Montag, 1. März 2021

Anlagekommentar Januar 2021 - Mutationen, Engpässe und Spekulationen sorgen für einen uneinheitlichen Jahresauftakt an den Börsen

 Während es zur wirtschaftlichen Entwicklung und Impfstoffen derzeit wenig Potenzial für positive Überraschungen bestehen, gibt es ermutigende Trends bei den Unternehmensgewinnen, da viele Unternehmen während der Pandemie ihre Kostenstrukturen optimiert haben und die Margen dadurch die Niveaus vor der Pandemie übertreffen dürften, wenn sich die Umsätze wieder erholen. Die Bewertungen sind nicht generell stark überhöht und das am US-Markt prominent vertretene "Growth"-Segment (d.h. insbesondere Technologie), hat während der Corona-Pandemie massiv zugelegt. Während eine gewisse Höherbewertung von nachhaltig wachsenden Unternehmen als gerechtfertigt erachtet werden kann, dürfte sich die Bewertungsschere zwischen den "Growth" und "Value" Aktien (letztere sind in Europa stark vertreten) etwas zu weit auseinander gegangen sein. Mittel- bis längerfristig werden Wachstumswerte und damit der US-Markt und ergänzend das aufstrebende Asien gegenüber Europa im Vorteil sein. Allerdings dürfte das aktuelle Jahr 2021 bezüglich dieser Präferenzordnung ein Übergangsjahr sein, mit besseren als üblichen Chancen für Europa.

Entwicklung der Anlagemärkte
Viele Aktienindizes in den Industriestaaten konnten in der ersten Januarhälfte noch neue Rekordstände markieren. Doch dann sorgten der anhaltende Mangel an Impfstoffen, die Unsicherheit über die Effizienz der zugelassenen Impfstoffe gegen die sich ausbreitenden Coronamutanten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien und steigende Inflationserwartungen in den USA dafür, dass die Kapitalmärkte nach unten korrigierten. Allerdings konnten Technologiewerte und Titel mit einer geringen Marktkapitalisierung sich gegen den Trend entwickelten. So stieg in den USA der NASDAQ Composite Index um 1,4 Prozent an, der deutsche technologieorientierte TecDAX Index konnte gar über fünf Prozent zulegen. Für die hochkapitalisierten Werte ging es dagegen bergab. Durch die prekäre Coronalage in Europa sind die Verluste für den DAX Index und Eurostoxx 50 Index mit -2,1 Prozent respektive -2 Prozent deutlicher ausgefallen als in den USA. Dort gab der S&P 500 Index nur um 1,1 Prozent nach. Dagegen meistern die asiatischen Länder die Corona-Pandemie besser als die westliche Welt, wodurch dort die Aktienindizes im Januar leicht anzogen. Der Hang Seng Index konnte um 6,1 Prozent und der japanische NIKKEI 225 Index um 2,4 Prozent zulegen. Dagegen musste der weltweite MSCI World Index (EUR) einen Rückgang von -0,4 Prozent verbuchen.

DAX Entwicklung

Dagegen gab es an den Rentenmärkten spürbare Auswirkungen durch die Spendierlaune des neuen US-Präsidenten Joe Biden. So zogen mit steigenden Inflationserwartungen der Verbraucher und Investoren die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit neun Monaten an. Dagegen blieben diese in der Eurozone unverändert. Die Folge des steigenden Zinsabstands zugunsten der USA machte sich bei der Währung und dem Goldpreis bemerkbar. Der Euro wertete zum Dollar leicht ab, der Goldpreis sank um fast 3 Prozent. Die zunehmende Inflationserwartungen sind für Rohstoffe ein positives Signal. Der Preis für das Rohöl sprang für die amerikanische Benchmark WTI um über 7 Prozent nach oben und für Kupfer und Silber verteuerten sich die Preise leicht auch nach oben.

E-Commerce-Boom: Schäden für die Umwelt oder Chancen für die Investoren?
Seit mehr als 20 Jahren stellt das E-Commerce bereits einen dynamisch wachsenden Markt dar und stellt mittlerweile keine Neuigkeit mehr dar. Durch die COVID-19-Pandemie kam es jedoch zu einem explosionsartigen Anstieg der Wachstumsraten, was viele Fachleute in diesem Ausmaß überrascht hat. So stieg der Anteil von Onlinekäufen in den USA sprunghaft auf über 20 Prozent des gesamten Einzelhandels in 2020 an und im Dezember 2020 nach neuesten Zahlen sogar auf bis zu 23,4 Prozent. Global betrachtet wird bis 2023 ein Anstieg der Online-Umsätze auf ein gewaltiges Volumen von 6,5 Billionen US-Dollar pro Jahr erwartet. Diese beeindruckenden Zahlen sind nicht zuletzt für Investoren interessant. Doch wie sieht es mit der CO2-Bilanz dieses Geschäftsmodells aus?

Nach dem Platzen der Dot.com-Blase im Jahr 2000, als das Internet für Konsumenten noch in den Kinderschuhen steckte, verteilte sich der Onlinehandel auf wenige Pioniere wie Amazon oder Ebay. Die Eintrittsbarrieren für Händler waren damals größer und viele nutzten ausschließlich diese großen Plattformen. Heute ist es einfacher und weniger kapitalintensiv Produkte in einem eigenen Online-Shop selbst zu vertreiben. Lösungen für Zahlungsabwicklung, Webshop, Warenlager, Corporate Design sowie Werbung auf Social Media sind mittlerweile einfach und kostengünstig einzurichten. Immer mehr Unternehmen nutzen heute ihren eigenen Marktplatz. Der Pionier Zalando macht es vor: Mode lässt sich perfekt durch eine redaktionelle Auswahl und stimmige Kampagnen auf einer eigenen Plattform erfolgreich verkaufen. Es entwickeln sich Marktplätze für Leasingfahrzeuge, Apothekenartikel, verschreibungspflichtige Medikamente oder sogar Möbel und jeder ist davon höchstspezialisiert auf die Anforderungen an das Produkt und an die des Kunden.

Wie umweltschädlich ist das E-Commerce?
Täglich werden nur in Deutschland mehr als 5 Millionen Pakete aus Onlinebestellungen ausgeliefert und die Tendenz ist weiter steigend. Im Durchschnitt wird jedes sechste Paket zurückgeschickt und diese Retouren verursachen hohe CO2-Emissionen. Ein Vergleich auf die CO2-Bilanz mit dem des stationären Einzelhandels ist jedoch schwierig, denn beim Einkaufen im Ladengeschäft oder Supermarkt entstehen ebenfalls schädliche Treibausgase, etwa durch die Beheizung und Beleuchtung der Verkaufsflächen, die Belieferung der Geschäfte mit Ware oder durch die Anreise des Kunden mit seinem Auto.

Wer klimaschonend einkaufen möchte, sollte deshalb mit dem Fahrrad fahren und im Internet möglichst wenige Retouren verursachen. Doch wie umweltschädlich ist E-Commerce wirklich und welche Faktoren haben einen wesentlichen Einfluss auf die Umweltbilanz? So ist nicht nur das genutzte Verkehrsmittel, die Länge des Anfahrtsweges sowie der verbrauchte Kraftstoff für eine Paketlieferung ein bedeutender Faktor des Vergleichs. Auch das Warenlager, das Betreiben von Datenservern und die Retourenquote sind zu berücksichtigen. So hat das Öko-Institut in Berlin, in einem Fallbeispiel den digitalen versus stationären Kauf eines Paars Turnschuhe in einer Großstadt im Hinblick auf die CO2-Bilanz Sicht mit teils überraschenden Ergebnissen unter die Lupe genommen.

Online oder Einzelhandel - CO2 Bilanz

Bei der Belieferung eines Großhändlers durch den Produzenten der Turnschuhe gibt es kaum einen Unterschied zwischen Onlinekauf und Einzelhandel. Beides geschieht meist per Schiff oder Flugzeug, dann per Speditionen mittels Diesel-LKW. Beim Onlinehandel entstehen noch etwas mehr Kohlendioxidemissionen für die Serverleistung, den Umschlag im Verteilerzentrum und die PC-Nutzung des Kunden beim Bestellen. Bis zu diesem Punkt ist die Bilanz für ein paar Schuhe aufgrund der hohen Skaleneffekte der Lieferung bei beiden Vertriebswegen jedoch überschaubar. Die Paketzustellung schlägt mit 230 g zu buche. Jedoch weisen Bekleidungsartikel die höchsten Rücksendequoten mit etwa 0,7 Rücksendungen pro verkauftem Artikel auf. Somit entstehen durch Verpackung und Rücksendung im Mittel weitere 250 g CO2.

