Mittwoch, 20. Juli 2022

Gold - Schützt das Edelmetall vor steigender Inflation und geopolitischen Krisen?

 Die aktuellen Börsenturbulenzen und die steigende Inflation lassen Kapitalanleger nach einem sicheren Hafen Ausschau halten. Als ein aussichtsreicher Kandidat für viele Investoren und Experten ist Gold. Der Wert des Edelmetalls ist immerhin über die Jahrhunderte sehr stabil geblieben und konnte gerade in Krisenzeiten immer wieder die Aktienmärkte schlagen. Ob sich Gold auch aktuell als Schutz vor Krisen und Inflation eignet und welche Anlagemöglichkeiten es gibt, soll in diesem Artikel näher beleuchtet werden.

Gold wird häufig als die härteste Währung der Welt bezeichnet

Schaut man sich die Entwicklung über vergangene Jahrhunderte oder gar Jahrtausende an, scheint da etwas dran zu sein. Egal ob im Jahr 2022, 1900 oder sogar zur Zeit von Christi: Für ein Gramm Gold kann oder konnte man sich etwa die gleiche Menge Brot kaufen. Schaut man hingegen auf Euro oder Dollar, verloren diese schon innerhalb weniger Jahrzehnte einen großen Teil ihrer Kaufkraft. Gleichzeitig sollte man aber nicht verschweigen, dass auch Gold über kürzere Zeiträume stark schwanken kann. Laut einer Studie des Ökonomen Campbell Harvey von der Duke University behält Gold nur über Zeiträume von mehr als 100 Jahren verlässlich seine Kaufkraft. Einen Anlagehorizont den wohl kaum ein Anleger anstrebt.

historisches Hoch für den Goldpreis

In Krisenzeiten an den Börsen konnten sich Edelmetalle aber immer wieder hervortun. Während die Aktienmärkte nach dem Zusammenbruch der Dotcom-Blase in 2000 oder in der Finanzkrise ab 2007 deutliche Verluste verzeichneten, konnten Gold und Silber
sogar zulegen. Betrachtet man den Zeitraum seit der Jahrtausendwende, konnte Gold die Aktienmärkte insgesamt abhängen. Über die letzten knapp 22 Jahre stieg der Goldpreis jährlich um etwa 9 Prozent, der Aktienmarktindex „MSCI World“ aber nur um etwas mehr als 5 Prozent.

Ist Gold also das Mittel der Wahl, um im aktuellen Marktumfeld zu bestehen

Immerhin haben der Ukraine-Krieg und steigende Leitzinsen die Aktienkurse seit Jahresbeginn stark schwanken lassen. Die Inflation liegt in den USA inzwischen bei 8,6 Prozent und in der EU bei 8,1 Prozent. Schaut man nur auf das aktuelle Jahr, konnte Gold die Inflation jedenfalls nicht ausgleichen. Der Goldpreis liegt über die letzten 6 Monate zwar leicht im Plus und schlug damit die meisten Aktienmärkte, einen Inflationsausgleich
konnte aber auch das Edelmetall nicht liefern. Diese Entwicklung passt zu langfristigen
Studien zum Verhältnis von Gold und Inflationsraten. Betrachtet man hierzu die letzten 50 Jahre, zeigt sich, dass es nahezu keine Beziehung zwischen den beiden Werten gab. Steigt die Inflation, bedeutet dies also nicht notwendigerweise eine Überrendite von Edelmetallen. Als Einzelanlage für eine kurzfristige Absicherung gegen die Geldentwertung ist Gold damit zu unzuverlässig und volatil.

Trotzdem gibt es Argumente, warum Gold auch aktuell eine attraktive Beimischung für Anlegerportfolien sind

Hervorzuheben ist hierbei die erwartete Nachfragesteigerung aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Diese haben im Vergleich zu den Industrienationen (gemessen
am Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt) noch relativ geringe Goldbestände aufgebaut. Laut einer Umfrage des „World Gold Council“ aus London gehen Zentralbanken aus den Emerging Markets von einer Ausweitung der Reserven über die nächsten Jahre aus.
Dies könnte den Goldpreis weiter beflügeln. Setzt man als Anleger auf diese Preissteigerungen oder zunehmende Turbulenzen an den Aktienmärkten, bleibt noch
die Wahl des passenden Mittels. Eine Möglichkeit ist der Kauf von Goldbarren oder
Goldmünzen über Banken und spezialisierte Edelmetallhändler. Der physische Kauf hat dabei den Vorteil, das Gold auch tatsächlich in den eigenen Händen zu halten. Allerdings obliegt dann auch die Aufbewahrung dem Anleger selbst. Ob zu Hause oder im kostenpflichtigen Bankschließfach.

Nachteil ist die schwierigere Handelbarkeit der Barren und Münzen

Einige Banken verkaufen zwar Gold an ihre Anleger, kaufen dieses aber nicht zurück – oder nur mit deutlichen Abschlägen. Da Goldhändler auch keine besondere Zulassung benötigen, ist die Wahl des richtigen Anbieters nicht einfach. Das Risiko an einen unseriösen Goldhändler zu geraten, ist nicht zu vernachlässigen. Die Unterstützung durch einen Berater kann hier im wahrsten Sinne des Wortes „Gold wert sein“. Unkomplizierter ist der Handel mit Goldfonds, Gold-ETCs oder Goldzertifikaten. Diese sollen den Goldpreis möglichst exakt nachbilden und können jederzeit über die Börse gehandelt werden. Die höhere Liquidität ist aber in der Regel auch mit Kosten verbunden. Je nach Produkt können Gebühren für das Fondsmanagement, die Börsen oder Transaktionen anfallen. Zudem besteht bei ETCs und Zertifikaten auch immer ein Emittentenrisiko. Sollte der Produktanbieter zahlungsunfähig werden, kann dies also einen Totalverlust für Anleger bedeuten.

Eine eher indirekte Möglichkeit von steigenden Goldpreisen zu profitieren, ist ein Investment in Goldminen-Aktienfonds. Man beteiligt sich dabei an Unternehmen, die Minen besitzen und selbst Gold schürfen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Korrelation zwischen den Kursen von Goldaktien und dem Goldpreis zwar hoch, aber nicht perfekt ist. Gibt es Probleme in der Produktion oder arbeitet ein Goldförderer nicht profitabel, können entsprechende Aktien auch fallen, obwohl die Goldpreise im gleichen Zeitraum steigen. Findet gerade ein genereller Ausverkauf an den Aktienmärkten statt, kann dies ebenfalls Goldminen-Aktien in Mitleidenschaft ziehen. Dies gilt allerdings auch mit umgekehrten Vorzeichen. Die Kosten von Goldminen-Aktienfonds entsprechen den üblichen Gebühren. Die Anlageform bringt aber auch den Vorteil des Status als „Sondervermögen“ mit sich. Ein Emittentenrisiko wird damit ausgeschlossen.

