Sonntag, 15. November 2020

Anlagekommentar September 2020 - Die Fed passt ihre Strategie an und die Aktienmärkte vollziehen die längst fällig gewesene Marktkorrektur

 Die Fed hat Ende August das Resultat der Überarbeitung ihrer geldpolitischen Strategie bekanntgegeben. Demnach wird künftig auf eine präventive geldpolitische Straffung bei einem angespannten Arbeitsmarkt verzichtet, solange die Inflation nicht steigt. Zudem wird das 2 Prozent-Inflationsziel als Mittelwert interpretiert, um die langfristigen Inflationserwartungen am Markt im Rahmen des 2 Prozent-Ziels zu verankern. Somit stehen die Änderungen im Einklang mit dem Umfeld der letzten Jahre, in denen trotz einer rekordtiefen Arbeitslosenrate kaum ein Inflationsdruck zu merken war. Zusammengefasst dürfte deshalb die Neuausrichtung der Fed dazu führen, dass die Fed-Zinsen noch für einige Jahre auf den aktuell sehr niedrigen Niveaus verbleiben werden.

Entwicklung der Anlagemärkte
Die Börsen haben also im September die längst fällig gewesene Marktkorrektur abgeliefert. Da der September statistisch gesehen zu den schwächsten Börsenmonaten des Jahres zählt, war dies auch so zu erwarten gewesen. Dabei haben vor allem die hoch gehandelten Technologieaktien kräftig korrigiert, während zyklische Werte besser bestehen konnten. So lag der Technologieindex NASDAQ 100 Index zeitweise über 10 Prozent unter seinem zum Monatsanfang markierten Allzeithoch und beendete den September schließlich mit einem Minus von 5,7 Prozent. Aufgrund der hohen Gewichtung von Technologiewerten im US-Aktienindizes S&P 500 Index verlor dieser auch 3,9 Prozent. Die europäischen und asiatischen Pendants konnten sich etwas besser behaupten, so dass der Eurostoxx 50 Index nur um 2,4, der deutsche DAX Index um 1,4 Prozent, der britische FTSE 100 Index um 1,6 Prozent nachgaben und der NIKKEI 225 Index sogar im leichten Plus mit 0,2 Prozent landete. Der weltweite MSCI World (EUR) schloss dementsprechend auch mit einem Minus von 2,4 Prozent.

DAX Entwicklung

Zum Monatsende konnten jedoch die fortschreitende Erholung Chinas, die anhaltende Verbesserung der Unternehmens- und Konsumentenstimmung und hervorragende Zahlen vom US-Immobilienmarkt die Abwärtsbewegung aufhalten. An den Rentenmärkten gab es dagegen ein spiegelbildliches Bild, wobei die zehnjährige deutsche Staatsanleihen um 0,13 Prozent deutlich niedriger bei -0,52 Prozent rentierte. Bei den langlaufenden US-Staatsanleihen sank dagegen die Rendite kaum merklich um drei Basispunkte. Die US-Notenbank Federal Reserve System (Fed) änderte zwar wie erwartet ihre Inflationsstrategie, wodurch die Geldhüter nun ein durchschnittliches Inflationsziel von zwei Prozent im Blick haben, was mehr Flexibilität bei kurzfristigen Abweichungen bietet. Die Mehrheit der Fed-Mitglieder geht mittlerweile davon aus, dass es bis Ende 2023 zu keiner Leitzinserhöhung kommt. Allerdings reagierten jedoch die Marktteilnehmer enttäuscht darauf, dass der Präsident Jerome Powell trotz der Warnungen vor einer schwächeren Wirtschaftserholung und der erneuten Aufforderung an die Politik, dass die Wirtschaft fiskalisch unterstützt werden muss, keine Aufstockung der Anleihekäufe anvisierte. Dagegen gab es bei der Europäische Zentralbank (EZB) keine geldpolitischen Änderungen. Allerdings betonte das EZB-Mitglied Philip Lane, dass für die Notenbank der Euro-Wechselkurs durchaus wichtig sei.

Was könnten die US Präsidentschaftswahlen für die Aktienmärkte bringen
Es gibt dabei die drei möglichen Grundszenarien lauten:

  1. Donald Trump wird wiedergewählt
  2. Joe Biden gewinnt klar
  3. Donald Trump wird die Wahl anfechten und führt endlose Verfahren vor Gericht

Dann wäre im letzten Fall die aktuelle Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi die Interimspräsidentin, bis alle Verfahren abgeschlossen sind. Dies ist in der US Verfassung so vorgegeben, denn sie ist nach dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten die nächste Instanz in der Nachfolgereihung für den US-Präsidenten. Wenn es dazu kommen würde, wäre dies ein durchaus interessantes Szenario für die amerikanische Politik. Grundsätzlich muss man feststellen, dass sich Wahlanfechtungen für die Stimmung an den Finanzmärkten nicht günstig auswirken, weil sie naturgemäß eine Menge Unsicherheit mit sich bringen.

Ein Wahlsieg von Donald Trump gilt als günstig für die Börsen. Im Falle eines Wahlsieges von Joe Biden wird beispielsweise nach Ansicht von Goldman Sachs eine kurzfristige negative Marktreaktion zu erwartet. Dennoch werden auch in diesem Fall keine mittelfristigen oder langfristigen negativen Folgen auf die Kursentwicklung an den Finanzmärkten befürchtet. Auch die von Joe Biden oftmals als negativ beurteilte geplante Einkommensteuererhöhung würde ohne dies erst ab einem Jahreseinkommen von USD 400.000 wirken und somit die für den Konsum so bedeutende Mittelschicht nicht betreffen.

Notenbaken Bilanzsummen 7/2014 bis 7/2020

Die heiße Phase des Wahlkampfes hat begonnen…
Dass Donald Trump eine sehr enthusiastische Fangemeinde besitzt, ist wohl jedem mittlerweile hinlänglich bekannt. So hält er auch weiterhin zahlreiche Wahlkampfveranstaltungen vor Ort ab und lässt sich dabei gebührend feiern. Ob das in der Corona-Pandemie so durchgehalten werden kann, muss abgewartet werden. Joe Biden ist da wesentlich zurückhaltender, was Donald Trump in diesem Punkt durchaus Vorteile bringt. In der weiteren Wahlauseinandersetzung könnte auch das Thema „Fracking“ ein wichtiger Punkt werden. Denn diese umwelttechnisch fragwürdige Art der Rohölgewinnung hat vor allem in den Bundesstaaten Pennsylvania und New Mexico eine große Bedeutung und Joe Biden aktuell noch keine klare Position bezogen hat, ob er Fracking gesetzlich verbieten würde oder nicht. Dies ist deshalb besonders wichtig, weil die Fracking Industrie in der Zwischenzeit für einen erheblichen Teil der Arbeitsplätze in diesen beiden Bundesstaaten sorgt. Dagegen hat Donald Trump in Anbetracht der Unruhen der letzten Monate immer wieder betont, dass er für die öffentliche Sicherheit die beste Wahl wäre. Nunmehr hat er seine Strategie verändert und behauptet nun, dass er der Beste wäre, um die wirtschaftliche Erholungsphase in den USA anzuführen.

