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Donnerstag, 26. September 2024

Nebenwerte-Comeback: Familienunternehmen rücken in den Fokus

 In diesem Jahr schauen viele Anlageexperten mit dem Start der Zinssenkungen insbesondere auf Nebenwerte oder sogenannte Small- und Mid-Cap-Aktien. Die stark ansteigenden Zinsen und Rezessionsängste der letzten beiden Jahre haben dafür gesorgt, dass diese hinter den Aktien großer Unternehmen zurückgeblieben sind. Sie gelten daher aktuell als besonders günstig bewertet. Innerhalb dieses Anlagesegments lohnt es sich besonders, auf familiengeführte Unternehmen zu schauen.

Europäische Small Caps wachsen solide

In den letzten Jahren haben sich an den europäischen Aktienmärkten grundlegende Verschiebungen ereignet. Traditionell galten Aktien von Nebenwerten, also Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung, als profitabler als die von großen Unternehmen. Diese Regel schien jedoch seit September 2021 außer Kraft gesetzt. Der MSCI Europe Small Cap Index, der die Performance kleinerer Unternehmen misst, liegt seitdem fast sechs Prozent im Minus, während der MSCI Europe Large Cap Index, der die großen Unternehmen abbildet, um mehr als 25 Prozent zulegen konnte. Europäische Nebenwerte sind damit aktuell im Vergleich zu großen Unternehmen so günstig bewertet wie zuletzt während der Finanzkrise 2008.

Vergleich Kursindex MSCI Europe Large Cap und MSCI Europe Small Cap

Eine der Ursachen für die schwache Entwicklung der Small Caps war die aggressive Zinspolitik der Notenbanken seit März 2022. Diese führte zu Ängsten vor einer Rezession, die kleinere, oft konjunkturabhängige Unternehmen besonders hart traf. Auch der Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten spielte eine Rolle: Während große Unternehmen leichter an langfristige Anleihen mit festen Zinsen kommen, sind kleinere Unternehmen stärker auf variabel verzinste Bankkredite angewiesen und wurden daher von den Zinserhöhungen härter getroffen.

Die aktuelle Zinssenkungspolitik der Notenbanken könnte jedoch eine Trendwende einleiten

Sinkende Refinanzierungskosten werden vor allem den kleinen Unternehmen zugutekommen. Auch konjunkturell gibt es Hoffnung: Die US-Wirtschaft scheint einer Rezession zu entgehen und auch in Europa gibt es Anzeichen für eine Stabilisierung, was den Nebenwerten zusätzliche Unterstützung bieten könnte. Zudem vermehrt sich die Aktivität von Übernahmen kleinerer Unternehmen durch große Konzerne oder Private-Equity-Firmen, was als weiteres positives Signal gewertet wird.

Besonders interessant sind aktuell die Entwicklungen in den USA, wo sich die Aktienkurse von Unternehmen mit kleiner und mittlerer Marktkapitalisierung stärker erholen als der Gesamtmarkt. Der Russell 2000 Index, der kleine und mittlere Unternehmen abbildet, verzeichnete im Juli einen Anstieg von mehr als neuneinhalb Prozent, während der S&P 500 Index nur um rund anderthalb Prozent zulegte. Die gestiegene Sorge vor Klumpenrisiken bei den großen Technologiewerten hat ganz entscheidend zu dieser Entwicklung beigetragen.

Auch in Europa, insbesondere in Deutschland, könnten die Nebenwerte vor einem Comeback stehen. Der MDAX, der Index für mittelgroße Unternehmen, und der SDAX für kleinere Unternehmen haben seit Mitte 2022 deutlich schlechter abgeschnitten als der Leitindex DAX. Doch diese Unterbewertung könnte jetzt Chancen bieten.

So erfolgreich sind deutsche Familienunternehmen

Insgesamt scheinen die Vorzeichen für ein Comeback der Small Caps in Europa und den USA damit günstiger denn je. Die Kombination aus günstigen Bewertungen, möglichen Zinssenkungen und konjunkturellen Hoffnungen könnte das lang ersehnte Revival der kleinen und mittelgroßen Unternehmen einläuten. Besonders interessant sind in diesem Segment familiengeführte Unternehmen, da sie durch einige vorteilhafte Charakteristika auszeichnen.

Nebenwerte sind nicht alle gleich - Manche haben Aufholpotenzial und manche nicht

Gerade Deutschland ist für die Vielzahl seiner „Hidden Champions“ bekannt, also für Weltmarktführer in Nischenmärkten, und Familienunternehmen spielen dabei eine zentrale Rolle. Diese Unternehmen sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft: Rund 90 Prozent aller Unternehmen sind hierzulande inhaber- oder familiengeführt und sie machen etwa 40 Prozent der börsennotierten Unternehmen aus. Die größten 1000 Familienunternehmen in Deutschland erzielen einen Jahresumsatz von beeindruckenden 2,06 Billionen Euro, wobei 253 dieser Unternehmen jeweils über eine Milliarde Euro umsetzen.

Familienunternehmen zeichnen sich durch eine langfristige Ausrichtung und eine konservative Finanzstrategie aus, was sie besonders interessant für Anleger macht. Im Gegensatz zu managergeführten Firmen, die oft kurzfristige Quartalsergebnisse im Blick haben, verfolgen Familienunternehmen eine nachhaltige Wachstumsstrategie. Dies führt oft zu einer stabileren Kursentwicklung an den Börsen, da diese Unternehmen weniger anfällig für kurzfristige Marktschwankungen sind und sich besser auf wirtschaftliche Turbulenzen einstellen können.

Studien belegen diese Eigenschaften und den daraus resultierenden Erfolg: Im Zeitraum von 2009 bis 2018 stiegen die Erlöse von Familienunternehmen um 122 Prozent, während Nicht-Familienunternehmen lediglich ein Plus von 50 Prozent verzeichneten.

Hohe Eigenkapitalquote bringt in Krisenzeiten Familienunternehmen Vorteile

Auch die Eigenkapitalquote ist bei Familienunternehmen im Durchschnitt deutlich höher, was ihnen in Krisenzeiten zugutekommt. Diese Unternehmen neigen weniger zu hohen Verschuldungen und verfolgen meist organisches Wachstum, was eine potenzielle Schieflage verhindert. Der DAXplus Family 30, ein Index der 30 größten familiengeführten Unternehmen in Deutschland, zeigt deutlich, wie erfolgreich diese Unternehmen sein können. Über einen Zeitraum von zehn Jahren erzielte dieser Index 59 Prozent mehr Ertrag als der DAX. Dies unterstreicht, dass ein Investment in Familienunternehmen nicht nur eine konservative, sondern auch eine gewinnbringende Strategie sein kann.