Auch eine weitere Schwäche von direkten Gold-Investments hat diese Anlagemöglichkeit nicht: Gold an sich erwirtschaftet keine regelmäßigen Ausschüttungen. Minenunternehmen zahlen hingegen Dividenden, die an Investoren ausgeschüttet werden und einen Risikopuffer darstellen. Grundsätzlich ist es aber für Anleger schwierig einzuschätzen, ob Goldaktien im Vergleich zum Edelmetallpreis mittel bis langfristig günstig bewertet sind und damit einen Vorteil zu direkten Goldinvestments darstellen können. Die Entscheidung sollte daher ausführlich mit einem Berater besprochen werden.

Fazit
Betrachtet man sehr lange Zeiträume von mehr als 100 Jahren, konnte Gold seinen Status als härteste Währung der Welt bestätigen. Über kürzere und für Anleger relevantere Zeithorizonte, kann der Preis allerdings auch stark schwanken und bietet nicht in jedem Umfeld einen verlässlichen Schutz vor Krisen oder Inflation. Trotz der aktuell historisch hohen Bewertung von jenseits der 1.800 US-Dollar pro Unze kann Gold aber ein wichtiger Bestandteil eines jeden Portfolios sein. Die Unabhängigkeit von den Aktienmärkten und der Status als „sicherer Hafen“ machen Gold zu einem wichtigen Instrument für eine breite Diversifikation im Portfolio. So bieten sie eine passende Ergänzung zu anderen Depotbestandteilen, die üblicherweise der Absicherung dienen, wie Anleihen, Liquidität oder Immobilienfonds.

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Donnerstag, 23. Juni 2022

Anlagekommentar Mai 2022 - Konjunkturdaten sorgen bei Substanzwerten für Erholung, Wachstumswerte bleiben dagegen schwach

Der starke Inflationsschub der letzten Monate resultiert hauptsächlich aus dem starken Anstieg der Energiepreise und einem anhaltenden Aufwärtstrend bei den Güterpreisen. Auf der anderen Seite ist die Konjunktur insgesamt robust und auch die Arbeitslosenraten sind in Europa und den USA historisch sehr tief. Ein solches Umfeld begünstigt steigende Löhne und die Weitergabe der Kosteninflation von Unternehmen an die Konsumenten. Da sich in den letzten Wochen durch stabile Energiepreise eine Entspannung anbahnt, lässt die Energiekomponente als Inflationstreiber langsam nach.

Dadurch dürfte in der Summe die Gesamtinflation langsam den Höchststand erreicht haben. Zumindest in den USA sieht es danach aus und Europa hingt diesen Trends ja immer etwas hinterher. Trotz einer rückläufigen Gesamtinflation werden für die Zentralbanken und die Kapitalmärkte die monatlichen Inflationsdaten, besonders die Kerninflation, weiter zentral bleiben.

Entwicklung der Anlagemärkte im Mai 2022

Die Kapitalmärkte zeigten sich im Mai zweigeteilt: Die zyklisch geprägten Aktienmärkte Europas und Asiens sowie Substanzwerte erholten sich von ihren kräftigen Verlusten der Vormonate. So legte der Eurostoxx 50 Index um +1,0 Prozent zu und der deutsche DAX Index gehörte mit einem Zuwachs von +3,4 Prozent zu den Top-Performern. Andere europäische Werte folgten diesem Trend, was sich beim spanischen IBEX 35 Index mit +3,1 Prozent, dem britischen FTSE 100 Index mit +2,2 Prozent oder österreichischem Austrian Traded Index (ATX) mit +1,2 Prozent wieder spiegelte. In Asien waren die chinesischen Aktien die Top-Performer und sorgten beim SSE Composite Index für einen Zuwachs von +3,4 Prozent, wogegen der Hang Seng Index mit +1,5 Prozent und der japanische NIKKEI 225 Index mit +1,6 Prozent etwas zurück lagen.

Dagegen entwickelten sich globale Wachstumswerte weiter schwach. Der NASDAQ Composite Index verlor -1,7 Prozent, der Dow Jones Industrial Average Index bewegte sich mit + 0,0 Prozent auf der Nulllinie und der marktbreite amerikanische S&P 500 Index begrenzte seinen Zuwachs bei +0,6 Prozent. Für den USA-lastigen MSCI World hatte dies dann auch Folgen, so dass dieser mit -1,7 Prozent nach unten ging.

Auch an den Anleihemärkten wurde die Zweiteilung sichtbar: In den USA zeichnete sich eine Plateaubildung bei den Teuerungsraten ab – in Europa konnte von einem überschrittenen Inflationshöhepunkt keine Rede sein. Wie erwartet hob die US-Zentralbank Federal Reserve System (Fed) ihren Leitzins um 0,5 Prozent an. Die langfristigen US-Zinsen sackten allerdings mit zunehmenden Wachstumssorgen auf 2,73 Prozent merklich ab. EZB-Präsidentin Christine Lagarde kündigte für den Juli 2022 die erste Zinserhöhung der Eurozone seit einer Dekade an. Viele Marktteilnehmer erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ab Sommer deutlich aggressiver vorgehen muss. In der Eurozone zogen die Renditen daraufhin an. Für zehnjährige deutsche Staatspapiere wurden 1,05 Prozent gezahlt und italienische Papiere rentierten erstmals seit 2020 höher als ihre US-Pendants.

An den Rohstoffmärkten gab es ebenfalls starke Ausschläge: So stieg der Ölpreis um fast 12 Prozent auf über 110 US-Dollar je Fass an, nachdem die Europäische Union (EU) ein Importverbot russischen Öls diskutierte und sich dann darauf einigte, 90 Prozent der russischen Ölimporte mit Sanktionen zu belegen. Durch die Blockade der ukrainischen Getreideexporte über den Seeweg, kam es beim Weizenpreis zu einer Preissteigerung von knapp 10 Prozent. Dagegen korrigierten die Preise für Industriemetalle mit den zunehmenden Konjunktursorgen, wodurch Aluminium - 5,4 Prozent nach gab und Kupfer 2,4 Prozent günstiger erworben werden konnte. An den Devisenmärkten sorgte die abnehmende Zinsdifferenz zwischen den Währungsräumen für eine kräftige Aufwertung des Euro zum US-Dollar.

Die aktuellen Ereignisse in Europa und ihre Auswirkungen auf Anlagemöglichkeiten im Energiesektor

Durch den Einmarsch Russlands in die Ukraine hat sich die Sicherheit in Europa destabilisiert, eine humanitäre Krise ausgelöst und die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt. Europa importiert derzeit die Hälfte seines Erdölbedarfs und 30-40 Prozent seines Erdgasbedarfs aus Russland. Deshalb wirft die Invasion die Frage auf, mit welchem Energiemix Europa aktuell und langfristig verlässlich, erschwinglich sowie klimafreundlich mit Energie versorgt werden kann.

Europa hat in den vergangenen Jahrzehnten eine beträchtliche Abhängigkeit von russischem Erdöl und Erdgas entwickelt. Die Invasion der Ukraine durch die russische Armee hat den Kontinent daher in eine schwierige Lage gebracht. Einerseits sind die Energiepreise in die Höhe geschnellt, andererseits wächst der Druck auf Europa, wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland zu verschärfen. Daher wird wieder intensiver über den Energiemix in Europa, die Auswirkungen höherer Energiekosten und eine Beschleunigung der Energiewende diskutiert.