In diesem Zusammenhang ist es allerdings eine interessante Tatsache, dass gerade in den wichtigen „Swing States“ Joe Biden mit dem einsammeln von Spenden für den Wahlkampf sehr erfolgreich ist. Donald Trump muss dagegen derzeit mit einem rückläufigen Spendenaufkommen kämpfen. Allerdings kann auch Donald Trump Pluspunkte aufbieten, beispielsweise mit der Tatsache, dass er nunmehr durchsetzen konnte, dass in den USA wieder Football gespielt werden kann. Das ist für den amerikanischen Nationalsport und somit für weite Teile der Bevölkerung eine ganz wichtige Sache. Auch das derzeit sehr aktuelle Thema der Nachbesetzung der durch das Ableben der von Ruth Bader Ginsburg vakant gewordenen Richterstelle im US-Höchstgericht spielt Donald Trump in die Karten. Dies vor allem deshalb, da dem US-Höchstgericht im Falle einer Anfechtung der US-Wahlen eine entscheidende Rolle zukommen wird. Donald Trump will deshalb die Nachbesetzung durch seine Kandidatin Amy Coney Barrett unbedingt noch vor dem Wahlurnengang durchziehen.

Zusammenfassend kann man deshalb feststellen, dass in der Summe der oben geschilderten Faktoren Donald Trump derzeit wohl einen gewissen Vorteil im Präsidentschaftsrennen hat. Dagegen führt in den Meinungsumfragen derzeit Joe Biden, was allerdings bei der letzten Präsidentenwahl bei Hillary Clinton auch so war und Donald Trump dennoch gewonnen hat.

Was ist nun für die Börsen das beste Wahlergebnis?
Unabhängig der Person ist das beste Wahlergebnis für die Börsen ein klarer Wahlsieger. Dann können sich die Wertpapiermärkte wieder völlig ihren Themen widmen, nämlich der Entwicklung der Volkswirtschaft und der Unternehmensgewinne. Daher würde eine endlose gerichtliche Auseinandersetzung einer positiven Kursentwicklung für den Rest des Jahres sicherlich abträglich sein, denn traditionell ist das letzte Quartal eines Jahres das stärkste.

Ein Blick auf die aktuellen Anlagestrategien
Hauptsächlich die Kurse von Aktien und etwas weniger ausgeprägt jene von Unternehmensanleihen haben sich in den letzten Monaten als Folge von zusehends weniger negativen fundamentalen Entwicklungen und reduzierten Unsicherheiten deutlich erholt. Deshalb haben sich viele Aktienbörsen von den zuvor erlittenen Einbrüchen mittlerweile fast gänzlich erholt. Allerdings bleibt die Corona-Pandemie das weiterhin bestimmende Thema an den Finanzmärkten. Die unlängst gestiegenen Spannungen zwischen den USA und China dürften wohl hauptsächlich den anstehenden US-Wahlen geschuldet sein und die Wirtschaftsentwicklung kaum beeinflussen. Angesichts der Tatsache, dass die Wirtschaft auch mittelfristig aus strukturellen Gründen nur verhalten wachsen wird und die Corona-Pandemie noch nicht überwunden ist, sollte man unverändert einen klaren Fokus auf Qualitätsanlagen legen. Da die Zinssätze und Anleiherenditen in den wichtigsten Volkswirtschaften über einen längeren Zeitraum nahe ihrer Rekordtiefs bleiben dürften, gewinnen Aktien von Unternehmen mit einer soliden Dividendenhistorie weiter an Attraktivität.

Trotz einer möglicherweise hohen Marktvolatilität in den kommenden Monaten, sollte man sich als Anleger zunehmend auf eine weitgehende Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität in den kommenden 12-24 Monaten einstellen. Zu berücksichtigen gilt auch, dass sich die relevanten Stellen, wie Regierungen, Gesundheitssysteme, Einzelpersonen und Unternehmen seit Monaten viel dazu gelernt haben, mit der Situation umzugehen. Daher sollte eine Anlagestrategie defensiv gestaltet sein. Gleichzeitig ergeben sich aber besonders bei Aktien auch Chancen für mittelfristig und langfristig agierende Anleger. In der aktuellen Phase sind Unternehmen zu bevorzugen, die sich bisher in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewährt haben, eine solide Bilanz aufweisen.

Weiterhin sorgen dennoch Dividendenwerte für gute Erträge und der regionale Fokus im Aktienbereich bleibt weiter auf Europa und den USA gerichtet. Als interessantes langfristiges Thema zur Depotbeimischung kann der Fokus auf eine „Alternde Gesellschaft“ gelegt werden und über unterschiedliche Anlagemöglichkeiten abgebildet werden. Auch globale Immobilienaktienfonds können zur Depotdiversifikation beitragen, denn stabile Dividendenzahlungen durch regelmäßige Mieterträge und die Partizipation an aussichtsreichen Langfristtrends zeichnen diesen Anlagebereich aus. Da die Renditen für Staatsanleihen in Europas Kernländern bei kurzen bis mittelfristigen Laufzeiten oft negativ sind, bleibt das Umfeld für Anleihen-Investoren weiter eine Herausforderung. Auch nach dem die Kreditaufschläge in der letzten Zeit zurückgegangen sind, bleiben die Unternehmensanleihen weiterhin die bessere Ertragsperspektive als die Staatsanleihen. In diesem Umfeld sollten Unternehmensanleihen aus dem gesamten Euroraum weiter den Vorzug bekommen.

Anlagemärkte Entwicklung

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

Die Informationen sind unverbindlich und stellen weder eine Anlageempfehlung oder sonstige Beratung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch. Eine Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Anlegers. Die dargestellten Informationen, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten sowie das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

      • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
      • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
      • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
      • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London
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Montag, 2. November 2020

Rohstoffe - Was uns vorangegangene Krisen lehren können

 Im Zuge von COVID-19 haben Rohstoffe teilweise heftig gelitten. Mit dafür verantwortlich war auch die Organisation erdölexportierender Länder (kurz OPEC), die trotz des Nachfrageeinbruchs aufgrund der globalen Lockdown-Maßnahmen das Rohölangebot wegen interner Streitigkeiten massiv ausweitete. So entstand eine „perfekte Krise“, die wie eine Lawine über den Rohstoffmarkt rollte und – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen – zu einem deutlichen Rückgang der Notierungen führte.

Ein Blick zurück kann helfen sich für die Zukunft richtig zu positionieren
Um Rückschlüsse für die künftige Wertentwicklung am Rohstoffmarkt zu ziehen, würde man normalerweise die aktuelle Angebots- und Nachfragesituation beleuchten. Aufgrund der hohen Unsicherheit bezüglich einer möglichen zweiten Corona-Welle, die das fundamentale Gefüge abermals gehörig durcheinander wirbeln würde, soll es in diesem Beitrag jedoch für den Rohstoffmarkt 2020 mit dem französischen Universaltalent André Malraux gehalten werden und eine andere Betrachtungsweise gewählt werden, denn „Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern“.

aus Elektroschrott wieder Rohstoffen gewinnen

In den vergangenen 25 Jahren gab es bis COVID-19 vier ausgeprägte Bärenmärkte bei den Rohstoffen, definiert durch einen Rückgang um mindestens 20 Prozent – in den meisten Fällen sanken die Börsenkurse sogar noch deutlich stärker. Im Einzelnen waren das die asiatische Finanzkrise beziehungsweise die Zahlungsunfähigkeit Russlands in den späten 1990er Jahren, die Zeit nach dem Platzen der Blase am sogenannten Neuen Markt, die Finanzmarktkrise mit dem Tief im März 2009 sowie Chinas Börsenkapriolen 2014/2015.

