden.

So genannter Globaler Süden ist der Taktgeber und Stabilisator der Weltwirtschaft

Innerhalb des Globalen Südens ist Asien bezüglich der Wirtschaftsentwicklung dominant. Die IWF-Prognose für den asiatischen Raum wurde um 0,4 Prozent auf 5,2 Prozent erhöht. China (4,6 Prozent) und Indien (6,5 Prozent) sind und bleiben demnach Katalysatoren für das globale Wachstum. Russlands BIP-Prognose wurde per 2024 markant von zuvor 1,1 Prozent auf 2,6 Prozent heraufgesetzt und per 2023 von 2,2 Prozent auf 3,0 Prozent revidiert.

Innerhalb der großen Industrienationen kam es im ersten Quartal 2024 konjunkturell zu einer Bestätigung der jüngeren Verschiebungen. Die BIP-Prognose des IWF für die USA wurde gegenüber der Oktober-Prognose um 0,6 Prozent auf 2,1 Prozent erhöht. Dagegen wurde die Prognose für die Eurozone von 1,2 Prozent auf 0,9 Prozent gekürzt. Insbesondere wurde die Prognose für das BIP Deutschlands von 0,9 Prozent auf 0,5 Prozent reduziert. Für Großbritannien wird unverändert ein Wachstumsclip von 0,6 Prozent unterstellt. Japans BIP-Prognose wurde von 1,0 Prozent auf 0,9 Prozent verringert.

Unter Zugrundelegung der aktuellen Einkaufsmanagerindices (Frühindikatoren) als Bewertungsmaßstab ergibt sich eine andere Konstellation. Demnach führt Großbritannien im gesamtwirtschaftlichen Zuschnitt (Composite Index) mit 52,9 Punkten vor Japan mit 52,3 Zählern, den USA mit 52,2 Punkten, der Eurozone mit 49,9 Zählern und Deutschland mit 47,4 Punkten (Scheidewert zwischen Wachstum und Kontraktion 50 Punkte).

Maßgebliche Hintergründe des maßvollen Konjunkturszenarios waren fortgesetzt belastende Auswirkungen der geopolitischen Lage

Der Ukraine-Konflikt droht trotz Erschöpfungszuständen seitens der Ukraine und eines Rückzugs der US-Finanzierung immer stärker zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Westen und Russland zu mutieren. Im Gaza-Konflikt nahm die Eskalation im ersten Quartal zu. Das Risiko einer Ausweitung des Konflikts in Nachbarländer mit weltwirtschaftlich belastenden Folgen steht im Raum. Geopolitik ist und bleibt der entscheidende Grund für Zurückhaltung der Wirtschaftssubjekte weltweit. Eine zarte Fortsetzung der Entspannung für die Weltwirtschaft ergab sich im ersten Quartal 2024 in einer Gesamtbetrachtung an der Inflationsfront.

In der Eurozone mäanderte der Verbraucherpreisanstieg im ersten Quartal zwischen 2,6 Prozent - 2,8 Prozent, in den USA zwischen 3,1 Prozent - 3,2 Prozent, in Japan bei 2,2 Prozent - 2,8 Prozent und im UK zwischen 3,4 Prozent - 4,0 Prozent. Im Verlauf des ersten Quartals drehte sich das Deflationsbild in China in ein Inflationsbild. Im Verlauf kam es ausgehend von -0,7 Prozent zu einem Anstieg auf 0,8 Prozent. Die ausgeprägten Zinssenkungserwartungen an den Finanzmärkten wurden durch Verbalinterventionen seitens der Federal Reserve, der EZB und der Bank of England eingefangen und deutlich reduziert.

Die Vereinigten Staaten lieferten im 1. Quartal 2024 ein durchwachsenes Datenbild. Der Dienstleistungssektor ist und bleibt Anker des Wachstums. Der private Konsum (Einzelhandelsumsätze) generierte inflationsbereinigt keine Wachstumsimpulse. Der industrielle Sektor verlor in den ersten beiden Monaten des 1. Quartals 2024 leicht an Boden und bewegte sich im Jahresvergleich im kontraktiven Bereich. Die durch Zinserhöhungen belasteten Immobilienmärkte befinden sich in einer Bodenbildung, gleiches gilt für den Bausektor.

Sentiment-Indikatoren dieser Branchen legten im Laufe des Quartals zu (u.a. NAHB Housing Market Index). Arbeitsmärkte zeigten sich fortgesetzt in positiver Verfassung. In der westlichen Hemisphäre fiel die Eurozone bezüglich der Wirtschaftslage im relativen Vergleich trotz einer Stabilisierung weiter zurück. Per 4. Quartal 2023 kam es zu einer im Quartalsvergleich unveränderten Wirtschaftsleistung. Im ersten Quartal 2024 setzten sich im industriellen Sektor und im Einzelhandel rezessive Tendenzen fort.

Die Einkaufsmanagerindices (Frühindikatoren) legten gegenüber den Niveaus des Vorquartals zu. Die Indices für das Verarbeitende Gewerbe (45,7), die Bauwirtschaft (42,9) und die Gesamtwirtschaft (49,9) signalisieren mit Indexständen unter 50 Punkten jedoch fortgesetzte Kontraktion. Nur der Dienstleistungssektor (51,1) markiert erstmalig seit Juli 2023 per März 2024 Wachstum. Positiv stach weiterhin die Anomalie starker oder zumindest widerstandsfähiger Arbeitsmärkte (nachlaufende Wirtschaftsindikatoren) ins Auge.

Innerhalb der Eurozone verlor Deutschland trotz Stabilisierung der Einkaufsmanagerindices auf ermäßigten Niveaus im relativen Vergleich weiter an Boden

Die im 1. Quartal 2024 für das 4. Quartal 2023 veröffentlichten Daten des Bruttoinlandsprodukts lieferten mit einer Veränderung um -0,3 Prozent im Quartalsvergleich und -0,2 Prozent im Jahresvergleich die schwächsten Werte der G-7 Länder. Die Frühindikatoren (Einkaufsmanagerindices, Konsumklima) unterstrichen die relative Schwäche im Vergleich zu den großen Wirtschaftsnationen. Die Bundesbank konstatierte eine abgeschwächte Kreditvergabe und stellte fest, dass es keine belastbaren Anzeichen einer Erholung der deutschen Wirtschaft gebe (Monatsbericht 03/2024). Die verfügbaren Daten des Konsums, der Industrie, der Baubranche und des Immobilienmarktes weisen rezessive Werte aus.

Die Kapitalabflüsse setzten sich 2023 das dritte Jahr in Folge fort. Sie beliefen sich auf 94 Mrd. EUR nach 125 Mrd. EUR per 2022 (Rekord). Investitionen lassen sich zu großen Teilen nur durch massive Subventionen (Halbleitersektor, Batterien) realisieren, da die Konkurrenzfähigkeit des Standorts schwach bleibt. Das Risiko der mittel und langfristigen Energieversorgungssicherheit und das akute Thema der nicht vorhandenen Konkurrenzfähigkeit bei Energiepreisen als energieintensivster Industriestandort des Westens wirkten weiter belastend und werden von den Wirtschaftsverbänden fortgesetzt als Belastungsfaktor moniert.

Die Entspannung bei der Preisinflation verlor im ersten Quartal 2024 im Vergleich zum vierten Quartal 2023 an Dynamik, setzte sich aber zumeist fort. Auslaufende Basiseffekte spielen eine Rolle. Ölpreise erholten sich von den Tiefstständen per Dezember bei 76 USD pro Fass auf zuletzt circa 85 USD pro Fass (Brent Sorte). Die Erdgaspreise waren in Europa im 1. Quartal 2024 unter überschaubaren Schwankungen wenig verändert auf den ermäßigten Niveaus. Im Vergleich zum Vorjahr waren sie Stand Mitte März um circa 27 Prozent niedriger.