Das politisch ohnehin schon heikle Thema Energie wird durch die steigenden Energiekosten noch komplizierter. So muss die Politik einerseits Energie kurzfristig erschwinglich halten und andererseits langfristig in alternative Energiequellen investieren. Die EU-Kommission hält es für möglich, die gefährliche, übermäßige Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland bereits deutlich früher als 2030 zu beenden. Dafür sind allerdings Maßnahmen an mehreren Stellen erforderlich.

Verbrauch fossile Brennstoffe weltweit und Verbrauch Erdgas in Europa

Welche Bedeutung hat diese Situation für die Anleger?

Die Entwicklung von sauberen Technologien macht rasche Fortschritte und dafür werden Investitionen benötigt

Schon bevor das Thema Energie wegen der Lage in der Ukraine hochaktuell wurde, spielten Investitionen in saubere Technologien eine wichtige Rolle im Umgang mit der Klimakrise. So konnten Unternehmen, welche zum Klimaschutz beitragen oder die Anpassung an den Klimawandel erleichtern, in hohem Maße von Europas Energiewende profitieren. Dabei handelt es sich um Unternehmen, welche an sich schnell entwickelnden Technologien, wie Energiespeicherung, grüner und blauer Wasserstoff und Netzwerktechnologie oder auch auf dem Gebiet bekannter erneuerbare Energien wie Solar- und Windenergie tätig sind.

Die sinkende Verfügbarkeit von „seltenen Erden“ und anderen Rohstoffen wird zur Herausforderung

Durch die aktuelle Krise wird auch den Zugang zu wichtigen strategischen Metallen und Mineralien erschwert, welche für die Produktion erneuerbarer Energien benötigt werden. So sind seltene Erden für die Nutzung von Windenergie unerlässlich, Magnesium ist ein wichtiger Bestandteil von Brennstoffzellen und wird auch für Wind- und Photovoltaik-Technologie benötigt. Auch Kobalt und natürlich vorkommender Grafit werden für Batterien und Brennstoffzelltechnologie gebraucht. Diese Metalle und Mineralien werden für den Bedarf in der EU hauptsächlich aus China und Russland importiert. Angesichts der anhaltenden geopolitischen Spannungen lässt sich nicht darüber hinwegsehen, dass die Lieferungen unterbrochen werden könnten. Wenn die Preise für diese Rohstoffe steigen, kann es für derzeit stillgelegte Bergwerke in anderen Ländern wieder wirtschaftlich lohnenswert werden, den Betrieb wieder aufzunehmen. Das wäre natürlich nur längerfristig möglich. Aber die Möglichkeiten für die Entwicklung erneuerbarer Energien könnten sich dadurch deutlich verbessern.

CO2-Abscheidetechnologien

Professor Johan Rockström, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (Deutschland) und einer der einflussreichsten Erdsystemwissenschaftler der Welt, hielt bei den AllianzGI Sustainability Days 2021 auch einen interessanten Vortrag. Er legte dar, wie wichtig Kohlenstoffsenken ist, um die Nettoemissionen tatsächlich auf null zu senken. Erklärung: Als Kohlenstoffsenken werden natürliche oder menschengemachte Systeme bezeichnet, die CO2 binden und speichern. Dementsprechend lohnt es sich gegebenenfalls, in CO2-Abscheidungs- und Speichertechnologien (CCUS) sowie Energiespeicherung zu investieren. Im Jahr 2020 wurde das Volumen des globalen CCUS-Markts auf 1,9 Milliarden US-Dollar geschätzt und bis 2030 könnte dieses auf 7 Milliarden US-Dollar ansteigen.

Durch die aktuelle Krisensituation wurde unmissverständlich ins Blickfeld gerückt, welche Risiken in Bezug auf eine sichere und erschwingliche Energieversorgung und den Ausbau der erneuerbaren Energien vorhanden sind. Gleichzeitig hat sie aufgezeigt, dass die Investitionen in die europäische und globale Energieinfrastruktur, sowie in den Energiemix erhöht werden müssen. Dadurch eröffnen sich für Anleger zahlreiche und attraktive Chancen. Dies beginnt bei CO2-Abscheidung und Energiespeicherung über Technologien für Energieeffizienz bis hin zum Abbau strategisch bedeutsamer Metalle und Mineralien. Viele Lösungen sind bereits vorhanden, aber für einen Einsatz im großen Maßstab wird noch sehr viel Investitionskapital benötigt, woraus sich beträchtliche Wachstumschancen ergeben.

Ausblick auf die zukünftige Kapitalmarktentwicklung

Unmittelbar nach dem Einmarsch von Russland in die Ukraine war die Unsicherheit über die Auswirkungen auf die Kapitalmärkte am größten. Der Fokus hat sich mittlerweile wieder auf die fundamentalen Faktoren, wie Wirtschaftsdynamik, Inflation und Geldpolitik, verlagert. So weisen rekordtiefe Arbeitslosenraten und solide Einkaufsmanager-Index-Daten für April 2022 auf eine insgesamt besser als oft vermutete Weltkonjunktur hin. Gleichzeitig belasten weiter einige Sonderfaktoren, insbesondere hohe Energiepreise, die den Konsum treffen, was in Schwellenländern stärker ist als in Industrieländern. Dazu kommen die Störungen der Lieferketten, welche durch erneute Covid-19-bedingte Lockdowns in China noch verstärkt werden. In der Summe bleibt die Weltkonjunktur recht solide, insbesondere wenn die derzeitigen Belastungsfaktoren wieder abnehmen.

Die Entwicklung der Inflation und damit das Ausmaß der geldpolitischen Straffung bleiben derzeit die zentralen Unwägbarkeiten. Aufgrund der verzögerten Wirkung der Geldpolitik auf die Wirtschaft und die Inflation, dürfte die Inflationsthematik an den Kapitalmärkten bis mindestens dem kommenden Jahr präsent bleiben. Bei stabilen Energiepreisen wird der Inflationsdruck in den kommenden Monaten nachlassen, wobei die zugrundeliegenden Inflationsrisiken aufgrund der angespannten Arbeits- und Gütermärkte vergleichsweise hoch bleiben. Mittelfristig sollte die Inflation in den führenden westlichen Volkswirtschaften im Rahmen der Notenbankzielsetzungen von 2 Prozent liegen und sich das derzeitige Inflationsumfeld nicht mit den 1970er-Jahren vergleichen lässt.

In der Summe kann derzeit neutrale Aktienallokation als angemessen angesehen werden, zumal sich Phasen schwacher Börsen und Erholungsrallyes in diesem Jahr etwa die Waage halten dürften. Bezüglich den Marktsegmenten spricht das Makroszenario für eine leicht defensive Branchen-Allokation und zumindest eine Marktgewichtung der Value-Branchen. Dazu zählen u.a. Finanzwerte, mit einem Fokus auf Versicherungen, Energie, Telekommunikation sowie generell Unternehmen mit überdurchschnittlicher Dividendenrendite.