Doch laut der Studie ist der Onlinehandel klar im Vorteil. Er benötigt keine Verkaufsflächen, die mit Strom und Wärme versorgt werden müssen. Hier geht das Öko-Institut von 1 kg pro verkauftem paar Schuhe aus. Trotz Berücksichtigung der durchschnittlich hohen Retourenquote fallen Online nur ca. 919 g CO2 an, beim Einkaufen im Ladengeschäft hingegen ca. 1.270 g. Das Endergebnis der Studie fällt vernichtend zulasten des stationären Einzelhandels aus, denn auch die Anreise des Kunden muss zusätzlich mit einer durchschnittlichen Verkehrsmittelwahl berücksichtigt werden.

Im Hinblick auf die CO2-Bilanz könnte es sich also durchaus lohnen, wenn wir gegenüber neuen Einkaufskonzepten offen sind. Die Elektrifizierung von Zustellfahrzeugen hat teilweise schon begonnen und geschieht wahrscheinlich schneller als beim Automobil des Durchschnittbürgers. Nicht zuletzt bieten steigende Auslastungen und kürzere Lieferwege weiteres CO2-Einsparpotenzial für den Onlinehandel. Abschließend lässt sich feststellen, dass Investoren durch gezielte Anlagen in E-Commerce Unternehmen nicht nur positive Performance-Effekte realisieren, sondern in Kombination mit einem Nachhaltigkeitsfokus auch gezielt positiv die Öko-Bilanz unterstützen können.

Ein Blick auf die aktuellen Anlagestrategien
Bei den Risikoanlagen, insbesondere Aktien (die zyklischen und die von der Pandemie stark betroffenen Segmente) und Unternehmensanleihen, aber auch Rohstoffen (Energie und Industriemetalle), haben seit November 2020, als mit den Impfstoff-Wirksamkeitsstudien eine wirtschaftliche Normalisierung absehbar wurde, stark zugelegt. Im Januar 2021 haben die Kapitalmärkte die Aussicht auf weitere massive Ausgabenprogramme der neuen US-Regierung positiv interpretiert, wobei Erhöhungen der US-Unternehmenssteuern nötig sein werden, damit die Ausgabenprogramme finanziert werden können. Es ist daher, auch aufgrund der jüngsten Aussagen der US-Regierung, noch zu früh, um dies für die Vermögensallokation zu berücksichtigen.

Die Verteilung von Impfstoffen ist bisher langsamer vorangeschritten als gedacht und auch die neuen Mutationen des Coronavirus stehen vermehrt im Fokus. Die aktuelle Datenlage zu den Impfstoffen spricht allerdings derzeit nicht dafür, dass das wirtschaftliche Erholungsszenario gefährdet wäre. Nach einer längeren Phase mit positivem Nachrichten an den Börsen sind allerdings auch Gewinnmitnahmen an den Kapitalmärkten etwas wahrscheinlicher geworden. Die Korrekturphasen sollten aus heutiger Datenlage aber meist nur von kurzer Dauer sein und würden eher Einstiegsmöglichkeiten bieten. Die Wirtschafts- und Börsentrends werden aber auf jeden Fall nicht geradlinig verlaufen. Anlagestrategisch sprechen in einem anhaltenden Nullzinsumfeld weiter die Dividendenrenditen und Ertragsaussichten für Aktienanlagen.

Trotz einer möglicherweise hohen Marktvolatilität in den kommenden Monaten, sollte man sich als Anleger zunehmend auf eine weitgehende Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität in den kommenden 12-24 Monaten einstellen. Zu berücksichtigen gilt auch, dass sich die relevanten Stellen, wie Regierungen, Gesundheitssysteme, Einzelpersonen und Unternehmen seit Monaten viel dazu gelernt haben, mit der Situation umzugehen. Daher sollte eine Anlagestrategie defensiv gestaltet sein. Gleichzeitig ergeben sich aber besonders bei Aktien auch Chancen für mittelfristig und langfristig agierende Anleger. In der aktuellen Phase sind Unternehmen zu bevorzugen, die sich bisher in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewährt haben, eine solide Bilanz aufweisen.

Weiterhin sorgen dennoch Dividendenwerte für gute Erträge und der regionale Fokus im Aktienbereich bleibt weiter auf Europa und den USA gerichtet. Als interessantes langfristiges Thema zur Depotbeimischung kann der Fokus auf eine „Alternde Gesellschaft“ gelegt werden und über unterschiedliche Anlagemöglichkeiten abgebildet werden. Auch globale Immobilienaktienfonds können zur Depotdiversifikation beitragen, denn stabile Dividendenzahlungen durch regelmäßige Mieterträge und die Partizipation an aussichtsreichen Langfristtrends zeichnen diesen Anlagebereich aus. Da die Renditen für Staatsanleihen in Europas Kernländern bei kurzen bis mittelfristigen Laufzeiten oft negativ sind, bleibt das Umfeld für Anleihen-Investoren weiter eine Herausforderung. Auch nach dem die Kreditaufschläge in der letzten Zeit zurückgegangen sind, bleiben die Unternehmensanleihen weiterhin die bessere Ertragsperspektive als die Staatsanleihen. In diesem Umfeld sollten Unternehmensanleihen aus dem gesamten Euroraum weiter den Vorzug bekommen.

Anlagemärkte Entwicklung

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

Die Informationen sind unverbindlich und stellen weder eine Anlageempfehlung oder sonstige Beratung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch. Eine Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Anlegers. Die dargestellten Informationen, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten sowie das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
  • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
  • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London
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Quelle: Bereich "E-Commerce-Boom" von MainFirst Affiliated Fund Managers (Deutschland) GmbH

Donnerstag, 25. Februar 2021

Geldanlagen im 4. Quartal 2020 - Ein starker Abschluss eines turbulenten Börsenjahres

 So schwierig das vergangene Jahr mit der Corona-Pandemie und all seinen Folgen auch war, so versöhnlich ist es zum Jahresende an den Aktienmärkten zu gegangen. Denn egal ob US-Wahl, Brexit-Chaos oder zweite Corona-Welle: Für Anleger endete 2020 mit einer Börsenrallye. Und auch die Zukunft sieht verheißungsvoll aus. Dazu passt der Ausspruch des neuen US-Präsidenten Joseph "Joe" Biden Jr.: "We can choose a path of becoming angrier. Less hopeful. Or we can choose a different path and together, take this chance to heal. To reform. To unite."; zu deutsch "Wir können einen Weg wählen, der uns wütender. Weniger hoffnungsvoll. Oder wir können einen anderen Weg wählen und gemeinsam diese Chance zur Heilung nutzen. Um zu reformieren. Um uns zu vereinen." Dem ist nichts hinzu zu fügen.

US-Wahl bringt neuen Präsidenten – und vielleicht auch Trendwende?
Zu Beginn des letzten Quartals 2020 trat das Dauerthema Corona kurzfristig in den Hintergrund. Zunächst ging die US-Präsidentschaftswahl zwischen Donald Trump und Joe Biden - von Medienvertretern zur Schicksalswahl erklärt - in die heiße Phase und war auf den ersten Blick knapper als zuvor erwartet. Nach Tagen der Unsicherheit und Wochen vergeblich angestrengter Klagen des Trump-Teams steht inzwischen fest: Joe Biden wird 46. Präsident der Vereinigten Staaten. Zugleich sorgt die Machtkonstellation im Senat dafür, dass Biden vieles nicht wird umsetzen können. Bei Anlegern und Unternehmen sorgte dieses Ergebnis kurzfristig für Euphorie, da hiermit Konjunkturprogramme bei fortgesetzt niedrigen Steuern wahrscheinlich bleiben. Langfristig hoffen insbesondere die US-Handelspartner auf ein engeres und verlässlicheres Verhältnis, von dem alle Seiten profitieren sollten.

Corona: Zwischen Angst vor zweiter Welle und Hoffnung auf Impfstoffe
Die vielleicht wichtigste Nachricht kam im vergangenen Quartal aber nicht aus Washington, sondern aus Mainz. Mit der Bekanntgabe der Fortschritte bei der Impfstoff-Entwicklung löste das dort ansässige Unternehmen Biontech eine Kurserholung an den globalen Aktienmärkten aus und machte das Krisenende erstmals greifbar. Die positiven Nachrichten fielen in eine kritische Phase, in der die zweite Corona-Welle Europa und die USA mit voller Wucht getroffen hatte. Gegenmaßnahmen wie strikte Lockdowns, die Wirtschaft und das öffentliche Leben ausbremsten, konnten aber auch die verschiedenen Impfstoff-Hoffnungen nicht verhindern. Die Regierungen weltweit stehen nun vor der schwierigen Aufgabe, möglichst viele Menschen möglichst schnell mit Impfstoffen zu versorgen, um ein gewisses Maß an Normalität wiederherzustellen. Die Börsen scheinen diese Entwicklung bereits vorweggenommen zu haben und die Kurssteigerungen zeigen den offensichtlichen Optimismus. Auch wenn 2021 in vielen Ländern mit einem Lockdown beginnt, stehen die Zeichen wieder auf Wachstum. So rechnen die Volkswirte der DZ Bank mit einer starken Erholung der Industrienationen (siehe nachfolgende Grafik).