An den Metallmärkten ergaben sich im Quartalsverlauf Preisanstiege. So legte Kupfer um 5,7 Prozent zu.  Der Nickelpreis nahm um 7,4 Prozent zu. Der Aluminiumpreis stieg nur um 0,1 Prozent. Bei den Lebensmitteln war das Bild im 1. Quartal 2024 überwiegend inflationär geprägt. Die Preise legten im Quartalsverlauf für Schweinefleisch um 11,5 Prozent, für Mastrind um 13,1 Prozent für Kakao um 91 Prozent, für Orangensaft um 51 Prozent und für Zucker um 4,8 Prozent zu. Dagegen sanken die Preise für Weizen um 11,5 Prozent und für Kaffee um 9,9 Prozent.

Die Inflationsentwicklungen (Verbraucherpreise) liefern auf globaler Ebene im Vergleich des Dezemberwertes zu den aktuellen Daten mit der Ausnahme Russlands ein entspanntes Bild. Chinas aktueller Wert von 0,7 Prozent ist trotz des Anstiegs unproblematisch (Niveauvergleich).

Die Zentralbanken der großen Länder der westlichen Hemisphäre entschieden sich mit Ausnahme Japans für eine abwartende Haltung. Japan kehrte der Negativzinspolitik im März den Rücken und erhöhte den Leitzins von -0,1 Prozent auf 0,0 Prozent - 0,1 Prozent. Die EZB hat im ersten Quartal 2024 den Leitzins bei 4,50 Prozent belassen, ebenso die Federal Reserve bei 5,375 Prozent als auch die Bank of England bei 5,25 Prozent.

Dagegen senkte die Schweizer Nationalbank den Leitzins unerwartet im März von 1,75 Prozent auf 1,50 Prozent. Mittels Verbalinterventionen wurden Zinssenkungsphantasien eingepflegt. Als wahrscheinlicher Zeitpunkt für eine erste Zinssenkung der EZB und der Fed gilt der Juni. Chinas Notenbank senkte den Zinssatz für fünfjährige Kredite um 0,25 Prozent auf 3,95 Prozent.

Fazit

Die Weltwirtschaft stabilisierte sich auf dem bekannten Wachstumsniveau und konnte im ersten Quartal 2024 eine leicht erhöhte Dynamik entwickeln. Die Homogenität zwischen den Wirtschaftsräumen des Westens und des Globalen Südens im Konjunkturverlauf wird immer fragmentierter und verringert sich strukturell. Während sich der „Globale Süden“ enger aneinander bindet, sich untereinander weiter globalisiert und organisiert, Effizienzen erhöht und Wachstumspotentiale generiert, fällt der „Westen“ durch die Abgrenzungspolitik gegenüber China und Russland und den damit verbundenen Sanktionsregimen zurück.

Die Perspektive heißt weiter positive Stabilität

Eine kurzfristige Trendwende zu nachhaltig erhöhter globaler Wirtschaftsdynamik ist am Ende des ersten Quartals 2024 für das zweite Quartal 2024 zunächst nicht erkennbar. Eine Fortsetzung des moderaten Wachstumsclips mit leicht positiven Vorzeichen ist zu erwarten. Die unausgeprägte Konjunkturdynamik in den Industrieländern bedingt durch Geopolitik und Sanktionsregime als auch die andauernden Wirkungen des aggressivsten Zinserhöhungszyklus in der westlichen Welt, der im vierten Quartal 2023 zwar beendet wurde, der jedoch circa weitere 12 Monate nachwirkt, zeitigen weiter bremsende Konjunktureinflüsse.

Das beeinträchtigt auch die Schwellenländer, ohne jedoch deren positive Grundtendenz zu gefährden. In den letzten 10 Jahren wuchsen die Binnenverkehre des „Globalen Südens“ überproportional und forcierten damit eine zunehmende Abkoppelung von dem westlichen Konjunkturzyklus. Die in die Zukunft gerichteten Wirtschaftsdaten deuten in Richtung einer etwas belebteren Konjunkturdynamik in einer globalen Betrachtung.

Der von JP Morgan für die Weltwirtschaft ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft (Global Composite PMI) markierte per Februar 2024 mit 52,2 Punkten nach einem Tiefpunkt per Oktober bei 50 Zählern den höchsten Indexstand seit Juni 2023 (52,7). Der Durchschnitt dieses Index liegt in den letzten 10 Jahren bei 52,29 Zählern. Die Werte des Einkaufsmanagerindex stehen im Einklang mit einer globalen BIP-Prognose per 2024 von mehr als 3 Prozent.

Die Einkaufsmanagerindices (Frühindikatoren) signalisieren in dem Sektor des Verarbeitenden Gewerbes für die Länder des Westens ex USA nach vorne schauend fortgesetzte Kontraktion. Stabilisierungstendenzen sind ex Eurozone und Deutschland erkennbar. Die Erstschätzungen der Einkaufsmanagerindices für diesen Sektor liegen per März 2024 weiter unter 50 Punkten, der Marke die zwischen Wachstum und Kontraktion unterscheidet (UK 49,9, Japan 48,2, Eurozone 45,7, Deutschland 41,6). Nur die USA heben sich mit einem Indexstand in Höhe von 52,5 positiv ab.

Die aktuell verfügbaren Werte der Länder des Globalen Südens für diesen Sektor aus Indien (59,2), aus Brasilien (54,1), aus Russland (53,8) und aus China (50,9), unterstreichen die Divergenz zwischen Globalem Süden und dem Westen. Anzumerken ist, dass der Sektor des Verarbeitenden Gewerbes bezüglich des Themas Energiepreise sensibel ist. Europa ist und bleibt durch die eigene Politik im Vergleich zu den USA und Japan in einer kritischeren Situation. Der globale Süden ist derzeit und zukünftig deutlich besser aufgestellt (zumeist keine Sanktionspolitiken).

Der Dienstleistungssektor bewegte sich im ersten Quartal 2024 laut Einkaufsmanagerindices in einer Gesamtbetrachtung im Quartalsvergleich global in einer Aufwärtsbewegung, erhöhtes Wachstum in diesem Sektor implizierend. Das gilt vor allen für die westlichen Länder.

Die Heterogenität zwischen den Ländern nahm in diesem Sektor im ersten Quartal 2024 ab. Der Westen holt im Dienstleistungssektor gegenüber dem Globalen Süden auf.  So verloren Russland und China an positiver Dynamik. Japan und die Eurozone holten deutlich auf. Großbritannien und die USA verzeichneten eine verstetigte positive Tendenz. Global betrachtet steuert dieser Sektor fortgesetzt und zuletzt verstärkt zum Wachstum bei.

Das Thema Zinssenkungsdiskussion setzte sich in der westlichen Welt hinsichtlich des fortgesetzten Rückgangs der Inflation im ersten Quartal 2024 fort. Die Verbalinterventionen seitens der Notenbanker der Federal Reserve, der EZB und der Bank of England führten dazu, dass die überschießenden Markterwartungen eingefangen wurden. Aktuell ergeben sich begründete Einschätzungen eines Starts des Zinssenkungszyklus der US-Notenbank und der EZB im Monat Juni. Nach aktuellem Erwartungsstand kann es circa drei Zinssenkungen um 0,25 Prozent im laufenden Jahr seitens beider Zentralbanken geben.