Da die Korrektur bei den Wachstumstiteln bereits weit fortgeschritten ist, scheint der zentrale negative Faktor für die Börsenentwicklung in den vergangenen Monaten allmählich nachzulassen. Somit sind die Erholungschancen für die Börsen intakt, wobei die Aussichten für Europa und die USA ähnlich sind. Im Zuge der zu erwartenden Verknappung des weltweiten Rohstoffangebots durch die Russland-Sanktionen dürften die Energiepreise noch für einige Zeit hoch bleiben, wobei ein weiterer deutlicher Anstieg nicht als Hauptszenario anzusehen ist. Der Trend bei den Anleiherenditen bleibt in der Tendenz nach oben gerichtet, wobei steigende Renditen allmählich Anlagechancen eröffnen.

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

Die Informationen sind unverbindlich und stellen weder eine Anlageempfehlung oder sonstige Beratung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch. Eine Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Anlegers. Die dargestellten Informationen, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten sowie das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
  • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
  • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London
  • Quelle: Bereich “Die aktuellen Ereignisse in Europa und ihre Auswirkungen auf Anlagemöglichkeiten im Energiesektor“ von  Allianz Global Investors GmbH

Anlagekommentar Mai 2022 als ePaper lesen

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Mittwoch, 15. Juni 2022

Steigende Zinsen - Was bedeutet dies für die Aktienmärkte?

 In vielen Regionen der Welt steigen derzeit die Inflationsraten. Daraus ergibt sich für Anleger:innen unter anderem die Frage, wie die unterschiedlichen Kapitalmärkte darauf reagieren werden und wie sie sich als Anleger:innen vor einem realen Kaufkraftverlust schützen können. Die zunächst gehegte Hoffnung, es könnte sich bei der steigenden Inflation um eine kurzfristige Folge steigender Rohstoffpreise handeln, weicht der Vermutung, dass uns eine erhöhte Inflationsrate auch mittel- und eventuell sogar langfristig beschäftigen wird. Im Folgenden werden die aktuellen Entwicklungen beleuchtet und der Frage nachgegangen, ob Aktien als Anlageklasse an Relevanz verlieren werden.

Federal Reserve System (Fed) und Europäische Zentralbank (EZB) planen weitere Leitzinsanpassungen noch in diesem Jahr

Die Federal Reserve System (Fed) hat es schon getan, die Europäische Zentralbank (EZB) wartet (noch) ab. Leitzinserhöhungen sind das Mittel der Wahl für die Notenbanken, um sich der stark gestiegenen Inflation entgegenzustemmen. Die Vorgehensweisen in den USA und in Europa weichen dabei aber stark voneinander ab. Woran das liegt und was die Zinsanpassungen für die Aktienmärkte bedeutet, wollen wir in diesem Newsletter näher beleuchten. Angesichts einer Inflation von immer noch 8,5 Prozent in den USA, sah sich die US-Zentralbank zum Handeln gezwungen. Am 4. Mai 2022 erhöhte die Federal Reserve den Leitzins um 0,5 Prozent. Die stärkste Anhebung seit 20 Jahren. Einen Schritt, den sich die US-Amerikaner wohl erlauben können. Trotz Corona und Ukraine-Krieg läuft die Wirtschaft gut, die Arbeitslosenzahlen sind relativ gering und die Löhne zogen zuletzt an.

Die 20 Länder mit der höchsten Inflationsrate im Jahr 2021

Diese Faktoren haben in den Vereinigten Staaten allerdings eine Spirale in Gang gesetzt: Steigende Löhne sorgen für höhere Preise, die wiederum zu höheren Lohnforderungen führen. Die Federal Reserve versucht durch Ihre Zinspolitik nun genau diese „Lohn-Preis-Spirale“ zu stoppen. An den Terminmärkten wird zum Jahresende daher fest mit einem Zinsniveau von mindestens 2,75 Prozent gerechnet. Gleichzeitig soll die auf rund neun Billionen Dollar aufgeblähte Bilanz schrittweise abgebaut werden. Der Beginn dieser monumentalen Aufgabe ist bereits der Juni 2022. Anders als beispielsweise in Europa ist die Inflation in den Vereinigten Staaten nachweislich weniger durch die steigenden Energiepreise nach oben getrieben worden. Rechnet man die Preise für Energie und Nahrungsmittel aus der Betrachtung heraus, erhält man für die USA immer noch einen Wert von 6,5 Prozent. Diese „Kerninflation“ liegt in Europa bei 3,5 Prozent.

Wege zur Inflationsbekämpfung in den USA und Europa unterscheiden sich

Der im Vergleich zu den USA hohe Anteil von Energiekosten für Verbraucher in Europa, vergrößert aber auch das Dilemma für die EZB. Eine Erhöhung der Zinsen würde nämlich nicht nur hochverschuldete Staaten wie Italien oder Portugal in Bedrängnis bringen, sie hätte mittelfristig auch keinen entscheidenden Einfluss auf die hohen Energiekosten. Der „Zinseffekt“ auf die Inflation könnte also geringer ausfallen als gehofft. Nichtsdestotrotz hat die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, kürzlich klargestellt, dass die Zinsen erst dann steigen werden, wenn das Anleihekaufprogramm beendet ist.

Dies könnte womöglich schon im Juli der Fall sein, kündigte EZB-Direktorin Isabel Schnabel an. “Wir sehen eine Verbreiterung des Inflationsdrucks”, warnt Schnabel. Sie hält sogar die Entstehung einer Lohn-Preis-Spirale wie in den USA für möglich. „Es steht außer Zweifel, dass höhere Lohnforderungen kommen würden, wenn die Inflation längere Zeit hoch bleibt“, meint Schnabel. Deshalb “müssen wir verhindern, dass sich die hohe Inflation in den Erwartungen festsetzt.“ Es ist aber durchaus vorstellbar, dass sich Lagarde mit einem Zinsschritt bis zum Herbst Zeit lässt – vor allem, wenn der Ukraine-Krieg weiter eskaliert und die europäische Wirtschaft belastet. Ökonomen rechnen derzeit mit drei kleinen Zinserhöhungen in diesem Jahr. Den Prognosen zufolge könnten die Leitzinsen bis zum Jahresende bei 0,75 Prozent liegen. Wer etwas über die unmittelbaren Folgen steigender Zinsen auf einzelne Aktienmärkte erfahren möchte, braucht sich nur den US-Markt über die letzten Monate anzuschauen.