Ab dem Tiefpunkt einer Krise legte der breit diversifizierte Bloomberg Commodity Index (BCOM) in drei Fällen in den darauffolgenden 260 Börsentagen um rund 30 Prozent zu. Nur in den Jahren 2015/2016 fiel die Erholung in diesem Zeitraum mit 22 Prozent weniger kräftig aus. Der jetzige positive Trend am Rohstoffmarkt befindet sich noch in einem frühen Stadium und hat bei weitem noch nicht das Mindestmaß früherer Erholungen erreicht. Der bisherige Wertzuwachs von 7,5 Prozent (per 16.06.2020) ist somit lediglich ein erstes Etappenziel auf dem Weg nach Norden. Schließlich sind seit dem Tief am 18. März 2020 gerade erst drei Monate vergangen und die handelnden Akteure an den Kapitalmärkten werden in den verbleibenden knapp 200 Börsentagen noch genug Gelegenheit haben, sich entsprechend zu positionieren.

Rohstoffe haben einen direkten Puls zur Wirtschaft
Auf Sektorenebene zeigte der BCOM Energy Subindex, der die Rohstoffe aus dem Energiebereich umfasst, in der Vergangenheit stets die schnellste Reaktion. Dieses immer wiederkehrende „First In – First Out“-Verhalten ist absolut nachvollziehbar, da Energierohstoffe, wie beispielsweise das amerikanische Rohöl West Texas Intermediate (WTI), einen direkten Bezug zum Puls der Wirtschaft haben. Veränderungen der wirtschaftlichen Aktivitäten zum Positiven wie Negativen wirken sich darum unmittelbar auf die Nachfrage nach Rohöl aus. Mit einem Plus von gerade einmal zehn Prozent stecken Energieträger derzeit quasi noch in den Kinderschuhen. Auch wenn man den Tiefpunkt beim Rohöl Ende April 2020 zugrunde legt, ist noch reichlich Platz nach oben.

Mit etwas Verzögerung und ungleich gemächlicher reagiert üblicherweise der BCOM Industrial Metals Subindex in den Erholungsphasen. Grund für eine weniger schnelle Reaktionsfreudigkeit bei der Preisentwicklung ist die Verwendung der Basismetalle, die eine weniger elastische Nachfrage aufweisen. Seit dem 18. März 2020 hat der BCOM Industrial Metals Subindex bislang rund ein Drittel der durchschnittlichen Erholung absolviert. Entgegen der landläufigen Meinung sind es die Edelmetalle, gemessen am BCOM Precious Metals Subindex, welche in den ersten Tagen nach Beendigung eines Bärenmarktes bei den Rohstoffen am wenigsten zulegen können. Betrachtet man die vergangenen Krisen, verzeichnete dieser Sektor nach 260 Tagen einen durchschnittlichen Zuwachs von 13 Prozent.

Anhängern der Edelmetalle sei jedoch versichert, dass diese in der Vergangenheit im Zeitabschnitt 261 bis 560 Tage den Rückstand zu Basismetallen und Energieträgern aufholten und sich dann an die Spitze setzten. Für die kommenden Tage und Wochen ist an dieser Stelle allerdings ein wenig Vorsicht geboten, da der BCOM seit dem Tief mit einem Plus von 21 Prozent bereits überdurchschnittlich zugelegt hat.

Selbstverständlich kann man zur Bewertung des Rohstoffmarktes auch auf die am Markt vorhandenen Rohstoff-Analysen zurückgreifen, um aufgrund der fundamentalen Datenlage zu einer Einschätzung zu kommen. Die Intention war es, mit diesem Beitrag über den Tellerrand hinauszublicken und einen alternativen Blick auf die Anlageklasse Rohstoffe zu werfen.

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Dienstag, 20. Oktober 2020

Wie die Künstliche Intelligenz (KI) unsere Ökonomie verändert, wie man sie kommerzialisiert und investierbar macht

 Die Künstliche Intelligenz wird als die Schlüsseltechnologie der Zukunft bewertet. Deshalb ist es naheliegend, dass man sich für den langfristigen Vermögensaufbau auch mit diesem Thema als Investitionsziel auseinander setzen sollte. Eine Investition in die vielversprechende Technologie bietet sich insbesondere mit Fondslösungen aus den Bereichen Digitalisierung, Robotik und Sicherheitstechnik an, da der Bezug zu KI bei Unternehmen aus diesen Segmenten am höchsten ist. Hintergrundinformationen zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) und welche Möglichkeiten sich für Anleger bieten, sind nachfolgend zusammengestellt.

Was ist Künstliche Intelligenz (KI)
Einer der derzeit in der Finanzwelt und den Medien am häufigsten verwendeten Begriffe ist die "Künstliche Intelligenz (KI)" beziehungsweise die englischsprachige Entsprechung "Artificial Intelligence (AI)". Es ist geradezu ein Hype um diese innovative Technologie entstanden, wobei sich Begeisterung und Weltuntergangs-Prophezeiungen die Waage halten. Warum ist die mediale Aufmerksamkeit so stark gestiegen? Und wie kann man als Anleger von Investitionen in KI profitieren?

vom Mainframe bis IoT - Internet der Dinge

Die KI holt schnell gegenüber menschlichen Fähigkeiten auf: Nachdem Computer bzw. KI den Menschen bereits vor einigen Jahren spektakulär im Schach und Go geschlagen haben, übertreffen die neuesten KI-Systeme den Menschen nun auch in der Sprach- bzw. Objekterkennung. (Quelle: Artificial Intelligence Index, Electronic Frontier Foundation, KI progress metrics). Der Siegeszug der Künstlichen Intelligenz steht aber vor allem in engem Zusammenhang mit der breiteren Digitalisierung unserer Wirtschaft und unserer Konsumwelt. Elektronische Geräte erzeugen gigantische Datenmengen, und dieses Wachstum der Datengenerierung beschleunigt sich noch. Die Menge der erzeugten Daten pro Jahr wächst exponentiell und könnte bis 2025 sage und schreibe 163 ZB (Zettabytes, wobei 1 ZB = 1 Billion Gigabyte sind) erreichen, gegenüber 12 ZB im Jahr 2015 (Quelle: IDC). Beispielsweise wird ein autonomes Fahrzeug alleine täglich rund 4.000 GB Daten produzieren. (Quelle: BofA ML, Data Capital).

Der Markt für Künstliche Intelligenz (KI) befindet sich erst am Anfang
Überraschend ist, dass die meisten dieser generierten Daten noch nicht strukturiert oder von Unternehmen analysiert und genutzt werden. Im Jahr 2015 waren lediglich 9 Prozent der generierten Daten strukturiert, bis 2025 soll der Wert auf rund ein Drittel ansteigen. Wirtschaftlich betrachtet kann es jedoch sehr sinnvoll sein, diese Daten zu strukturieren, da sie relevante Informationen über Verbraucherpräferenzen, Konsummuster, Gesundheitszustand einer bestimmten Bevölkerung, Möglichkeiten zur Optimierung von Produktionsprozessen usw. enthalten. Um aus dieser enormen Masse von Daten "Big Data" die relevanten Informationen zu extrahieren, bedarf es daher einer neuen Generation leistungsfähiger intelligenter Anwendungen.

