Mittwoch, 24. August 2022

Anlagekommentar Juli 2022 - Die Anleihemärkte erholen sich trotz neuer Inflationshochs und massiver Zinserhöhungen

 Nach den kräftigen Verlusten im Vormonat konnten sich die Kapitalmärkte im Juli 2022 wieder erholen. Und dies, obwohl sich die Notenbanken der Industrieländer auf einem aggressivem geldpolitischen Straffungskurs befinden. So schritt die US-Notenbank Federal Reserve System (Fed) mit einem zweiten Zinsschritt von 75 Basispunkten auf dem Zinserhöhungspfad weiter voran. Dies war angesichts eines neuen 40-Jahreshochs bei der Konsumentenpreisinflation von 9,1 Prozent von den Marktteilnehmern erwartet worden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) startete parallel mit dem ersten Zinsschritt seit elf Jahren ihren Zinserhöhungszyklus. Dieser fiel mit 0,5 Prozent stärker aus, als dies die Volkswirte und Strategen erwartet hatten. Gleichzeitig wurde mit dem Transmission Protection Instrument (TPI) ein Instrument vorgestellt, welches eine weitere, zu starke Ausweitung der Kreditaufschläge der Euro-Peripherie-Länder verhindern soll.

Entwicklung der Anlagemärkte im Juli 2022

Wie am Anfang des Artikels schon dargelegt, konnten sich die Kapitalmärkte im vergangenen Monat wieder erholen. Für den weltweiten MSCI World Index bedeutete dies einen Zuwachs von +7,9 Prozent. Dabei waren Wachstumsaktien die Treiber der Erholung. Wie so oft kamen die Impulse von den US-Aktien, wobei der S&P 500 Index um +9,1 Prozent zulegte und der technologielastige NASDAQ Composite Index sogar einen Zuwachs von +12,4 Prozent schaffte. Die europäischen Pendants kamen dagegen nur auf gemischte Zahlen. So konnte sich der französische CAC 40 Index um + 8,9 Prozent steigern, während sich der spanische IBEX 35 Index nur mit einem mageren Zuwachs von 0,7  Prozent zu frieden zeigen konnte. Der deutsche DAX Index rettete sich mit einem Zuwachs von +5,5 Prozent ins Ziel und kam damit aber auch nur ins Mittelfeld.

DAX Entwicklung

Auch die Rentenmärkte konnten sich kräftig erholen. Zu gaben die sicheren Renditen rund um den Globus nach, getrieben von Rezessionssorgen und der Erwartung, dass die Zentralbanken bald wieder moderatere geldpolitische Töne anschlagen müssten. In den USA sank die Rendite der zehnjährigen Staatspapiere um 36 Basispunkte auf 2,65 Prozent, obwohl die Inflationsdaten erneut höher als prognostiziert ausfielen. Die den deutschen Staatsanleihen rentierten sogar mit 0,52 Prozent niedriger, bei 0,82 Prozent. Bei den Unternehmensanleihen engten sich die Kreditaufschläge leicht ein, so dass hier die Kursgewinne noch ein bisschen höher lagen.

Die Rohstoffmärkte konnten sich dagegen nicht zwischen Rezessionsängsten und Angebotsengpässen entscheiden und hielten sich die Waage. Dagegen blieben die geopolitischen Spannungen und die Energiekrise als Belastungsfaktor erhalten. Nach den politischen Provakationen von Russland mit der Nordstream 1-Pipeline floss zwar wieder russisches Erdgas nach Deutschland, die Kapazität lag allerdings nur auf dem vorherigen Niveau von 40 Prozent. Dazu kam die Ankündigung Russlands, eine weitere Halbierung der Gaslieferungen in den kommenden Wochen vorzunehmen, da angeblich weitere Instandsetzungsarbeiten anstehen würden. Dadurch stieg der europäische Preis für Erdgas auf neue Höchststände und lag im Juli 2022 bei einem Plus von 28 Prozent.

Auch der Kupferpreis, der häufig als Indikator für die wirtschaftliche Aktivität herangezogen wird, ging mit fast -4 Prozent nach unten. Weizen ging im Preis sogar um über -8 Prozent in den Keller. Dagegen haben sich die Preise für Silber, Nickel und Aluminium leicht verteuertet. Beim Gold war die Richtung dagegen ein andere, was an den steigenden Opportunitätskosten durch die Zinserhöhungen und der starken US-Währung lag und den Preis für die Feinunze um -2,3 Prozent nach unten zog.

Vollbeschäftigung in USA und Europa: Persistente Inflation

Die Inflation im Euroraum steigt weiter und die Zahlen lagen im April 2022 und Mai 2022 über den Schätzungen der Ökonomen, was sowohl die Gesamt- als auch für die Kerninflation betrifft. Auch in den USA deuten die monatlichen Inflationsraten auf einen anhaltenden, breit gefächerten Preisdruck hin.

Entwicklung der Konsumentenpreise in der USA und der Eurozone 2019 bis 2022

Auf Basis einer Analyse von historischen Inflationsphasen ist davon auszugehen, dass die Kerninflation tendenziell steigt, solange die Produktionskapazitäten ausgelastet sind und eine Vollbeschäftigung herrscht, was derzeit sowohl in den USA als auch in Europa gegeben ist. Auch höhere Energiepreise schlagen sich indirekt in der Kerninflation nieder, sogenannte Zweitrundeneffekte, d.h. Überwälzung gestiegener Energiepreise der Unternehmen an die Verbraucher.

Entwicklung der Kerninflation in der USA und der Eurozone 2021 bis 2022

In einer solchen Konstellation, mit einem Preisanstieg in weiten Teilen der Wirtschaft, können tiefere Energiepreise oder eine Entspannung an den Gütermärkten, zwar die Inflation dämpfen, die Grundproblematik mangelnder Produktionskapazitäten aber nicht lösen. Auch durch normalisierte Lieferketten oder was Engpässe am Arbeitsmarkt einschließt gibt es keine schnelle Änderung. Dazu kommt, dass aktuell diesbezüglich in China aufgrund der Covid-19-Nulltoleranz und anhaltender lokaler Lockdowns es noch zusätzliche gewisse Unsicherheiten gibt.

Ausblick auf die zukünftige Kapitalmarktentwicklung

Auf der Grundlage eines mittelfristigen konstruktiven Szenarios für die Weltwirtschaft, wie tiefe, aber positive reale Wachstumsraten und einer Inflationsrate im Rahmen der Ziele führender Zentralbanken von 2 Prozent, bietet sich für mittelfristig orientierte Anleger aktuell eine etwa neutrale Aktienallokation mit einem Depotanteil 50-60 Prozent an. Allerdings ist für die kommenden 6 bis 12 Monate das Szenario der Bandbreite wesentlich größer als üblich. Insbesondere scheinen aus heutiger Sicht die Rückschlagsrisiken mindestens ebenso ausgeprägt zu sein wie die Erholungschancen, was für kurzfristig orientierte Anleger eine gewisse Zurückhaltung bedeutet.

Ebenso sollten Neuanlagen gestaffelt getätigt werden, nach Rückschlägen kann zugekauft werden. So dürfte sich die US-Börse mittel- und längerfristig gut entwickeln, derzeit besteht aber eine gewisse Präferenz für Europa. Katalysatoren für eine Outperformance der Schwellenländer Asiens oder Japans sind derzeit kaum erkennbar. Bezüglich Marktsegmente spricht viel für eine leicht defensive Branchenallokation und zumindest eine Marktgewichtung der Value Branchen (u.a. Finanzwerte, mit einem Fokus auf Versicherungen, Energie, Telekommunikation und generell Unternehmen mit überdurchschnittlicher Dividendenrendite).

Bei Rentenpapieren sollte man nicht weiter untergewichtet sein, da sich mit den gestiegenen Renditen Chancen und Risiken nun etwa die Waage halten. Mittlerweile sind auch in Europa und in fast allen Märkten und Laufzeitensegmenten, die Renditen positiv. Aufgrund konjunktureller Unsicherheiten und positiver Renditen bei Staatsanleihen sollten Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen nicht mehr bevorzugt werden. Aktuell muss man weiterhin von hohen Rohstoff- und Energiepreise ausgehen, wobei ein erneuter deutlicher Anstieg nicht dem Hauptszenario entspricht. Der Rohstoffsektor, beispielsweise Aktien von Erdöl- und Erdgasunternehmen, bieten sich weiterhin zur Diversifikation der Anlagestrategie an.

Anlagemärkte Entwicklung

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

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Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
  • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
  • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London
  • Bereich “Vollbeschäftigung in USA und Europa: Persistente Inflation“ von  VKB-Bank

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Donnerstag, 18. August 2022

Für das Anlagedepot können Dividenden als Stabilisator wirken

 An den Aktienmärkten suchen Anleger in Zeiten erhöhter Kursschwankungen die berühmten sicheren Häfen. Dabei bieten Dividendenaktien hier eine attraktive Option, denn sie haben durch die regelmäßigen Ausschüttungen einen eingebauten Risikopuffer und haben sich in der Vergangenheit als krisenfest gezeigt. Doch allein die Höhe der Dividende oder der Dividendenrendite sollten für einen langfristig denkenden Anleger aber nicht das einzige Auswahlkriterium sein. Dividenden sollten nachhaltig sein. In diesem Artikel soll betrachtet werden, worauf es bei der Auswahl des richtigen Dividendenfonds ankommt.