Wachstum BIP 2020

Notenbanken und Regierungen stemmen sich weiter gegen die Krise
Wichtiger Faktor für die gute Stimmung der Marktteilnehmer ist auch die schnelle und konsequente Reaktion von Politik und Zentralbanken. Niedrigzinsen, Rettungspakete, Konjunkturprogramme, Steuersenkungen und Maßnahmen wie die Kurzarbeit verhinderten verheerende Arbeitslosenzahlen und Firmenpleiten. Die Institutionen scheinen also aus der Finanzkrise gelernt zu haben und hatten die richtigen Maßnahmen in der Schublade. Die Stützungsmaßnahmen sorgen aber gleichzeitig für eine global steigende Staatsverschuldung, die auch die Niedrigzinspolitik auf unabsehbare Zeit zementiert. Dies bedeutet weiterhin kein gutes Umfeld für Anleihen. Lediglich risikoreichere Unternehmensanleihen oder Bonds aus Schwellenländern konnten zuletzt ein attraktives Renditepotential bieten. Eine baldige Änderung dieses Trends scheint unwahrscheinlich und so werden die Aktienquoten in vielen Anleger- und Mischfonds-Portfolios weiter steigen.

Pünktlich zu Weihnachten räumten die EU und Großbritannien mit dem drohenden harten Brexit sogar noch das zweite Dauerthema ab. Ob und wie das am 24. Dezember 2020 getroffene Abkommen die Knackpunkte der künftigen Handelsbeziehungen beider Seiten letztlich wirklich klärt, muss sich zwar erst zeigen. An den Märkten, die das Hard-Brexit-Szenario ohne Übereinkunft schon notgedrungen eingepreist hatten, dürfte die Nachricht dennoch für Erleichterung sorgen.

China als Retter der Weltkonjunktur
Ein überraschender Stabilitätsanker im Aktienbereich war 2020 Asien - allen voran China. Nicht zuletzt wegen des Umgangs mit der Corona-Pandemie sowie den überraschend schnell sinkenden Ansteckungszahlen waren asiatische Unternehmen weniger stark von der Krise betroffen und konnten relativ schnell auf den Wachstumspfad zurückkehren. Für China hat hier die robuste Binnennachfrage eine entscheidende Rolle gespielt und wird für den gesamten asiatischen Wirtschaftsraum mit jedem Jahr wichtiger. Hinzu kommt das im November beschlossene Freihandelsabkommen "RCEP", in dem 15 Asien-Pazifik-Staaten zusammenkommen. Dieser größte Handelsblock umfasst nahezu ein Drittel der Weltbevölkerung und 30 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Der Deal beweist: Die Zukunft der internationalen Ordnung wird immer stärker in Asien entschieden.

Rohstoffe: Goldpreis stagniert, Ölpreise im Aufwind
Gold machte Anfang des Jahres noch seinem Ruf als Krisenwährung alle Ehre und profitierte von Krise und Unsicherheit an den Börsen. Vom Allzeithoch im Sommer ging es zuletzt aber eher nach unten und auch im letzten Quartal stagnierten die Preise von Gold und Silber. Optimistischere Anleger sahen die Chancen wieder stärker an den Aktienmärkten und ließen Edelmetalle links liegen. Langfristig sehen Experten aber immer noch Chancen für weitere Rekordhochs. Schuld sind die Niedrigzinsen und die Angst vor einer anziehenden Inflation – grundsätzlich Kurstreiber für Gold und Silber. Ganz anders die Situation beim Öl: Eher ein Indikator für die Weltkonjunktur, konnte der Ölpreis im letzten Quartal um ca. 15 Prozent zulegen. Der Barrel Öl kostete damit wieder um die 50 US-Dollar und damit mehr als doppelt so viel wie im Frühjahr. Die weitere Entwicklung wird aber nicht nur vom Wirtschaftswachstum, sondern auch von den Öl-Fördermengen abhängen. Sollten etwa Saudi-Arabien und Russland die Produktion hochfahren, könnte dies erneut Druck auf die Preise ausüben.

Fazit
Die Corona-Pandemie ist auch zum Start des neuen Jahres noch nicht ausgestanden und wird uns noch über mehrere Monate begleiten. Trotzdem können Anleger optimistisch auf 2021 blicken. Mit dem Impfstoff ist auch die Hoffnung an die Börsen zurückgekehrt. Ein erneuter Zusammenbruch internationaler Lieferketten scheint damit unwahrscheinlich und die Regierungen, Notenbanken und Entscheider haben aus 2020 gelernt. Das heißt nicht, dass Unternehmen es im ersten Halbjahr 2021 leicht haben werden, aber Börsen handeln bekanntermaßen die Zukunft. Niedrigzinsen, Gewinnwachstum, gewaltige  Konjunkturprogramme und eine wieder engere Handelspolitik sind jedenfalls gute  Voraussetzungen für weiteres Wachstum. Grund genug, um mit Zuversicht ins neue Jahr zu gehen.

Quartalsbericht Q4 2020

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Mittwoch, 10. Februar 2021

2021 noch sinnvoll investieren?

 Trotz Pandemie und einem für weite Teile der Wirtschaft schlechtem Jahr 2020, bewegt sich der DAX auf Rekordniveau. Ebenso die Kryptowährungen machen in Form des Iota 2.0 schon früh im Jahr Reden von sich. Doch wo lässt sich derzeit gut investieren und vor allem, wie findet sich der passende Broker?

Möglichkeiten und Alternativen
Das Leben könnte so schön sein, will man meinen. Schließlich sind wir Menschen selbst verantwortlich dafür, wie sich das Miteinander hier entwickelt. Doch gerade seit der Krise, die vor mehr als zwölf Monaten ihren Ursprung nahm, herrscht vielerorts Verzweiflung. Das betrifft nicht nur das Leben mit anderen, sondern ebenfalls den Finanzsektor. Mit dem Erfolg, den die Impfstoffe verbuchen konnten, rücken die guten mittelfristigen Aussichten wieder in den Fokus. Ebenso wirkt sich der Wahlsieg des neuen US-amerikanischen Präsidenten Joe Biden positiv auf die kommende Zeit aus. Bei einem Blick auf die Erträge der klassischen Anlageformen wie Sparbuch, Tagesgeldkonto oder Festgeld sind derzeit jedoch keine Renditen zu erwarten. Schon gar nicht, wenn dem, was aktuell an Zinsen bezahlt wird, die Inflation gegenübergestellt wird.

Möglichkeiten der Geldanlage aktuell genutzt

Was für Alternativen gibt es für 2021 also?
Hier wären erst einmal ebenfalls eher traditionelle Finanzprodukte wie Aktien oder Immobilienfonds zu nennen. Doch ebenso haben sich in der Vergangenheit Exchange Traded Funds (ETF) oder Contracts for Difference (CFD) einer großen Beliebtheit erfreut. Aktuell steht allerdings gerade bei Privatanlegern das Forex-Trading hoch im Kurs. Kein Wunder, will man meinen. Schließlich lässt sich das eingesetzte Kapital in kürzester Zeit mit enormen Gewinnen deutlich vergrößern. Nicht vergessen werden darf dabei freilich, dass je höher das Risiko ist, desto wahrscheinlicher der Verlust. Dennoch ist die Vervielfachung des Kapitals durchaus realistisch. Wer also in diesem Rahmen spekulieren will, was ebenfalls mit kleinen Beträgen möglich ist, braucht den besten Forex Broker. Einen, der preiswert und zu den eigenen Ansprüchen passend zugleich ist.

Selbstverständlich darf dabei das Prinzip der Streuung nicht vergessen werden. Nur so lassen sich hochspekulative Investitionen in der Menge abfedern, indem unterschiedliche Produktklassen mit dem zur Verfügung stehenden Kapital bedient werden. Ebenfalls ist die Laufzeit ein wichtiges Instrument, um das Risiko zu minimieren. Zudem ist es dank einer breiten Streuung möglich, gegen die Inflation einzuwirken.

Eine weitere Option sind derzeit Sachwerte. Doch auch hier gilt, sowie bei sämtlichen anderen Anlageprodukten nicht blindlings auf irgendeine Möglichkeit zu setzen. Vielmehr braucht es eine konkrete Analyse der individuellen Situation und den damit verbundenen Optionen. Denn zum einen ist als Beispiel die Höhe der möglichen Investition ausschlaggebend, aber ebenfalls, wie risikobereit der Anleger selbst ist. Fakt ist, dass es sich in jedem Fall um ein Spekulationsgeschäft handelt. Je flexibler die liquiden Mittel im Einsatz sind und je unabhängiger mit ihnen umgegangen werden kann, desto größer ist die Aussicht auf eine gewinnbringende Rendite. Eine Sicherheit gegenüber einer Geldentwertung ist jedoch niemals gegeben. Verluste gehören insofern ebenso zum Investment wie mögliche Gewinne.