Für Anleger, die in familiengeführte Unternehmen investieren möchten, bieten sich verschiedene Möglichkeiten. Sie können entweder in einzelne Aktien investieren oder sich für spezialisierte Fonds oder ETFs entscheiden, die in solche Unternehmen investieren. Diese Investmentstrategie kann besonders in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit vorteilhaft sein, da Familienunternehmen in der Regel widerstandsfähiger gegenüber Marktschwankungen sind und langfristig eine bessere Performance erzielen.

Fazit

Insgesamt sind familiengeführte Unternehmen und Small Caps nicht nur für die Wirtschaft unverzichtbar, sondern bieten auch für Anleger interessante Möglichkeiten. Ihre geringere Korrelation zu Large Cap-Aktien erhöht die Diversifikation im Portfolio und senkt damit das Gesamtrisiko im Depot. Außerdem sind sie weniger von internationalen Märkten abhängig, wodurch das Portfolio gegenüber globalen Risiken abgeschirmt wird. Besonders hervorzuheben sind in diesem Segment familiengeführte Unternehmen, deren langfristige Ausrichtung, finanzielle Stabilität und die enge Verbindung zwischen Eigentümern und Unternehmen gerade in unsicheren Zeiten von Vorteil sind.

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Freitag, 23. Dezember 2022

Geldanlageausblick 2023 - Das Motto lautet: Schritt für Schritt aus der Krise!

Wie geht es 2023 an den Kapitalmärkten weiter? Liegt der Tiefpunkt an den Aktienmärkten schon hinter uns oder steht uns dieser erst noch bevor? Investieren oder noch warten? Das sind Fragen, die die meisten Anleger derzeit umtreiben. Übersehen wird dabei, dass niedrige Kursbewertungen große Chancen bieten und Untätigkeit häufig die schlechteste Alternative ist. Langfristig gesehen waren antizyklische Investitionsschritte die beste Entscheidung in allen vergangenen Krisen. Wer in der aktuellen Phase nicht „All In“ gehen möchte, kann über kleinere Investitionsschritte oder einen Sparplan das Risiko eines unpassenden Einstiegszeitpunktes merklich verringern. Im Folgenden soll dieses Thema näher beleuchtet werden.

Die Anlagemärkte zeigen aktuell eine Tendenz, die Hoffnung macht

Immerhin klettern die Kurse seit Anfang Oktober wieder und machen Lust auf mehr. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass jeder Bär irgendwann mal zum Bullen wird. Oder genauer gesagt: Die ungeliebten Abschwungphasen dauern im Schnitt 9,6 Monate und haben Anlegern im Mittel Verluste von 36 Prozent beschert. Seit 1928 gab es in den USA insgesamt 26 Bärenmärkte, zwischen deren Eintritt durchschnittlich 3,6 Jahre lagen. Aufwärtsphasen, also Bullenmärkte, dauern dagegen im Schnitt 2,7 Jahre an und bringen 114 Prozent Gewinn. Natürlich gibt es auch sie: Die Abstürze an der Börse nach epochalen Ereignissen wie der Weltfinanzkrise von 2008, die erst nach vielen Monaten wieder ausgebügelt sind. Hier wird Anlegern etwas mehr Geduld abverlangt.

Zu den Lichtblicken eines Bullenmarktes gehört, dass die Baisse Unternehmen zwingt, effizienter und kreativer zu werden. Auch die Politik handelt pragmatischer. Das kann nicht nur die Wende für Konjunktur und Börse bringen, sondern auch die Grundlage für einen langfristigeren Aufschwung schaffen. Darüber hinaus können Krisen aber auch als Auslöser für gesamtgesellschaftlich positive Impulse dienen – etwa bei der Energiewende, der Sanierung von Infrastruktur oder der Verbesserung von Lieferketten.

Der Aktienmarkt greift den grundlegenden Trends der Realwirtschaft auch häufig vor. Statistiken belegen für die letzten 60 Jahre, dass die Börse bereits sechs bis neun Monate vor dem Tiefpunkt der Wirtschaft wieder anzieht. Aktienkurse sind damit ein Frühindikator für die Konjunktur.

Wie sich die Börse in der näheren Zukunft entwickeln wird, bleibt schwer vorherzusagen

Geld- und auch geopolitische Entscheidungen werden auch in den nächsten Wochen und Monaten noch große Auswirkungen haben. Einig sind sich die Marktbeobachter aber in einem Punkt: Mit Blick auf die relativ niedrigen Bewertungen wird auf lange Sicht mit wieder deutlich steigenden Kursen gerechnet. Jetzt auf den besten Einstiegszeitpunkt zu warten, wird sich aber voraussichtlich nicht bezahlt machen. Den kennt man immer nur im Nachhinein.

Statt sich – aus Angst vor einem womöglich falschen „Timing“ – gar nicht erst an die Aktienmärkte zu trauen, sollten Anleger über einen schrittweisen Einstieg in die Märkte nachdenken. Die Aufteilung kann dabei variabel sein. So kann in einem ersten Schritt zunächst „nur“ die Hälfte der Anlagesumme direkt investiert und der restliche Betrag auf mehrere Nachinvestitions-Schritte aufgeteilt werden. Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von monatlichen Sparplänen. So kann das Timing-Risiko gesenkt und gleichzeitig der „Cost-Average-Effekt“ genutzt werden.

Dieser Durchschnittskosten-Effekt funktioniert wie folgt: Wer zu einem festen Betrag regelmäßig Anteile von Wertpapieren mit hoher Schwankung kauft, erhält auch entsprechend schwankende Mengen dieser Wertpapiere. Bei hohen Kursen wird dann nur eine geringere Anzahl Wertpapieranteile gekauft. Sind die Kurse hingegen günstig, werden auch mehr Anteile gekauft. Der durchschnittliche gezahlte Preis pro Anteil ist damit deutlich niedriger als beim regelmäßigen Kauf einer festen Anzahl von Anteilen. Und wie schon die alte Kaufmannsregel besagt: „Im Einkauf liegt der Gewinn!”

Dieser Effekt ist gerade dann am größten, wenn die Schwankungen am Markt besonders hoch sind – also wie in den letzten Monaten. In Zeiten relativ stabil fallender oder steigender Kurse wirkt er sich hingegen nicht mehr positiv aus.