Es ist lange Zeit in der öffentlichen Wahrnehmung ruhig um Dividendentitel geblieben

Bis vor einem halben Jahr schien sich die Welt nur um die großen Wachstumstitel aus dem Technologiesektor zu drehen. Dann kam der Einmarsch der Russen in die Ukraine sowie steigende Leitzinsen. Dividendenfonds konnten in diesem Umfeld ihre Stärken ausspielen und sorgten für Stabilität in den Portfolios. Dividendenwerte gelten als sicherer Hafen für Anleger, weil sie sich in der Regel auch in volatilen Marktphasen auf Ausschüttungen verlassen können. In Korrekturphasen können Dividenden ein Puffer gegen Kursverluste sein.

Entwicklung der Dividendenzahlungen der DAX-Unternehmen in den Jahren von 2003 bis 2022

Aber auch langfristig tragen Ausschüttungen einen entscheidenden Teil zur Aktien-Performance bei. Untersuchungen über längere Zeiträume zeigen, dass etwa ein Viertel bis ein Drittel des durchschnittlichen Aktienertrags aus Dividenden stammt. Bestes Beispiel ist hierfür der Deutsche Aktienindex: Der DAX wird in der Regel als sogenannter Performanceindex angegeben. In diesem werden neben den Kursbewegungen auch alle Ausschüttungen berücksichtigt. Vergleicht man den DAX mit seinem Kursindex (also ohne Dividenden) über die letzten zehn Jahre, hat der Performanceindex die doppelte Rendite erzielt. Dieser Renditevorteil beruht auf dem Zinseszinseffekt, der sich ergibt, wenn die jährlich erhaltenen Dividenden konsequent in Aktien reinvestiert werden.

Doch worauf ist bei der Titelauswahl zu achten?

Leider orientieren sich zu viele Anleger hier ausschließlich an der Dividendenrendite. Diese drückt zwar sehr klar das Verhältnis zwischen Aktienkurs und Ausschüttung aus, allerdings kann auch ein starker Kurseinbruch die Dividendenrendite interessant wirken lassen. Hohe Dividenden in der Vergangenheit sind auch nicht zwangsläufig ein Indikator für hohe Dividenden in der Zukunft. Warnende Beispiele für deutsche Anleger waren etwa die Energiekonzerne RWE und Eon sowie die Deutsche Bank. Alle der genannten Unternehmen wiesen in der Vergangenheit sehr attraktive Dividendenrenditen auf – bevor die Geschäfte schlechter liefen und zuerst die Kurse deutlich fielen. Mit den sinkenden Gewinnen fielen in der Folge auch die Ausschüttungen an Anleger, die damit gleich doppelt getroffen wurden.
Anleger sollten daher nicht nur auf die vielbeachteten „Dividendenaristokraten“ setzen. Also Unternehmen, die eine möglichst lange Historie steigender Dividenden aufweisen. Entscheidender ist der Blick nach vorne und damit auf das erwartete Dividendenwachstum. Die höheren Ausschüttungen der Zukunft sind dabei eng mit dem Ertragswachstum der Firmen verknüpft. Denn nur steigende Gewinne ermöglichen auch wachsende Zahlungen an die Anleger.

Nicht nur Aktien aus USA und Europa, sondern immer asiatische Aktien im Fokus

Unter dieser Prämisse ist auch nicht verwunderlich, dass immer mehr asiatische Aktien in den Blick der Experten rücken. Die Region lag in der Vergangenheit zurecht kaum im Fadenkreuz von Dividendenjägern, da die Ausschüttungen nicht mit Unternehmen aus den USA und Europa mithalten konnten. Dies gilt heute nicht mehr: Inzwischen verläuft das Dividendenwachstum in Asien deutlich dynamischer als in den westlichen Industrienationen. Aktuell liegt es sogar deutlich über der Inflationsrate. Für Asien sprechen auch die vergleichsweise günstigen Bewertungen und die breite Diversifikation der Dividendentitel über verschiedene Sektoren. Nicht umsonst steigt die Gewichtung von asiatischen Aktien auch in vielen Dividendenfonds.

Wichtigster Aspekt bei der Auswahl der attraktivsten Dividendentitel ist aber die Nachhaltigkeit. Es geht in diesem Fall aber nicht speziell um ökologische oder soziale Aspekte. Vielmehr ist damit gemeint, dass Ausschüttungen weder Investitionen verhindern noch eiserne Reserven aufzehren sollen. Es ist also wichtiger, woher die Dividenden stammen, als ihre absolute Höhe. Die Zahlung sollte möglichst aus dem erzielten Überschuss erfolgen und auch in schwierigen Zeiten sollte nicht die Substanz des Unternehmens angegriffen werden. Versuchen Unternehmen über hohe Dividenden die Anleger bei Laune zu halten, kann das kurzfristig zwar positiv auf den Aktienkurs wirken. Auf lange Sicht leiden unter diesem Vorgehen aber zwangsläufig die Investitionen und damit die Grundlage für Gewinne in der Zukunft. Bei der Auswahl sind die jeweiligen Geschäftsmodelle, der Verschuldungsgrad, die Eigentümerstruktur, die Qualität des Managements, die Bilanz und die Wachstumsaussichten ganz entscheidend.

Wirklich gute Dividendenwerte sollten also immer das Potenzial für langfristig steigende Dividenden haben

In Anbetracht der aktuell sehr hohen Inflation haben hier alle Unternehmen einen Vorteil, die ihre steigenden Kosten an den Endverbraucher weitergeben und somit ihre Gewinne auf stabilem Niveau halten können. Dazu benötigen sie eine hohe Preismacht, über die häufig nur Monopolisten oder Unternehmen mit beherrschendem Marktanteil verfügen. Bestes Beispiel sind hierfür Versorgerunternehmen oder Firmen aus dem Gesundheitsbereich, auf die Verbraucher nicht ohne Weiteres verzichten können. Aber auch in anderen Sektoren finden sich Dividendenperlen, die auch in schwierigen Zeiten zu hohen Ausschüttungen in der Lage sind.

Fazit

Krisen bieten in der Regel gute Chancen für Dividendenfonds. Beispielsweise stiegen in den Jahren nach der Finanzkrise die Ausschüttungen pro Aktie jährlich um sieben Prozent. Dividenden sind aber kein Modetrend, der nur kurzfristig in bestimmten Marktphasen interessant ist, sondern sollte in der Vermögensallokation generell eine Rolle spielen. Auch wenn die Schere schon etwas zusammen gegangen ist, liegen die relativen Bewertungen von Dividendentiteln immer noch langfristig unter dem Niveau von Wachstumsaktien. Auch nach den vergleichsweise guten Ergebnissen der letzten Monate ist das Anlagesegment also noch nicht zu teuer geworden.

Gerade in Krisenzeiten ist es aber besonders wichtig darauf zu achten, dass die Ausschüttungen nicht aus der Substanz des Unternehmens gezahlt werden, sondern Gewinne auch für langfristig wichtige Investitionen verwendet werden. Hier müssen Fondsmanager genau hinschauen und sich nicht von hohen Dividendenrenditen blenden lassen.

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Mittwoch, 27. Juli 2022

Geldanlagen im 2. Quartal 2022 - Durch die Eskalation der Ukraine-Krise wird in der Ökonomie und an den Finanzmärkten die Lage verschärft

 Im zweiten Quartal 2022 war die Eskalation der Ukraine-Krise das prägende Thema, was sowohl vielfältige Auswirkungen in der Politik, Wirtschaft und an den Finanzmärkten als auch in der Zentralbankpolitik mit sich brachte. Die Ukraine-Krise ist und bleibt derzeit das beherrschende Thema für diese vier Sektoren.

Politisch zeigte sich im Verlauf eine zunehmende Teilung der Welt

Westlich orientierte Länder, bzw. Regionen wie Nordamerika, Europa, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland verstärkten das Sanktionsregime gegenüber Russland als Reaktion auf die russische Aggression gegenüber der Ukraine. Die restliche Welt, was ca. 85 Prozent der Weltbevölkerung entspricht, die nicht an Sanktionen teilnimmt, erfreut sich dank Versorgungssicherheit und Preisabschlägen bei Rohstoffimporten aus Russland verbesserter Wirtschafts- und Investitionsbedingungen, leidet aber gleichzeitig an globalen Konjunkturdynamikverlusten und Lieferengpässen. In der EU wird derzeit das siebte Sanktionspaket gegen Russland seitens der Ukraine eingefordert.