Eine Einschränkung zu dem eingangs genannten Festgeld sollte an dieser Stelle nicht fehlen: Derzeit lässt sich Festgeld zu Zinsen anlegen, die über der jährlichen Inflation liegen. Eine Alternative ist das jedoch nicht. Denn das Geld, das so investiert wird, ist langfristig gebunden. Steigen die Zinsen, könnte es nicht einfach anderweitig angelegt werden. Einzig im Rahmen einer Streuung ergibt das Festgeld also Sinn.

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Mittwoch, 3. Februar 2021

Value-Aktien - Stehen die Substanzwerte vor einer Renaissance?

 Den Anlegern haben in den vergangenen Jahren Value Investments wenig Freude bereitet, denn sie hatten gegenüber Wachstumstiteln eine beträchtlich geringere Entwicklung zu verzeichnen. Dies ist durchaus ungewöhnlich, da Value-Aktien sich zuvor über längere Zeiträume immer klar besser entwickelten als Growth-Aktientitel. Ob das klassisches Value Investing nun vor einer Renaissance steht, soll in diesem Beitrag beleuchtet werden. Doch was ist eigentlich Value und was ist eigentlich Growth? Diese beiden Begriffe werden immer wieder genannt, um gewisse Aktiengattungen voneinander zu unterscheiden. Doch was unterscheidet beide eigentlich voneinander?

Was für ein Comeback der Zykliker spricht - und was nicht
In der Grundidee stellt man sich unter einer Wachstumsaktie beziehungsweise einem Growth-Titel ein Unternehmen vor, das hohe Wachstumsraten aufweist, zumeist im Bereich zukunftsweisender Technologien unterwegs ist und deutlich schneller wächst als die Wirtschaft insgesamt. Valueaktien - oder auf Deutsch - werthaltige Titel sind hingegen solche Unternehmen aus alteingesessenen, etablierten Industrien. Idealerweise wachsen auch sie, aber eben bei Weitem nicht so stark. Dementsprechend unterschiedlich fällt die Bewertung aus. Gemessen an den aktuellen Erträgen und der Kennzahl Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) sind Wachstumsaktien in der Regel teurer als Valueaktien, weil sie die hohen Wachstumsraten der Zukunft im aktuellen Kurs inkludieren. Gerade zuletzt wurden beide Aktienkategorien immer wieder miteinander verglichen, weil in den vergangenen Jahren die in der Historie meist zu teuren Growth-Werte, Value-Titel in der Performance klar hinter sich gelassen haben. Das hatte es zuvor über einen so langen Zeitraum noch nie gegeben.

Value-Prämie nach Eugene Fama und Kenneth French von 1936 bis 2020

Warum der standardisierte Vergleich Value vs. Growth hinkt
Für den schematisierten Vergleich zwischen Growth- und Value-Aktien, der zuletzt immer wieder dargestellt wurde, werden jedoch nicht einmal Bewertungsmaßstäbe wie das KGV herangezogen. Sie basieren ausschließlich auf Basis des Kurs-Buchwert-Verhältnisses (KBV). Kurz gesagt, es werden die Aktien mit einem geringen KBV mit den Aktien verglichen, die ein hohes KBV besitzen. Das KBV drückt aus, was ein Unternehmen Stand heute wert ist, wenn man es liquidieren würde. Hat ein Unternehmen ein KBV von Eins, dann kann man es theoretisch zerschlagen und bis zum letzten Computer allen Besitz des Unternehmens veräußern, mögliche Schulden abbezahlen und dann plus minus Null raus gehen. Liegt das Kurs-Buchwert-Verhältnis unter Eins, dürfte der Erlös aus der Liquidation dann sogar höher sein, als man an der Börse für das Unternehmen bezahlt hat. Verglichen werden oft zehnjährige rollierende Renditen. Es wird also zurückgeschaut, ob es besser gewesen wäre, vor zehn Jahren in Value-Aktien angelegt zu haben oder in Growth-Aktien.

Diese Vergleichsmethode basiert auf dem 3-Faktor Modell der Wirtschaftsprofessoren Kenneth French und Eugene Fama. Letzterer ist vor allem für die Erfindung der Kapitalmarkteffizienztheorie bekannt, die mit den realen Umständen an den Finanzmärkten allerdings wenig gemein hat. Nichtsdestotrotz erhielt er hierfür einen Nobelpreis. Wirtschaftswissenschaftliche Theorien müssen nur in sich und ihrer simulierten Welt schlüssig sein, und nicht der Realität standhalten. Das war schon immer so. Auch für den Vergleich von Value und Growth greift die Methode zu kurz. Den Faktor "Value" allein auf ein geringes Kurs/Buchwert-Verhältnis zu reduzieren, ist falsch. Der Wert eines Unternehmens ist vielmehr als seine heutige Substanz. Viel wichtiger sind die freien Cash-Flows, die es in der Zukunft erwirtschaften wird. Diese sind dann noch abzuzinsen. Hier findet sich dann auch ein durchaus berechtigter Grund für die bessere Performance von Wachstumsaktien in den vergangenen Jahren. Denn je geringer der Zins, desto weniger reduzieren sich die zukünftigen Gewinne durch das Abzinsen.

Natürlich ist es deutlich schwerer zukünftige Erträge zu prognostizieren als den Buchwert eines Unternehmens zu ermitteln. Das übernehmen ja schon die Wirtschaftsprüfer. Insofern sind die Ansprüche an uns Value-Investoren gewachsen. Denn in einer durch disruptive Technologien sich immer schneller wandelnden Welt, kommt dem zukünftigen Ertrag und damit der Widerstandsfähigkeit eines Geschäftsmodels eine immer größere Bedeutung zu.

value stocks - dispersion of great proportiondispersion of great proportion

Welche Faktoren Warren Buffet berücksichtigt
Der berühmteste Value-Investor aller Zeiten, Warren Buffet, gibt hier Orientierung mit den Kriterien, die er aufgestellt hat für eine Value-Aktie. Der Buchwert spielt hierbei keine so wichtige Rolle. Wichtig für ihn sind hohe Gewinnmargen, ein Burggraben als Schutz vor Konkurrenz, ein verantwortungsvolles Management, das das Geld der Aktionäre richtig zu allokieren weiß und dauerhaftes Wachstum. Schon 1992 schrieb Warren Buffett in den Geschäftsbericht seiner Investmentholding Berkshire Hathaway, dass ein Unternehmen mit einem hohen Kurs/Buchwert-Verhältnis, einem hohen Kurs-Gewinn/Verhältnis und einer niedrigen Dividendenrendite ebenfalls eine Value-Aktie sein kann. So kann man sich heute trefflich darüber streiten, ob ein Unternehmen wie Microsoft nicht eine Value-Aktie ist, denn sie erfüllt ja all die oben genannten Kriterien.

Doch kommen wir noch einmal auf den standardisierten Vergleich von Value und Growth zurück: Ist eine starke konjunkturelle Erholung aufgrund des fortschreitenden Impfprozesses absehbar, kann es schon sein, dass die zyklischen Aktien wie Banken oder Automobile, die sich derzeit oft durch ein niedriges KBV auszeichnen, einen Teil ihrer Underperformance aufholen. An der sich fortsetzenden Disruption in fast allen Branchen wird sich jedoch nichts ändern und auch nichts daran, dass nur Unternehmen mit einem zukunftsträchtigen Geschäftsmodell höher bezahlt werden.

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Quelle: Stefan Riße, Acatis

Freitag, 15. Januar 2021

Anlagekommentar Dezember 2020 - Das Marktumfeld bleibt positiv – angesichts weiterer Impfstoffneuigkeiten und trotz zweiter Welle

 Während die zweite Welle der Corona-Pandemie über die Welt schwappt, kann in den USA gemessen an den Neuinfektionen und Todesfällen, bereits von einer dritten Welle gesprochen werden. Da stellt sich die Frage: Wird das Jahr 2021 ein „Back to Normal“, ein Zurück zur Normalität bringen? Dies kann im Kampf gegen das Coronavirus mehr als zu hoffen sein. Die beste Nachricht dazu ist, dass bereits Impfstoffe gefunden wurden, die über das nächste Jahr hinweg ausgeliefert werden können. Bei der Konjunktur ist dagegen mehr Skepsis angebracht, zumindest wenn man unter Normalität das Wachstumsniveau von vor dem Ausbruch der Pandemie versteht.

Denn schon vor Beginn der Pandemie war der Konjunkturpfad brüchig. Vom einem weiteren Verlauf ist mehr ein umgekehrtes Wurzelzeichen, was heißt Erholung, aber keine dauerhafte und sofortige Rückkehr auf das vorherige Niveau als eine V-förmige, schnelle Erholung zu erwarten. Der Konjunkturpfad sollte sich entsprechend in den kommenden Monaten abflachen. Unsicherheiten durch die Corona-Pandemie bleiben - trotz massiver geldpolitischer und fiskalischer Gegenmaßnahmen.