Die Künstliche Intelligenz (KI) wird dabei den Weg zur Strukturierung und Analyse dieses riesigen Datensatzes weisen. Bald wird KI gewisse Tätigkeiten, die normalerweise menschliche Intelligenz erfordern, durch Computer ersetzen und damit in viel kürzerer Zeit viel mehr erreichen können. Unterstützt wird dieser Trend durch Investitionen digitaler Unternehmen, die heute Maschinen-Lernsysteme "Machine Learning" als eine wichtige Quelle für zukünftiges Wachstum sehen. Der KI-Markt ist schon jetzt groß. Aber gemäß Prognosen dürfte er noch sehr viel größer werden. Schätzungen zufolge wird er von etwa 9 Mrd. USD im Jahr 2018 auf jährlich etwa 120 Mrd. USD im Jahr 2025 wachsen. Derzeit spielen die USA und China eine führende Rolle, wobei der Großteil der Investitionen aus den Bereichen Hightech, Telekommunikation und Finanzdienstleistungen dieser Länder stammt.

Nutzungsbereiche Künstliche Intelligenz (KI)

Als Anleger sollte man die Bereiche Hardware und Software rund um die Künstliche Intelligenz (KI) im Blick haben
Technologieriesen wie Alphabet oder Baidu gaben 2016 zwischen 20 und 30 Milliarden Dollar für KI aus, davon 90 Prozent für Forschung und 10 Prozent für KI-Akquisitionen (Quelle: McKinsey, AI, The next digital frontier). Für die Weltwirtschaft könnte das ein zusätzliches Wachstum von Billionen von US-Dollar bedeuten, sowohl durch eine erhöhte Produktivität als auch durch einen Anstieg des Konsums, wenn die Verbraucher wieder mehr Geld für neue oder verbesserte Waren und Dienstleistungen ausgeben. Nach Ansicht des Beratungsunternehmens PwC (Sizing the Price, Juli 2017) könnte künstliche Intelligenz bis 2030 bis zu 15,7 Billionen US-Dollar zur Weltwirtschaft beisteuern, was einem Anteil von 14 Prozent des globalen BIP entspricht. Die Branchen, die bis 2030 am meisten von den Konsumauswirkungen profitieren sollten sind u.a. Gesundheitswesen (Pandemieerkennung, bildgebende Diagnostik), Automobile (autonomes Fahren) und Finanzdienstleistungen (Betrugserkennung, Kreditanträge, Backoffice-Prozessautomatisierung). Für Anleger gibt es zwei große Wirtschaftsbereiche, um an dem erwarteten langfristigen Wachstum der führenden Unternehmen mit signifikantem KI- Bezug zu profitieren: Hardware und Software.

Im Bereich Hardware sind Halbleiterproduzenten und -zulieferer ein aussichtsreicher Markt. Deep Learning, also das tiefgehende Lernen, erfordert in der Regel eine hohe Rechenleistung. Daraus ergibt sich eine Nachfrage nach leistungsfähigen Grafikprozessoren (GPUs), die Parallelverarbeitung unterstützen und den Computern so die Analyse und Nutzung großer Datenmengen möglichst schnell und kostengünstig ermöglichen.
Fahrerlose Autos müssen zum Beispiel noch viel lernen: sowohl in Bezug auf ihr direktes Umfeld als auch darüber, wie sie auf verschiedene Situationen reagieren sollen. Um dem besser gerecht zu werden, steigerte Tesla dank neuer GPUs kürzlich die Rechenleistung seiner Autopilot-Systeme um das 40-fache(!). Basierend auf unseren Gesprächen mit Schlüsselakteuren in der Halbleiterbranche könnten unseres Erachtens insgesamt rund 25 Prozent der gesamten Halbleiternachfrage bis zum Jahr 2020 auf KI zurückgehen, verglichen mit 10 bis 15 Prozent heute.

Im Softwarebereich schreitet die KI-gesteuerte Transformation wohl noch schneller voran. KI dringt in nahezu alle Bereiche vor: Über die nächsten Jahre wird jede App, jede Softwareanwendung und jede Dienstleistung mehr oder weniger stark ausgeprägte KI-Komponenten beinhalten. Das Analysehaus Gartner erwartet, dass bis 2021 40 Prozent aller neuen Unternehmenssoftware-Anwendungen die von Dienstleistern implementiert werden, KI-Technologien einsetzen. Wir glauben, dass digitale Software-Unternehmen am meisten von der KI-Ära profitieren werden, da sie sowohl wiederkehrende Einnahmen aus Abonnements als auch aus neuen Produkten erzielen können. Halbleiter-Unternehmen werden dagegen vor allem Nutznießer eines Zyklus mit einmaligen Anschaffungen sein. Unternehmen wie Alphabet, Facebook, Baidu, Salesforce.com oder Medidata Solutions haben in ihren jeweiligen Tätigkeitsfeldern Zugang zu umfangreichen Konsumenten- und Unternehmensdaten und können ihren Kunden auf der Grundlage von KI Mehrwertdienstleistungen anbieten.

Investition in viel KI-Technologie
Für den Anleger bedeutet dies, dass er in diese viel versprechenden Technologien investieren kann, dies aber "indirekt" über führende Software- und Hardwarehersteller erfolgen muss. Es gibt aktuell noch keine "reinen KI-Unternehmen", die man an der Börse erwerben könnte. Dabei sollte man als Anleger jedoch auch stets beachten, dass sich der technologische Wandel immer schneller vollzieht und heute führende Unternehmen ohne kluge Investitionen und Innovationen morgen schon durch neue, innovativere Firmen mit neuen, besseren Lösungen und Dienstleistungen vom Markt verdrängt werden könnten. Aus Rendite- Risiko-Überlegungen eignen sich daher insbesondere Fondslösungen aus den Bereichen Digitalisierung, Robotik und Sicherheitstechnik, da der Bezug zu KI bei Unternehmen aus diesen Segmenten zumeist am höchsten ist.

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Donnerstag, 15. Oktober 2020

Anlagekommentar August 2020 – Gold, Silber und Industriemetalle auf Höhenflug

 In unsicheren Zeiten schneidet Gold oft überdurchschnittlich gut ab, auch wenn positive Renditen in einer Krise natürlich nicht gesichert sind. Die derzeitigen hauptsächlichen Käufer von Gold sind Finanzinvestoren, wobei ETFs (Exchange Traded Funds) und ETCs (Exchange Traded Commodities) in den letzten Monaten sehr starke Zuflüsse verzeichnen konnten. Die Korrelation zwischen dem Goldpreis und den ETF-Goldbeständen ist tatsächlich sehr hoch. Während Goldminen-Unternehmen in den letzten Jahren im Durchschnitt wenig in neue Reserven investiert haben, dürften aufgrund der aktuell hohen Goldpreise mit soliden Cashflows die Investitionstätigkeit fördern. Gold bietet sich als guter Diversifikator in größeren Portfolios an und kann sich stabilisierend bei einem hohem Aktienanteil auswirken.