Auch die Bank of England wird diesem Ansatz der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Federal Reserve System (Fed) trotz höheren Preisniveaus zu großen Teilen folgen. Seit dem starken Einbruch der Kapitalmarktrenditen zum Ende des vierten Quartals 2023 kam es im ersten Quartal 2024 zu einer signifikanten Korrektur um in der Spitze gut 0,50 Prozent sowohl in Europa (aktuell 10-jährige Bundesanleihen 2,40 Prozent) als auch in den USA (aktuell 10 jährige US-Staatsanleihen 4,25 Prozent). Trotz dieser Zinsentwicklung ergab sich im ersten Quartal 2024 eine Bodenbildung an den Wohnimmobilienmärkten Europas und der USA.

Der Rohstoffsektor belastete die Weltwirtschaft und die Weltfinanzmärkte bestenfalls geringfügig

Der Ölpreis (Brent) legte gegenüber den Tiefständen von 75 USD im dritten Quartal 2023 im März 2024 bis auf 87 USD in der Spitze zu (aktuell 85 USD). Bei den Erdgaspreisen kam es zu keinen nennenswerten Belastungen. Die Lager im Westen sind gut gefüllt. Bei Industriemetallen gab es bei den einzelnen Metallen Volatilitäten, ohne jedoch markanten Einfluss auf das Inflationsgeschehen zu nehmen. Bei Agrarrohstoffen kam es überwiegend zu Preissteigerungen, unter anderem bei Orangensaft, Schweinefleisch, Mastrind, Kakao und Zucker. Dagegen nahmen der Weizenpreis und der Kaffeepreis ab.

Nach vorne schauend sind zunächst keine markanten Verwerfungen an den Rohstoffmärkten auszumachen. Bezüglich der Risiken für die Energiemärkte muss der Fokus weiterhin auf den Entwicklungen im Ukraine-Konflikt und im Gaza-Konflikt liegen.

Die Perspektiven für den Technologiesektor oder zumindest für Teile dieses Sektors bleiben positiv ausgerichtet. Die erwartete Zinsentspannung unterstützt hintergründig die kapitalintensive Branche. Das Thema Künstliche Intelligenz ist bezüglich des Potentials weiter im Fokus. Perspektivisch wirkt Künstliche Intelligenz durch massive Erhöhung der Effizienz reduzierend auf Inflation.

Die verfügbaren Fakten liefern keine Grundlagen für einen stärkeren Trendwechsel in Richtung der Weltkonjunktur in zeitlicher Nähe. Sie implizieren aber eine leichte Erhöhung der Dynamik. Die Spreizung bezüglich der Konjunkturentwicklungen zwischen den Industrienationen wird sich zu Gunsten der Schwellenländer fortsetzen. Die Spreizung der Konjunkturentwicklungen innerhalb der Eurozone zu Lasten Deutschlands wird ohne Umsteuerung in Berlin nicht abnehmen.

Der Finanzmarkt und die Wirtschaft wurden weiter von einer erhöhten Risikobereitschaft der Kapitalanleger getragen

An den Finanzmärkten ergab sich in einer Gesamtbetrachtung im Winterquartal erhöhte Risikobereitschaft getragen von stabilisierten Einkaufsmanagerindices in der westlichen Hemisphäre, der Erhöhung der globalen Wachstumsprognose des IWF und von rückläufiger Preisinflation. Die reduzierten Zinssenkungserwartungen hatten keine dauerhafte Belastung zur Folge.

Aktienmärkte: Ein Blick auf den Quartalsverlauf Q1-2024

Starke Performance, reihenweise Rekorde, China und Indien relativ schwach. Es kam nach dem starken vierten Quartal 2023 zu einem erneut starken Verlauf der Aktienmärkte im ersten Quartal 2024 mit Ausnahme Chinas, Hongkongs und Indiens. Kursrekorde fielen unter anderem im DAX, EuroStoxx 50, S&P 500, Citi US Tech 100 und in Japan. Japans Aktienmarkt zeigte eine extrem starke Performance. Chinas Aktienmarkt konnte vergleichsweise gering an Boden gewinnen, während der Markt in Hongkong einen leichten Verlust auswies. Indien rettete ein marginales Plus. Europäische und US-Märkte lieferten hohe Anstiege.

Europäische Aktienmärkte konnten nach der schwächeren Performance gegenüber den US-Märkten im vierten Quartal 2023 im abgelaufenen ersten Quartal 2024 überzeugen. Aufholeffekte bezüglich attraktiver Bewertungskonstellationen im Vergleich zu den USA spielten eine Rolle als auch die Eindeckung von Leerverkäufen.

Die Vorteile des US-Wirtschaftsraums gegenüber Europa bezüglich der Themen Innovationspolitik, Regulatorik, Energiepolitik, Steuerpolitik und Subventionspolitik wirkten und wirken losgelöst von der kurzfristigen Entwicklung an den Märkten grundsätzlich zu Gunsten der Allokation in US-Werte.

Die Schwäche an Chinas Aktienmärkten (CSI, Hangseng) war im Quartalsvergleich im internationalen Vergleich im Hinblick auf Performance im relativen Vergleich weiter ausgeprägt. Weiter verfingen Themen wie Chinas Wachstumsvorteile, Zinssenkungspotentiale, hoher Realzins oder konservative Bewertungskriterien nicht. Erkennbar spielten und spielen geopolitische Erwägungen in der Kapitalallokation westlicher Teilnehmer eine belastende Rolle für Chinas Märkte.

Indien lebt eine politische Ambivalenz zwischen dem Westen und Osten und ist damit aktuell nicht von politisch motivierter Kapitalallokation seitens des Westens betroffen. Indiens Sensex Aktienmarktindex konsolidierte im ersten Quartal 2024 die starke Performance des Jahres 2023 (+18,74 Prozent). Anders als die meisten anderen fernöstlichen Länder wies und weist Indien ein hohes Bewertungsniveau auf. Auch das war ein Grund für die im relativen Vergleich zu westlichen Märkten schwache Performance im Quartalsverlauf von 0,55 Prozent.

Fazit für die Aktienmärkte im ersten Quartal 2024

Der Aufwärtsmodus an den Aktienmärkten war mit Ausnahme Chinas und Indiens ausgeprägt.

Rentenmärkte: Ein Blick auf den Quartalsverlauf Q1-2024

Die Rentenmärkte der USA und Europas korrigierten im ersten Quartal 2024 den starken Renditeeinbruch des vierten Quartals 2023, der von überbordenden Zinssenkungserwartungen der Federal Reserve und nachgeordnet der EZB und der Bank of England getragen war. Im Zuge dieser Anpassung der Zinssenkungserwartungen bezüglich des Zeitpunktes und des Umfangs kam es zu Anpassungen gegenüber den Tiefstständen der Renditen im vierten Quartal um mehr als 0,50 Prozent.

In China kam es zu einem Rückgang der Renditen um circa 0,25 Prozent. Das Inflationsprofil ist dort sehr entspannt und erlaubte der Notenbank den Zins für fünfjährige Ausleihungen im ersten Quartal 2024 um 0,25 Prozent auf 3,95 Prozent zu senken. Japans Renditen verzeichneten einen Anstieg um 0,11 Prozent. In Japan ist der Rentenmarkt stark politisch beeinflusst.

Fazit für die Rentenmärkte im ersten Quartal 2024

Die Anpassung der Renditen an den Erwartungshorizont bezüglich Inflationserwartungen und Zinssenkungserwartungen ist erfolgt.

Devisenmärkte: Ein Blick auf den Quartalsverlauf Q1-2024

An den Devisenmärkten kamen der Yen (JPY) und der Schweizer Franken (CHF) im ersten Quartal 2024 an den internationalen Devisenmärkten unter erheblichen Druck. Das Thema Zinsdifferenzen spielte in der Bewertung eine hervorgehobene Rolle.