Wichtiger als die Durchschnittskosten beim regelmäßigen Sparen ist aber vermutlich der psychologische Effekt. Der automatisierte Kauf macht es für Anleger leichter die gewählte Anlagestrategie diszipliniert durchzuhalten. Nachweislich der wichtigste Faktor für den Erfolg einer Anlage! Die geringeren Anlagebeträge schonen die Nerven auch bei schwankenden Kursen und Unsicherheit am Markt. Zwischenzeitliche Kursrücksetzer können sogar ein Grund zur Freude sein. Bieten sie doch die Möglichkeit für günstige Nachkäufe aus der noch gehaltenen Liquidität. Dieser psychologische Vorteil ist nicht zu unterschätzen und verhindert einen panikgetriebenen Abschied aus dem Markt. Denn dieser kostet in der Regel die meiste Rendite.

Fazit
Für Anleger, die der aktuellen Markterholung noch nicht so recht trauen oder von der Sorge um den richtigen Einstiegszeitpunkt gelähmt werden, bietet sich ein schrittweises Vorgehen an. In der Börsengeschichte hat sich immer wieder gezeigt, dass sich Investitionen in schwierigen Zeiten besonders lohnen. Dabei sollte aber nicht versucht werden, den „perfekten“ Einstiegspunkt zu treffen. Dies ist nahezu unmöglich und spielt für langfristig denkende Sparer auch nur eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist es, mit Geduld und Disziplin bei der Sache zu bleiben. Oder überhaupt erst in den Markt zu gehen. Denn: Untätigkeit in der Krise ist für Anleger keine gute Alternative.

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Donnerstag, 17. November 2022

Gesundheitswerte im Anlagedepot können ein Stabilitätsanker sein

 „Gesundheitsaktien“ können gerade in Zeiten von geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheit ein sogenannter Stabilitätsanker für das Anlagedepot darstellen. Aber auch in der nächsten Erholungsphase sollten Aktien von Biotechnologie-, Pharma- und Medizintechnikunternehmen attraktive Renditen bieten. Die “Healthcare“-Branche profitiert nämlich gleich von zwei Megatrends: demografischer Wandel und Digitalisierung. Für die Erzielung einer breiteren Diversifikation können Gesundheitsaktien daher eine geeignete Beimischung sein.

Corona-Pandemie bringt Biotechnologie- und Pharmaunternehmen mediale Aufmerksamkeit

Die Biotechnologie- und Pharmaunternehmen sind im Zuge der Corona-Pandemie so präsent in den Medien gewesen wie selten zuvor. Die rasche Bereitstellung eines Covid-Impfstoffs wurde zum entscheidenden Faktor in der Pandemiebekämpfung erklärt und gestiegene Forschungsausgaben führten zu Innovationen, die über die aktuelle Virusbekämpfung hinausgehen. Fortschritte bei MRNA-Impfstoffen und Gentherapien sollen zukünftig zum Mittel der Wahl in der Bekämpfung von Krebs werden oder zumindest bisherige Therapien unterstützen.

Biotech-Unternehmen in Deutschland

In 2022 sind diese Aktien aber nicht nur aufgrund von erwarteten Entwicklungssprüngen interessant. Der Ukraine-Krieg, hohe Inflation und steigende Zinssätze lassen Anleger nach einem sicheren Hafen suchen. Hier spielen Gesundheitsaktien ihre Stärken aus: Die Nachfrage nach Medikamenten oder Medizintechnik ist relativ unabhängig von der wirtschaftlichen Konjunktur und die Ausgaben werden in der Regel von Versicherungen übernommen. Die hohen Gewinnspannen des Sektors schützen zudem die Erträge vor den Auswirkungen der Geldentwertung. In der Vergangenheit haben sich Pharmaaktien daher als krisenresistent gezeigt – egal ob in der Finanzkrise 2008/2009 oder zum Höhepunkt der Corona-Pandemie im März 2020. Gleiches gilt für das erste Halbjahr 2022, in dem der Biotechnologiesektor besser abschnitt als der breite Aktienmarkt.

Das heißt aber nicht, dass man Aktien von Biotechnologie-, Pharma- und Medizintechnikunternehmen nur in Krisen oder einem stagflationären Umfeld (Eintrübung des Wirtschaftswachstums bei gleichzeitig hoher Inflation) in das Depot holen sollte.

Gesundheitswerte waren auch schon vor der Corona-Pandemie empfehlenswerte Depotbeimischungen

Die stetige Alterung der Bevölkerung in den westlichen Gesellschaften und die beobachtete hohe Zahl von Zivilisationskrankheiten machen den Gesundheitssektor zu einer sehr vielversprechenden langfristigen Investition. Die Fälle von Gelenkkrankheiten, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Adipositas nehmen mit einer global wachsenden Mittelschicht immer weiter zu und die Behandlung ist kostenintensiv. Nach Angaben der Weltbank wurden in der Europäischen Union im Jahr 2019 pro Kopf etwa 3.500 Euro für die Gesundheitsversorgung ausgegeben. Studien haben gezeigt, dass inzwischen etwa 40 Prozent aller Deutschen an einer oder mehreren chronischen Krankheiten leiden. Fast ein Drittel davon lebt 20 Jahre oder länger mit ihrer Erkrankung. Diese Krankheiten müssen aufwendig behandelt werden, weshalb der Weltmarkt für verschreibungspflichtige Medikamente laut Experten zwischen 2001 und 2026 um durchschnittlich 6,4 Prozent pro Jahr wachsen soll.

Ein zusätzlicher Treiber für diese Entwicklung ist die demografische Entwicklung in den Schwellenländern. In Asien liegen die Gesundheitsausgaben im Vergleich zu Europa bisher noch bei weniger als einem Drittel – Tendenz stark steigend. Die Region ist damit ein gigantischer Wachstumsmarkt. Asien ist Heimat für fast 60 Prozent der Weltbevölkerung. Bereits im Jahr 2050 werden ca. eine Milliarde Menschen in der Region über 60 Jahre alt sein, davon allein in China etwa 500 Millionen. Doch nicht nur die schiere Größe des Marktes ist hier entscheidend, sondern auch der soziale Aufstieg innerhalb der Bevölkerung. Die wachsende Mittelschicht und damit steigende Kaufkraft wirken sich stark auf die Nachfrage nach Arzneimitteln, Therapien und medizinischen Geräten aus. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass in aufstrebenden Volkswirtschaften die Ausgaben für die Gesundheitsversorgung sogar stärker wachsen als das Bruttoinlandsprodukt insgesamt.