Entwicklung der Anlagemärkte
Die meisten wichtigen Aktienmärkte blieben im Aufwärtsmodus. Der S&P 500 Index stieg um 7,0 Prozent, die Technologie-Indizes NASDAQ 100 Index legte um 11,1 Prozent zu und der NASDAQ Composite Index markierte sogar neue Allzeithochs. Auch an den europäischen Märkten ging es aufwärts . So konnte der DAX Index um 5,1 zulegen der Eurostoxx 50 Index schaffte 3,1 Prozent Zuwachs und der britische FTSE100 immerhin noch 1,1 Prozent. Auch in Asien schien wieder die Sonne, was beim NIKKEI 225 Index mit einem Zuwachs von 6,6 Prozent und beim SSE Composite Index mit 2,7 Prozent zu Buche schlagen konnte. Auch der weltweite MSCI World (EUR) konnte sich um 5,3 Prozent steigern.

DAX Entwicklung

Dagegen konnten an den Anleihemärkten die Kursgewinne dominieren. Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe sank um 0,07 Prozent, die entsprechende Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe in den USA fiel um 0,13 Prozent. Bei den Unternehmensanleihen kam es durch die fortlaufende Einengung der Kreditaufschläge zu zusätzliche Kursavancen. Die anhaltende Dollarschwäche sorgte bei Gold für eine große Nachfrage. Mit einem Plus von fast 11 Prozent stieg der Preis für die Feinunze Gold auf 1.975 US-Dollar auf ein neues Allzeithoch. Noch stärker ging es mit Silber aufwärts. Der Silberpreis sprang um fast 34 Prozent nach oben. Im Zuge der positiven chinesischen Konjunkturdaten befreiten sich die Industriemetallpreise aus ihrer Lethargie und verzeichneten ebenfalls deutliche Preisaufschläge.

China: Für aktive Anleger bieten sich viele Chancen
Trotz Corona-Pandemie und Handelsstreit befindet sich China auf einem guten Weg, um bis zum Jahr 2030 zur größten Volkswirtschaft der Welt aufzusteigen. Dies wird die Situation an den Finanzmärkten im kommenden Jahrzehnt grundlegend verändern. China erholt sich von der Coronavirus-Pandemie schneller als andere Volkswirtschaften. Davon werden auch die chinesischen Nachbarländer profitieren, denn es gibt starke Verflechtungen zwischen den asiatischen Ländern. Deshalb ist es jetzt an der Zeit, um sich für die daraus entstehenden Chancen in Stellung zu bringen.

Die bisher vom Export getragene chinesische Wirtschaft konzentriert sich inzwischen zunehmend auf Technologiesektoren mit höherer Wertschöpfung. Zudem entwickelt sich die wachsende Mittelschicht zum Wachstumsmotor durch den Binnenmarktkonsum. Auch wenn Investitionen in China durchaus Risiken bergen und nicht unumstritten sind, ist das Land fundamental betrachtet aus drei Gründen eine sehr attraktive Anlageregion:

    1. China hat seine Märkte für ausländische Investitionen geöffnet
    2. China bietet den Anlegern attraktive Wachstumsbeispiele
    3. China verfolgt eine Strategie, um bis 2030 zur größten Volkswirtschaft der Welt zu werden

Die Wirtschaft in China verändert sich. Das Land, welches einst als „Werkbank der Welt“ galt, konzentriert sich inzwischen stärker auf Güter und Dienstleistungen mit höherer Wertschöpfung. Durch die Initiative „Made in China 2025“ wurde die inländische Produktion in den Bereichen wie Biotechnologie, Automobilindustrie und Halbleiter gesteigert, wodurch die Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern verringert wurde. Man denke nur an Bann von Donald Trump gegen den Technologiekonzern Huawei und der Auflage, dass Google bei neuen Produkten nicht mehr mit Huawei zusammenarbeiten darf. Das chinesische Unternehmen hat sich genau darauf vorbereitet und das „Huawei OS“ in der Hinterhand. So wird das außenpolitische Motto "America first" von Donald Trump eher zum Bumerang für amerikanische Unternehmen. Dieses Beispiel zeigt, wie flexibel und dynamisch chinesische Unternehmen mittlerweile sind.

BIP Wachstum China

Andere Sektoren mit hoher Wertschöpfung, u.a. der Tourismus, haben derweil von umfassenden Veränderungen in der chinesischen Gesellschaft profitiert. Eine neue Mittelschicht entsteht. Sie hat das Wachstum des Landes vor Ausbruch der Coronakrise getragen und sollte auch zur Wiederbelebung der Konjunktur nach dem Virusausbruch beitragen und Chinas Wandel von einem exportabhängigen zu einem stärker vom inländischen Konsum gestützten Wirtschaftsmodell vorantreiben. China hat sein Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den vergangenen 12 Jahren bis zum Jahr 2020 verdoppelt und die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate lag dabei bei 7 Prozent. Bereits vor der Corona-Pandemie schien eine Verlangsamung dieses Wachstums unvermeidlich, zumal im Land seit der globalen Finanzkrise rasch Schulden angehäuft wurden und die Regierung das weitere Kreditwachstum ohnehin begrenzen wollte. Durch das Coronavirus wurde diese Herausforderungen noch verschärft. So ging im April 2020 das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum ersten Mal seit über 40 Jahren um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück.

Vor dem Hintergrund des anhaltend angespannten Verhältnisses zu den USA hat China zudem zum ersten Mal seit 30 Jahren kein Wachstumsziel für das Jahr 2020 festgelegt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat zwar seine Wachstumsprognose für China deutlich auf 1,2 Prozent im Jahr 2020 heruntergefahren, allerdings dürften die meisten anderen großen Volkswirtschaften wegen der Corona-Pandemie stärker schrumpfen. So wird z.B. für die USA eine Kontraktion um 5,9 Prozent erwartet. Sieht man einmal vom Coronavirus und dessen wirtschaftlichen Auswirkungen ab, so befinden wir uns noch in einer relativ frühen Phase in der langfristigen Entwicklung der chinesischen Kapitalmärkte.

Ein Blick auf die aktuellen Anlagestrategien
Hauptsächlich die Kurse von Aktien und etwas weniger ausgeprägt jene von Unternehmensanleihen haben sich in den letzten Monaten als Folge von zusehends weniger negativen fundamentalen Entwicklungen und reduzierten Unsicherheiten deutlich erholt. Deshalb haben sich viele Aktienbörsen von den zuvor erlittenen Einbrüchen mittlerweile fast gänzlich erholt. Allerdings bleibt die Corona-Pandemie das weiterhin bestimmende Thema an den Finanzmärkten. Die unlängst gestiegenen Spannungen zwischen den USA und China dürften dürften wohl hauptsächlich den anstehenden US-Wahlen geschuldet sein und die Wirtschaftsentwicklung kaum beeinflussen. Angesichts der Tatsache, dass die Wirtschaft auch mittelfristig aus strukturellen Gründen nur verhalten wachsen wird und die Corona-Pandemie noch nicht überwunden ist, sollte man unverändert einen klaren Fokus auf Qualitätsanlagen legen. Da die Zinssätze und Anleiherenditen in den wichtigsten Volkswirtschaften über einen längeren Zeitraum nahe ihrer Rekordtiefs bleiben dürften, gewinnen Aktien von Unternehmen mit einer soliden Dividendenhistorie weiter an Attraktivität.