Inflationsrate in der Ukraine 1993 bis 2021

Die Weltwirtschaft war im 2. Quartal 2022 von Dynamikverlusten geprägt. Das gilt allen voran für Länder, die der westlichen Hemisphäre angehören. So senkte der Internationale Währungsfonds im April 2022 im World Economic Outlook die BIP-Prognose für die Weltwirtschaft per 2022 unter dem Titel „Der Krieg verlangsamt die Erholung“ von zuvor 4,4 Prozent (Januar 2022) auf 3,6 Prozent. Ein entscheidender Hintergrund für die negative Anpassung war und ist der erhöhte Preisdruck, der durch das westliche Sanktionsregime forciert wurde, der Kosten in der Weltwirtschaft erhöhte und der Investitionsunsicherheit begründete. Auch das Thema Versorgungssicherheit mit Energie und Rohstoffen belastete die Weltwirtschaft. Zusätzlich wirkte sich die rigorose Corona-Politik in China, welche die ohnehin gegebenen Lieferkettenprobleme verschärfte, negativ aus.

Die Finanzmärkte reagierten im 2. Quartal 2022 in einer grundsätzlichen Betrachtung mit erhöhter Risikowahrnehmung auf die Dynamikverluste der Weltwirtschaft und die gleichzeitigen Kostensteigerungen durch Rohstoffpreise, Zinskosten sowie einer drohenden Preis-Lohn Spirale. In der Folge sank der deutsche Aktienindex DAX von 14.529 Punkten am 4. April 2022 auf zuletzt unter 13.000 Punkte im Juni 2022. Dazu kam, dass Zinserhöhungen im 2. Quartal 2022 verstärkt einsetzten. Die US-Notenbank erhöhte im 2. Quartal den Leitzins von 0,25 Prozent - 0,50 Prozent auf derzeit 1,50 Prozent - 1,75 Prozent und kündigte weitere Zinsschritte an. Die EZB ließ verlauten, den Leitzins im Juli voraussichtlich von 0,00 Prozent auf 0,25 Prozent anzuheben. Auch hier stehen weitere Zinserhöhungen an.

Westeuropa bleibt Verlierer der Krise

Mangels autarker Rohstoffversorgung ist Europa von der Krise am stärksten betroffen. Ergo wirken sich die Themen Versorgungsunsicherheit und hohe Preisniveaus der Rohstoffe belastend aus. Aktuelle Einkaufsmanagerindizes der Eurozone indizieren eine markante Abschwächung der Konjunkturlage. So sank der von Standard & Poors ermittelte Einkaufsmanager Index für die Gesamtwirtschaft (Composite Index) im Berichtsmonat Juni 2022 auf 51,9 Punkte (Vormonat 54,9). Das war der niedrigste Wert seit März 2021. Unter 50 Punkten impliziert der Index eine Kontraktion der Wirtschaft. Die Preisinflation erklomm in der Eurozone mit 8,1 Prozent das höchste Niveau in der Historie der Eurozone und setzt Politik und Zentralbank unter Druck.

Innerhalb Europas ist Deutschland mit seiner stark auf Produktion und Export geprägten Wirtschaft ungleich schwerer betroffen als Länder wie Italien und Frankreich, die eine stärkere Binnenwirtschaft vorzuweisen haben. Außerhalb der Eurozone bleibt die Ukraine der größte Verlierer innerhalb Europas. Sowohl Russlands Datensätze als auch BIP-Prognosen unterlagen dagegen positiven Anpassungen, jedoch von sehr niedrigen Niveaus ausgehend. So wurde die BIP-Prognose zuletzt von -9,2 Prozent auf -7,5 Prozent angepasst. Per Mai kam es zu einem signifikanten Rückgang des Anstiegs der Erzeugerpreise von circa 31 Prozent auf circa 19 Prozent im Jahresvergleich. Die erhöhten Rohstoffpreise führen zu unerwartet hohen Einnahmen. Der Rubel bewegt sich in der Folge gegenüber dem USD auf dem höchsten Niveau seit 2015.

USA: Konjunkturfissuren nehmen zu – Fed reagiert auf Inflation

Nachdem es im 1. Quartal 2022 unerwartet zu einer Kontraktion der Wirtschaftsleistung kam (-1,5 Prozent in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung) ergaben sich im 2. Quartal 2022 divergierende Signale. Laut dem Barometer der Federal Reserve Atlanta, die alle verfügbaren Daten des Quartals berücksichtigt, liegt die Prognose für das 2. Quartal 2022 bei 0,00 Prozent (Stand 17. Juni). Anders als in Europa haben die Vereinigten Staaten Versorgungssicherheit. Die hohen Preise der Rohstoffe wirken sich analog zu Europa belastend aus. Die Verbraucherpreise legten zuletzt im Jahresvergleich um 8,6 Prozent zu. Das war der höchste Anstieg seit 1981.

In der US-Wirtschaft spielt Kredit eine größere Rolle als in Europa. So legte die Konsumverschuldung in den letzten beiden Berichtsmonaten markant um circa insgesamt 90 Mrd. USD zu (Durchschnitt zuvor circa 45 Mrd. USD für Zweimonatsperioden). Das Verbrauchervertrauen nach Lesart der Universität Michigan (vorläufiger Wert) sank per Juni 2022 auf den tiefsten Wert in der bis 1980 zurückreichenden Historie. Entsprechend ist das bremsende Potenzial von Zinserhöhungen auf die Konjunkturlage voraussichtlich erheblicher als in stärker vom Einkommen getriebenen Volkswirtschaften (Europa).
Der Chef der US-Notenbank Fed spricht vor dem Hintergrund der verfügten und der angekündigten Zinserhöhungen von einer starken und widerstandsfähigen US-Konjunktur. Die Strukturdaten weisen Fissuren auf. Die Konjunkturdaten zeigten im 2. Quartal 2022 keine Einheitlichkeit.

Schwellenländer: Ein buntes Bild

Die Dynamikverluste der Weltwirtschaft wirkten und wirken sich in den Schwellenländern belastend aus. Die Schwellenländer nehmen weit überwiegend jedoch nicht am westlichen Sanktionsregime teil und schaffen damit ohne eigene Aktivität im relativen Vergleich zu westlichen Ländern verbesserte wirtschaftliche Rahmenbedingungen hinsichtlich Versorgungssicherheit und Preisniveau in der Rohstoffversorgung. Dennoch belasten die vom Westen verfügten Sanktionen bezüglich der Agrarrohstoffe Probleme allen voran bei ärmeren Ländern, insbesondere in Afrika. Asien zeigt sich widerstandsfähig und profitiert aus der Konstellation. So steigt die Investitionstätigkeit ausländischer Unternehmen in China weiter im zweistelligen Bereich. Auch sind diese Länder einem geringeren Inflationsdruck ausgesetzt. In China nahmen die Verbraucherpreise zuletzt um 2,1 Prozent im Jahresvergleich zu. Nach einer leichten Zinssenkung im 1. Quartal in China um 0,15 Prozent sind weitere Zinssenkungen möglich. Gleichzeitig formiert sich die BRICS-Gruppe in Richtung Erweiterung und Emanzipation von dem vom Westen dominierten Wirtschafts- und Finanzsystem.

Märkte: Geopolitik bestimmte und bestimmt

Die Märkte bewegten sich fortgesetzt in der Taktung der Geopolitik, aber jetzt im Unterschied zum 1. Quartal zusätzlich in der Taktung der Inflationsentwicklung und der Zinspolitik. So verlor der japanische Yen stark ob der Verweigerung der Bank of Japan, das Thema Zinserhöhungen anzugehen. Im 2. Quartal bestimmten Risikoaversion und Inflationsanstieg die Finanzmärkte. Während die Hauptwährungen Kaufkraft durch Inflation verloren, deflationierten die Risikoaktiva an den Märkten. Zusammengefasst ergaben sich global aus diesen beiden Konstellationen markante Wohlstandsverluste.

Fazit
Das zweite Quartal 2022 hat beachtliche Turbulenzen auf unterschiedlichsten Ebenen mit sich gebracht. Die regelbasierte Ordnung hat weiter Schaden genommen. Die regelbasierte Ordnung ist sowohl Grundlage des globalen Wirtschaftsverkehrs als auch der internationalen Politik. Das erodierte Vertrauen in das System hat strukturellen Schaden ausgelöst, der das Vertrauen in das System belastet. Die daraus mittel- und langfristigen Folgen werden nicht nur konjunkturell markant sein. Neue Strukturen werden sich in der Politik, der Finanz- und in der Realwirtschaft aus dieser Not heraus etablieren. Diese Veränderungen werden die Charakteristika einer multilateralen Ordnung sein, die zu Lasten der jetzt dominanten Ordnung gehen.