Die reduzierten Zinssenkungserwartungen bezüglich der Zinspolitik der Federal Reserve, der EZB und der Bank of England lasteten zunächst auf dem JPY, da sich damit die Erwartung einer stärkeren Reduzierung der Zinsdifferenz gegenüber Anlagen im Yen verflüchtigte. Die unerwartete Leitzinssenkung der Schweizer Notenbank führte im März 2024 zu deutlichen Verlusten der Schweizer Franken (CHF).

Der Euro verlor im Quartalsvergleich gegenüber dem US-Dollar (USD) und dem britischen Pfund (GBP) überschaubar an Boden. Hier spielten Konjunktur- und Stabilitätsaspekte vordergründig eine entscheidende Rolle.

Fazit für die Devisenmärkte im ersten Quartal 2024

Zinssensibilität dominierte in der Bewertung im ersten Quartal 2024 an den Devisenmärkten. Konjunktur- und Strukturaspekte hatten eine untergeordnete Wirkung.

wichtiger Hinweis:
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Externe Quellen:

  • Netfonds AG

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Donnerstag, 18. April 2024

Rohstoffe stehen vor einem Comeback: Die Gründe und die Aussichten

 Im Jahr 2023 konnte der Rohstoffsektor nicht mit der Kursentwicklung bei den globalen Aktien mithalten. So hatten es insbesondere Industriemetalle schwer. Denn gleich mehrere Faktoren drückten auf die Preise, welche sich nach Corona wieder gut erholt hatten. Aktuell spricht aber einiges dafür, dass sich in diesem Jahr das Bild wieder drehen könnte. Besonders interessant dabei: Das Anlagesegment ist unglaublich vielseitig und teilweise nur sehr gering mit Aktien oder Anleihen korreliert. Gerade in unsicheren Marktphasen können Sie daher eine hervorragende Beimischung für das Depot sein.

Fulminanter Anstieg und Abwärtstrend innerhalb von einem Jahr

Nach einem fulminanten Start im ersten Quartal 2023 mit zweistelligen Zuwachsraten bei vielen Rohstoffen folgte ein Abwärtstrend, der die Preise bis zum Jahresende deutlich ins Minus drückte. Die Gründe für diese Entwicklung waren vielfältig:

So verlangsamte sich das globale Wirtschaftswachstum 2023 merklich. Die USA und China, die zwei größten Rohstoffverbraucher der Welt, zeigten schwächelnde Konjunkturdaten. Infolge der geringeren Nachfrage nach Rohstoffen und relativ hohen Lagerbeständen gerieten die Preise unter Druck. Aufkommende Rezessionsängste und geopolitische Spannungen veranlassten dann auch viele Anleger dazu, ihre Investitionen in riskantere Anlagen wie Rohstoffe oder Aktien zu reduzieren. Sicherlich spielte dabei auch eine Rolle, dass im Zuge der Zinserhöhungen Anleihen wieder zu einer echten Investment-Alternative wurden.

Die hohen Leitzinsen in den USA, Europa und anderen führte außerdem zu einem Anstieg der Kapitalkosten und dämpfte die Investitionsbereitschaft in rohstoffintensive Branchen. Hinzu kam dann noch die Stärke des US-Dollars. Dieser wertete gegenüber anderen Währungen deutlich auf. Das verteuerte Rohstoffe für Käufer aus anderen Ländern und trug ebenfalls zur sinkenden Nachfrage bei.

Vieles ist in diesem Jahr bei den Rahmenbedingungen anders

Aktuell gehen allerdings viele Experten davon aus, dass sich die meisten dieser Faktoren im Jahresverlauf umkehren werden und damit auch eine Kehrtwende am Rohstoffmarkt auslösen sollten. Das Jahr 2024 steht etwa - im Gegensatz zum Vorjahr - ganz im Zeichen von Zinssenkungen, die von sowohl der Federal Reserve System (Fed) als auch der Europäischen Zentralbank (EZB) erwartet werden.

Auch eine Erholung der Wirtschaft Chinas steht im Fokus der Märkte. Pekings jüngste Schritte, wie die Stabilisierung des Immobiliensektors und insbesondere die Förderung von Solarzellen, Lithium-Ionen-Batterien und Elektrofahrzeuge, könnten eine positive Wirkung auf die Preise haben. Chinas erklärtes Ziel bleibt es, bei erneuerbarer Energie eine weltweit führende Rolle einzunehmen.

Internationale Entwicklungen deuten ebenfalls auf eine verstärkte Unterstützung für die Energiewende hin. Maßnahmen wie die Fit-for-55-Rechtsvorschriften der Europäischen Union und die Diskussionen auf der UN-Klimakonferenz zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen könnten die Dynamik der Energiewende wiederbeleben und die Nachfrage nach Rohstoffen im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien ankurbeln.

Geringere Fördermengen sorgen für schwaches Angebot

Neben der positiven Erwartung für die Nachfrage stimmt auch die Situation der Angebotsseite hoffnungsvoll für Preisanstiege bei Rohstoffen. Bestes Beispiel hierfür ist Kupfer. So zeichnete etwa der CEO von Glencore, einem der weltweit größten Kupferproduzenten, ein pessimistisches Bild: Aufgrund der niedrigen Preise würden kaum neue Förderprojekte in Auftrag gegeben. Gleichzeitig wären die Lagerbestände bereits weltweit zurückgegangen, was auf eine Knappheit am Kupfermarkt hinweist.

Die Zurückhaltung bei der Produktion wird auch durch andere Faktoren wie sinkende Erzgehalte, Umweltrisiken und soziale Proteste beeinflusst. Proteste haben beispielsweise zur Schließung der größten Kupfermine Panamas geführt. Auch in anderen wichtigen Kupferproduktionsländern wie Chile und Peru gibt es Herausforderungen, darunter Wasserknappheit und soziale Unruhen.

Gold stemmt sich gegen den Trend

Doch Rohstoffe sind natürlich noch mehr als nur Industriemetalle. Gerade Gold war aufgrund der hohen Inflation in aller Munde und bei Anlegern begehrt. Während die Industriemetalle die letzten zwölf Monate leiden mussten, erreichte das Edelmetall zuletzt ein Rekordhoch nach dem anderen.
Die für dieses Jahr erwarteten Zinssenkungen haben schon jetzt einen positiven Einfluss auf den Goldpreis. Obwohl die Fed bei ihrer jüngsten Sitzung die Zinssätze unverändert ließ, deuteten die getroffenen Aussagen darauf hin, dass die Priorität der Notenbank eher dem Wirtschaftswachstum als der Bekämpfung von Inflation gilt. Sollte die Inflation damit länger auf hohem Niveau verbleiben, wäre dies ein gutes Umfeld für Edelmetalle.

Goldpreis und die Entwicklung

Einige Experten prognostizieren daher weiter steigende Goldpreise, wobei die UBS und JP Morgan einen Anstieg der Preise auf 2.200 bis 2.500 US-Dollar pro Unze in diesem Jahr vorhersagen. Bei diesen Prognosen spielt auch eine Rolle, dass die Notenbanken zur Goldnachfrage beitragen. In den letzten Jahren haben Zentralbanken und Staaten bereits Rekordmengen an Gold gekauft, was zuletzt etwa zehn bis 15 Prozent zur Goldpreisentwicklung beitrug. Dieser Trend könnte sich fortsetzen, insbesondere in Schwellenländern, die Gold als Absicherung gegen Sanktionen nutzen.