Trotz einer möglicherweise hohen Marktvolatilität in den kommenden Monaten, sollte man sich als Anleger zunehmend auf eine weitgehende Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität in den kommenden 12-24 Monaten einstellen. Zu berücksichtigen gilt auch, dass sich die relevanten Stellen, wie Regierungen, Gesundheitssysteme, Einzelpersonen und Unternehmen seit Monaten viel dazu gelernt haben, mit der Situation umzugehen. Daher sollte eine Anlagestrategie defensiv gestaltet sein. Gleichzeitig ergeben sich aber besonders bei Aktien auch Chancen für mittelfristig und langfristig agierende Anleger. In der aktuellen Phase sind Unternehmen zu bevorzugen, die sich bisher in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewährt haben, eine solide Bilanz aufweisen.

Weiterhin sorgen dennoch Dividendenwerte für gute Erträge und der regionale Fokus im Aktienbereich bleibt weiter auf Europa und den USA gerichtet. Als interessantes langfristiges Thema zur Depotbeimischung kann der Fokus auf eine „Alternde Gesellschaft“ gelegt werden und über unterschiedliche Anlagemöglichkeiten abgebildet werden. Auch globale Immobilienaktienfonds können zur Depotdiversifikation beitragen, denn stabile Dividendenzahlungen durch regelmäßige Mieterträge und die Partizipation an aussichtsreichen Langfristtrends zeichnen diesen Anlagebereich aus. Da die Renditen für Staatsanleihen in Europas Kernländern bei kurzen bis mittelfristigen Laufzeiten oft negativ sind, bleibt das Umfeld für Anleihen-Investoren weiter eine Herausforderung. Auch nach dem die Kreditaufschläge in der letzten Zeit zurückgegangen sind, bleiben die Unternehmensanleihen weiterhin die bessere Ertragsperspektive als die Staatsanleihen. In diesem Umfeld sollten Unternehmensanleihen aus dem gesamten Euroraum weiter den Vorzug bekommen.

Anlagemärkte Entwicklung

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

Die Informationen sind unverbindlich und stellen weder eine Anlageempfehlung oder sonstige Beratung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch. Eine Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Anlegers. Die dargestellten Informationen, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten sowie das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

      • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
      • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
      • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
      • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London
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Donnerstag, 8. Oktober 2020

Wie hängt die Erderwärmung mit Geldanlagen zusammen

Die Erderwärmung schreitet voran. Auf der Klimakonferenz 2015 in Paris wurde verbindlich festgelegt, dass die Grenze bei 2 Grad Celsius liegt. Schon heute gibt es erfolgreiche Unternehmen, die Ihre CO2-Emissionen soweit reduziert haben, dass deren anteiliger Beitrag zur Erderwärmung bei lediglich 1,5 Grad liegt. Eins haben diese Unternehmen gemeinsam: Sie zeichnen sich durch hohe Innovation und daraus resultierende positive Auswirkungen auf ihre Börsenkurse aus.

Theorie und Praxis bei Umsetzung der Grenzwertereichung
Steigt die Erdtemperatur um mehr als zwei Grad, drohen unumkehrbare Folgen für unseren Planeten. Wie bei einem Dominospiel drohen sogenannte Kippeffekte die Spirale noch weiter zu beschleunigen. Experten verlangen daher ein radikales Umdenken. Unternehmen müssen ihre Produktion soweit optimieren, dass ihr Beitrag zur globalen Erderwärmung unter den geforderten zwei Grad liegt. Soweit die Theorie. Ein Blick auf den repräsentativen, globalen Index von MSCI zeigt jedoch das Dilemma. Der von ihnen im Durchschnitt produzierte CO2-Fußabdruck führt zu einem Anstieg der mittleren Erdtemperatur um 3,6 Grad, sofern nichts unternommen wird. Damit sind die großen Player im Markt noch weit von den gesetzten Zielen entfernt. Es gibt aber schon heute Lichtblicke. Einige Unternehmen haben ihre Produktionsprozesse soweit optimiert, dass ihr Beitrag zur Erderwärmung sogar lediglich bei 1,5 Grad liegt. Diese Unternehmen liefern nicht nur zum Klima einen positiven Beitrag, sondern schreiben auch an der Börse eine beeindruckende Erfolgsgeschichte.

Die Erde erwärmt sich

Unternehmensbeispiele die schon jetzt den Grenzwert einhalten
Ein solches Unternehmen ist der kalifornische Technologieriese Apple. Seine Produktionsprozesse sind so optimiert, dass der anteilige Betrag zur Erderwärmung bei 1,5 Grad liegt. Das Unternehmen legt schon seit Jahren großen Wert auf die Reduktion seines CO2-Fußabdruckes. Ein weiteres Beispiel ist der französische Software-Entwickler Dassault Systemes. Sein anteiliger Beitrag liegt bei niedrigen 1,2 Grad. Und bei den DAX-Werten? Nach Angaben der Ratingagentur „right. based on science“ werden nur neun Unternehmen die Zielmarken unterschreiten. Dazu gehören beispielsweise SAP, Bayer oder Merck. Schon jetzt zeigt sich: Mittel- bis langfristig werden die Emissionen von CO2 immer teurer, weshalb nachhaltige Unternehmen deutlich im Vorteil sind. Und die Anleger? Sie können über Investmentfonds profitieren. Solche Fonds selektieren jene Unternehmen, die durch ihren sehr geringen Beitrag zur Klimaerwärmung einen kompetitiven Vorteil haben und somit überdurchschnittliche Kurszuwächse erwarten lassen.

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Dienstag, 1. September 2020

Anlagekommentar Juli 2020 - Fiskalprogramme und Liquiditätsschwemme treiben die Kapitalmärkte weiter an

 In den USA sind die Renditen von Staatsanleihen stark gefallen. Auch in Europa sind die Anleger sind offenbar nicht bereit, beispielsweise in langfristige deutsche oder schweizerische Staatsanleihen mit einer Rendite von weniger als Minus 1 Prozent zu investieren. Man kann davon ausgehen, dass die Renditen von Staatsanleihen über einen längeren Zeitraum in der Nähe der Rekordtiefs bleiben werden.

Durch die Renditen nahe oder unter Null verlieren Staatsanleihen ihre klassischen Diversifikationsvorteile, da die Korrelation mit Aktien und anderen Risikoanlagen nicht mehr ausreichend negativ ist. Dennoch bieten Staatsanleihen mit guter Bonität Sicherheit für die Anleger. Während im Hochzinsbereich ein Anstieg der Ausfälle bei einem Konjunkturabschwung normal ist, sind die aktuellen Kreditaufschläge bei Unternehmensanleihen unter aktuellen Szenarien attraktiv.

Entwicklung der Anlagemärkte
Die überraschend starke Erholung der Fundamentaldaten in der westlichen Welt, weitere geplante und beschlossene Fiskalprogramme und die anhaltende Liquiditätsschwemme der großen Notenbanken bleiben der Garant für beruhigte Kapitalmärkte. Dabei standen weiter Technologietitel und Wachstumswerte in der Gunst der Anleger weit vorne. So stieg der amerikanische Technologieindex NASDAQ 100 Index um +7,9 Prozent auf ein neues Allzeithoch und der S&P 500 Index kam auf einen Zuwachs von +6,9 Prozent. In Europa sah die Entwicklung dagegen nicht so dynamisch aus. Der deutsche DAX Index konnte noch mit +5,8 Prozent zulegen, der Eurostoxx 50 Index schaffte nur noch einen Zuwachs von +1,2 Prozent und der britische FTSE 100 Index gab sogar -3,7 Prozent ab. Damit hat sich Juli 2020 eine erhebliche Differenzierung in der Kursentwicklung zwischen den USA und Europa ergeben. In Asien konnte der NIKKEI 225 Index mit +5,2 Prozent ein positives Ergebnis erreichen, wobei China und Indien nach wie vor eine bessere Entwicklung verzeichnen. So konnte auch der chinesische SSE Composite Index um +9,6 Prozent zulegen und der indische BSE Sensex Index folgte mit +8,3 Prozent.