Quartalsbericht Q2 2022

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Freitag, 22. Juli 2022

Anlagekommentar Juni 2022 - Die Leitzinserhöhungen vieler Zentralbanken beunruhigen die Kapitalanleger und sorgen für Rezessionsängste

 Die US-Notenbank Federal Reserve System (Fed) hat wie erwartet den Leitzins um 0,75 Prozent erhöht und auch gleich weitere Zinsanhebungen signalisiert. Die Inflationsrate stieg in den USA stärker als erwartet wurde auf ein 40-Jahreshoch von 8,6 Prozent. In der Eurozone wurde ein gleichstarker Preisanstieg registriert. Dadurch kamen in der Eurozone wieder alte Ängste vor einem Auseinanderbrechen der Währungsgemeinschaft auf. Denn der Kreditaufschlag für das stark verschuldete Italien erhöhte sich so stark, dass die Rendite langlaufender italienischer Staatspapiere kurzzeitig die 4 Prozent-Marke überschritten hatte. Auch Spaniens zehnjährige Staatspapiere rentierten mit 3 Prozent ebenfalls deutlich höher als bisher.

Die Europäische Zentralbank (EZB) beraumte wegen der derzeitigen Situation kurzfristig eine Notfallsitzung ein. Als Resultat stellt die EZB ein neues Anti-Fragmentierungstool zur Dämpfung übermäßig starker Ausweitungen der Kreditaufschläge vor. Von den Marktteilnehmern wurde diese Maßnahme jedoch nicht als nachhaltig angesehen. Im Juli 2022 soll es eine erste Zinserhöhung der EZB geben, gefolgt von einem potenziell größeren Zinsschritt im September 2022. Mit diesen Ankündigungen folgt man der britischen Zentralbank , die den Leitzins auf 1,25 Prozent anhoben hat und der Schweizer Notenbank, die ihren Leitzins überraschend um 0,5 Prozent auf minus 0,25 Prozent erhöhte.

Entwicklung der Anlagemärkte im Juni 2022

Die Kapitalmärkte wurden im Juni von starken Verlusten geprägt. Die Ängste vor einer globalen Rezession, unvermindert steigende Inflationsraten, der aggressive geldpolitische Kurs der westlichen Zentralbanken und der andauernde Krieg in der Ukraine ließen Aktien-, Anleihen- und Rohstoffmärkte einbrechen.

In diesem Zuge kam der weltweite MSCI World Index mit -8,8 Prozent in US-Dollar gerechnet unter die Räder und in Euro umgerechnet lag der Verlust bei nur bei -6,4 Prozent. Dies lag daran, dass die US-Währung infolge der aggressiven Zinserhöhung von der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve System (Fed) und der zögerlicheren Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB) gegenüber dem Euro kräftig aufwertete. Sowohl in Nordamerika als auch in Europa sind die Verluste bei den Aktienwerten massiv ausgefallen. So verlor der marktbreite US-S&P 500 Index -8,4 Prozent und der europäische Stoxx Europe 600 Index gab um -8,2 Prozent nach.

DAX Entwicklung

So gingen besonders in jenen europäischen Volkswirtschaften, die stark vom russischen Gas abhängen, die Leitindizes überproportional in die Knie. Deutschlands (-11,2 Prozent), Italiens (-5,2 Prozent) und Österreichs (-13,4 Prozent) Aktienmärkte haben dadurch prozentual zweistellig verloren. Dagegen konnten sich chinesische Aktien dem Abwärtstrend entziehen. Nach den monatlich fallenden Kursen haben Chinas Aktienindizes scheinbar einen Boden gefunden. Nachdem eine Reihe von Corona-Restriktionen beendet wurden und die chinesische Regierung massive wirtschaftspolitische Unterstützung ankündigte, konnte beispielsweise der Shanghai Composite um +6,7 Prozent ansteigen. Der japanische NIKKEI 225 Index war dagegen mit einem Rückgang von -3,2 Prozent auf der Verliererseite.

An den globalen Rentenmärkten verlief die Entwicklung im Juni 2022 nicht minder dramatisch. So die Rendite der zehnjährigen deutschen Staatsanleihen in der Spitze um 75 Basispunkte auf 1,9 Prozent an und lag dann am Ende des Monats aber nur noch bei 1,3 Prozent. Die Kurse der US-Staatspapiere mit einer langen Laufzeit verloren ebenfalls dramatisch. Die Rendite stieg auf 3,5 Prozent und war dann zum Monatsende bei knapp über der 3 Prozent-Marke. Je risikoreicher die entsprechenden festverzinslichen Anleihen waren, desto stärker fielen die Verluste aus. So verloren amerikanische Unternehmensanleihen mit guter Qualität -3,4 Prozent, die europäischen Pendants gingen mit -3,6 Prozent nach unten. Dazu kam, dass verstärkt durch die Sorgen vor einem wirtschaftlichen Abschwung es bei US-Hochzinsanleihen sogar über -7 Prozent abwärts ging.

Besonders hart wurden die Rohstoffpreise getroffen. Bei den Industriemetallen und Agrarrohstoffen hatten sich im bisherigen Jahresverlauf infolge vielfältiger Angebotsstörungen die Preise bereits auf einem höheren Niveaus positioniert. Jetzt erfuhren diese Anlageklassen aber mit Blick auf eine drohende Rezession und der Erwartung einer einbrechenden Nachfrage massive Abgaben. So verlor der Weizenpreis fast 20 Prozent und der Preis für Kupfer, welcher als Indikator für das Wirtschaftswachstum gilt, brach 12,6 Prozent ein. Das Rohöl notierte mit 5,5 Prozent niedriger und Gold konnte sich dagegen trotz der massiven Aufwertung des US-Dollars mit nur minus 1,6% gut behaupten, weil die geopolitischen Risiken und der Crash der konkurrierenden Kryptowährungen, der Bitcoin sackte unter die Marke von 20.000 US-Dollar, die Suche nach Sicherheit befeuerten.

Die strukturellen Trends sind weiter intakt

Technologiewerte genossen lange ein besonderes Umfeld: Bei äußerst niedrigen Zinsen ließ sich Wachstum leicht finanzieren, Wachstum rangierte vor Profitabilität, und Corona beschleunigte die Digitalisierung ganzer Sektoren und Lebensbereiche. Für die Investoren waren diese in dieser Konstellation die Lieblinge in der Anlagestrategie. Doch seit Anfang 2022 hat sich dies grundlegend geändert. So sind die strukturellen Treiber, vor allem die Digitalisierung, nicht verschwunden, aber der monetäre Rückenwind hat sich durch die Zinswende in Gegenwind verwandelt: Denn das Wachstum zu finanzieren kostet jetzt mehr.

Außerdem bestehen darüber hinaus zunehmend geopolitische Risiken. In dieser Situation geht es vielen Investoren eher um Profitabilität als um Wachstum. Der Markt passt sich somit aktuell an dieses neue Umfeld an. Der NASDAQ 100 Index, welcher die Entwicklung der 100 größten US-Technologieunternehmen abbildet, hat seit Jahresanfang gut -31 Prozent Rückgang hinnehmen müssen und der S&P 500 Index, der Aktienindex der 500 größten US-Unternehmen, musste dagegen „nur“ -21 Prozent verbuchen.

Börsenwerte von IBM, Microsoft, Google und Apple 2009 und 2022 im Vergleich

Für Techunternehmen gilt jetzt die Wachstumserwartungen herunterzuschrauben

Derzeit macht sich die Kombination aus Inflation und schlechter Verbraucherstimmung in vielen Technologiesegmenten bemerkbar. Unternehmen, welche eine starke Basis aus den Corona-Jahren gebildet hatten und stark gewachsen sind, müssen nun ihre Prognosen für das laufende Jahr zurücknehmen. Hier sind vor allem Unternehmen aus dem E-Commerce-, Social-Media- und Werbesegment zu nennen, deren Wachstumsraten zurückgehen. Deshalb prüfen auch viele Technologiekonzerne und Startups nun erstmals Kostensenkungsoptionen. So werden Neueinstellungen erst einmal aufgeschoben oder einzelne Mitarbeiter werden sogar entlassen.

Bei den Techunternehmen gewinnen Fusionen und Übernahmen an Fahrt

Durch den aktuellen Abverkauf und die somit deutlich günstigeren Bewertungen in einer Branche, in der strukturell zugrundeliegende Trends intakt sind, könnten sich nun Fusionen und Übernahmen häufen. Auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase hatten die Technologiewerte im S&P 500 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 62,3, das heutige KGV im Nasdaq 100 liegt dagegen bei 24,1. Dieser Vergleich zeigt, dass die Tech-Werte besser aufgestellt sind als früher und durch die wirtschaftlich guten Jahre auch gewisse Cash-Polster aufgebaut haben, um in schlechteren Zeiten Liquidität für Aktienrückkäufe, Dividenden oder Zukäufe zu haben.

Die Nachfrage nach Cybersicherheitslösungen wächst stark an

Unternehmen, welche sich auf Cybersecurity spezialisiert haben, sind im Technologiesektor besonders attraktiv. Denn durch die wachsende Digitalisierung der Unternehmen und dem aktuellen Ukraine-Konflikt hat sich weltweit auch die Anfälligkeit für Cyber-Attacken erhöht. Früher mussten Unternehmen in einen analogen Werkschutz investieren, um ihr Warenlager zu schützen, dagegen brauchen sie heute digitale Sicherheitssysteme. Deshalb wird die Nachfrage an Cyber-Security-Lösungen mindestens genauso so stark steigen wie die Digitalisierungsrate in den Unternehmen, um einfach das geistiges Eigentum zu schützen.