Entwicklung der Anlagemärkte
Die Zulassung des Corona-Impfstoffs von BioNTech in den USA, Großbritannien und der EU, die Zulassung der Vakzine von Moderna in den USA und von AstraZeneca in Großbritannien sorgten für den Aufschwung an den weltweiten Aktienmärkten. Dazu rundeten positive politische Nachrichten das Bild ab. So einigte sich die EU auf einen neuen Haushalt, eine Grundsatzeinigung zwischen China und der EU über ein Investitionsabkommen wurde getroffen und sprichwörtlich in letzter Sekunde kam doch noch ein Brexit-Abkommen zwischen der EU und Großbritannien zustande. Dazu gab es starke Konjunkturdaten aus China und eine gute globale Stimmung im Industriesektor gaben der Aufwärtsbewegung ihr makroökonomisches Fundament.

So markierten in den USA die drei großen Börsenindizes S&P 500 Index mit +3,7 Prozent, dem Dow Jones Industrial Average Index mit +3,3 Prozent und dem NASDAQ 100 Index mit +5,1 Prozent neue Rekordstände. Europas Börsen sind in der Monatsbilanz ebenfalls positiv vertreten, allerdings mit einer breiten Streuung der Ergebnisse. So konnte sich der deutsche DAX Index, der kurz vor Jahresschluss mit 13.790 Punkten ein neues Allzeithoch erreichte, mit einem Plus von 3,2 Prozent aus dem Corona-Jahr verabschieden. Portugals Portuguese Stock Index 20 schoss sogar zweistellig in die Höhe, der Eurostoxx 50 Index kam auf +1,7 Prozent und der britische FTSE 100 Index schaffte +3,1 Prozent. Schwächer waren dagegen die Börsenindizes der großen süd-europäischen Länder. So blieb Spaniens IBEX 35 Index unverändert, Frankreichs CAC 40 Index schaffte 0,6 Prozent Zuwachs und Italiens FTSE MIB Index gewann 0,8 Prozent hinzu. Der japanische NIKKEI 225 Index legte immerhin 3,8 Prozent zu, obwohl der japanische Yen deutlich aufwertete. Dies verhalf auch dem MSCI World (EUR) zu einem Zuwachs von 9,7 Prozent.

DAX Entwicklung

An den Rentenmärkten trieb die Sorge vor steigenden Preisen die langfristigen Zinsen nach oben. So beschleunigte der kräftige Fiskalimpuls die Abwertung des Dollars zum Euro, hob die US-Inflationserwartungen über die Zwei-Prozent-Marke und sorgte für einen Renditeanstieg auf 0,91 Prozent für zehnjährige US-Staatsanleihen. In der Eurozone blieb die Rendite der zehnjährigen Anleihe dagegen unverändert, wofür vor allem die Ausweitung des EZB-Anleihekaufprogramms um 500 Mrd. Euro verantwortlich gewesen sein dürfte. Eine positive Wirkung entfaltete das lang ersehnte Fiskalpaket auch auf die Rohstoffpreise, so dass die Notierungen für Gold, Kupfer und Rohöl kräftig zulegten .

Es ist kein struktureller Anstieg der Inflation zu erkennen
Die ausgewiesenen Inflationsraten sind derzeit aufgrund der Verwerfungen in der Wirtschaft teilweise verzerrt. Die Inflationserwartungen befinden sich nach einem starken Rückgang während der Lockdowns nun wieder etwa auf den Vorkrisenniveaus. Die globalen Rahmenbedingungen stützen weiterhin die These einer mittelfristig moderaten Inflation. Zwar ist die Versorgung mit Notenbankgeld überaus reichlich, dem stehen aber, wie schon in den letzten Jahren, ausreichend globale Produktionskapazitäten und Wettbewerbsdruck gegenüber.

Die Steuersenkungen in den USA hatten zwar eine leicht deflationäre Wirkung, wobei ein nachlassender deflationärer Druck noch keinen säkularen Anstieg der Inflation bedeuten würde. Obwohl dies nicht unserer Annahme entspricht, könnte die während der Pandemie aufgestaute Nachfrage das Produktangebot im laufe des Jahres 2021 vorübergehend übersteigen und zu höheren Preisen führen. Die strukturellen Argumente gegen eine niedrige Inflation sind, dass die Kräfte wie Demografie und Globalisierung, die die Inflation in den letzten Jahrzehnten in Schach gehalten haben nicht länger wirken. Alterung bedeutet ein geringeres Wachstum des Arbeitsangebots. Auch die Globalisierung befindet sich auf dem Rückzug. Diese Trends haben sich allerdings bereits vor fast einem Jahrzehnt gewandelt. Wann sie sich, wenn überhaupt, auf die Inflation auswirken, ist nahezu unmöglich vorherzusagen. Alles in allem spricht damit vieles für ein fortgesetztes Tiefinflationsumfeld.

Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern bieten ein interessantes Potenzial
Durch die Corona-Pandemie wurde auch die Wirtschaft in den Schwellenländern vor große Herausforderungen gestellt. Dennoch sollte deren wirtschaftliche Erholung und damit auch das Aufholpotenzial von Unternehmensanleihen aus diesem Bereich nicht unterschätzt werden. Die Rendite bei hochverzinslichen Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern liegt im Jahresvergleich bei etwas über 2 Prozent (J.P. Morgan Corporate EMBI Broad Diversified High Yield Index). Sie verzeichnen damit zwar ebenfalls eine positive Wertentwicklung, dennoch fällt diese im Vergleich zu anderen Anlageklassen geringer aus. Dabei stehen diese Titel nicht unbedingt schlechter da als die anderer Märkte.

Schwellenländer sind krisenerprobt und flexibel
Es ist zu beobachten, dass Unternehmen aus Schwellenländern im Vergleich zu ihren Pendants in den entwickelten Industrieländern im Umgang mit Rezessionen und politischen Eskalationen relativ erfahren und somit krisenerprobter sind. So handelten viele Unternehmen in Schwellenländern schnell und passten sich mit Kostenprogrammen, Liquiditätsbeschaffung, usw. schnell und gut an die neuen Gegebenheiten an. Beispielsweise erlitt Unigel, ein brasilianischer Petrochemie-Produzent, zwar im zweiten Quartal 2020 einen Einbruch um 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, konnte jedoch den Cash-Bestand durch Priorisierung des Working Capital Managements, unter anderem durch die Schließung von drei Werken sowie dem Wechsel von lokalen auf internationale Lieferanten aufgrund besserer Zahlungsbedingungen aufrechterhalten. Entsprechend senkten die Analysten von J.P. Morgen bereits die Schätzungen der Ausfallraten im hochverzinslichen Segment für das Jahr 2020 von anfangs 4,8 Prozent auf 3,5 Prozent. Für das US-amerikanische Gegenstück wird in diesem Jahr hingegen von den Analysten  J.P. Morgens mit einer Ausfallrate von 6,5 Prozent gerechnet. Zudem wurden aufgrund der mangelnden Aufmerksamkeit der Investoren und fehlender Liquidität auch Unternehmen preislich abgestraft, die fundamental sehr gut aufgestellt und nur wenig von der Corona-Pandemie betroffen waren.

Positive Wirtschaftsentwicklung erwartet
Während die Ökonomen für das Jahr 2020 eine globale Kontraktion des wirtschaftlichen Wachstums von 4-5 Prozent erwarten, liegt die Einschätzung für Schwellenländer mit 3 Prozent darunter. Für das Jahr 2021 wird sogar mit einer deutlichen Erholung in Höhe von ca. 6 Prozent gerechnet. Bereits jetzt befinden sich die Exportvolumen aus Schwellenländern wieder auf einem ähnlichen Niveaus wie vor der Corona-Pandemie. Auch die Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten trägt zu einer positiven Einschätzung bei. Nicht nur Edelmetalle, sondern auch viele Basismetalle (Kupfer, Eisenerz usw.) und Agrarprodukte (Sojabohnen, Protein) befinden aktuell auf einem Mehrjahreshoch.

Für viele Schwellenländer sind Rohstoffexporte weiterhin wichtige Wachstumstreiber. So setzten sich zum Beispiel 2019 zwei Drittel aller Exporte Brasiliens aus Rohstoffen zusammen. Die positive Preisdynamik wird sich hier durch die gesamte Wertschöpfungskette bemerkbar machen und das GDP-Wachstum dürfte positiv überraschen. Auch der Ölmarkt dürfte sich 2021 weiter erholen. Bei den aktuellen Ölpreisen von knapp über 40 USD pro Barrel bleibt das Angebot immer noch relativ limitiert, da es sich für viele Fracking-Unternehmen in den USA nicht lohnt, die Produktion in dieser Preislage wieder hochzufahren. In der Folge sank die Anzahl der aktiven US-Bohranlagen gemäß Baker Hughes von 680 im März 2020 auf aktuell ca. 200.