Auch China nimmt bei der Nachfrage wieder eine besondere Rolle ein. Angesichts der Krise auf dem chinesischen Immobilien- und Aktienmarkt steigt die Nachfrage der chinesischen Anleger nach Gold. Im vergangenen Jahr stieg die Nachfrage nach Barren und Münzen um 28 Prozent, während die Nachfrage nach Schmuck um zehn Prozent zunahm.

Rohstoffe sorgen für Stabilität im Anlagedepot

Industriemetalle, Gold oder Öl: Rohstoffe lassen sich nicht über einen Kamm scheren und entwickeln sich in verschiedenen Marktphasen oft sehr unterschiedlich. Dies kann auch für Anlegerdepots von Vorteil sein. Denn die Beimischung von Rohstoffen in ein Portfolio aus Aktien und Anleihen wirkt nicht nur als Inflationsschutz, sondern trägt auch zur Diversifikation bei. Rohstoffrenditen korrelieren historisch gesehen negativ mit Anleihen und nur leicht positiv mit Aktien. Gerade wenn das klassische Aktien/Anleihen-Portfolio schwächelt, können Rohstoffe also ihre Stärken ausspielen und Verluste eindämmen.

Die Preise von Rohstoffen hängen von anderen Faktoren ab als die Märkte für Aktien und Anleihen. Ereignisse wie Förderprobleme oder politische Unruhen in einem Land können die Preise für bestimmte Rohstoffe unabhängig von der Entwicklung der Aktienmärkte beeinflussen. Zudem variieren die Preisentwicklungen der einzelnen Rohstoffe untereinander oft erheblich.

Fazit

Insgesamt scheint der Ausblick für Rohstoffe im Jahr 2024 von einer Kombination aus geldpolitischen Entscheidungen, chinesischen Wirtschaftsmaßnahmen und internationalen Trends in Richtung erneuerbare Energien geprägt zu sein. Der zuletzt unterschätzte Sektor könnte damit wieder ein interessantes Investitionsziel werden, insbesondere im Kontext der Energiewende und des zunehmenden Bedarfs an Rohstoffen für innovative Technologien. Wer den Fokus auf eine breite Streuung im Depot legt, um das Gesamtrisiko zu senken und ungewollte Überraschungen zu vermeiden, sollte daher dieses Anlagesegment nicht links liegen lassen.

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Donnerstag, 14. März 2024

ELTIF 2.0 - Neue Möglichkeiten für Kapitalanleger bei der Diversifikation des Portfolios

  

Die geringe Nachfrage der Anleger hatte aber nichts mit der grundsätzlichen Idee hinter den ELTIFs zu tun, sondern mit der Gestaltung. Diese entsprach weder den Bedürfnissen der Anleger noch den Anforderungen der Fondsgesellschaften. Die strikten Investitionsrichtlinien schufen schnell Bedenken bei Investoren und zahlreiche Vorgaben erschwerten ein effektives Liquiditätsmanagement. Der Erwerb von ELTIF-Anteilen erforderte zudem eine Mindestinvestition von 10.000 Euro, es musste ein Gesamtportfolio von mindestens 100.000 Euro nachgewiesen werden und Investoren mit liquiden Vermögenswerten von bis zu 500.000 Euro durften maximal zehn Prozent ihres Vermögens in ELTIFs investieren.

Schon 2015 kam vom Deutschen Fondsverband BVI Kritik

Der BVI (Bundesverband Investment und Asset Management e.V.) bezeichnete das Vorhaben als zu aufwändig, kompliziert und teuer. Mit dieser Einschätzung sollte der Verband recht behalten: 2022 gab es lediglich 77 ELTIFs in Europa mit einem Gesamtvolumen von 11 Milliarden Euro, was einem Anteil von nur 0,07 Prozent der innerhalb der EU verwalteten Vermögenswerte entspricht.Bereits die Ankündigung der European Long-Term Investment Funds 2.0 Gesetzgebung hat in den letzten Monaten für ein großes Interesse bei Investoren und Fondsanbietern gesorgt. Für Anleger bieten ELTIFs Zugang zu langfristigen Anlagechancen und potenziell interessanten Renditen. Daneben ermöglichen sie eine breitere Diversifizierung des Portfolios, da sie in Vermögenswerte und Branchen investieren, die oft außerhalb des traditionellen Anlageuniversums liegen. Mehr zum aktuellen Stand der ELTIF 2.0 gibt es im folgenden Artikel zu lesen.

ELTIF 2.0 – eine Wiederbelebung?

Im Jahr 2015 eröffnete die Europäische Union mit der Einführung der sogenannten ELTIFs eine neue Möglichkeit für Privatpersonen, in Anlageklassen zu investieren, die bisher ausschließlich institutionellen Anlegern vorbehalten waren. Ganz nebenbei sollten damit auch Zukunftsprojekte vorangetrieben werden, die der EU besonders am Herzen liegen. Gut gedacht, ist aber – wie so häufig – nicht immer gut gemacht. Zu hohe Einstiegshürden, komplizierte sowie unklare Regelungen sorgten bei Fondsgesellschaften, Banken und Anlegern für Verunsicherung. Auch acht Jahre nach Einführung finden sich daher nur eine Handvoll ELTIFs am Markt. Das soll sich mit überarbeiteten Regeln nun schnell ändern.

ELTIF steht für European Long-Term Investment Fund und bedeutet übersetzt “europäischer langfristiger Investmentfonds”. Diese Anlageform wurde von der EU eingeführt, um langfristige Investitionen in die europäische Realwirtschaft zu fördern. Konkret sollen damit Herausforderungen wie die Digitalisierung, der soziale Wandel oder die Energiewende angegangen werden. ELTIFs ermöglichen es privaten Anlegern, in illiquide Vermögenswerte wie Private Equity, Private Debt, Infrastruktur, Immobilien oder Windkraft- und Solaranlagen zu investieren. Dies war bisher nur bei Banken und institutionellen Anlegern möglich. Von den bei Einführung prognostizierten Milliarden Euro, die darüber in europäische Infrastruktur und Energieversorgung fließen sollten, ist jedoch kaum etwas angekommen.

Das soll sich mit der neuen Gesetzgebung vom 10. Januar 2024 nun endlich ändern. In Zukunft entfällt sowohl die Überprüfung des Vermögens als auch die Festlegung einer Mindestanlagesumme. Stattdessen gelten analoge Regeln wie für Publikumsfonds gemäß den Bestimmungen der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II. Ein weiteres wichtiges Merkmal der neuen Gesetzgebung ist die Stärkung der Transparenz und des Anlegerschutzes. ELTIFs unterliegen nun strengeren Vorschriften bezüglich der Offenlegung von Informationen und der Überwachung durch die Aufsichtsbehörden. Dies gibt den Anlegern mehr Vertrauen in die Integrität und Sicherheit dieser Anlageform.

Beseitigung von Hindernissen für den Zugang

Schon die Ankündigung der Gesetzgebung hat in den letzten Monaten für großes Interesse bei Fondsanbietern und Investoren gesorgt. In den letzten sechs Monaten hat sich die Anzahl der angefragten und bearbeiteten ELTIFs in Luxemburg stark erhöht. Seit Beginn des Jahres vergeht kaum eine Woche, in der nicht mehrere Gesellschaften neue Produkte ankündigen oder auflegen.
Für langfristige Anleger bieten sich nun vollkommen neue Optionen. Wer auch in nicht börsengehandelte Unternehmen investieren möchte, kann dies zukünftig über einen Private-Equity-ELTIF tun und muss nicht den indirekten Weg über die Anlage in verschiedene Private-Equity-Gesellschaften gehen.