Der Cloud- und Softwaresektor boomt

Auch für Cloud- und Software-Anbieter gibt es aktuell spannende Investitionsmöglichkeiten, da sich diese oft durch hohe Margen und wiederkehrende Umsätze auszeichnen. Der Trend zur Cloud ist weiter ungebrochen und hat sich zuletzt sogar noch einmal beschleunigt. Früher haben Unternehmen ihre Server oft selbst betrieben, heute greifen sie nun für die Cloud fast ausschließlich auf externe Anbieter zurück. Dies bietet den Vorteil, dass Kapazitäten nicht lokal bereitgestellt werden müssen und bei Bedarf einfach angepasst werden können. Die Kosten für das Betreiben oder die Anschaffung der eigenen Server entfallen, wodurch auch Softwarewerte weiter Potenzial haben könnten.

Dazu kommt, dass die Umstellung vom Kaufen aufs Abonnieren von Software – Stichwort „Software as a Service“ (SaaS) – eine der großen Veränderungen der vergangenen Jahre war. Die Kunden haben früher individuell eine Softwarelizenz gekauft und lokal installiert. Heute nutzen Unternehmen oder Privatpersonen eine Anwendung über das Internet und zahlen für die Nutzung, nicht für das Programm selbst. Updates und Wartung der Software entfallen, und das Unternehmen, das SaaS-Service zur Verfügung stellt, erhält eine monatliche Gebühr. Die Vorteile sind kalkulierbare, wiederkehrende Einnahmen, ein stabiler Cashflow und dauerhafte Kundenbindungen, aber auch eine gewisse Abhängigkeit.

Einige Softwareunternehmen, darunter Adobe, Salesforce, Intuit oder Autodesk können über 90 Prozent ihrer Umsätze als wiederkehrend verbuchen. Solche verlässlichen Einnahmen sind für Investoren gerade dann interessant, wenn die konjunkturelle Lage ungewiss ist.

Ausblick auf die zukünftige Kapitalmarktentwicklung

Auf der Grundlage eines mittelfristigen konstruktiven Szenarios für die Weltwirtschaft, wie tiefe, aber positive reale Wachstumsraten und einer Inflationsrate im Rahmen der Ziele führender Zentralbanken von 2 Prozent, bietet sich für mittelfristig orientierte Anleger aktuell eine etwa neutrale Aktienallokation mit einem Depotanteil 50-60 Prozent an. Allerdings ist für die kommenden 6 bis 12 Monate das Szenario der Bandbreite wesentlich größer als üblich. Insbesondere scheinen aus heutiger Sicht die Rückschlagsrisiken mindestens ebenso ausgeprägt zu sein wie die Erholungschancen, was für kurzfristig orientierte Anleger eine gewisse Zurückhaltung bedeutet.

Ebenso sollten Neuanlagen gestaffelt getätigt werden, nach Rückschlägen kann zugekauft werden. So dürfte sich die US-Börse mittel- und längerfristig gut entwickeln, derzeit besteht aber eine gewisse Präferenz für Europa. Katalysatoren für eine Outperformance der Schwellenländer Asiens oder Japans sind derzeit kaum erkennbar. Bezüglich Marktsegmente spricht viel für eine leicht defensive Branchenallokation und zumindest eine Marktgewichtung der Value Branchen (u.a. Finanzwerte, mit einem Fokus auf Versicherungen, Energie, Telekommunikation und generell Unternehmen mit überdurchschnittlicher Dividendenrendite).

Bei Rentenpapieren sollte man nicht weiter untergewichtet sein, da sich mit den gestiegenen Renditen Chancen und Risiken nun etwa die Waage halten. Mittlerweile sind auch in Europa und in fast allen Märkten und Laufzeitensegmenten, die Renditen positiv. Aufgrund konjunktureller Unsicherheiten und positiver Renditen bei Staatsanleihen sollten Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen nicht mehr bevorzugt werden. Aktuell muss man weiterhin von hohen Rohstoff- und Energiepreise ausgehen, wobei ein erneuter deutlicher Anstieg nicht dem Hauptszenario entspricht. Der Rohstoffsektor, beispielsweise Aktien von Erdöl- und Erdgasunternehmen, bieten sich weiterhin zur Diversifikation der Anlagestrategie an.

Anlagemärkte Entwicklung

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

Die Informationen sind unverbindlich und stellen weder eine Anlageempfehlung oder sonstige Beratung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch. Eine Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Anlegers. Die dargestellten Informationen, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten sowie das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
  • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
  • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London
  • Bereich “Die strukturellen Trends sind weiter intakt“ von  DJE Kapital AG

Anlagekommentar Juni 2022 als ePaper lesen

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Mittwoch, 20. Juli 2022

Gold - Schützt das Edelmetall vor steigender Inflation und geopolitischen Krisen?

 Die aktuellen Börsenturbulenzen und die steigende Inflation lassen Kapitalanleger nach einem sicheren Hafen Ausschau halten. Als ein aussichtsreicher Kandidat für viele Investoren und Experten ist Gold. Der Wert des Edelmetalls ist immerhin über die Jahrhunderte sehr stabil geblieben und konnte gerade in Krisenzeiten immer wieder die Aktienmärkte schlagen. Ob sich Gold auch aktuell als Schutz vor Krisen und Inflation eignet und welche Anlagemöglichkeiten es gibt, soll in diesem Artikel näher beleuchtet werden.

Gold wird häufig als die härteste Währung der Welt bezeichnet

Schaut man sich die Entwicklung über vergangene Jahrhunderte oder gar Jahrtausende an, scheint da etwas dran zu sein. Egal ob im Jahr 2022, 1900 oder sogar zur Zeit von Christi: Für ein Gramm Gold kann oder konnte man sich etwa die gleiche Menge Brot kaufen. Schaut man hingegen auf Euro oder Dollar, verloren diese schon innerhalb weniger Jahrzehnte einen großen Teil ihrer Kaufkraft. Gleichzeitig sollte man aber nicht verschweigen, dass auch Gold über kürzere Zeiträume stark schwanken kann. Laut einer Studie des Ökonomen Campbell Harvey von der Duke University behält Gold nur über Zeiträume von mehr als 100 Jahren verlässlich seine Kaufkraft. Einen Anlagehorizont den wohl kaum ein Anleger anstrebt.

historisches Hoch für den Goldpreis

In Krisenzeiten an den Börsen konnten sich Edelmetalle aber immer wieder hervortun. Während die Aktienmärkte nach dem Zusammenbruch der Dotcom-Blase in 2000 oder in der Finanzkrise ab 2007 deutliche Verluste verzeichneten, konnten Gold und Silber
sogar zulegen. Betrachtet man den Zeitraum seit der Jahrtausendwende, konnte Gold die Aktienmärkte insgesamt abhängen. Über die letzten knapp 22 Jahre stieg der Goldpreis jährlich um etwa 9 Prozent, der Aktienmarktindex „MSCI World“ aber nur um etwas mehr als 5 Prozent.

Ist Gold also das Mittel der Wahl, um im aktuellen Marktumfeld zu bestehen

Immerhin haben der Ukraine-Krieg und steigende Leitzinsen die Aktienkurse seit Jahresbeginn stark schwanken lassen. Die Inflation liegt in den USA inzwischen bei 8,6 Prozent und in der EU bei 8,1 Prozent. Schaut man nur auf das aktuelle Jahr, konnte Gold die Inflation jedenfalls nicht ausgleichen. Der Goldpreis liegt über die letzten 6 Monate zwar leicht im Plus und schlug damit die meisten Aktienmärkte, einen Inflationsausgleich
konnte aber auch das Edelmetall nicht liefern. Diese Entwicklung passt zu langfristigen
Studien zum Verhältnis von Gold und Inflationsraten. Betrachtet man hierzu die letzten 50 Jahre, zeigt sich, dass es nahezu keine Beziehung zwischen den beiden Werten gab. Steigt die Inflation, bedeutet dies also nicht notwendigerweise eine Überrendite von Edelmetallen. Als Einzelanlage für eine kurzfristige Absicherung gegen die Geldentwertung ist Gold damit zu unzuverlässig und volatil.