Ein Blick auf die aktuellen Anlagestrategien
Im Herbst 2020 war einiges an Skepsis vorherrschend, ob die von den Distanzierungsregeln stark betroffenen Marktbereiche, insbesondere Reisen und Freizeit, in absehbarer Zeit wieder an den Geschäftsverlauf vor der Corona-Pandemie anknüpfen können. Dies änderte sich im November 2020, da aufgrund der überraschend guten Wirksamkeit von Impfstoffen eine weitgehend Covid-19-freie Wirtschaft absehbar wurde. Obwohl dieses Szenario in den Kursen von Aktien und Unternehmensanleihen mittlerweile zu einem guten Teil eingepreist ist, dürfte auf dem Weg in Richtung wirtschaftlicher Normalität noch Kurspotenzial bestehen. Vor diesem Hintergrund spielen die derzeit in Europa und teilweise auch in den USA verschärften Distanzierungsregeln für die Kapitalmärkte lediglich eine untergeordnete Rolle.

Die Wirtschafts- und Börsentrends werden auf jeden Fall nicht geradlinig verlaufen. Anlagestrategisch sprechen in einem anhaltenden Nullzinsumfeld die Dividendenrenditen und Ertragsaussichten für Aktienanlagen. Die US-Wahlen haben, mit einem vermutlich gespaltenen Kongress, das von den Marktteilnehmern bevorzugte Szenario hervorgebracht. Welche Partei im Senat die Mehrheit hat, wird allerdings erst mit einer Stichwahl im Bundesstaat Georgia am 5. Januar 2021 entschieden. Allerdings kommt der neue Präsident Joe Biden bei der Wirtschaft bisher gut an. Auch die Auswahl der neuen Finanzministerin, der ehemaligen Fed-Chefin Janett Yellen ist an den Kapitalmärkten positiv aufgenommen worden.

Trotz einer möglicherweise hohen Marktvolatilität in den kommenden Monaten, sollte man sich als Anleger zunehmend auf eine weitgehende Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität in den kommenden 12-24 Monaten einstellen. Zu berücksichtigen gilt auch, dass sich die relevanten Stellen, wie Regierungen, Gesundheitssysteme, Einzelpersonen und Unternehmen seit Monaten viel dazu gelernt haben, mit der Situation umzugehen. Daher sollte eine Anlagestrategie defensiv gestaltet sein. Gleichzeitig ergeben sich aber besonders bei Aktien auch Chancen für mittelfristig und langfristig agierende Anleger. In der aktuellen Phase sind Unternehmen zu bevorzugen, die sich bisher in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewährt haben, eine solide Bilanz aufweisen. Stärkere Rückschläge können als Möglichkeit zum Aufbau von neuen Positionen erachten werden, wenn diese in eine längerfristige Anlagestrategie passen.

Weiterhin sorgen dennoch Dividendenwerte für gute Erträge und der regionale Fokus im Aktienbereich bleibt weiter auf Europa und den USA gerichtet. Als interessantes langfristiges Thema zur Depotbeimischung kann der Fokus auf eine „Alternde Gesellschaft“ gelegt werden und über unterschiedliche Anlagemöglichkeiten abgebildet werden. Auch globale Immobilienaktienfonds können zur Depotdiversifikation beitragen, denn stabile Dividendenzahlungen durch regelmäßige Mieterträge und die Partizipation an aussichtsreichen Langfristtrends zeichnen diesen Anlagebereich aus. Da die Renditen für Staatsanleihen in Europas Kernländern bei kurzen bis mittelfristigen Laufzeiten oft negativ sind, bleibt das Umfeld für Anleihen-Investoren weiter eine Herausforderung. Auch nach dem die Kreditaufschläge in der letzten Zeit zurückgegangen sind, bleiben die Unternehmensanleihen weiterhin die bessere Ertragsperspektive als die Staatsanleihen. In diesem Umfeld sollten Unternehmensanleihen aus dem gesamten Euroraum weiter den Vorzug bekommen.

Anlagemärkte Entwicklung

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

Die Informationen sind unverbindlich und stellen weder eine Anlageempfehlung oder sonstige Beratung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch. Eine Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Anlegers. Die dargestellten Informationen, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten sowie das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
  • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
  • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London
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Donnerstag, 7. Januar 2021

Anlagekommentar November 2020 - Erfolge bei den Impfstoffen rückten die guten mittelfristigen Aussichten in den Fokus

 Die bedeutsamen Fortschritte bei den Corona-Impfstoffen, der Wahlsieg von Joe Biden bei der US-Präsidentenwahl, dass mögliche Patt-Ergebnis bei den US-Kongresswahlen, sowie der neue Handelsvertrag zwischen 15 asiatisch-pazifischen Ländern und starke chinesische Konjunkturdaten lösten eine kräftige Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten aus. Die Börsen haben vor allem bei der  Erholung zuvor zurück gebliebener Wirtschaftsbereiche profitiert. Damit hat auch die seit längerem im Raum stehende Aufhol-Rallye von "Value-Aktien", wie beispielsweise Finanz- und Energiewerte eingesetzt. Mittelfristig wird das globale Wirtschaftswachstum jedoch verhalten bleiben, womit Wachstumswerte aus strukturellen Gründen sich vergleichsweise gut entwickeln dürften. In der Folge der für das Jahr 2021 erwarteten weiteren wirtschaftlichen Normalisierung, dürfte sich die Growth-Value-Schere etwas schließen.

Entwicklung der Anlagemärkte
Auch wenn die kurzfristige Coronavirus-Situation immer bedrohlicher wirkt, so rücken die Erfolge an der Impffront eher die guten mittelfristigen Aussichten in den Fokus. So zeigten sich die zyklischen Aktienmärkte besonders stark: Der deutsche DAX Index stieg um 15 Prozent, der britische FTSE 100 Index um +12,3 Prozent und der bankenlastige Eurostoxx 50 Index gewann sogar 18,1 Prozent. Japans NIKKEI 225 Index legte 15 Prozent zu und schloss erstmals seit dreißig Jahren über der Marke von 25.000 Punkten. In den USA erreichten sowohl der S&P 500 Index mit +10,8 Prozent als auch der NASDAQ 100 Index mit +11 Prozent neue Allzeithochs. Aus diesen positiven Vorgaben konnte sich auch der MSCI World Index (EUR) um +9,7 Prozent nach oben entwickeln. Die Börsen haben die zweite COVID-19 Welle damit bereits scheinbar abgehandelt und sie richtet nicht das gleiche Börsendesaster an, wie im März 2020. Und da die Börsen stets in die Zukunft blicken, haben diese ihren Blick bereits auf das Jahr 2021 ausgerichtet. Und das sieht aus heutiger Sicht gar nicht so schlecht aus. Allerdings werden die Nachwirkungen der Corona-Pandemie bis weit in das Jahr 2021 ein Thema bleiben. Im Zuge des Pandemieverlaufes haben sich an den Aktienmärkten einige sektorale Umschichtungen ergeben. Wie immer in solchen Situationen gibt es Gewinner und Verlierer und vor allem sind es neue Investment-Themen, die in den Fokus gerückt sind.

DAX Entwicklung

An den Rentenmärkten gab es keine großen Veränderungen zum Vormonat. Dagegen gab es bei den Wechselkursen mehr Dynamik als in den vergangenen Monaten. So mussten Anleger aus der Eurozone, die in den US-Märkten investiert waren, einen Abschlag von fast zweieinhalb Prozent auf der Währungsseite hinnehmen. Die zunehmende Risikobereitschaft und der abnehmende Zinsvorteil der US-Staatsanleihen sorgten für eine kräftige Abwertung der US-Devisenkurse gegenüber den Währungen aller wichtigen US-Handelspartner. Bei den Rohstoffen kam es zu einem gespaltenen Bild. Beim Rohöl kam es zu einer fulminanten Rally - während der Goldpreis abstürzt. Das Gold neigt derzeit deutlich zur Schwäche und die Marke von 2.000 USD ist wohl derzeit kein Thema mehr. Dagegen konnte Kupfer eine deutliche Kurserholung verzeichnen und hinterlässt derzeit einen sehr guten charttechnischen Eindruck. Dies untermauert auch die Annahme, dass sich die globale Wirtschaft grundsätzlich auf einem anhaltenden Erholungskurs befindet. Insgesamt präsentieren sich die Rohstoffmärkte derzeit in einer sehr guten Verfassung.