Der Anlagemarkt bietet eine breite Palette an Investitionsmöglichkeiten

Für Anleger, die vom langfristigen Wachstum der Branche oder der Robustheit gegen Krisen profitieren wollen, bieten sich am Markt eine Vielzahl von Fondsalternativen. Bei der Auswahl des passenden Produkts gilt es im ersten Schritt die Schwerpunkte der vorhandenen Fonds oder Indizes zu erkennen. Denn inhaltlich können sich diese deutlich unterscheiden: Viele „Biotechnology“-Fonds legen den Fokus beispielsweise auf Pharmazeutika und Medikamentenhersteller. Daneben gibt es aber auch Fondsmanager, die sich auf Produzenten medizinischer Instrumente und von Technologielösungen spezialisiert haben. Dazu gehören etwa chirurgische Operationsroboter oder Analysetools, die auf Basis gigantischer Datenmengen Diagnosen stellen können. Wem dies noch nicht speziell genug ist, kann auch auf Produkte zurückgreifen, die sich der Bekämpfung einzelner Krankheiten wie etwa Krebs verschrieben haben und dafür nur in einen relativ engen Markt investieren. Das genaue Gegenteil sind sogenannte „Healthcare“-, „Life Science“- oder „Healthscience“-Fonds, welche versuchen den Gesundheitssektor möglichst breit abzudecken und zu den oben genannten Bereichen auch medizinische Dienstleistungen dem Anlageportfolio beimischen.

Aktienfonds Biotechnologie, Pharma und Gesundheit

Entscheidend für die Entwicklung der Gesundheitsfonds ist auch die Gewichtung von kleinen Wachstumsunternehmen im Verhältnis zu den großen Playern am Markt. Unternehmen mit marktbeherrschender Position (häufig auch als „Large Caps“ oder „Blue Chips“ bezeichnet) weisen in der Regel stabilere Erträge auf, da sie über eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte, hohe Forschungsbudgets und langlaufende Patente verfügen. Kleinere, aufstrebende Unternehmen („Small Caps“) verfügen zwar oft über höhere Wachstumsaussichten, die Aktienkurse unterliegen aber auch größeren Schwankungen. Zudem werden kleinere Firmen auch stärker von steigenden Zinsen getroffen, da sie üblicherweise einen höheren Verschuldungsgrad aufweisen und damit stärker durch zunehmende Finanzierungskosten getroffen werden. Hier gilt es für Fondsmanager, die richtige Balance zu treffen und flexibel auf sich ändernde Zinsniveaus zu reagieren.

Fazit

Die staatlichen Ausgaben für die Gesundheitsforschung erhielten durch die Pandemie einen ordentlichen Schub, weil Covid-19 die Bedeutung von Innovationen im Gesundheitswesen verdeutlichte. Auf absehbare Zeit sollte der Sektor damit vergleichsweise unabhängig von der Konjunkturentwicklung bleiben. Dafür spricht auch, dass die übrigen Treiber wie Alterung der Bevölkerung und steigende Gesundheitsausgaben weiter intakt bleiben werden – egal ob in den Industrienationen oder den Schwellenländern. Die defensiven Eigenschaften und geringe Korrelation zu anderen Branchen machen Gesundheitsaktien damit zu einem geeigneten Mittel, um im aktuellen Umfeld die Diversifikation von Anlegerportfolios zu verbessern.

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Donnerstag, 1. Juli 2021

ETF Sparplan - Mit System zur finanziellen Freiheit!

 Viele Menschen sind sich nicht sicher, ob ihre Rente fürs Alter ausreicht, um ein gutes Leben zu führen. Die gesetzlichen Renten gelten schon längst nicht mehr als sicher und so muss sich jeder selbst umschauen, wie er sich auf das Alter vorbereiten kann, um finanziell abgesichert zu sein. Dabei gibt es sehr viele Möglichkeiten sich fürs Alter finanziell abzusichern und eine davon besteht in den sogenannten ETFs.

 Immer mehr Vermögen steckt in ETFs

ETF steht für Exchange Traded Fund und beschreibt einen Fonds, der einen bestimmten Index von Wertpapieren abbildet wie zum Beispiel den DAX oder den Nasdaq. ETFs werden zudem immer beliebter und scheinen die Zukunft der Altersvorsorge zu sein. Mit diesem Rechner können Sie für sich persönlich herausfinden, ob ein ETF Sparplan für Sie Sinn macht oder nicht. ETFs haben gegenüber einzelnen Aktien den klaren Vorteil, dass Sie nicht so ein großes Expertenwissen benötigen, um mit Aktien Geld zu verdienen.

Die ETFs bilden bereits lukrative Aktien und Wertpapier ab und funktionieren dabei ohne große Beratung und vor allem ohne viele Kosten zu verursachen. Außerdem ermöglichen ETFs den sogenannten Zinseszinseffekt, der über einen längeren Zeitraum attraktive Renditen verspricht. In diesem Artikel erfahren sie, wie Sie mit einem ETF Sparplan zu finanzieller Freiheit gelangen.

Für das Alter bestens gerüstet

Finanzielle Freiheit ist nicht nur im Moment interessant, sondern kann vor allem im Alter oder in der Rente für ein unbeschwertes Leben sorgen. Deswegen sollen ETF-Sparpläne dabei helfen, dieses ambitionierte Ziel zu erreichen. Viele Menschen in Deutschland leiden unter Armut im Alter und müssen deswegen Pfand sammeln und sind auf Hilfe des Staates angewiesen.

Der bereits angedeutete Effekt des Zinseszinses ist bei ETF-Sparplänen das ausschlaggebende Argument. Der Effekt kann mit der Quadratwurzel verglichen werden, denn diese mathematische Funktion beschreibt ihn wohl am besten. Wer es nicht mit Mathematik hat, für den sei es so erklärt: Zuerst erhält man Zinsen auf Geld, das investiert wurde. Daraufhin werden die Zinsen wieder verzinst und der Anleger erhält noch mehr Geld als beim ersten Zins.

Bei ETFs ist es so, dass der erste Zins wieder in den ETF gesteckt wird, das heißt, dass der ETF automatisch bei einem Gewinn sein Volumen erhöht. Dann erhalten die Anleger bei der nächsten Ausschüttung demnach mehr Zinsen als beim ersten Mal, weil der erste Zins investiert wurde.