Trotzdem gibt es Argumente, warum Gold auch aktuell eine attraktive Beimischung für Anlegerportfolien sind

Hervorzuheben ist hierbei die erwartete Nachfragesteigerung aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Diese haben im Vergleich zu den Industrienationen (gemessen
am Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt) noch relativ geringe Goldbestände aufgebaut. Laut einer Umfrage des „World Gold Council“ aus London gehen Zentralbanken aus den Emerging Markets von einer Ausweitung der Reserven über die nächsten Jahre aus.
Dies könnte den Goldpreis weiter beflügeln. Setzt man als Anleger auf diese Preissteigerungen oder zunehmende Turbulenzen an den Aktienmärkten, bleibt noch
die Wahl des passenden Mittels. Eine Möglichkeit ist der Kauf von Goldbarren oder
Goldmünzen über Banken und spezialisierte Edelmetallhändler. Der physische Kauf hat dabei den Vorteil, das Gold auch tatsächlich in den eigenen Händen zu halten. Allerdings obliegt dann auch die Aufbewahrung dem Anleger selbst. Ob zu Hause oder im kostenpflichtigen Bankschließfach.

Nachteil ist die schwierigere Handelbarkeit der Barren und Münzen

Einige Banken verkaufen zwar Gold an ihre Anleger, kaufen dieses aber nicht zurück – oder nur mit deutlichen Abschlägen. Da Goldhändler auch keine besondere Zulassung benötigen, ist die Wahl des richtigen Anbieters nicht einfach. Das Risiko an einen unseriösen Goldhändler zu geraten, ist nicht zu vernachlässigen. Die Unterstützung durch einen Berater kann hier im wahrsten Sinne des Wortes „Gold wert sein“. Unkomplizierter ist der Handel mit Goldfonds, Gold-ETCs oder Goldzertifikaten. Diese sollen den Goldpreis möglichst exakt nachbilden und können jederzeit über die Börse gehandelt werden. Die höhere Liquidität ist aber in der Regel auch mit Kosten verbunden. Je nach Produkt können Gebühren für das Fondsmanagement, die Börsen oder Transaktionen anfallen. Zudem besteht bei ETCs und Zertifikaten auch immer ein Emittentenrisiko. Sollte der Produktanbieter zahlungsunfähig werden, kann dies also einen Totalverlust für Anleger bedeuten.

Eine eher indirekte Möglichkeit von steigenden Goldpreisen zu profitieren, ist ein Investment in Goldminen-Aktienfonds. Man beteiligt sich dabei an Unternehmen, die Minen besitzen und selbst Gold schürfen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Korrelation zwischen den Kursen von Goldaktien und dem Goldpreis zwar hoch, aber nicht perfekt ist. Gibt es Probleme in der Produktion oder arbeitet ein Goldförderer nicht profitabel, können entsprechende Aktien auch fallen, obwohl die Goldpreise im gleichen Zeitraum steigen. Findet gerade ein genereller Ausverkauf an den Aktienmärkten statt, kann dies ebenfalls Goldminen-Aktien in Mitleidenschaft ziehen. Dies gilt allerdings auch mit umgekehrten Vorzeichen. Die Kosten von Goldminen-Aktienfonds entsprechen den üblichen Gebühren. Die Anlageform bringt aber auch den Vorteil des Status als „Sondervermögen“ mit sich. Ein Emittentenrisiko wird damit ausgeschlossen.

Auch eine weitere Schwäche von direkten Gold-Investments hat diese Anlagemöglichkeit nicht: Gold an sich erwirtschaftet keine regelmäßigen Ausschüttungen. Minenunternehmen zahlen hingegen Dividenden, die an Investoren ausgeschüttet werden und einen Risikopuffer darstellen. Grundsätzlich ist es aber für Anleger schwierig einzuschätzen, ob Goldaktien im Vergleich zum Edelmetallpreis mittel bis langfristig günstig bewertet sind und damit einen Vorteil zu direkten Goldinvestments darstellen können. Die Entscheidung sollte daher ausführlich mit einem Berater besprochen werden.

Fazit
Betrachtet man sehr lange Zeiträume von mehr als 100 Jahren, konnte Gold seinen Status als härteste Währung der Welt bestätigen. Über kürzere und für Anleger relevantere Zeithorizonte, kann der Preis allerdings auch stark schwanken und bietet nicht in jedem Umfeld einen verlässlichen Schutz vor Krisen oder Inflation. Trotz der aktuell historisch hohen Bewertung von jenseits der 1.800 US-Dollar pro Unze kann Gold aber ein wichtiger Bestandteil eines jeden Portfolios sein. Die Unabhängigkeit von den Aktienmärkten und der Status als „sicherer Hafen“ machen Gold zu einem wichtigen Instrument für eine breite Diversifikation im Portfolio. So bieten sie eine passende Ergänzung zu anderen Depotbestandteilen, die üblicherweise der Absicherung dienen, wie Anleihen, Liquidität oder Immobilienfonds.

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Donnerstag, 23. Juni 2022

Anlagekommentar Mai 2022 - Konjunkturdaten sorgen bei Substanzwerten für Erholung, Wachstumswerte bleiben dagegen schwach

Der starke Inflationsschub der letzten Monate resultiert hauptsächlich aus dem starken Anstieg der Energiepreise und einem anhaltenden Aufwärtstrend bei den Güterpreisen. Auf der anderen Seite ist die Konjunktur insgesamt robust und auch die Arbeitslosenraten sind in Europa und den USA historisch sehr tief. Ein solches Umfeld begünstigt steigende Löhne und die Weitergabe der Kosteninflation von Unternehmen an die Konsumenten. Da sich in den letzten Wochen durch stabile Energiepreise eine Entspannung anbahnt, lässt die Energiekomponente als Inflationstreiber langsam nach.

Dadurch dürfte in der Summe die Gesamtinflation langsam den Höchststand erreicht haben. Zumindest in den USA sieht es danach aus und Europa hingt diesen Trends ja immer etwas hinterher. Trotz einer rückläufigen Gesamtinflation werden für die Zentralbanken und die Kapitalmärkte die monatlichen Inflationsdaten, besonders die Kerninflation, weiter zentral bleiben.

Entwicklung der Anlagemärkte im Mai 2022

Die Kapitalmärkte zeigten sich im Mai zweigeteilt: Die zyklisch geprägten Aktienmärkte Europas und Asiens sowie Substanzwerte erholten sich von ihren kräftigen Verlusten der Vormonate. So legte der Eurostoxx 50 Index um +1,0 Prozent zu und der deutsche DAX Index gehörte mit einem Zuwachs von +3,4 Prozent zu den Top-Performern. Andere europäische Werte folgten diesem Trend, was sich beim spanischen IBEX 35 Index mit +3,1 Prozent, dem britischen FTSE 100 Index mit +2,2 Prozent oder österreichischem Austrian Traded Index (ATX) mit +1,2 Prozent wieder spiegelte. In Asien waren die chinesischen Aktien die Top-Performer und sorgten beim SSE Composite Index für einen Zuwachs von +3,4 Prozent, wogegen der Hang Seng Index mit +1,5 Prozent und der japanische NIKKEI 225 Index mit +1,6 Prozent etwas zurück lagen.

Dagegen entwickelten sich globale Wachstumswerte weiter schwach. Der NASDAQ Composite Index verlor -1,7 Prozent, der Dow Jones Industrial Average Index bewegte sich mit + 0,0 Prozent auf der Nulllinie und der marktbreite amerikanische S&P 500 Index begrenzte seinen Zuwachs bei +0,6 Prozent. Für den USA-lastigen MSCI World hatte dies dann auch Folgen, so dass dieser mit -1,7 Prozent nach unten ging.

Auch an den Anleihemärkten wurde die Zweiteilung sichtbar: In den USA zeichnete sich eine Plateaubildung bei den Teuerungsraten ab – in Europa konnte von einem überschrittenen Inflationshöhepunkt keine Rede sein. Wie erwartet hob die US-Zentralbank Federal Reserve System (Fed) ihren Leitzins um 0,5 Prozent an. Die langfristigen US-Zinsen sackten allerdings mit zunehmenden Wachstumssorgen auf 2,73 Prozent merklich ab. EZB-Präsidentin Christine Lagarde kündigte für den Juli 2022 die erste Zinserhöhung der Eurozone seit einer Dekade an. Viele Marktteilnehmer erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ab Sommer deutlich aggressiver vorgehen muss. In der Eurozone zogen die Renditen daraufhin an. Für zehnjährige deutsche Staatspapiere wurden 1,05 Prozent gezahlt und italienische Papiere rentierten erstmals seit 2020 höher als ihre US-Pendants.

An den Rohstoffmärkten gab es ebenfalls starke Ausschläge: So stieg der Ölpreis um fast 12 Prozent auf über 110 US-Dollar je Fass an, nachdem die Europäische Union (EU) ein Importverbot russischen Öls diskutierte und sich dann darauf einigte, 90 Prozent der russischen Ölimporte mit Sanktionen zu belegen. Durch die Blockade der ukrainischen Getreideexporte über den Seeweg, kam es beim Weizenpreis zu einer Preissteigerung von knapp 10 Prozent. Dagegen korrigierten die Preise für Industriemetalle mit den zunehmenden Konjunktursorgen, wodurch Aluminium - 5,4 Prozent nach gab und Kupfer 2,4 Prozent günstiger erworben werden konnte. An den Devisenmärkten sorgte die abnehmende Zinsdifferenz zwischen den Währungsräumen für eine kräftige Aufwertung des Euro zum US-Dollar.