DAX Entwicklung

An der Zinsfront herrschte dagegen Ruhe. Bei den Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen dies- und jenseits des Atlantiks gab es kaum Bewegung. Dadurch übersetzten sich die weiter sinkenden Kreditaufschläge in solide Kursgewinne für Unternehmensanleihen guter Bonität. Dies war insbesondere der US-Notenbank Federal Reserve System (Fed) geschuldet, die im Juni 2020 bereits mit dem Kauf von US-Unternehmensanleihen begann. Hochzinsanleihen vollzogen diese positive Entwicklung nicht nach, da die steigende Zahl an Insolvenzen die Anleger vorsichtiger und stärker qualitätsorientiert agieren ließ. Dagegen konnte sich gestützt von der Entscheidung der OPEC-Staaten und Russlands, die Förderkürzungen um einen Monat zu verlängern, der Ölpreis kräftig um fast 10 Prozent erholen. Von diesem Aufwärtstrend wurden auch die Preise für Basis- und Edelmetalle mitgezogen. So markierte der Preis für die Feinunze Gold mit 1.780 US-Dollar ein neues Acht-Jahreshoch und das Basismetall Kupfer konnte über 12 Prozent zulegen.

Beim US-Dollar gab es einen massiven Kursrutsch und die Währung verzeichnete die schwächste Monatsperformance seit 10 Jahren. Die US-Notenbank Federal Reserve System (Fed) opfert scheinbar einen stabilen US-Dollar für die Reduktion der Corona bedingten Arbeitslosigkeit. Das heißt, die Wirtschaft wird mit allen Mitteln, die der Werkzeugkasten einer Notenbank so hergibt, angekurbelt. Nun kommen allerdings die budgetären Auswirkungen der US-Konjunkturprogramme dazu, was gleichbedeutend ist mit einer nochmals expandierenden Staatsverschuldung. Aber es steckt noch mehr dahinter und das Stichwort heißt Deflation. Für den Inlandskonsum, der die tragende Säule des US-Wirtschaftswachstums ist, sind sinkende Preise absolutes Gift. Historisch führte dies immer zu einer Zurückhaltung der Konsumenten, mit der Hoffnung, dass die Preise noch weiter fallen und somit Konsumausgaben nach hinten verschoben werden. Und das größte Horrorszenario für die US-Notenbank wären sinkende Preise und fallende Aktienkurse, denn das könnte zu einem Desaster für den US-Konsum und somit für das US-Wirtschaftswachstum werden.

Technologiewerte entwickeln sich zu neuen „Versorgern“
Die Corona-Pandemie beschert mit Home-Office, virtueller Freizeitgestaltung und Co. der Technologiebranche einen starken Auftrieb und sorgt zugleich dafür, dass sich deren Charakter wandelt. Mehr und mehr ergänzen konjunkturunabhängige, innovative Geschäftsmodelle wie beispielsweise Produzenten von Software als Dienstleistung die einst von Hardware-Unternehmen dominierte Technologiebranche. Bisher wurden Technologieaktien eher als offensive Investments eingestuft. Doch die Corona-Krise hat die fundamentale Bedeutung dieser Branche für unser Leben wie nie zuvor verdeutlicht.

Dabei schlüpfen Technologieunternehmen mittlerweile in die Rolle von „Versorgern“, da viele Unternehmen, Mitarbeiter und Verbraucher ohne deren Produkte und Dienstleistungen nicht mehr können bzw. leben wollen. Seit die Lockdown-Maßnahmen den Bedarf für Einkaufen, Lernen und Arbeiten von zu Hause aus und virtuell erhöht haben, ist der Bedarf an Anwendungen noch größer geworden. Ohne eine robuste digitale Infrastruktur können Mitarbeiter nicht effizient von zu Hause arbeiten oder Studenten haben keinen Zugang zu notwendigen Online-Kursen. Regierungs- und Gesundheitsorganisationen sind auf Technologieplattformen angewiesen, um der Öffentlichkeit zum Beispiel zeitkritische Informationen zugänglich zu machen. Mitarbeiter und Kunden erwarten eine lückenlose Cybersicherheit. Rechnungs- und Zahlungssysteme müssen nahtlos funktionieren, und Streaming von Musik und Videos ist inzwischen Alltag. Das heißt: Breitband-Internet, Telekonferenzdienste, Cloud, Cybersecurity, Dating, E-Commerce, Streaming etc. sind kaum noch wegzudenken und es wird weiter darin investiert.

Die heutigen Technologieunternehmen zeichnen sich durch ihre krisensicheren Geschäftsmodelle aus, was sich besonders jetzt während der Corona-Krise bewährt. Im Zeitraum von Dezember 2019 bis Mai 2020 haben Analysten zum Beispiel ihre erwarteten Ergebnisse für die S&P 500 Technologieaktien um 6,5 Prozent reduziert. Das ist deutlich weniger als die erwarteten Ergebnisrückgänge von 53,3 und 30,6 Prozent für Industrie- und Baustoffwerte. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Die Softwaresparte im Technologiesektor zeichnet sich beispielsweise durch einen hohen Anteil an wiederkehrenden Umsätzen aus und ist anders als der Hardwaresektor nicht so konjunkturabhängig. Darüber hinaus beabsichtigen laut einer Umfrage fast zwei Drittel der befragten Unternehmen, ihre IT-Ausgaben zu erhöhen. Außerdem hat der Ausbau der Digitalisierung in allen Wirtschaftsbereichen nach wie vor einen hohen Stellenwert.

Ein Blick auf die aktuellen Anlagestrategien
Für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte ist das Hauptrisiko ein erneuter Lockdown wie im März 2020. Während durch ein Wiederanstieg der Covid-19-Fallzahlen örtlich begrenzt eine Verschärfung ausgewählter Distanzierungsmaßnahmen erforderlich sein dürfte, ist ein erneuter umfassender Lockdown aus heutiger Sicht wenig wahrscheinlich. Trotz einer möglicherweise hohen Marktvolatilität in den kommenden Monaten, sollte man sich als Anleger zunehmend auf eine weitgehende Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität in den kommenden 12-24 Monaten einstellen. Zu berücksichtigen gilt auch, dass sich die relevanten Stellen, wie Regierungen, Gesundheitssysteme, Einzelpersonen und Unternehmen seit Monaten viel dazu gelernt haben, mit der Situation umzugehen. Angesichts der Tatsache, dass die Wirtschaft aus strukturellen Gründen auch mittelfristig nur verhalten wachsen wird und die Corona-Pandemie noch nicht überwunden ist, empfiehlt sich ein klarer Fokus auf Qualitätsanlagen.