Technologie-Branche ist derzeit am meisten betroffen - "langweilige" Basiswerte bleiben stabiler

Zunächst fällt dabei auf, dass insbesondere Technologie-Werte, aber auch Kryptowährungen, negativ betroffen waren. Der techlastige Index „Nasdaq 500“ fiel allein seit Jahresanfang um beinahe 30 Prozent. Zum Vergleich: Der deutsche Aktienindex DAX ging im gleichen Zeitraum „nur“ um weniger als die Hälfte zurück! Hintergrund der starken Verluste ist die große Abhängigkeit der Bewertungen von den traditionell hohen Gewinnerwartungen der Technologie-Branche. In einem Umfeld steigender Zinsen fallen diese weniger stark ins Gewicht und die Bewertungen der schnell wachsenden Unternehmen fallen. Nach der gleichen Logik gehören insbesondere Value-Titel oft zu den Gewinnern eines Zinserhöhungszyklus. Im Gegensatz zu Wachstums-Aktien sind deren Bewertungen nicht so stark von Zinserhöhungen abhängig und werden daher auch weniger von Notenbankentscheidungen beeinflusst. Als besonders robust gegen steigende Zinsen haben sich auch Branchen wie Banken, Versicherungen, Energie, Infrastruktur, Reisen und Rohstoffe gezeigt. Einige davon wurden zuletzt zu den Pandemieverlierern gezählt und könnten nun einen doppelten Kursschub erhalten.

MSCI World Entwicklung von 1970 bis 2022

Betrachtet man die historische Entwicklung von Aktienkursen nach den  Zinserhöhungsschritten der letzten 30 Jahre, relativiert sich der Einfluss der Notenbank-Entscheidungen für Aktieninvestments grundsätzlich: Im Durchschnitt fiel der breit aufgestellte „MSCI World“ als Reaktion auf Fed-Leitzinserhöhungen für etwa 30 Tage. Bereits nach 50 Tagen waren diese Verluste aber schon wieder aufgeholt und die Märkte legten in der Folge deutlich zu. Zinserhöhungen bedeuten also nicht zwingend eine Zäsur für die Aktienmärkte, sondern lösten in der Vergangenheit nur kurzfristig Pessimismus bei Anlegern aus. Auch für dieses Jahr zeichnet sich ab, dass der weitere Verlauf des Krieges in der Ukraine der wichtigere Treiber für die Aktienkurse sein wird. Eine Entspannung des Konflikts und sinkende Rohstoffpreise würden sicherlich die Kurse beflügeln, aber auch Druck von der Europäischen Zentralbank nehmen und voraussichtlich zu einer langsameren Zinswende führen. Die Märkte bewegen sich in 2022 damit weiter in der Taktung der Geopolitik.

Fazit

Die Zinserhöhungen der Notenbanken sind überfällig und bei den aktuellen  Verbraucherpreisen auch nicht mehr vermeidbar. Für Anleger sollte dies allerdings kein
Grund sein, um überstürzt Aktienquoten in den Portfolios zu verringern. Im Vergleich zu anderen Anlageklassen (Tages-, Festgeld, Kryptowährungen oder Anleihen) bleibt der Ausblick für Aktien weiter attraktiv. Bei der Auswahl von Regionen und Branchen sollte
die Zinsentwicklung aber trotzdem eine Rolle spielen. Gerade die stärkere Gewichtung von Value-Titeln sowie eine breite Streuung auf verschiedene Regionen mit unterschiedlichem
Zinsumfeld halten wir aktuell für eine vielversprechende Strategie.

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Mittwoch, 8. Juni 2022

Investmentfonds und Steuern - Ihre Gebrauchsanweisung für 2022

 Es ist nicht entscheidend, wie hoch ihr angelegtes Vermögen ist und wie erfahren Sie im Umgang mit Fonds bereits sind: Die steuerliche Seite ihrer Geldanlage sollte man als Anleger kennen und verstehen. Durch die Investmentsteuerreform hat sich die Besteuerungssystematik bei Investmentfonds mit der Wirkung zum 1. Januar 2018 grundlegend geändert. Wesentlich ist hierbei die Abkehr vom bisher geltenden Transparenzprinzip mit dem Ziel, die Besteuerung für Fondsanleger einfacher und nachvollziehbarer zu gestalten. Dies soll durch ein sogenanntes pauschales Besteuerungssystem bei Investmentfonds erreicht werden. Deshalb sollte sich jeder Anleger auch mit der steuerlichen Seite seiner Geldanlage befassen.

Der Fondsanbieter Allianz Global Investors stellt ihnen eine aktualisierte, verständliche und anschauliche Broschüre zu dem Thema "Investmentfonds und Steuern 2022" für Privatanleger zur Verfügung. Eines der wichtigsten Anliegen war es, dem Verbraucher das zweifelsohne nicht immer ganz einfache Steuerrecht in einer verständlichen Form nahezubringen.

Steuerregeln für Investmentfonds

Dort finden Sie interessante Informationen zu:

  • Eine Art Gebrauchsanweisung für Investmentfonds
  • Investmentfonds und Steuern auf einen Blick
  • Abgeltungssteuer auf Fondserträge
  • Übergangsvorschriften 2017/2018
  • Befreiung von der Abgeltungssteuer
  • Fondserträge in der Einkommensteuererklärung 2021
  • So füllen Sie die Anlage KAP und KAP-INV für die Einkommensteuererklärung 2021 aus
  • Beantragen der Arbeitnehmer-Sparzulage
  • Beantragen der staatlichen „Riester-Förderung“
  • Potenzielle Meldepflichten aus der Fondsanlage
  • Häufig gestellte Fragen
  • Steuer-ABC
Das PDF-Dokument für Privatvermögen 2022 können Sie hier herunterladen.

Broschüre für Privatvermögen herunterladen

Ebenfalls erhältlich ist eine Broschüre für Investmentfonds im Betriebsvermögen. Diese möchte inländischen Firmenkunden die Prinzipien der Fondsbesteuerung und die damit verbundenen Bilanzierungsgrundsätze nach den Regeln des deutschen Handelsgesetzbuches (HGB) erläutern.

Das PDF-Dokument für Betriebsvermögen 2022 können Sie hier herunterladen.

Broschüre für Betriebsvermögen herunterladen

Die steuerliche Behandlung von Kapitalerträgen hängt von den persönlichen Verhältnissen des Anlegers ab und kann künftig Änderungen unterworfen sein. Für Einzelfragen, insbesondere unter Berücksichtigung seiner individuellen steuerlichen Situation, sollte man sich an seinen persönlichen Steuerberater wenden. Bei einer Anlageentscheidung ist auch die persönliche außersteuerliche Situation des Anlegers zu berücksichtigen.

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Freitag, 27. Mai 2022

Anlagekommentar April 2022 - Güternachfrage, Energie- und Nahrungsmittel treiben die Inflation nach oben

 Die Kapitalmärkte standen im April 2022 heftig unter Druck. Durch stark steigende Zinsen, neue Covid-19-Lockdowns in China, weiter steigende Preise, zunehmende Rezessionssorgen und der anhaltende Krieg in der Ukraine sorgten dafür, dass der globale Aktienindex MSCI World um -8,4 Prozent abstürzte. So waren Wachstumswerte nicht nur durch den rasanten Anstieg der Renditen langlaufender Staatspapiere belastet, sondern auch durch schwache Ergebnisse einiger US-Technologieunternehmen wie Netflix, Amazon oder PayPal. Die Diskussionen über ein Embargo von russischem Öl und Gas zeigten jedoch Wirkung: Je stärker die Abhängigkeit von russischen Energierohstoffen ist, desto höher fielen meist die Aktienmarktverluste der Länder aus.