KI (Künstliche Intelligenz) gilt als Schlüsseltechnologie der Zukunft
Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und dass Wachstumspotenzial ist enorm. So rechnen Marktforschungsunternehmen wie Tractica mit einer Verzehnfachung der Umsätze bis zum Jahr 2025. Durch immer schnellere Rechenleistungen und besserer Datenqualität durch das Internet der Dinge und 5G ist das Fundament des KI-Zeitalters gelegt. Von Maschinen, die der menschlichen Intelligenz das Wasser reichen können, sind wir allerdings noch weit entfernt. Aber: KI-Anwendungen können heute schon spezielle Probleme anhand vorliegender Daten lösen. Anders als bei regelbasierten Systemen geben Programmierer KI-basierten Prozessen nicht vor, wie diese auf die Anwenderschritte reagieren sollen. Sie definieren stattdessen Algorithmen, die selbstständig lernen, Muster zu finden und Entscheidungen zu treffen. Ein KI-System verfügt weder über Intuition, noch Verstand und muss daher anhand vieler Beispiele über enorme große Datenmengen angelernt werden. Das nennt man auch maschinelles Lernen. KI ist den regelbasierten Systemen insofern überlegen, da es auf neue Situationen reagieren und aus Erfahrungen lernen kann.

Nutzungsbereiche Künstliche Intelligenz (KI)

Vom Cloudgeschäft bis zum autonomes Fahren - US-Tech-Unternehmen sind vorn mit dabei
Den Markt für Hochleistungsprozessoren teilen sich die beiden US-Chipentwickler AMD und NVIDIA. Die US-Holding Alphabet besitzt mit dem KI-Chip TPU2 auch einen Hochleistungsprozessor, der zusammen mit dem US-Halbleiterunternehmen Broadcom entwickelt wurde und stark in der Weiterentwicklung von KI engagiert ist. Zudem ist der Alphabet-Ableger Waymo neben Tesla und dem chinesischen Internetunternehmen Baidu führend in der Entwicklung des autonomen Fahrens. Und: Alphabet ist besonders weit in der KI-basierten Spracherkennung und dem Einsatz von KI im Cloudgeschäft. Den Werkstoff, also die Massen an benötigten Daten, liefern u.a. die sozialen Medien, Suchmaschinen und der Online-Handel. Aber auch chinesische Tech-Unternehmen mischen in dem KI-Markt kräftig mit. Dabei war der FinTech-Bereich mit reinen Online-Bezahlsysteme nur der Anfang. Der Online-Bezahldienst PayPal nutzt KI, um Betrugsversuche im Zahlungssystem aufzudecken, und andere Banken und Finanzdienstleister bewerten so Kreditausfallsrisiken. So will beispielsweise das chinesische Tech-Unternehmen Tencent vor allem in seiner Finanzdienstleistungssparte wachsen und ist neben Alibaba bereits heute führend in der Zahlungsabwicklung.

Auch in der Gesundheits- und Pharmabranche dürfte KI enorme Fortschritte möglich machen. Die Entwicklung neuer Medikamente wird immer aufwändiger: Die Entwicklungskosten verdoppeln sich etwa alle 5 Jahre, und 90 Prozent aller Neuentwicklungen werden gar nicht erst zugelassen. Hier könnte ein entsprechendes KI-System in kürzester Zeit eine Vorauswahl treffen, etwa indem es Millionen von Molekülen auf ihre spezifische Eignung als Medikament gegen eine bestimmte Erkrankung hin analysiert. Schon heute sind KI-Systeme wie IBMs Watson in der medizinischen Diagnostik im Einsatz. Es erkennt und klassifiziert beispielsweise Krebszellen. Watson soll auch etablierte Diagnosearten optimieren und die medizinische Grundlagenforschung wie Genetik und Zellentwicklung beschleunigen. KI bringt auch die Genomforschung rasant voran und hat vor allem das Next-Generation-Sequencing, ein Hochdurchsatzverfahren zur Entschlüsselung der DNA, vorwärts katapultiert. Vor nicht einmal 20 Jahren hat die vollständige Sequenzierung des ersten menschlichen Genoms drei Milliarden Euro verschlungen und 13 Jahre gedauert. Heute entschlüsselt man Genome innerhalb von Tagen.

KI wird auch das autonome Fahren möglich machen. Eine Vielzahl von Kameras sowie Lidar- und Radarsensoren erfassen die Daten der Umgebung, und ein Hochleistungsprozessor im Auto verarbeitet sie in Echtzeit. Damit ist autonomes Fahren auf der Autobahn oder im Stau heute schon möglich, ebenso wie das automatische Einparken. Zwar ist man wahrscheinlich noch Jahrzehnte entfernt vom echten autonomen Fahren, jedoch sind die Grundlagen gelegt. Verkehrsflüsse könnten durch das Zusammenwirken von vernetzten Fahrzeugen, Verkehrsbeobachtungssystemen und der Kommunikation von Navigationssystemen untereinander deutlich optimiert werden. Eine Vielzahl von Unternehmen aus der Old- und New-Economy arbeiten dafür aktuell zusammen: Automobilhersteller wie Daimler, BMW und Tesla, Zulieferer wie Continental und Bosch, Halbleiterhersteller wie NVIDIA und Intel und Technologieriesen wie Alphabet und Apple. Dem Ziel eines autonom fahrenden PKWs sind aktuell Alphabet mit Waymo, Baidu und Tesla wohl am nächsten. Bei den Hochleistungsprozessoren scheinen sich die Systeme NVIDIA und Intel durchzusetzen.

Ein Blick auf die aktuellen Anlagestrategien
Die US-Wahlen haben, mit einem vermutlich gespaltenen Kongress, das von den Marktteilnehmern bevorzugte Szenario hervorgebracht. Welche Partei im Senat die Mehrheit hat, wird allerdings erst mit einer Stichwahl im Bundesstaat Georgia am 5. Januar 2021 entschieden. Viel wichtiger waren im November allerdings die Phase-3 Resultate zu mehreren Impfstoff-Herstellern, welche eine, in einem Ausmaß kaum zu erwartende hohe Wirksamkeit gezeigt haben. Eine Wirksamkeit von über 90 Prozent macht einen entscheidenden Unterschied, ob Covid-19 nur bis zu einem gewissen Maß eingedämmt oder aus dem Alltagleben weitgehend eliminiert werden kann.

Vor diesem Hintergrund sind die derzeit in Europa und teilweise auch in den USA verschärften Distanzierungsregeln und Teil-Lockdowns für die Kapitalmärkte nur noch am Rande von Bedeutung, da sich die Aussichten auf eine weitgehende Normalisierung des Wirtschaftsgeschehens deutlich verbessert haben. Geradlinig werden die Wirtschafts- und Börsentrends jedoch nicht verlaufen. Die Konjunkturdaten liegen zwar meist über den Erwartungen, es setzt sich aber vermehrt die an sich bekannte Einsicht durch, dass sich die nach wie vor schwachen Branchen, wie Reisen, Gastgewerbe und Events erst erholen, wenn Impfstoffe breit verfügbar werden, was noch einige Monate nicht der Fall sein wird.

Trotz einer möglicherweise hohen Marktvolatilität in den kommenden Monaten, sollte man sich als Anleger zunehmend auf eine weitgehende Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität in den kommenden 12-24 Monaten einstellen. Zu berücksichtigen gilt auch, dass sich die relevanten Stellen, wie Regierungen, Gesundheitssysteme, Einzelpersonen und Unternehmen seit Monaten viel dazu gelernt haben, mit der Situation umzugehen. Daher sollte eine Anlagestrategie defensiv gestaltet sein. Gleichzeitig ergeben sich aber besonders bei Aktien auch Chancen für mittelfristig und langfristig agierende Anleger. In der aktuellen Phase sind Unternehmen zu bevorzugen, die sich bisher in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewährt haben, eine solide Bilanz aufweisen. Stärkere Rückschläge können als Möglichkeit zum Aufbau von neuen Positionen erachten werden, wenn diese in eine längerfristige Anlagestrategie passen.

Weiterhin sorgen dennoch Dividendenwerte für gute Erträge und der regionale Fokus im Aktienbereich bleibt weiter auf Europa und den USA gerichtet. Als interessantes langfristiges Thema zur Depotbeimischung kann der Fokus auf eine „Alternde Gesellschaft“ gelegt werden und über unterschiedliche Anlagemöglichkeiten abgebildet werden. Auch globale Immobilienaktienfonds können zur Depotdiversifikation beitragen, denn stabile Dividendenzahlungen durch regelmäßige Mieterträge und die Partizipation an aussichtsreichen Langfristtrends zeichnen diesen Anlagebereich aus. Da die Renditen für Staatsanleihen in Europas Kernländern bei kurzen bis mittelfristigen Laufzeiten oft negativ sind, bleibt das Umfeld für Anleihen-Investoren weiter eine Herausforderung. Auch nach dem die Kreditaufschläge in der letzten Zeit zurückgegangen sind, bleiben die Unternehmensanleihen weiterhin die bessere Ertragsperspektive als die Staatsanleihen. In diesem Umfeld sollten Unternehmensanleihen aus dem gesamten Euroraum weiter den Vorzug bekommen.