Die aktuellen Ereignisse in Europa und ihre Auswirkungen auf Anlagemöglichkeiten im Energiesektor

Durch den Einmarsch Russlands in die Ukraine hat sich die Sicherheit in Europa destabilisiert, eine humanitäre Krise ausgelöst und die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt. Europa importiert derzeit die Hälfte seines Erdölbedarfs und 30-40 Prozent seines Erdgasbedarfs aus Russland. Deshalb wirft die Invasion die Frage auf, mit welchem Energiemix Europa aktuell und langfristig verlässlich, erschwinglich sowie klimafreundlich mit Energie versorgt werden kann.

Europa hat in den vergangenen Jahrzehnten eine beträchtliche Abhängigkeit von russischem Erdöl und Erdgas entwickelt. Die Invasion der Ukraine durch die russische Armee hat den Kontinent daher in eine schwierige Lage gebracht. Einerseits sind die Energiepreise in die Höhe geschnellt, andererseits wächst der Druck auf Europa, wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland zu verschärfen. Daher wird wieder intensiver über den Energiemix in Europa, die Auswirkungen höherer Energiekosten und eine Beschleunigung der Energiewende diskutiert.

Das politisch ohnehin schon heikle Thema Energie wird durch die steigenden Energiekosten noch komplizierter. So muss die Politik einerseits Energie kurzfristig erschwinglich halten und andererseits langfristig in alternative Energiequellen investieren. Die EU-Kommission hält es für möglich, die gefährliche, übermäßige Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland bereits deutlich früher als 2030 zu beenden. Dafür sind allerdings Maßnahmen an mehreren Stellen erforderlich.

Verbrauch fossile Brennstoffe weltweit und Verbrauch Erdgas in Europa

Welche Bedeutung hat diese Situation für die Anleger?

Die Entwicklung von sauberen Technologien macht rasche Fortschritte und dafür werden Investitionen benötigt

Schon bevor das Thema Energie wegen der Lage in der Ukraine hochaktuell wurde, spielten Investitionen in saubere Technologien eine wichtige Rolle im Umgang mit der Klimakrise. So konnten Unternehmen, welche zum Klimaschutz beitragen oder die Anpassung an den Klimawandel erleichtern, in hohem Maße von Europas Energiewende profitieren. Dabei handelt es sich um Unternehmen, welche an sich schnell entwickelnden Technologien, wie Energiespeicherung, grüner und blauer Wasserstoff und Netzwerktechnologie oder auch auf dem Gebiet bekannter erneuerbare Energien wie Solar- und Windenergie tätig sind.

Die sinkende Verfügbarkeit von „seltenen Erden“ und anderen Rohstoffen wird zur Herausforderung

Durch die aktuelle Krise wird auch den Zugang zu wichtigen strategischen Metallen und Mineralien erschwert, welche für die Produktion erneuerbarer Energien benötigt werden. So sind seltene Erden für die Nutzung von Windenergie unerlässlich, Magnesium ist ein wichtiger Bestandteil von Brennstoffzellen und wird auch für Wind- und Photovoltaik-Technologie benötigt. Auch Kobalt und natürlich vorkommender Grafit werden für Batterien und Brennstoffzelltechnologie gebraucht. Diese Metalle und Mineralien werden für den Bedarf in der EU hauptsächlich aus China und Russland importiert. Angesichts der anhaltenden geopolitischen Spannungen lässt sich nicht darüber hinwegsehen, dass die Lieferungen unterbrochen werden könnten. Wenn die Preise für diese Rohstoffe steigen, kann es für derzeit stillgelegte Bergwerke in anderen Ländern wieder wirtschaftlich lohnenswert werden, den Betrieb wieder aufzunehmen. Das wäre natürlich nur längerfristig möglich. Aber die Möglichkeiten für die Entwicklung erneuerbarer Energien könnten sich dadurch deutlich verbessern.

CO2-Abscheidetechnologien

Professor Johan Rockström, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (Deutschland) und einer der einflussreichsten Erdsystemwissenschaftler der Welt, hielt bei den AllianzGI Sustainability Days 2021 auch einen interessanten Vortrag. Er legte dar, wie wichtig Kohlenstoffsenken ist, um die Nettoemissionen tatsächlich auf null zu senken. Erklärung: Als Kohlenstoffsenken werden natürliche oder menschengemachte Systeme bezeichnet, die CO2 binden und speichern. Dementsprechend lohnt es sich gegebenenfalls, in CO2-Abscheidungs- und Speichertechnologien (CCUS) sowie Energiespeicherung zu investieren. Im Jahr 2020 wurde das Volumen des globalen CCUS-Markts auf 1,9 Milliarden US-Dollar geschätzt und bis 2030 könnte dieses auf 7 Milliarden US-Dollar ansteigen.

Durch die aktuelle Krisensituation wurde unmissverständlich ins Blickfeld gerückt, welche Risiken in Bezug auf eine sichere und erschwingliche Energieversorgung und den Ausbau der erneuerbaren Energien vorhanden sind. Gleichzeitig hat sie aufgezeigt, dass die Investitionen in die europäische und globale Energieinfrastruktur, sowie in den Energiemix erhöht werden müssen. Dadurch eröffnen sich für Anleger zahlreiche und attraktive Chancen. Dies beginnt bei CO2-Abscheidung und Energiespeicherung über Technologien für Energieeffizienz bis hin zum Abbau strategisch bedeutsamer Metalle und Mineralien. Viele Lösungen sind bereits vorhanden, aber für einen Einsatz im großen Maßstab wird noch sehr viel Investitionskapital benötigt, woraus sich beträchtliche Wachstumschancen ergeben.

Ausblick auf die zukünftige Kapitalmarktentwicklung

Unmittelbar nach dem Einmarsch von Russland in die Ukraine war die Unsicherheit über die Auswirkungen auf die Kapitalmärkte am größten. Der Fokus hat sich mittlerweile wieder auf die fundamentalen Faktoren, wie Wirtschaftsdynamik, Inflation und Geldpolitik, verlagert. So weisen rekordtiefe Arbeitslosenraten und solide Einkaufsmanager-Index-Daten für April 2022 auf eine insgesamt besser als oft vermutete Weltkonjunktur hin. Gleichzeitig belasten weiter einige Sonderfaktoren, insbesondere hohe Energiepreise, die den Konsum treffen, was in Schwellenländern stärker ist als in Industrieländern. Dazu kommen die Störungen der Lieferketten, welche durch erneute Covid-19-bedingte Lockdowns in China noch verstärkt werden. In der Summe bleibt die Weltkonjunktur recht solide, insbesondere wenn die derzeitigen Belastungsfaktoren wieder abnehmen.

Die Entwicklung der Inflation und damit das Ausmaß der geldpolitischen Straffung bleiben derzeit die zentralen Unwägbarkeiten. Aufgrund der verzögerten Wirkung der Geldpolitik auf die Wirtschaft und die Inflation, dürfte die Inflationsthematik an den Kapitalmärkten bis mindestens dem kommenden Jahr präsent bleiben. Bei stabilen Energiepreisen wird der Inflationsdruck in den kommenden Monaten nachlassen, wobei die zugrundeliegenden Inflationsrisiken aufgrund der angespannten Arbeits- und Gütermärkte vergleichsweise hoch bleiben. Mittelfristig sollte die Inflation in den führenden westlichen Volkswirtschaften im Rahmen der Notenbankzielsetzungen von 2 Prozent liegen und sich das derzeitige Inflationsumfeld nicht mit den 1970er-Jahren vergleichen lässt.

In der Summe kann derzeit neutrale Aktienallokation als angemessen angesehen werden, zumal sich Phasen schwacher Börsen und Erholungsrallyes in diesem Jahr etwa die Waage halten dürften. Bezüglich den Marktsegmenten spricht das Makroszenario für eine leicht defensive Branchen-Allokation und zumindest eine Marktgewichtung der Value-Branchen. Dazu zählen u.a. Finanzwerte, mit einem Fokus auf Versicherungen, Energie, Telekommunikation sowie generell Unternehmen mit überdurchschnittlicher Dividendenrendite.

Da die Korrektur bei den Wachstumstiteln bereits weit fortgeschritten ist, scheint der zentrale negative Faktor für die Börsenentwicklung in den vergangenen Monaten allmählich nachzulassen. Somit sind die Erholungschancen für die Börsen intakt, wobei die Aussichten für Europa und die USA ähnlich sind. Im Zuge der zu erwartenden Verknappung des weltweiten Rohstoffangebots durch die Russland-Sanktionen dürften die Energiepreise noch für einige Zeit hoch bleiben, wobei ein weiterer deutlicher Anstieg nicht als Hauptszenario anzusehen ist. Der Trend bei den Anleiherenditen bleibt in der Tendenz nach oben gerichtet, wobei steigende Renditen allmählich Anlagechancen eröffnen.