Entwicklung der Anlagemärkte im April 2022

Wachstumswerte gaben bei ihren Kursen nach, da diese nicht nur durch den rasanten Anstieg der Renditen langlaufender Staatspapiere belastet wurden, sondern auch durch schwache Ergebnisse von bspw. Netflix, Amazon oder PayPal. Dies wirkte sich dahin gehend aus, dass der globale Index für Wachstumswerte mit -12 Prozent überproportional verlor.

Dies hatte auch Folgen für den weltweiten globalen MSCI World Index, der um -8,4 Prozent nach unten ging. Der NASDAQ Composite Index verlor mit -13,3 Prozent auch deutlich und die anderen amerikanischen Werte konnten sich diesem Trend nicht entziehen, was beim Dow Jones Industrial Average Index mit -4,9 Prozent zu buche schlug und der marktbreite S&P 500 Index musste mit -8,8 Prozent einen größeren Rückgang ertragen.

Die europäischen Börsen hielten sich dagegen etwas besser. So gab der Eurostoxx 50 Index nur -2,6 Prozent nach und der marktbreite europäische Stoxx Europe 600 Index sogar nur -1,2 Prozent. Auch in anderen einzelnen Ländern der Eurozone hielten sich die Rückgänge mit einer Brandbreite von -0,3 bis -3,1 Prozent ebenfalls in Grenzen. Die Thematik über ein Embargo von russischem Öl und Gas zeigten auch eine Wirkung: Je stärker die Abhängigkeit von russischen Energierohstoffen ist, desto höher fielen meist die Aktienmarktverluste der betroffenen Länder aus. So konnte sich der spanische Aktienindex IBEX 35 Index mit einem Plus von 1,6 Prozent positiv heraus stellen. Dagegen musste der deutsche DAX Index einen Rückgang von -2,2 Prozent hinnehmen, den Abhängigkeit von russischem Gas ist hier viel höher.

DAX Entwicklung

In Asien musste auch der chinesische Markt musste starke Kursrückgänge hinnehmen. Die Corona-Lockdowns belasten den Konsum, die Rohstoffpreise und die heimische Währung. Daraus folgte, dass die chinesische Wirtschaftsleistung nur noch um +4,8 Prozent stieg. Chinas Zentralbank versuchte, mit geldpolitischen Maßnahmen gegenzusteuern. Die geldpolitischen Lockerungen hatten jedoch ihren Preis: Der Renminbi erlitt im April 2022 den stärksten monatlichen Rückgang seiner Geschichte. Dies spiegelte sich auch im Hang Seng Index wieder, der einen Rückgang von -4,1 Prozent hinnehmen musste. Auch der NIKKEI 225 Index kam unter mit -3,5 Prozent unter die Räder.

An den Rentenmärkten bestimmte weiter die steigende Inflation und die daraus resultierenden Zinserhöhungen der Notenbanken das Geschehen. So zog die Inflationsrate in den USA im März auf 8,5 Prozent an, was den höchsten Stand seit 40 Jahren markierte. Die Marktteilnehmer spekulierten auf einen noch aggressiveren Zinserhöhungszyklus der Notenbank Federal Reserve System (Fed), was unter anderem zu einer kräftigen Aufwertung des US-Dollars führte. Dagegen verzeichnete der Euroraum im ersten Quartal noch ein geringes Wachstum der Wirtschaft. Auch hier machte sich die ausufernde Inflation inzwischen immer stärker bemerkbar. Unter dem Druck, auf die hohen Inflationszahlen zu reagieren, erklärte die Präsidentin der Europäische Zentralbank (EZB), dass die Geldhüter ihr Anleihekaufprogramm wahrscheinlich schon zu Beginn des zweiten Halbjahres beenden und die Zinsen vor Jahresende anheben werde.

Bei dem Rohstofflager kam es dagegen zu einer Ernüchterung: Angesichts der brachial aufkommenden Wachstumssorgen gab das Gros der Industrierohstoffe deutlich nach. Kupfer verbilligte sich um fast 6 Prozent, Aluminium sogar um über 12 Prozent und Nickel verlor 1 Prozent. Der Ölpreis schoss infolge der Diskussion um ein Embargo russischer Kohlenwasserstoffe wieder über die Marke von 100 US-Dollar je Fass.

Das Informationszeitalter steht vor einer nächsten Ausbaustufe

Nach dem Handelskrieg zwischen den USA und China, dem Ausbruch der Corona-Pandemie, folgt nun mit dem Ukrainekrieg der nächste Schlag gegen die wirtschaftliche Globalisierung der Welt. Durch gestörte Lieferketten und Engpässe bei Vorprodukten kann es zu drastischen Preiserhöhungen kommen. In Bereichen, die größtenteils auf Zulieferprodukte angewiesen sind, wie beispielsweise die Automobilproduktion, kommt es zeitweise sogar zum gesamten Stillstand der Produktionslinien. Dadurch sind Regierungen und Unternehmen gezwungen, auf die neuen Umstände zu reagieren. Für den Aufbau alternativer Bezugsquellen, wird einerseits Zeit benötigt und andererseits führt dies zu höheren Preisen. Verlässliche Lieferwege und eine Verbesserung der Versorgungssicherheit stehen für viele Branchen nun auf der Agenda. Um es auf den Punkt zu bringen: Das ganze ist nichts anderes als eine Umkehrung der Globalisierung. Die Folge dieser Entwicklung sind Effizienzverluste und damit höhere Konsumentenpreise. Unternehmen, die die höheren Preise nicht an ihre Kunden weitergeben können, werden den Geschäftsbetrieb mittelfristig einstellen müssen.

Das Fahrwasser für die Aktionäre wird flacher

Anleger, die in den letzten 10 bis 12 Jahren vom großen Erfolg der konsumentenorientierten Technologieunternehmen profitiert haben, kommen allmählich in ein flacheres Fahrwasser. Unternehmen wie Google, Apple, Facebook, PayPal oder Alibaba haben häufig große Anteile in Privatdepots. Die Merkmale dieser typischen Nasdaq-Titel haben sich in den letzten Jahren jedoch radikal gewandelt. Sie sind heute für einen Großteil der Gewinne in globalen Aktienindizes verantwortlich. Die Aussicht darauf, dass sie ihren Wachstumskurs der vergangenen Jahre fortsetzen, trübt sich jedoch zunehmend ein. Mittlerweile wird deutlich, dass diese Plattformen unter ihrer eigenen Größe leiden.

Oder anders ausgedrückt: Sie haben eine Dimension erreicht, die den Grenznutzen kleiner werden lässt, während die Kosten weiter steigen. Man spricht deshalb von negativen Skaleneffekten, denn der Konzern wird zunehmend wichtiger als das eigentliche Produkt. Aus Investorensicht wird die Kernfrage in den kommenden Jahren lauten, ob das verbleibende Wachstum den Rückgang der Bewertungsniveaus dieser Unternehmen überkompensieren kann. Trotz eines deutlichen Rückgang der Wachstumsgeschwindigkeit ist jedoch anzumerken, dass eine zunehmende Regulierung die Eintrittsbarrieren für mögliche Konkurrenz erhöht und den Fortbestand der bisherigen Geschäftsmodelle auf natürliche Weise schützt.