Anlagemärkte Entwicklung

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

Die Informationen sind unverbindlich und stellen weder eine Anlageempfehlung oder sonstige Beratung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch. Eine Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Anlegers. Die dargestellten Informationen, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten sowie das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
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Montag, 4. Januar 2021

US-Wahl-Ausgang: Bidenomics voraus - Sehen die Märkte blau?

 Das amerikanische Volk hat mit einer beeindruckenden Wahlbeteiligung einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament gewählt. Die derzeitigen Rückzugsgefechte des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump dürften die Märkte allerdings noch einige Zeit in Atem halten. Von den Plänen seines Nachfolgers Joe Biden werden sich langfristig die Börsen aber kaum beirren lassen. Zumal der Demokrat für seine Politik erst Mehrheiten finden muss.

Oops, he did it again?
Nicht wirklich, aber zumindest ist es Donald Trump gelungen, die Demoskopen nach 2016 erneut Lügen zu strafen, indem er „schockierend stark“ (DIE ZEIT) aus dem Rennen um die US-Präsidentschaftswahl hervorgegangen ist. Entgegen den Prognosen deutete lange alles auf eine Pattsituation hin, die noch Gerichte beschäftigen und Stimmennachzählungen bedeuten könnte. Damit war exakt das eingetreten, was die Märkte am meisten fürchten: Unsicherheit. Und der S&P 500? Drehte ins Plus.

Stellt sich die Frage: Was war da los?
Die Antwort: Die Märkte waren mit dieser Wette auf die Zukunft ihrer Zeit mal wieder ein gutes Stück voraus. Während Trump noch seinen Sieg verkündete, hatten sie bereits erkannt, dass Joe Biden genug Wahlmänner für den Einzug ins Weiße Haus zusammenbekommen, seine Demokratische Partei aber nicht die Kontrolle über den Senat würde übernehmen können. Dieses Divided-Government-Szenario aus einem Präsidenten, der schnell eine Stimulus Bill für die notleidende Wirtschaft verabschieden will, und einem Senat, der die Pläne Joe Bidens für höhere Steuern einengen dürfte, gilt unter Beobachtern als sogenannter Sweet Spot für die Märkte, als wirksamste Konstellation, um eben diese Steuererhöhungen zu verhindern und das nächste Hilfspaket auf den Weg zu bringen.

Vorläufige Anzahl der gewonnenen Wahlmänner und Wahlfrauen in der US-Wahl 2020

Daran zeigt sich, wie pragmatisch die Märkte auf politische Veränderungen reagieren. Die beispiellose Machtfülle der US-Präsidenten könnte zwar vermuten lassen, ein Wechsel an der Spitze der größten Volkswirtschaft der Erde sei maßgeblich für ihre langfristige Entwicklung. Der Wahlkampf hat sein Übriges getan, diesen Eindruck noch zu verstärken. Immer wieder hat die Kampagne Donald Trumps vor dem „Sozialisten“ Joe Biden gewarnt, der die USA durch höhere Steuern, wachsende Staatsausgaben und schärfere Regulierung in den Abgrund führen werde. Für nicht wenige Republikaner an der Wall Street steht der Demokrat denn auch unverändert für eine feindliche Übernahme durch die radikale Linke.

Wie überzeichnet dieses Bild ist, zeigt jedoch schon der Blick des linken Flügels der Demokratischen Partei auf den 77-Jährigen: Ihm wiederum gilt Joe Biden als schwache Figur, deren ohnehin wenig ambitionierten Pläne von einem widerspenstigen Kongress und konservativen Richtern vereitelt werden dürften. Tatsächlich hat Joe Biden unter anderem angekündigt, den Unternehmenssteuersatz von aktuell 21% wieder auf 28% anheben und die Wirtschaft stärker regulieren zu wollen. Gelänge ihm das, könnten die Gewinne je Aktie im S&P 500 laut Schätzungen der Investmentbank Goldman Sachs kommendes Jahr um rund 20 US-Dollar sinken. Wohl-gemerkt: könnten.

Denn die Erfahrung lehrt etwas anderes
„Die Partei an der Macht hat nur wenig Einfluss auf die Wirtschaft und Gewinner und Verlierer einer Erholung“, sagte der New Yorker Analyst Christopher Marangi zur Nachrichtenagentur Reuters. Philipp Vorndran nennt im Gespräch mit Netfonds-Vorstand Peer Reichelt das Kind beim Namen: „Den Märkten ist eigentlich egal, wer US-Präsident wird“, so der Kapitalmarktstratege von Flossbach von Storch. Neu ist diese Erkenntnis nicht, im Gegenteil, gehört doch die Börsenweisheit, wonach politische Börsen kurze Beine haben, zu den ältesten überhaupt.

„Die vergangenen Jahrzehnte haben den Anlegern zur Genüge Anschauungsmaterial gegeben, dass es grundsätzlich ratsam ist, als Investor politische Risiken deutlich tiefer zu hängen, als die Schlagzeilen vermuten lassen“, stellte Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege von J.P. Morgan Asset Management schon 2018 fest. Selbst wenn Tilmann Galler damals Griechenland, Nordkorea, die Ukraine oder Syrien im Sinn hatte, gilt seine Beobachtung auch für mit Unsicherheit behaftete US-Präsidentschaftswahlen: „Trotz dieser Krisen haben die Aktienmärkte nach einer jeweils kurzen Phase der Verunsicherung ihre Aufwärtsbewegung fortgesetzt“. Bleibt die Frage, wie kurz diese Phasen beziehungsweise die Beine letztlich ausfallen. Wie konkret der S&P 500 sich im Umfeld vergangener US-Wahlen verhalten hat, zeigt der folgende Chart von GAM Investment Management.

Wie wirken US-Wahlen auf die amerikaniche Börse

Demzufolge hat sich der Index meist kurz geschüttelt, um seinen Kurs bald unbeirrt fortzusetzen. Selbst die Hängepartie zwischen George W. Bush und Al Gore im Jahr 2000 konnte ihn nicht nachhaltig verunsichern, allein zur Finanzkrise 2008 fiel der Verlauf aus dem Rahmen. Und 2020 ist nicht 2008: Heute werden die Kurse stetig angeschoben von einer enormen Menge Liquidität, unentwegt in den Markt gepumpt von der Federal Reserve System (Fed).

Viel wichtiger als jedes Parteiprogramm ist angesichts der epochalen Krise, die das Land durch Covid-19 meistern muss, ohnehin der Kampf gegen die Seuche. Der weitere Verlauf an den Märkten wird stark davon abhängen, wie schnell der neue Präsident die nächste Stimulus Bill verabschieden und zugleich wirksame Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus durchsetzen kann. Und selbst, wenn die Pandemie einmal eingegrenzt ist, dürfte es der Biden-Administration schwerfallen, Steuererhöhungen umzusetzen, die das zarte Pflänzchen Wachstum womöglich komplett abwürgen.

Trotz angekündigter Änderungen sorgen Wechselwirkungen auch positiv auf bestehende Wirtschaftszweige
Wie wenig herkömmliche Kategorien aktuell greifen, offenbart das Beispiel der Ölindustrie. Seit Biden in Aussicht gestellt hat, die Klimapolitik im Rahmen eines Green New Deal auf erneuerbare Energien auszurichten, gilt sie als logischer Verlierer des Machtwechsels. Von einer weiteren staatlichen Geldspritze für die US-Wirtschaft dürfte jedoch gerade sie durch die allgemeine Konjunkturbelebung mit am stärksten profitieren. Selbst die Waffenindustrie, wegen der Rufe der Demokraten nach schärferen Waffengesetzen ebenfalls erbitterter Gegner des Biden-Lagers, verdient: Jeder Vorstoß für eine Verschärfung treibt die Waffenverkäufe zuverlässig in die Höhe, weil sich viele vor dem möglichen Aus noch einmal eindecken wollen.

Da es für Biden schwer wird, die Unternehmenssteuern heraufzusetzen und von Donald Trump deregulierte Bereiche wieder strengeren Regeln zu unterwerfen, dürften vor allem Technologie- und Finanzbranche sowie das Gesundheitswesen erleichtert reagieren. Auch sonst spricht Bidens Sieg weniger für gesamtwirtschaftliche Auswirkungen, als vielmehr für eine Sektorrotation. Seine Pläne für einen Green New Deal, also Investitionen in saubere Energien und grüne Infrastruktur, würden Investitionsströme weg von fossilen Brennstoffen, hin zu erneuerbaren Energieträgern lenken. Ein höheres Haushaltsdefizit könnte die Anleiherenditen steigen lassen, maßgeblich sollte hier allerdings weiterhin die Federal Reserve System (Fed) bleiben.

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