Auf diese Weise entsteht ein Effekt, der über einen langen Zeitraum für immer höhere Zinsen sorgt und so nach einer bestimmten Zeit dabei hilft ein Vermögen aufzubauen. Oft ist in diesem Fall auch von einem exponentiellen Wachstum mit Hilfe des Zinseszinses die Rede.

Der normale Zins im Vergleich

Dadurch dürfte auch der Begriff des herkömmlichen Zinses geklärt sein. Dieser ist lediglich die Rendite, die auf eine Investition anfällt und dann an die Anleger ausbezahlt wird. Hier ist es wichtig zu betonen, dass der Effekt des Zinseszinses für Geldanlagen taugt, die über einen längeren Zeitraum angelegt werden sollen. Für kurzfristige Gewinne dagegen taugt dieser eher nichts so gut. Der normale Zins fällt üblicherweise auch auf normale Sparkonten an. Da aber die EZB den Leitzins auf Null setzte, gibt es momentan keine Zinsen und Geld auf dem Konto verliert deswegen an Wert. Wer also Geld hat und dies auf dem Konto liegen lässt, verschenkt täglich Geld.

Sinnvoller sind in diesem Fall die ETF-Sparpläne, die eine sichere Zukunft versprechen. Die Möglichkeit sich sofort die Zinsen auszahlen zu lassen gibt es bei verschiedene ETFs ebenfalls und kann auch gewählt werden. Dann muss aber darauf geachtet werden, dass die restlichen vertraglichen Bedingungen stimmen. Die ETFs, die die Zinsen reinvestieren haben den großen Vorteil, dass nicht jedes Mal bei diesem Vorgang eine Gebühr anfällt wie zum Beispiel, wenn Sie selbst die Zinsen in andere ETFs reinvestieren würden.

Welchen ETF soll ich wählen?

Wenn Sie sich für einen ETF entschieden haben, dann muss nur noch festgelegt werden, welcher ETF es sein soll. Die Auswahl an ETF ist riesig, doch die meisten Menschen setzen auf Sicherheit in Form des MSCI World. Dies ist ein ETF, der fast alle wichtigen Aktien der Welt in einem Index abbildet. Das Volumen des ETFs ist enorm, da bereits viele Menschen in diesen ETF investiert haben. ETFs gibt es in allen wirtschaftlichen Bereichen, in allen Regionen der Welt und über alle Ländergrenzen hinweg.

Sie können sich auch einen ETF vornehmen, der beispielsweise nur Wertpapiere oder Aktien aus Schwellenländern beinhaltet. Dann wetten Sie quasi auf die wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder, da meistens nur die besten Aktien in einen ETF eingebunden werden. Wenn Sie dagegen auf ein spezielles Land setzen möchten, dann finden Sie auch dazu ETFs, die zum Beispiel den deutschen DAX oder den amerikanischen Nasdaq abbilden.

Wann soll ich mit meinem ETF-Sparplan beginnen?

Die Antwort auf diese Frage ist relativ einfach und heißt so früh wie möglich. Je früher Sie in einen ETF einsteigen, desto schneller wächst Ihr Vermögen, denn die Zinsen werden regelmäßig berechnet. Um von so vielen Zinseszinseffekten wie möglich zu profitieren, empfiehlt es sich daher so früh wie möglich einzusteigen. Bei ETFs, die dieses Prinzip nutzen ist es so, dass sich die Investitionen erst ab einem gewissen Zeitraum lohnen.

Es sind daher immer Investitionen auf eine lange Zeit, was sie aber ideal für die Altersvorsorge macht. Wenn Sie keine Rente mehr vom Staat bekommen, dann ist ein ETF die perfekte Möglichkeit, um für das Alter vorzusorgen. Es gibt ETF-Sparpläne, die für besonders junge Menschen gemacht sind und schon bei ungefähr 20 Euro im Monat beginnen.

Damit lässt sich ganz einfach von Anfang der Karriere an eine sichere Rente generieren. Die Investments in ETFs werden immer beliebter und werden womöglich die Renten der Zukunft auf der ganzen Welt sichern, also warten Sie lieber nicht zu lange.

Ein weiterer Vorteil der ETF-Sparpläne ist es, dass Sie sich keine Gedanken darum machen müssen und vor allem, dass Sie selbst nicht aktiv werden müssen. Eine monatliche Einzahlung in einen ETF reicht aus, um den Rest kümmert sich der meist automatisierte Broker.

Der Nachteil an einem ETF ist, dass Sie geduldig sein müssen. Wenn Sie zuvor Aktien gehandelt haben und sich täglich oder mehrmals am Tag über die Kurse informiert haben dann müssen Sie bei ETFs Ihr Verhalten ein wenig umstellen. Am besten schauen Sie für einige Monate überhaupt nicht nach Ihren Investitionen, sondern warten einfach ab.

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Freitag, 25. Juni 2021

Dotcom-Bubble 2.0 - Wiederholt sich die Geschichte?

 Die von der Corona-Pandemie ausgelöste fulminante Rallye der an der Nasdaq versammelten „Stay-At-Home“-Aktien erinnert durchaus sehr an die Zeit der Dotcom-Bubble. Auch wenn die Rally zuletzt stockte: Die jüngsten Hypes um die sogenannten „Meme Stocks“, die unzähligen Börsengänge von jungen, noch Verluste schreibenden Technologieunternehmen, der massive Zufluss bei SPACs oder die ungezügelte Bitcoin-Rallye zeigen allesamt, dass die Anleger wieder bereit sind, so hohe Risiken wie seit langem nicht mehr oder sogar noch nie einzugehen.

Nasdaq-Verlauf bloß ein müder FANMAG-Abklatsch

So wie im Jahr 2000 fällt das Gewicht der Werte aus den TMT-Sektoren (Technologie, Medien, Telekom) inzwischen wieder sehr hoch aus. Das während der Dotcom-Bubble erreichte Allzeithoch von knapp 43 Prozent wurde wegen der jüngsten Renaissance der Valuetitel knapp verfehlt. Seit dem Hoch von Anfang September 2020 sank das Gewicht der TMT-Titel daher wieder und liegt aktuell nur noch bei knapp 37 Prozent. Sektoren, welche tendenziell dem Value-Segment zugeordnet werden, verfügen derzeit hingegen über eine klar unterdurchschnittliche Gewichtung im Index. So spektakulär die Kursentwicklung des NASDAQ 100 Index im Vergleich zum S&P 500 Index für sich genommen auch sein mag, sie ist bestenfalls ein müder Abklatsch dessen, wie sich die sogenannten FANMAGs entwickelten. Hinter diesem Akronym verbergen sich die Titel von Facebook, Amazon, Netflix, Microsoft, Apple, Google (Alphabet). In der Spitze erreichten die nur sechs FANMAG-Titel nämlich ein Gewicht von gut 52 Prozent am NASDAQ 100 Index bzw. knapp 25 Prozent am S&P 500 Index.