Außerdem können Investments noch gezielter auf die eigenen Ziele ausgerichtet werden. Bestes Beispiel ist hier das Thema Nachhaltigkeit: Will ein Anleger den Bau von Solar- und Windkraftanlagen sowie den Ausbau der Energieinfrastruktur fördern, bleibt oft nur die Investition in Energiekonzerne oder breit aufgestellte Fonds. Damit werden aber häufig indirekt Projekte unterstützt, die nicht im Interesse des Kunden liegen – wie etwa Anlagen im Bereich der fossilen Energieträger. Über die Auswahl des passenden ELTIFs kann in Zukunft sichergestellt werden, dass die Gelder nur direkt in Projekte fließen, welche die Energiewende vorantreiben. Und die Möglichkeiten werden mit jedem weiteren ELTIF vielfältiger.

Reform der Vorschriften für Investitionen, Kreditaufnahme und Diversifizierung

Dass die Gesetzgebung aber noch für mehr Klarheit und eine Vereinheitlichung sorgen sollte, erkennt man schnell an der sehr unterschiedlichen Vorgehensweise bei Entnahmen. Während einzelne ELTIFs die Möglichkeit bieten, vierteljährlich Entnahmen aus dem Fonds vorzunehmen, werden andere Produkte an das Vorbild der offenen Immobilienfonds in Deutschland angeglichen. Das bedeutet dann für Anleger eine Mindesthaltedauer von zwei Jahren und eine Kündigungsfrist von einem Jahr.

Daneben gibt es auch sogenannte „geschlossene“ ELTIF, die über eine feste Laufzeit verfügen und vor Ablauf dieser Frist keine Entnahmen ermöglichen. Die Verfügbarkeit der Anlegergelder ist damit noch sehr stark von der individuellen Gestaltung eines ELTIF abhängig. Doch der Gesetzgeber könnte hier schon relativ kurzfristig nachbessern, um eine stärkere Vereinheitlichung für die Zukunft zu erreichen.

Fazit

Die Vorteile von ELTIFs für Privatanleger liegen auf der Hand. Erstens bieten sie Zugang zu langfristigen Anlagechancen und potenziell hohen Renditen. Zweitens ermöglichen ELTIFs eine breite Diversifizierung des Portfolios, da sie in verschiedene Vermögenswerte und Branchen investieren, die oft außerhalb des traditionellen Anlageuniversums liegen. Gerade Investitionen in Privatmärkte, vor allem in Sachwerte wie Infrastruktur und Immobilien, haben das Potenzial, auch in einem Marktumfeld mit Schwankungen langfristig stabile Kapitalrenditen zu erzielen.

Insgesamt markiert die Erweiterung des Anwendungsbereichs von ELTIFs und die Stärkung der Regulierung einen Meilenstein für langfristige Investitionen in Europa. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Veränderungen auf die Entwicklung des europäischen Anlagemarktes auswirken werden, doch eins ist klar: ELTIFs haben das Potenzial, eine wichtige Rolle in den Portfolios von Anlegern aller Art zu spielen.

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Freitag, 1. März 2024

Renaissance der Zinspapiere - Wird 2024 das „Jahr der Anleihe“?

 Im Jahr 2023 konnten Anleihen eine wahre Renaissance erleben, denn sie erzielten endlich wieder eine positive Realrendite. Dazu kommt, dass zusätzlich auch noch Potenzial für steigende Kurse der Anleihen aufgrund von  Zinssenkungen in 2024 besteht. Wer als Anleger davon profitieren möchte, sollte daher wieder stärker auf längere Laufzeiten bei Anleihen setzen. Mehr zu den Aussichten von Anleihen erfahren Sie im folgenden Artikel.

Wie immer bringt das neue Börsenjahr viel Hoffnung, aber auch Sorgen mit sich

Doch bei aller Unsicherheit gehen gerade die Anleihemärkte unter deutlich besseren Vorzeichen in 2024 als in den Vorjahren. Nach beinahe zwei Jahren mit hoher Inflation und steigenden Leitzinsen sollte 2024 endgültig das Jahr der Trendwende werden. Anleger sollten diese tiefgreifenden Entwicklungen auch in ihren Depots berücksichtigen. Die letzten beiden Jahre waren für Investoren in Anleihen wahrlich kein Zuckerschlecken. Die gestiegenen Verbraucherpreise – unter anderem getrieben von teurer Energie als Folge des Ukraine-Kriegs – zwangen die Notenbanken in den Industrienationen zum Handeln.

Diese lieferten dann auch und erhöhten die Leitzinsen mit beispielloser Schnelligkeit. In den USA stiegen sie etwa seit Anfang 2022 von 0,25 Prozent auf 5,5 Prozent. In Europa ging es von 0 Prozent auf zuletzt 4,5 Prozent. Die Europäische Zentralbank und die Federal Reserve bemühten sich dabei um einen schwierigen Spagat: Nämlich einerseits die Wirtschaft einzubremsen, um die Inflation wieder deutlich zu senken, ohne dabei die Unternehmen so stark zu treffen, dass eine langwierige und tiefgreifende Rezession ausgelöst wird. Entsprechend wurde wiederholt das Ziel eines „Soft Landing“, also einer „sanften Landung“ (ohne Absturz!) ausgegeben.

Zumindest bei der Senkung der Inflation können die Notenbanken in 2023 Erfolge verbuchen: In den USA ging die Teuerungsrate zuletzt auf 3,1 Prozent, in Europa sogar auf 2,4 Prozent zurück. Im Euro-Währungsraum gibt es aber nach wie vor große Unterschiede. Diese reichen von 6,9 Prozent in der Slowakei bis 0,8 Prozent in Belgien. Deutschland liegt mit 2,3 Prozent übrigens beinahe im europäischen Durchschnitt. Das Inflationsziel von 2 Prozent scheint damit wieder in greifbarer Nähe.
Leidtragende dieser Notenbankpolitik waren jedoch sowohl die Aktien- als auch die Anleihemärkte.

Rendite für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit ausgewählter Länder weltweit im Januar 2024

Zinsrückgang bei US-Anleihen verursachte eine Schieflage bei US-Banken

In 2022 kam es bei Anleihen zu starken Rückgängen und sorgte sogar für ein „Bankenbeben“. In den USA waren Anleiheverluste Auslöser für die Schließung der „Silicon Valley Bank“ und der Vertrauensverlust der Bankenbranche besiegelte das Ende der „Credit Suisse“ sowie weiterer kleiner Geldinstitute. Auch das Jahr 2023 war geprägt von immer wieder auftretenden Schwankungen – und von einer beeindruckenden Kursrallye zum Jahresende.

Zur Erklärung: Die Wechselwirkung von Anleihepreisen und Zinsniveau ist konträr. Dies bedeutet, dass bei steigenden Zinssätzen die Anleihekurse fallen und bei sinkenden Zinssätzen steigen. Der Grund hierfür liegt darin, dass der Preis einer Anleihe den Wert des Einkommens widerspiegelt, das sie über ihre Zinszahlungen generiert. Wenn die aktuellen Zinssätze abnehmen, gewinnen ältere Anleihen mit höheren Zinsen an Wert. Ein Anleger, der diese Anleihen besitzt, kann einen Aufschlag verlangen, wenn er sie an den Börsen verkauft. Im Gegensatz dazu verlieren ältere Anleihen an Wert, wenn die aktuellen Zinssätze steigen. Dies geschieht, da die erhaltenen Zinszahlungen nun niedriger sind als die der neuen Anleihen, die auf dem Markt angeboten werden.