Was werden die FAANG-Aktien der nächsten zehn Jahre?

Die erste Phase des Informationszeitalters begann in den 1980er Jahren und nahm in den 90ern richtig Fahrt auf. Es ging um die flächenweite Einführung des PCs und darum die großen Unternehmen sowie Behörden und Regierungen mit Software auszustatten, Informationsflüsse zu digitalisieren und Daten zu speichern. Unternehmen wie Microsoft, SAP, Cisco, Dell, HP oder IBM waren maßgeblich an diesem Erfolg beteiligt. Die zweite Phase, welche in den 2000er Jahren begann, war die Verbreitung des Internets bei Konsumenten. Downloads von Ton- und Bildmaterial, Onlineshopping, Streaming, Informationsverbreitung in sozialen Netzwerken und die Einführung des Smartphones, waren die maßgeblichen Entwicklungen, die die Tech-Giganten von heute hervorbrachten.

Die Namen sind bekannt, jedoch haben die meisten Unternehmen der ersten Phase den Sprung in diese zweite bis heute andauernde Phase nicht geschafft. Microsoft ist eine von wenigen Ausnahmen. Die heutigen sogenannten Tech-Plattformen sitzen auf riesigen Gewinnen und haben durch ihre Oligopole eine stabile Position im Markt. Facebook und Google dominieren das Werbegeschäft, Amazon und Alibaba den Onlinehandel und Apple und Samsung den Smartphone-Markt. Doch nur wenige dieser heute dominanten Spieler werden auch in der dritten, gerade beginnenden Phase des Informationszeitalters erfolgreich sein.

Die nächste Dekade wird das Zeitalter der Digitalisierung der Produktion, der nachhaltigen Energieerzeugung, dem Einsatz künstlicher Intelligenz in diversen Bereichen und der Elektrifizierung der Fortbewegung sein. Teile, die einst durch Menschen gefertigt wurden, werden in einem Stück aus dem 3D-Drucker kommen und Produktionshallen werden kaum noch von Menschen besetzt sein. Teslas Gigafabriken in Berlin und Shanghai machen es vor. Global gibt es mittlerweile mehr als 3 Millionen Industrieroboter, die tags und nachts, wochentags und am Wochenende im Einsatz sind. Tendenz stark wachsend. Erst seit einigen Jahren sind die uns zur Verfügung stehenden Computer dazu im Stande, die Rechenleistung zu liefern, die notwendig ist, um selbstlernende Systeme und Automationslösungen in Fabriken zu installieren.

Diverse Branchen werden vermehrt auf den Einsatz von Robotern setzen, ob Sportschuhe oder Autoteile, ob Kosmetikartikel oder Logistikprozesse. Die Corona-Pandemie und die durch den Russland-Ukraine-Krieg weiter verknappten Lieferketten sind der wahrscheinlich stärkste Katalysator dieser Entwicklung, den man sich vorstellen kann. Unternehmen, die ihre Produktion aufgrund von Lieferengpässen nun lokaler aufstellen, stehen jetzt deutlich höheren Lohnkosten gegenüber. Der Preis für Industrieroboter hat sich in den letzten Jahren hingegen mehr als halbiert.

Preis für Industrieroboter gegenüber Lohnkosten in der Produktion

Wer sind die Gewinner dieser nächsten technologischen Welle

Es geht um Rohstoffe. Rohstoffe, die notwendig sind, um zu automatisieren, grüne elektrische Energie zu erzeugen, diese zu speichern und zu verbrauchen. Dies sind Halbleiter sowie Werkzeuge, um Halbleiter herzustellen. Doch auch echte Rohstoffe wie Nickel, Kupfer und Lithium sind unumgänglich bei dieser nächsten Phase des technologischen Wachstums. Die Folge werden gigantische Batteriekonzerne sein, möglichst vertikal integrierte E-Auto-Hersteller, Automatisierungsspezialisten und Entwicklern von Computerchips. Auch die aufstrebenden Cloudunternehmen werden weiter stark wachsen und künstliche Intelligenz wird unumgänglich. Die Firmen, die es schaffen, diese neue Technologie sinnvoll zu nutzen, gewinnen an Bedeutung. Die aussichtsreichsten KI-Anwendungsfelder sind Datensicherheit, Kreditanalyse, Roboterproduktion, Medizin, Genanalyse, Logistik, Werbung, Energieerzeugung und Autonomes Fahren.

Die strukturellen Veränderungen erfordern eine besonders langfristige Ausrichtung bei der Kapitalanlage, die beispielsweise in den Anlagefonds MainFirst Global Equities Fund oder Allianz Thematica bereits heute umgesetzt werden. Damit werden Investmentthemen wie Auto der Zukunft, Cloud-Computing, Halbleiter, Künstliche Intelligenz und Automation berücksichtigt.

Ausblick auf die zukünftige Kapitalmarktentwicklung

Unmittelbar nach dem Einmarsch von Russland in die Ukraine war die Unsicherheit über die Auswirkungen auf die Kapitalmärkte am größten. Der Fokus hat sich mittlerweile wieder auf die fundamentalen Faktoren, wie Wirtschaftsdynamik, Inflation und Geldpolitik, verlagert. Nach der Erholung im Dienstleistungssektor mit dem Abklingen der ersten Omikron-Welle werden die in den letzten Wochen deutlich gestiegenen Energiepreise und erneute Störungen in Lieferketten zu einem Nachlassen der Konjunkturdynamik im zweiten Quartal führen.

Auch ist weiterhin ein Einfluss der Corona-Pandemie auf das Wirtschaftsgeschehen vorhanden, wie die lokalen Lockdowns in China zeigen. Das mittelfristige Szenario eines positiven, aber verhaltenen Wachstums der Weltwirtschaft und einer Inflation im Rahmen der Notenbankziele (2 Prozent in der Eurozone und den USA) lässt positive Kapitalmarkterträge erwarten. Eine Positionierung die sich an den mittelfristig zu erwartenden fundamentalen Entwicklungen orientiert ist empfohlen, wobei angesichts höherer als üblicher Risiken, insbesondere der Inflation, aber auch Restrisiken im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine vorerst weiterhin eine neutrale Aktienallokation sinnvoll ist.

Für den Weg in Richtung einer wirtschaftlichen Normalisierung bleibt die Inflation die zentrale Unwägbarkeit. Der Anstieg der Inflation ist eine indirekte Auswirkung der Corona-Pandemie, die vor allem von einer extrem hohen Güternachfrage in den USA getragen wird und damit auch für die Zentralbanken weitgehend Neuland ist. Da die Korrektur bei den Wachstumstiteln bereits weit fortgeschritten ist, scheint der zentrale negative Faktor für die Börsenentwicklung in den vergangenen Monaten allmählich nachzulassen. Somit sind die Erholungschancen für die Börsen intakt, wobei die Aussichten für Europa und die USA ähnlich sind. Im Zuge der zu erwartenden Verknappung des weltweiten Rohstoffangebots durch die Russland-Sanktionen dürften die Energiepreise noch für einige Zeit hoch bleiben, wobei ein weiterer deutlicher Anstieg nicht als Hauptszenario anzusehen ist. Der Trend bei den Anleiherenditen bleibt in der Tendenz nach oben gerichtet, wobei steigende Renditen allmählich Anlagechancen eröffnen.