Gegen Ende der Dotcom-Bubble war die Situation eine völlig andere. Die hoch gewichteten Hype-Werte stiegen weiter. Ein Favoritenwechsel war jedoch nicht mehr zu beobachten - im Gegenteil: Mittelzuflüsse in die Hype-Titel aus dem Growth-Segment speisten sich bis zuletzt - neben „Fresh Money“ - wohl auch von Umschichtungen aus den damals als „old econo-my“ bezeichneten Aktien. Ab Sommer 1999 überstieg der Anteil der fallenden Titel daher die Quote der steigenden Aktien. Trotzdem legten die Kurse ab November 1999 nochmals zu und markierten im Sinne eines „last hurrah“ Ende März 2000 sogar noch ihr damaliges Allzeithoch.

Stay-at-home-Effekt lässt Gewinne sprudeln

Die langfristig weit bessere Kursentwicklung des Nasdaq 100 im Vergleich zum S&P 500 kommt daher nicht von ungefähr. Sie ist untermauert durch die weit bessere Gewinnentwicklung der Tech-Stocks. Gegenüber Ultimo 2019, also dem Niveau vor Ausbruch der Krise, konnten die Titel des NASDAQ 100 Index ihren Gewinn um fast 30 Prozent steigern, die Gewinne des S&P 500 Index stiegen hingegen nur um knapp 9 Prozent. Wegen des Stay-At-Home-Effekts fiel der Gewinnunterschied zuletzt mehr als doppelt so hoch aus wie im langjährigen Mittel: Seit Ende 2004 stieg der Gewinn des S&P 500 um 4,5 Prozent pro Jahr und im Nasdaq 100 lag das Wachstum bei 13,3 Prozent pro Jahr.

Zuletzt waren die Anleger allerdings hin- und hergerissen, weil die deutlich gestiegenen US-Inflationserwartungen und Bondrenditen wegen des hiermit verbundenen höheren Diskontierungsfaktors niedrigere Gegenwartswerte bei Aktien zur Folge haben. Weil dieser Sachverhalt bei Growth-Titeln besonders stark wirkt, taten sich die Titel des Nasdaq-Index jüngst besonders schwer.

Reflationssorgen überzogen oder nicht?

Die große Frage ist, ob die Reflationssorgen der Anleger, die den deutlichen Renditeanstieg auslösten, überzogen sind oder nicht? Die US-Inflation stieg seit Ultimo 2020 von 1,30 Prozent auf 4,15 Prozent an und war hauptsächlich dem gestiegenen Ölpreis geschuldet. Bei der Kerninflation gab es im gleichen Zeitraum seither einen Anstieg von 1,62 Prozent, auf 2,96 Prozent. Bis in die mittleren 1990er-Jahre hinein schwankte die Kapitalisierung des S&P 500 in einem Intervall zwischen gut 20 Prozent und knapp 50 Prozent der US-Wirtschaftsleistung. In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre wurde die bis dahin gewohnte Zone jedoch verlassen. Nach der Asien-Krise begann die Kapitalisierung des S&P 500 Index sogar die Höhe des BIP nachhaltig zu übersteigen und erreichte im Hoch der Dotcom-Bubble dabei die Marke von 125 Prozent des BIP.

Mit der Finanzkrise sank die Kapitalisierung des S&P 500 kurzzeitig wieder unter die Marke von 50 Prozent . Seit vier Jahren liegt sie jedoch wieder oberhalb des US-BIP und erreichte mit 158 Prozent nun sogar ein neues Allzeit-hoch. Hieraus zu schließen, dass US-Aktien aktuell klar niedriger bewertet sind als unmittelbar vor Platzen der Dotcom-Bubble wäre jedoch falsch. Tatsächlich ist sogar das Gegenteil der Fall: Weil zur Jahrtausendwende viele im Index hoch gewichtete Technologiewerte noch Verluste schrieben oder bestenfalls geringe Gewinne erwirtschafteten, trugen jene Titel nicht oder nur kaum zum Indexgewinn bei. Das Index-KGV ließ die Bewertung damals höher erscheinen als sie bezogen auf die Breite des Marktes tatsächlich war.

Auf Basis des für die Bewertung der Aktienmärkte zentralsten Aspekts, nämlich der Gewinne, scheint die Bewertung daher wohl mehr als ausgereizt zu sein. Neben der absoluten Bewertung spielen jedoch weitere Aspekte eine wichtige Rolle. Zum Beispiel ob die Wirtschaft mit Liquidität unterversorgt wird, oder ob ihr stattdessen Liquidität im Überfluss zur Verfügung steht. Wegen der von den Hilfspaketen im Zuge der Coronakrise ausgehende immensen Geldmengenschöpfung war letzteres in den USA praktisch noch nie so stark der Fall wie derzeit. Dies ist zudem ein ganz entscheidender Unterschied zur Zeit der Dotcom-Bubble weil die US-Wirtschaft mit Liquidität damals unterversorgt war.

Mit dem steigenden KGV sank die Gewinnrendite des S&P 500 Index. Weil parallel hierzu auch noch die Rendite zehnjähriger US-Treasuries stieg, sank der Aufschlag zu Gunsten der Aktien zuletzt deutlich. Im Klartext: Die höheren Risiken einer Aktienanlage werden ex ante nach wie vor überdurchschnittlich entlohnt. Während der Zeit der Dotcom-Bubble sah dies völlig anders aus. Damals lag die Gewinnrendite des Aktienmarkts nicht über, sondern sogar markant unter der Bondrendite. Dem höheren Risiko stand also eine geringere Renditeerwartung gegenüber. In Aktien zu investieren war daher irrational. Im Jahr 2021 gilt wie schon im Jahr 2000 allerdings erneut, dass US-Aktien relativ zu ihren Gewinnen überbewertet sind. Dem irrationalen Überschwang des Jahres 2000 steht aktuell jedoch eine rational erklärbare Blase gegenüber. Eine Wiederholung der Situation von damals sehen wir daher nicht und bleiben für Aktien deshalb konstruktiv. Allerdings wird die Luft zunehmend dünner.