Im Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie und der Zinserhöhungen hat sich die Ausgangslage für festverzinsliche Wertpapiere inzwischen deutlich verbessert. Zum einen liegt die Verzinsung von Anleihen („Kupon“) wieder über den Inflationserwartungen und es können damit wieder positive Realrenditen (= Ertrag einer Investition abzüglich der Inflationsrate) erzielt werden. Zum anderen scheinen die Europäische Zentralbank und die Federal Reserve den Höhepunkt bei den Leitzinserhöhungen bereits erreicht zu haben. Lediglich ein überraschend hoher Anstieg der Inflation könnte hier noch zu einem Umdenken führen. Wahrscheinlicher bleibt, dass die Notenbanken in diesem Jahr mit ersten Zinssenkungen beginnen werden.

Für die USA und Großbritannien erwarten Marktbeobachter einen solchen Schritt bereits im ersten Halbjahr. Die EZB sollte folgen. Aller Voraussicht nach aber später und mit kleineren Rückstufungen.
Dies wird auch Auswirkungen auf die sogenannte „Zinsstrukturkurve“ haben. Diese gibt an, wie hoch die Renditen von Anleihen bei unterschiedlichen (Rest-)Laufzeiten ausfallen. Üblicherweise sind diese Renditen höher, je länger die Laufzeiten der Anleihen, da Investoren in der Regel eine höhere Verzinsung erwarten, wenn sie ihr Vermögen längerfristig abgeben.

Die „inverse Zinskurve“ favorisiert längere Laufzeiten

Diese Logik – höhere Renditen für langlaufende Anleihen – greift aber schon seit Juni 2022 nicht mehr: Anleihen mit kürzerer Laufzeit brachten auf einmal mehr Rendite als langlaufende Zinspapiere. Experten bezeichnen dieses Phänomen als eine „inverse Zinskurve“, welche häufig ein Vorzeichen für eine abkühlende Wirtschaft ist. In der zweiten Jahreshälfte 2023 verringerte sich diese Inversion allerdings und 2024 dürfte die Zinsstrukturkurve wieder normal nach oben verlaufen.

Wer als Anleger davon profitieren möchte, sollte daher wieder stärker auf längere Laufzeiten bei Anleihen setzen. Genauso machen dies aktuell auch viele Anleihefondsmanager: Während in den letzten 2 Jahren verstärkt auf Bonds mit kurzen bis mittleren Laufzeiten gesetzt wurden, nehmen Manager auch wieder das „lange Ende“ der Zinsstrukturkurve ins Visier.

Damit sollen zum einen die aktuell hohen Zinsniveaus längerfristig gesichert werden. Dies lohnt sich allerdings nur, wenn die Zinsen auch oberhalb der langfristigen Inflationserwartungen liegen. Zum anderen reagieren langlaufende Anleihen empfindlicher auf Zinsänderungen. Bei fallenden Leitzinsen steigt der Kurs langlaufender Anleihen damit stärker an als der von kurzlaufenden. Sollten die Notenbanken wie erwartet mit Zinssenkungen in 2024 beginnen, verschafft dies Anlegern damit die Möglichkeit, von größeren Kursgewinnen zu profitieren.

Darüber hinaus waren langlaufende Anleihen in der Vergangenheit auch für die Diversifikation von Anlegerportfolios besonders wertvoll, da sie eine Absicherung gegen Schwankungen am Aktienmarkt boten. Der Grund: In den letzten Jahrzehnten wiesen Aktien- und Anleiheerträge meist eine negative Korrelation auf. Dies bedeutet, dass bei fallenden Aktienkursen die Anleihemärkte Kursgewinne verbuchen konnten – und umgekehrt.

Diese negative Korrelation wird in Zeiten hoher Inflation – wie 2023 – tendenziell aufgehoben, da die höhere Teuerungsrate sowohl höhere Zinsen als auch größere Rezessionsängste verursacht. Die üblichen Verhältnisse dürften wiederhergestellt werden, wenn sich die Inflation weiter normalisiert, was für 2024 erwartet wird.

Fazit

Die globalen Anleihemärkte haben selten eine so lange Phase der Volatilität erlebt wie in den letzten zwei Jahren. Mit dem Start in das neue Jahr sollte es damit wieder vorbei sein. Nachdem in den letzten Jahren eher auf Festgelder und kurzlaufende Anleihen gesetzt wurde, sollten sich Anleger wieder stärker auf längere Laufzeiten bei Anleihen konzentrieren. Dies bietet nicht nur eine langfristige Sicherung des aktuell hohen Zinsniveaus oder eine bessere Diversifikation, sondern ermöglicht auch von fallenden Leitzinsen zu profitieren.

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Donnerstag, 15. Februar 2024

Marktausblick für 2024 - Wie sind die Prognosen bekannter Fondsmanager

 Am Anfang eines neuen Jahres ist es immer ein beliebter Zeitpunkt, an dem Fondsmanager, Fondsgesellschaften und Volkswirte sich an Prognosen für die kommenden 12 Monate wagen. Auch wenn keiner der daran Beteiligten über eine “Glaskugel” verfügt, lohnt es sich für Anleger doch genau hinzuhören, um ein Stimmungsbild zu verschiedenen Anlageklassen oder Märkten zu erhalten. Da passt es gut, dass zum Jahresanfang unzählige Experten beim größten Branchentreffen Europas – dem Fondskongress in Mannheim – aufeinandertreffen und ihre Ideen diskutieren.

Ein Höhepunkt 2024 war wie in jedem Jahr der Sauren Fondsmanagergipfel

Bei dieser Podiumsdiskussion im Rahmen des Fondskongresses unter der Moderation von Dachfondsmanager Eckhard Sauren trafen die renommierten Fondsmanager Klaus Kaldemorgen, Dr. Bert Flossbach und Peter E. Huber aufeinander, um Einblicke in ihre Strategien und Ideen zu geben.

Los ging es mit einem Blick auf die Anleihemärkte, die mit zunehmendem Zinsniveau in 2023 immer attraktiver geworden sind. Die Anlageexperten zeigten sich hier für 2024 eher zurückhaltend in ihrer Beurteilung der Chancen am Rentenmarkt. Dr. Bert Flossbach bezeichnete die Anleiherenditen als "zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel" und setzt derzeit höchstens sehr selektiv auf Anleihen oder nutzt kurzlaufende Anleihen als Liquiditätsersatz. Trotz der "in beispiellosem Ausmaß und in kurzer Zeit erhöhten Zinsen" betrachtet Peter E. Huber die aktuellen Renditen am Anleihenmarkt ebenfalls als wenig attraktiv.

Mit einer Rendite von derzeit etwa 2,3 Prozent für zehnjährige deutsche Staatsanleihen empfindet der erfahrene Rentenfondsmanager das Umfeld als ungeeignet für Anleiheninvestitionen, insbesondere vor der Gefahr einer möglichen zweiten Inflationswelle. Klaus Kaldemorgen betrachtet Anleihen hingegen als Risikopuffer im Portfolio, meidet jedoch zusätzliche Kreditrisiken oder längere Laufzeiten.

Inflationsentwicklung in Deutschland der letzten 12 Monate

Relativ einig waren sich die Experten auch beim grundsätzlich positivem Ausblick zu Aktien

Sachwerte sollten für langfristige Anlagen auch in diesem Jahr und darüber hinaus der wichtigste Baustein im Portfolio von Anlegern bleiben. Allerdings gab es kontroverse Diskussionen darüber, in welchen Aktien-Segmenten künftig die besten Chancen geboten werden. Peter E. Huber hält nach wie vor an den von ihm vor zwei Jahren ausgerufenen langfristigen Megatrends in Energie- und Rohstoffwerten fest sowie an Asien inklusive Japan, wo er mehr Wachstum als in der westlichen Welt erwartet. Diese Ansicht wurde von Klaus Kaldemorgen und Dr. Bert Flossbach jedoch skeptisch betrachtet.