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

Die Informationen sind unverbindlich und stellen weder eine Anlageempfehlung oder sonstige Beratung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch. Eine Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Anlegers. Die dargestellten Informationen, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten sowie das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
  • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
  • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London
  • Quelle: Bereich “Die aktuellen Ereignisse in Europa und ihre Auswirkungen auf Anlagemöglichkeiten im Energiesektor“ von  Allianz Global Investors GmbH

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Mittwoch, 15. Juni 2022

Steigende Zinsen - Was bedeutet dies für die Aktienmärkte?

 In vielen Regionen der Welt steigen derzeit die Inflationsraten. Daraus ergibt sich für Anleger:innen unter anderem die Frage, wie die unterschiedlichen Kapitalmärkte darauf reagieren werden und wie sie sich als Anleger:innen vor einem realen Kaufkraftverlust schützen können. Die zunächst gehegte Hoffnung, es könnte sich bei der steigenden Inflation um eine kurzfristige Folge steigender Rohstoffpreise handeln, weicht der Vermutung, dass uns eine erhöhte Inflationsrate auch mittel- und eventuell sogar langfristig beschäftigen wird. Im Folgenden werden die aktuellen Entwicklungen beleuchtet und der Frage nachgegangen, ob Aktien als Anlageklasse an Relevanz verlieren werden.

Federal Reserve System (Fed) und Europäische Zentralbank (EZB) planen weitere Leitzinsanpassungen noch in diesem Jahr

Die Federal Reserve System (Fed) hat es schon getan, die Europäische Zentralbank (EZB) wartet (noch) ab. Leitzinserhöhungen sind das Mittel der Wahl für die Notenbanken, um sich der stark gestiegenen Inflation entgegenzustemmen. Die Vorgehensweisen in den USA und in Europa weichen dabei aber stark voneinander ab. Woran das liegt und was die Zinsanpassungen für die Aktienmärkte bedeutet, wollen wir in diesem Newsletter näher beleuchten. Angesichts einer Inflation von immer noch 8,5 Prozent in den USA, sah sich die US-Zentralbank zum Handeln gezwungen. Am 4. Mai 2022 erhöhte die Federal Reserve den Leitzins um 0,5 Prozent. Die stärkste Anhebung seit 20 Jahren. Einen Schritt, den sich die US-Amerikaner wohl erlauben können. Trotz Corona und Ukraine-Krieg läuft die Wirtschaft gut, die Arbeitslosenzahlen sind relativ gering und die Löhne zogen zuletzt an.

Die 20 Länder mit der höchsten Inflationsrate im Jahr 2021

Diese Faktoren haben in den Vereinigten Staaten allerdings eine Spirale in Gang gesetzt: Steigende Löhne sorgen für höhere Preise, die wiederum zu höheren Lohnforderungen führen. Die Federal Reserve versucht durch Ihre Zinspolitik nun genau diese „Lohn-Preis-Spirale“ zu stoppen. An den Terminmärkten wird zum Jahresende daher fest mit einem Zinsniveau von mindestens 2,75 Prozent gerechnet. Gleichzeitig soll die auf rund neun Billionen Dollar aufgeblähte Bilanz schrittweise abgebaut werden. Der Beginn dieser monumentalen Aufgabe ist bereits der Juni 2022. Anders als beispielsweise in Europa ist die Inflation in den Vereinigten Staaten nachweislich weniger durch die steigenden Energiepreise nach oben getrieben worden. Rechnet man die Preise für Energie und Nahrungsmittel aus der Betrachtung heraus, erhält man für die USA immer noch einen Wert von 6,5 Prozent. Diese „Kerninflation“ liegt in Europa bei 3,5 Prozent.

Wege zur Inflationsbekämpfung in den USA und Europa unterscheiden sich

Der im Vergleich zu den USA hohe Anteil von Energiekosten für Verbraucher in Europa, vergrößert aber auch das Dilemma für die EZB. Eine Erhöhung der Zinsen würde nämlich nicht nur hochverschuldete Staaten wie Italien oder Portugal in Bedrängnis bringen, sie hätte mittelfristig auch keinen entscheidenden Einfluss auf die hohen Energiekosten. Der „Zinseffekt“ auf die Inflation könnte also geringer ausfallen als gehofft. Nichtsdestotrotz hat die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, kürzlich klargestellt, dass die Zinsen erst dann steigen werden, wenn das Anleihekaufprogramm beendet ist.

Dies könnte womöglich schon im Juli der Fall sein, kündigte EZB-Direktorin Isabel Schnabel an. “Wir sehen eine Verbreiterung des Inflationsdrucks”, warnt Schnabel. Sie hält sogar die Entstehung einer Lohn-Preis-Spirale wie in den USA für möglich. „Es steht außer Zweifel, dass höhere Lohnforderungen kommen würden, wenn die Inflation längere Zeit hoch bleibt“, meint Schnabel. Deshalb “müssen wir verhindern, dass sich die hohe Inflation in den Erwartungen festsetzt.“ Es ist aber durchaus vorstellbar, dass sich Lagarde mit einem Zinsschritt bis zum Herbst Zeit lässt – vor allem, wenn der Ukraine-Krieg weiter eskaliert und die europäische Wirtschaft belastet. Ökonomen rechnen derzeit mit drei kleinen Zinserhöhungen in diesem Jahr. Den Prognosen zufolge könnten die Leitzinsen bis zum Jahresende bei 0,75 Prozent liegen. Wer etwas über die unmittelbaren Folgen steigender Zinsen auf einzelne Aktienmärkte erfahren möchte, braucht sich nur den US-Markt über die letzten Monate anzuschauen.

Technologie-Branche ist derzeit am meisten betroffen - "langweilige" Basiswerte bleiben stabiler

Zunächst fällt dabei auf, dass insbesondere Technologie-Werte, aber auch Kryptowährungen, negativ betroffen waren. Der techlastige Index „Nasdaq 500“ fiel allein seit Jahresanfang um beinahe 30 Prozent. Zum Vergleich: Der deutsche Aktienindex DAX ging im gleichen Zeitraum „nur“ um weniger als die Hälfte zurück! Hintergrund der starken Verluste ist die große Abhängigkeit der Bewertungen von den traditionell hohen Gewinnerwartungen der Technologie-Branche. In einem Umfeld steigender Zinsen fallen diese weniger stark ins Gewicht und die Bewertungen der schnell wachsenden Unternehmen fallen. Nach der gleichen Logik gehören insbesondere Value-Titel oft zu den Gewinnern eines Zinserhöhungszyklus. Im Gegensatz zu Wachstums-Aktien sind deren Bewertungen nicht so stark von Zinserhöhungen abhängig und werden daher auch weniger von Notenbankentscheidungen beeinflusst. Als besonders robust gegen steigende Zinsen haben sich auch Branchen wie Banken, Versicherungen, Energie, Infrastruktur, Reisen und Rohstoffe gezeigt. Einige davon wurden zuletzt zu den Pandemieverlierern gezählt und könnten nun einen doppelten Kursschub erhalten.

MSCI World Entwicklung von 1970 bis 2022

Betrachtet man die historische Entwicklung von Aktienkursen nach den  Zinserhöhungsschritten der letzten 30 Jahre, relativiert sich der Einfluss der Notenbank-Entscheidungen für Aktieninvestments grundsätzlich: Im Durchschnitt fiel der breit aufgestellte „MSCI World“ als Reaktion auf Fed-Leitzinserhöhungen für etwa 30 Tage. Bereits nach 50 Tagen waren diese Verluste aber schon wieder aufgeholt und die Märkte legten in der Folge deutlich zu. Zinserhöhungen bedeuten also nicht zwingend eine Zäsur für die Aktienmärkte, sondern lösten in der Vergangenheit nur kurzfristig Pessimismus bei Anlegern aus. Auch für dieses Jahr zeichnet sich ab, dass der weitere Verlauf des Krieges in der Ukraine der wichtigere Treiber für die Aktienkurse sein wird. Eine Entspannung des Konflikts und sinkende Rohstoffpreise würden sicherlich die Kurse beflügeln, aber auch Druck von der Europäischen Zentralbank nehmen und voraussichtlich zu einer langsameren Zinswende führen. Die Märkte bewegen sich in 2022 damit weiter in der Taktung der Geopolitik.

Fazit

Die Zinserhöhungen der Notenbanken sind überfällig und bei den aktuellen  Verbraucherpreisen auch nicht mehr vermeidbar. Für Anleger sollte dies allerdings kein
Grund sein, um überstürzt Aktienquoten in den Portfolios zu verringern. Im Vergleich zu anderen Anlageklassen (Tages-, Festgeld, Kryptowährungen oder Anleihen) bleibt der Ausblick für Aktien weiter attraktiv. Bei der Auswahl von Regionen und Branchen sollte
die Zinsentwicklung aber trotzdem eine Rolle spielen. Gerade die stärkere Gewichtung von Value-Titeln sowie eine breite Streuung auf verschiedene Regionen mit unterschiedlichem
Zinsumfeld halten wir aktuell für eine vielversprechende Strategie.

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