Da die Zinssätze und Anleiherenditen in den wichtigsten Volkswirtschaften über einen längeren Zeitraum nahe ihrer Rekordtiefs bleiben dürften, gewinnen Aktien von Unternehmen mit einer soliden Dividendenhistorie weiter an Attraktivität. Daher sollte eine Anlagestrategie defensiv gestaltet sein. Gleichzeitig ergeben sich aber besonders bei Aktien auch Chancen für mittelfristig und langfristig agierende Anleger. In der aktuellen Phase sind Unternehmen zu bevorzugen, die sich bisher in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewährt haben, eine solide Bilanz aufweisen.

Weiterhin sorgen dennoch Dividendenwerte für gute Erträge und der regionale Fokus im Aktienbereich bleibt weiter auf Europa und den USA gerichtet. Als interessantes langfristiges Thema zur Depotbeimischung kann der Fokus auf eine „Alternde Gesellschaft“ gelegt werden und über unterschiedliche Anlagemöglichkeiten abgebildet werden. Auch globale Immobilienaktienfonds können zur Depotdiversifikation beitragen, denn stabile Dividendenzahlungen durch regelmäßige Mieterträge und die Partizipation an aussichtsreichen Langfristtrends zeichnen diesen Anlagebereich aus. Da die Renditen für Staatsanleihen in Europas Kernländern bei kurzen bis mittelfristigen Laufzeiten oft negativ sind, bleibt das Umfeld für Anleihen-Investoren weiter eine Herausforderung. Auch nach dem die Kreditaufschläge in der letzten Zeit zurückgegangen sind, bleiben die Unternehmensanleihen weiterhin die bessere Ertragsperspektive als die Staatsanleihen. In diesem Umfeld sollten Unternehmensanleihen aus dem gesamten Euroraum weiter den Vorzug bekommen.

Anlagemärkte Entwicklung

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

Die Informationen sind unverbindlich und stellen weder eine Anlageempfehlung oder sonstige Beratung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch. Eine Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Anlegers. Die dargestellten Informationen, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten sowie das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
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Dienstag, 25. August 2020

Wasserstoff - der blaue Energieträger der Zukunft?

 Auch wenn es für eine Entwarnung noch zu früh ist, scheint der Höhepunkt der COVID-19-Welle in immer mehr Ländern doch überschritten: Die Fallzahlen gehen vielerorts zurück und die Überlegungen für eine schrittweise Rückkehr zur Normalität werden endlich konkreter. Grund genug mit einem echten Zukunftsthema nach vorn zu blicken, dass auch für eine langfristige Geldanlage von Bedeutung sein kann.

Schon seit Langem preisen Wissenschaftler Wasserstoff als den idealen Treibstoff
Die NASA verwendet Wasserstoff bereits seit den 1970er Jahren, um Raumfähren zu starten und Raketen in die Umlaufbahn zu schießen. Flüssiger Wasserstoff ist Schätzungen zufolge mindestens dreimal effizienter als Benzin und andere fossile Brennstoffquellen. Doch allen Verheißungen zum Trotz: Aus kommerzieller Sicht ist Wasserstoff bisher ein Flop. Da ist nicht nur das Problem der teuren Herstellung, auch Speicherung und Transport sind schwierig. Da Wasserstoff außergewöhnlich reaktionsfreudig ist, muss er in komprimierter Form unter einem Druck von rund 70 bar aufbewahrt oder bei einer Temperatur von –253 °C verflüssigt werden. Ungeachtet dieser Nachteile gibt es vielerorts Bemühungen, das Potenzial des Wasserstoffs nachhaltig nutzbar zu machen. So unterstützen inzwischen zahlreiche Länder, darunter beispielsweise die EU, Japan und die USA, Wasserstoff-Technologien und -Anwendungen, mit Subventionen. Mögliche zukünftige Anwendungsbereiche liegen dabei insbesondere in der Brennstoffzellen-Technologie (saubere und effiziente Antriebe) und in der Energiespeicherung.

Wasserstoff-Absatzes an Tankstellen in Deutschland

Herstellung, Versorgung und Logistik bremsen noch den kommerziellen Erfolg
Das Hauptproblem liegt derweil in der Herstellung von Wasserstoff und der Versorgung und Logistik mit Wasserstoff, die momentan noch zu teuer und aufwendig ist, um kommerziell erfolgreich zu sein. Traditionell gibt es bei der Herstellung von Wasserstoff zwei Möglichkeiten. Die erste ist die sogenannte Reformierung, bei der Dampf mit sehr hohen Temperaturen von bis zu 1.000 °C eingesetzt wird, um den Wasserstoff aus Methan herauszulösen. Dieses Verfahren ist jedoch problematisch, da es teuer ist und Treibhausgase freisetzt.

Die zweite etablierte Methode zur Gewinnung von Wasserstoff ist die Elektrolyse, bei der Strom durch Wasser geleitet wird, um Wasserstoff und Sauerstoff voneinander zu trennen. Das ist zwar umweltfreundlicher als die Reformierung, aber ebenso teuer. Je nachdem, welche Energiequelle zur Herstellung von Wasserstoff genutzt wird, spricht man von „grauem“, „blauem“ oder „grünen“ Wasserstoff. Grauer Wasserstoff wird mithilfe von fossilen Energien, insbesondere Erdgas produziert und liefert daher keinen CO2 Vorteil. Der Herstellungspreis ist daher auch vom Gaspreis abhängig und liegt aktuell bei circa 1,50 Euro pro kg. Dazu kommt, dass der graue Wasserstoff durch seine CO2 Emissionen auch vom CO2 Preis abhängig ist und daher momentan weder wirtschaftlich noch ökologisch eine Lösung darstellt.
Blauer Wasserstoff ist effektiv grauer Wasserstoff mit Karbon-Abscheidung und Speicherung (CCS). Zusätzlich zu den Herstellungskosten von grauem Wasserstoff fallen also auch noch die Kosten für CCS an, die etwas höher als die Erlöse aus den CO2 Zertifikaten, so dass die Gesamtkosten etwas über den des grauen Wasserstoffs liegen. Grüner Wasserstoff wird dagegen mit Strom aus erneuerbaren Energien (Solar und/oder Wind) produziert und kostet aktuell mehr als das Doppelte im Vergleich zu grauem Wasserstoff. Die Herstellungskosten sollten allerdings über die nächsten 10 Jahre um bis zu 70 Prozent fallen. Derzeit sind globale Elektrolysekapazitäten noch sehr begrenzt, so dass grüner Wasserstoff frühestens im Jahr 2025 ökonomisch und ökologisch sinnvoll sein wird.

Bei einer längerfristig ausgelegten Geldanlage durch aus einen Blick wert
Mittel- bis langfristig könnten wasserstoffbasierte Technologien und Anwendungen also durchaus eine wichtige Rolle beim Wandel hin zu einer kohlenstoffarmen Welt spielen, allerdings sind sie heute ohne Subventionen noch nicht wirtschaftlich. Aktuell schreibt noch keines der wenigen „Pure-Play“ Wasserstoff Unternehmen schwarze Zahlen, obwohl die Bewertungen dieser Unternehmen in den letzten Quartalen teilweise deutlich angestiegen sind. Deshalb kann eine Beobachtung der weiteren Entwicklung dieser Unternehmen nicht Schaden.

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