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Bildnachweis

Quelle: Uwe Streich, LBBW Research

Montag, 31. Mai 2021

Sind Bitcoin, Ethereum & Co. eine sinnvolle Anlageergänzung?

 Das Interesse an Bitcoin, Ethereum & Co. hat zuletzt stark zugenommen. Viele Anleger stellen sich die Frage, ob sie Kryptowährungen als Anlageklasse auch künftig ignorieren können. Eine allgemeingültige Antwort, ob und wie man investieren sollte, gibt es nicht, zumal geeignete Produkte noch rar gesät sind. Gerade bei jüngeren und technikaffinen Anlegern ist das Interesse oftmals groß. Aber auch klassische Investoren stellen sich mit Blick auf die zuletzt herausragende Wertentwicklung von Kryptowährungen die Frage, ob sie es sich leisten können, diese Anlageklasse zukünftig zu ignorieren. Nachstehend soll daher das Für und Wider abgewogen werden.

Warum sind Kryptowährungen so nachgefragt?

Hierfür gibt es zwei Hauptargumente: Erstens sorgt die ungezügelte Politik des „Gelddruckens“ der Notenbanken für ein wachsendes Misstrauen vieler Marktteilnehmer gegenüber dem System des „Fiatgeldes“. Dieser Begriff bezeichnet eine nationale Währung, die mengenmäßig nicht begrenzt ist und zudem nicht mit etwas „Realem“ wie einem wertvollen Edelmetall hinterlegt ist. Für die Akzeptanz einer solchen Währung ist das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierung und/oder die Zentralbank des jeweiligen Landes unabdingbar. Zunehmend entsteht die Befürchtung, dass die eigentlich unabhängigen Notenbanken de facto zum reinen Erfüllungsgehilfen der Politik mit der Folge einer ungehemmten Verschuldungspolitik degradiert werden.

Somit gibt es den Wunsch nach einer Währung, deren Volumen strikt begrenzt ist. Hierfür ist der Bitcoin ein populäres Beispiel. Dessen Höchstmenge ist auf 21 Millionen Stück limitiert, wovon bisher rund 19 Millionen Stück bereits erschaffen bzw. „geschürft“ wurden. Zusätzlich sind Kryptowährungen nicht an einzelne Staaten bzw. Währungsräume gebunden, was ein Höchstmaß an Unabhängigkeit garantiert.

Zweitens ist es zumindest in der Theorie ausgesprochen praktisch, Zahlungen durchzuführen, ohne dass es des Umwegs über eine Bank und/oder des komplizierten Umtauschs von einer Währung in die andere bedarf. Außerdem können Zahlungen in Kryptowährungen anonymisiert erfolgen. Diese Möglichkeit sollte man allerdings differenziert betrachten: Einerseits ist es mittlerweile ein Bedürfnis vieler freiheitsliebender Menschen, die eigene „Datenspur“ aus prinzipiellen Überlegungen so gering wie möglich zu halten. Andererseits beinhaltet ebendiese Anonymität die Gefahr, dass kriminelle Geschäfte wie Geldwäsche über Kryptowährungen betrieben werden.

Wie in Kryptowährungen investieren?

Zunächst war die Verwahrung von Kryptowährungen in elektronischen Geldbörsen, sogenannten Wallets, die einzige Möglichkeit. Dies setzte allerdings für wenig technikaffine Anleger hohe Hürden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit von Verlusten, etwa durch Cyberkriminalität. Auch andere Beispiele wurden bekannt – etwa die tragikomische Geschichte des Inhabers einer Festplatte mit darauf gespeicherten Bitcoins, die versehentlich auf der Müllkippe landete. Der ehemalige Besitzer führt laut eigenen Angaben seit Jahren Verhandlungen mit der Stadt, um die Müllkippe durchsuchen zu dürfen.

Um einem breiteren Personenkreis eine einfache Investition in Kryptowährungen zu bieten, offerieren Anbieter bereits Möglichkeiten, dies über depotverwahrte Wertpapiere zu realisieren. Naheliegend wäre hier zunächst einmal ein spezialisierter Investmentfonds. Allerdings gibt es bei diesen hohe regulatorische Hürden. Die Folge: Derzeit sind keine Investmentfonds, die ausschließlich in Kryptowährungen investieren, in Deutschland für den unmittelbaren Vertrieb an Privatkunden zugelassen. Alternativ gibt es jedoch eine Reihe von Anbietern, die sogenannte ETC oder ETN herausgegeben haben. Es handelt sich hierbei um Schuldverschreibungen von Gesellschaften, die 1:1 die Entwicklung der zugrunde liegenden Kryptowährung bzw. des Kryptowährungskorbes abbilden sollen. Bei solchen Papieren sind Sicherungsmechanismen wie eine faktische Hinterlegung mit der jeweiligen Kryptowährung obligatorisch. Hierdurch sollen die Risiken im Fall einer Pleite des Emittenten abgewendet werden. Trotz dieser Reduzierung des Emittentenrisikos gilt die Anlage in regulierten Fonds allgemein als sicherer.

Die steuerliche Situation

Es besteht Konsens, dass eine Investition unmittelbar in Kryptowährungen (also ohne Wertpapiere) steuerlich unter die Regelungen eines „privaten Veräußerungsgeschäfts“ gemäß § 23 EStG fällt. Konkret bedeutet dies: Kursgewinne können nach Ablauf eines Kalenderjahres steuerfrei vereinnahmt werden. Bei einer Veräußerung innerhalb eines Jahres ist hingegen eine Besteuerung zum persönlichen Steuersatz vorzunehmen, sofern der Ergebnissaldo aller im jeweiligen Kalenderjahr getätigten steuerbaren Veräußerungsgeschäfte die Freigrenze von 600 Euro überschreitet. Ergebnisse aus Wertpapieren mit Bezug zu Kryptowährungen unterliegen hingegen den üblichen Regelungen der Abgeltungssteuer gemäß § 20 EStG. Gewinne sind somit derzeit unabhängig von der Haltedauer mit maximal 25 Prozent (zzgl. Soli und evt. KiSt) zu versteuern.