Klaus Kaldemorgen sieht die größere Wertschöpfung zukünftig im Technologiebereich. Auch wenn Segmente wie Energie- und Rohstoffwerte kurzfristig punkten könnten, sollten diese doch langfristig von den großen Technologietiteln dominiert werden. Dr. Bert Flossbach teilte diese Ansicht und kennzeichnet den Rohstoff- und Energiebereich als eher kurzzeitiges Investment und nicht als langfristige Anlage.

Obwohl es aus Sicht von Dr. Bert Flossbach derzeit "nicht einfach ist, Top-Qualität zu fairen Preisen zu bekommen", sind die Meinungen über die "Glorreichen Sieben" (Microsoft, Amazon, Alphabet, Apple, Meta, Tesla und Nvidia) geteilt. Sowohl Dr. Bert Flossbach als auch Klaus Kaldemorgen sind selektiv in diese Unternehmen investiert. Klaus Kaldemorgen sieht viele positive Eigenschaften bei den großen Titeln, die das breite US-Marktwachstum übertreffen. Für ihn stellt sich daher nicht die Frage, ob, sondern wie viel in diese Titel investiert werden sollten.

Es gibt auch geteilte Meinungen unter den Experten

Dem widerspricht Peter E. Huber, der betont, dass der Rückblick niemandem geholfen hat und es entscheidend ist, was in den nächsten zehn Jahren passiert. Er bevorzugt den Kauf von “langweiligen” Unternehmen mit niedriger Bewertung und vernünftigem Wachstum. Einig waren sich die Anlageexperten dann wieder beim Thema Gold, das als Sachwert und unabhängiger Vermögenswert einen Platz in ihren Portfolios einnimmt.

In einem weiteren Vortrag gab Börsenaltmeister Dr. Jens Ehrhardt sein Stimmungsbild zu den Aktienmärkten. Dabei konzentrierte er sich insbesondere auf die USA und mahnte zur Vorsicht. Eine mögliche Rezession in den Vereinigten Staaten schließt er für die nächsten Monate nicht aus und verschiedene Indikatoren deuten auf eine herausfordernde Zeit hin. Besonders die inverse US-Zinskurve, sein "Lieblingsindikator", signalisiert wirtschaftlichen Abschwung. Eine inverse Zinsstrukturkurve beschreibt eine Situation, bei der die Renditen langfristiger Anleihen niedriger sind als die Renditen kurzfristiger Anleihen. Normalerweise steigt die Zinskurve, was bedeutet, dass langfristige Zinsen höher sind als kurzfristige. Eine Umkehrung dieser Ordnung deutet oft auf eine wirtschaftliche Unsicherheit hin und wird oft als Indikator für eine mögliche Rezession betrachtet.

Entwicklung der Leitzinsen in der Europäischen Union, USA, Japan und Großbritannien der letzten 10 Jahre

Ehrhardt warnt vor einem paradoxen Effekt: Zinssenkungen könnten trotzdem zu sinkenden Aktienkursen führen, da Unternehmensgewinne in Rezessionen tendenziell abnehmen. Chancen sieht Ehrhardt am japanischen Aktienmarkt und erwartet eine weitere Outperformance von großen Wachstumswerten in den USA, wie Nvidia. Deutsche Aktien betrachtet er zurückhaltend, lobt jedoch bestimmte Unternehmen wie SAP sowie Versicherer und Rückversicherer.

Anleihemärkte können in diesem Jahr durchaus für interessante Erträge sorgen

Am Anleihemarkt – auch dem amerikanischen – sieht Dr. Ehrhardt aber durchaus Chancen. Auch wenn deutlich weniger als die vom Markt erwarteten sechs Zinssenkungen eintreffen, bleibt das Chance-Risikoverhältnis für Anleihen aus seiner Sicht mittelfristig vielversprechend. Historisch haben Anleihen von sinkenden Zinsen profitiert. Setzt man die Gewinnverzinsung des US-Aktienmarkts ins Verhältnis zur Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen, erscheinen Anleihen auch weiterhin als günstig bewertet. Die Präferenz liegt im Hause DJE dabei auf Investment Grade-Anleihen von Emittenten mit guter Bonität, während sie im High Yield-Bereich aufgrund der erwarteten Konjunkturabkühlung eher vorsichtig sind.

Dies deckt sich mit den Markteinschätzungen aus dem Hause Franklin Templeton. Die Investmentexperten des Instituts halten die Renditen aktuell für attraktiv. In der aktuellen Phase des Konjunkturzyklus setzen sie eher auf Qualität, da sich die Zinsen in der Nähe ihres höchsten Niveaus befinden und die Inflation sowie das Wirtschaftswachstum nachlassen. Die Präferenz liegt ebenfalls bei Investment-Grade-Anleihen mit robusten Bilanzen und relativ niedriger Ausfallwahrscheinlichkeit. Angesichts der aktuellen Bewertungen und makroökonomischen Tendenzen erwägt Templeton für die nächsten Monate eine Übergewichtung von Anleihen gegenüber Aktien.

Innerhalb des Aktienbereichs setzt die Fondsgesellschaft immer stärker auf kleinere Unternehmen, sogenannte “Nebenwerte” oder auch Small Caps, da diese stärker von Zinssenkungen in diesem Jahr profitieren könnten als “Large Caps”. Gleichzeitig setzen die Anlageexperten aber auch auf Aktien mit robusten Cashflows und stabilen Dividenden. Diese werden dann besonders attraktiv, wenn die Unsicherheit der wirtschaftlichen Entwicklung und des künftigen Wachstums zunimmt. Entsprechende Qualitätsunternehmen sind oft weniger konjunkturabhängig und können daher über alle Marktzyklen hinweg Wachstum erzielen.

Region Asien ist weiter stark von Chinas Entwicklung abhängig

Dabei sieht Templeton immer mehr Anlagechancen außerhalb der USA, da der seinen Höchststand erreichende US-Dollar und die geopolitischen Veränderungen zu einer stärkeren Regionalisierung der Handelsmuster führen und der Reshoring-Trend Ländern und Unternehmen weltweit Auftrieb verleiht. Nachdem in den letzten Jahren die Konjunkturabschwächung Chinas und der starke US-Dollar das Wachstum vieler Volkswirtschaften in Asien ausgebremst hat, schauen die Volkswirte und Fondsmanager aktuell ganz genau auf die Region.

Die Fondsgesellschaft Fidelity geht in ihrem Basisszenario aktuell von einer anhaltenden Stabilisierung der chinesischen Wirtschaft aus. Dies würde ein Wirtschaftswachstum zwischen 4 und 5 Prozent bedeuten, erfordert jedoch gleichzeitig eine fiskalische und geldpolitische Unterstützung seitens der Regierung. Im Falle einer Rezession in den Industrieländern würde ein gestärkter Inlandsmarkt in China auch den Einbruch der Auslandsnachfrage ausgleichen. Im Fall einer Rezession im Westen und einer konjunkturellen Abkühlung in China stünden die übrigen Volkswirtschaften der asiatischen Region vor Herausforderungen. Gleichzeitig könnten sie, laut Fidelity, jedoch auch von strukturellem Rückenwind für langfristiges Wachstum profitieren.

Für die kommenden Jahre zeichnet sich ab, dass Indien zu einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt aufsteigen wird. Durch eine wachsende erwerbsfähige Bevölkerung wird das Land voraussichtlich mehr Waren und Dienstleistungen produzieren und konsumieren sowie technologische Innovationen vorantreiben. Die vergleichsweise höheren Bewertungen indischer Aktien im Vergleich zu anderen asiatischen Märkten und Schwellenländern werden durch die durchweg höheren Eigenkapitalrenditen der börsennotierten Unternehmen in Indien gerechtfertigt.

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