Die Frage, welche Besteuerungsform die günstigere ist, hängt somit von zwei Faktoren ab: Dem wirtschaftlichen Ergebnis und der Haltedauer. Eine pauschale Antwort, was für den Anleger steuerlich günstiger ist, kann es aus diesem Grund nicht geben.

Chancen und Risiken

Die Möglichkeit einer Investition in Kryptowährungen wurde im Verlauf des vergangenen Jahres zunehmend salonfähig. Gerade bei vermögenden Anlegern sorgt die völlig ungeklärte Frage, wie jemals die immensen staatlichen Schulden zurückgeführt werden sollen, für Unbehagen. Bei dieser Klientel ist die Sorge besonders groß, dass das eigene, oft mühsam aufgebaute Vermögen durch die Notenbankpolitik des Gelddruckens gefährdet ist. Das große Dilemma dieser Anleger: Sollte diese Geldvermehrung sich irgendwann einmal in einer stark steigenden Inflation niederschlagen, so ist die vermeintlich vorsichtigste Variante der Geldanlage – Cash auf dem Konto – plötzlich die schlechtestmögliche Anlageform.

Insofern sehen gerade vermögende Anleger Investitionen in Kryptowährungen nicht unbedingt als normale Geldanlage, sondern als Katastrophenversicherung. Es liegt in der Natur der Sache, dass der eigentliche Wunsch darin besteht, dass eine solche Katastrophenversicherung niemals erforderlich sein wird. Überspitzt gesagt: Kunden, die aus Absicherungsgründen einen kleinen Teil in Kryptowährungen investieren, sollten im Grunde hoffen, dass das damit versicherte Unglück nicht eintrifft und sich dieser Teil der Gesamtanlage daher schlecht entwickelt.

Auch der Begriff „Versicherung” ist allerdings mit Vorsicht zu genießen: Denn die Wertentwicklung von Kryptowährungen war in den vergangenen Monaten fulminant, obwohl die Inflation sich weiter moderat entwickelte. Aus Sicht investierter Kunden ist ein solches Szenario natürlich besonders erfreulich. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch: Ob die Absicherung im Krisenfall wirklich funktioniert, ist ebenfalls nicht zu 100 Prozent sicher. Zu Beginn der Coronakrise zumindest war die Wertentwicklung des Bitcoins im Gleichschritt mit den Aktienkursen zunächst stark abwärts gerichtet.

Bei der Beurteilung von Risiken der Kryptowährungen sind zwei Aspekte zu unterscheiden: Zum einen steht die Frage im Raum, ob sich künftig Kryptowährungen nach und nach durchsetzen und eine zunehmende praktische Relevanz im Zahlungsverkehr erlangen könnten. Hierfür spricht einiges: Immer mehr Anbieter präsentieren Pläne für die Möglichkeit, unmittelbar mit Kryptowährungen zu bezahlen. Die andere Frage lautet: Wenn sich Kryptowährungen durchsetzen: Welche dieser Währungen werden „die Gewinner” sein?
Aus heutiger Sicht scheint die Antwort klar: Der Bitcoin hat eine herausragende Dominanz innerhalb der Kryptowährungen. Es ist jedoch nicht ohne weiteres möglich, eine führende Marktposition der Gegenwart ungefiltert auf die Zukunft zu projizieren. Die Behavioral Finance Forschung spricht bei diesem verbreiteten Gedankenfehler vom sogenannten „Recency Effekt”.

Ein prägnantes Beispiel hierfür ist der Markt für Mobiltelefone: Zu Beginn des Jahrtausends war klar, dass der Markt vor einem gigantischen Wachstum steht. Seinerzeit war Nokia eindeutiger Marktführer und schien unangreifbar. Aus heutiger Sicht zeigt sich jedoch: Obgleich der Mobilfunktmarkt wie erwartet stark gewachsen ist, spielt heute die Firma Nokia als Hersteller von Smartphones keine signifikante Rolle mehr.

Übertragen auf Kryptowährungen heißt das: Auch wenn Kryptowährungen in Gänze künftig immer stärker nachgefragt werden sollten, ist nicht unbedingt gesagt, dass der bisherige „Platzhirsch Bitcoin” diesen Status auch verteidigen kann.

Zusätzlich ist folgendes zu bedenken: Eine steigende Bedeutung von Kryptowährungen hat im Gegenzug einen schwindenden Einfluss der Notenbanken zur Folge, was aus politischer Sicht ungelegen kommen dürfte. Es sind somit staatliche Restriktionen des Handels bis hin zum Verbot denkbar. Andererseits wird seitens einiger Staaten selbst über die Einführung eigener Kryptowährungen nachgedacht. Inwieweit diese eine ernstzunehmende Konkurrenz zu den bisherigen Kryptowährungen darstellen oder aber sogar für einen Popularitätsschub für Kryptowährungen als Ganzes sorgen würde, bleibt abzuwarten.

Neben der Absicherung von Inflationsszenarien ist aus Sicht von Investoren noch eine weitere Chance gegeben: Wenn immer mehr Leute in ein nahezu gleichbleibendes Angebot investieren möchten, wird dies unweigerlich zu einem Preisanstieg führen. Allerdings ist zu beachten: Eine fundamentale Bewertung von Kryptowährungen, wie man sie von Aktien oder Immobilien kennt, ist nicht möglich. Ein intrinsischer Wert nach konventionellen Rechenmaßstäben ist schlicht nicht ermittelbar.

Fazit

Unterm Strich bleiben Kryptowährungen zum jetzigen Zeitpunkt ein hochriskantes Spekulationsobjekt in einem weitestgehend rechtsfreien Raum, das sich nicht zur systematischen Vermögensbildung eignet. Die Risiken, die über die reinen Wertschwankungen von Kryptowährungen hinausgehen, zeigt aktuell der Fall der türkischen Krypto-Börse Thodex: Ihr Geschäftsführer ist auf der Flucht, während rund 400.000 vor allem Kleinanlegern der Zugriff auf insgesamt zwei Milliarden US-Dollar Vermögen womöglich für alle Zeiten verwehrt bleibt. Abschreiben sollten Anleger die Assetklasse Kryptowährungen deshalb natürlich nicht. Sehr hilfreich wäre es sicherlich, wenn gestandene Marktteilnehmer regulierte Investmentprodukte mit attraktivem Chance- Risiko-Verhältnis für die breite Masse inizieren. Hier dürfte bereits einiges in der Pipeline sein. Wir halten Sie hierzu selbstverständlich auf dem Laufenden.

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