Anlagemärkte Entwicklung

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

Die Informationen sind unverbindlich und stellen weder eine Anlageempfehlung oder sonstige Beratung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch. Eine Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Anlegers. Die dargestellten Informationen, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten sowie das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
  • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
  • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London
  • Quelle: Bereich “ Das Informationszeitalter steht vor einer nächsten Ausbaustufe“ von MainFirst GmbH

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Dienstag, 17. Mai 2022

Globale Wirtschaft – Achillesferse Lieferketten?

 Die Corona-Krise und der Krieg in der Ukraine haben die Fragilität internationaler Lieferketten offengelegt. Lieferzeiten stiegen deutlich an und Kosten für viele Rohstoffe oder Vorprodukte befeuern die bereits hohe Inflation noch weiter. Unternehmen und ganze Wirtschaftszweige zwingt die aktuelle Situation auch langfristig zum Umdenken. Wie bei allen globalen Trends, wird es auch in diesem Fall klare Gewinner und Verlierer geben.

Für die globale Wirtschaft werden die Lieferketten zur Achillesferse

Mehr als zwei Jahre haben das Coronavirus und die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung die Weltwirtschaft bestimmt. Gerade als eine langsame Abschwächung des Infektionsgeschehens erkennbar schien und sich Unternehmen immer besser auf die Schwierigkeiten in ihren Lieferketten einstellen konnten, schockierte der Ukraine-Krieg die Welt. Der Angriff russischer Truppen führte zu umfassenden Sanktionen und Boykotts, welche die Weltwirtschaft empfindlich trafen. Wachstumserwartungen wurden in der Folge nach unten korrigiert und die Inflation dafür in die Höhe getrieben. Schnell machten Unkenrufe über ein neues Zeitalter der „Deglobalisierung“ die Runde. Die Vernetzung der Weltwirtschaft durch Handel und globale Arbeitsteilung könnte demnach ins Stocken geraten oder sogar zurückgedreht werden.

Wer am stärksten von der Globalisierung profitiert

Erstes Anzeichen für diese Entwicklung war bereits der Handelskrieg zwischen den USA und China im Jahr 2018. Bekanntermaßen war ein Ziel des US-Präsidenten Trump dabei auch wieder Jobs aus China zurück in die Vereinigten Staaten zu holen, um Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und die heimische Industrie zu stärken. Während damals die konkreten Auswirkungen auf die Wirtschaft marginal ausfielen, waren sie in der Corona-Krise gravierend. Lockdowns und krankheitsbedingte Ausfälle in der Produktion eines Landes konnten schnell zu Produktionsstopps in einem anderen Land führen. Medizinische Schutzkleidung wurde in Deutschland knapp, da diese kaum noch im Inland produziert wurde. Besonders die in den letzten Jahrzehnten gewachsene Abhängigkeit von China wurde den westlichen Industrienationen deutlich vor Augen geführt.

Eine schnelle Rückholung der Produktion aus den Billiglohnländern ist nicht zu erwarten

Auch in diesen Tagen bekommen wir die Auswirkungen der Zero-Covid-Strategie Pekings zu spüren. Sei es durch längere Lieferzeiten diverser Produkte oder immer weiter steigende Preise. Die Bedeutung von Russland und der Ukraine sind für die Weltwirtschaft zwar ungleich kleiner als China, trotzdem ist gerade Europa auf russische Rohstoffe angewiesen. Es geht dabei nicht nur um Öl, Erdgas und Weizen, sondern auch um Metalle wie Palladium und Neon. Beide Rohstoffe werden insbesondere für die Halbleiterindustrie dringend benötigt. Also eine Industrie, die bereits vor Kriegsausbruch nicht die vorhandene Nachfrage bedienen konnte enorm. Eine Möglichkeit, sich von ausländischen Lieferketten unabhängiger zu machen, ist natürlich, die gesamte Produktion und damit verbundene Arbeitsplätze aus Billiglohnländern zurückzuholen. Dieser Prozess ist aber nicht auf die Schnelle durchzuführen und gleichzeitig mit gewaltigen Mehrkosten verbunden. Wenig überraschend stellte daher beispielsweise gerade erst die Handelskammer von Shanghai klar, dass aktuell keine US-Firmen ihre Produktion aus China in ihr Heimatland
verlagern.

Die globalen Lieferkettenstörungen

Stattdessen diversifizieren Unternehmen ihre Lieferketten lieber, indem sie Lieferanten-Netzwerke erweitern, um nicht mehr auf einzelne Unternehmen und Wirtschaftsregionen angewiesen zu sein. Kleinere, flexiblere und wachsende Unternehmen sind hier in der Regel im Vorteil, da sie diese Netzwerke erst aufbauen und nicht erst gewachsene Strukturen aufbrechen müssen. Unterstützung könnte das sogenannte Reshoring – also das zurückholen von Arbeitsplätzen aus dem Ausland – auch aus der Politik erhalten. Als Reaktion auf die aktuellen Krisen haben sich etwa viele europäische Staaten das Ziel gesetzt, die Versorgungssicherheit bei strategischen und lebensnotwendigen Gütern wie Medikamenten, Energieträgern und Technologie zu verbessern. Schlüsselprodukte und -technologien sollen zukünftig also möglichst „Made in EU“ sein. Beispiel hierfür ist der geplante Bau zweier Halbleiterfabriken in Magdeburg durch die Firma Intel. Damit sollen nicht nur 3.000 Arbeitsplätze geschaffen, sondern laut der Bundesregierung auch für „resiliente Lieferketten sowie wettbewerbsfähige und leistungsfähige Produktionsstrukturen in Deutschland und Europa“ gesorgt werden.

Die aktuellen Krisen sorgen für eine neue Sichtweise für eine europäische Industriepolitik

Die aktuellen Krisen scheinen auch der entscheidende Anlass zu sein, um die EU endlich zu einer gemeinsamen Industriepolitik zu zwingen, über die im letzten Jahrzehnt nur endlos debattiert wurde. Wenn zukünftig deutsche Unternehmen ihre Produktion doch wieder verstärkt im Inland oder europäischen Ausland ansiedeln möchten, wäre dies aus Kostengründen wohl nur bei einem hohen Grad an Automatisierung und dem Einsatz von Industrierobotern möglich. Dies bietet selbstverständlich Chancen für entsprechende Robotik- oder KI-Unternehmen, aber auch für Firmen, die bereits über stark automatisierte und digitalisierte Prozesse verfügen.

Fazit

Corona-Krise und Ukraine-Krieg sind zu einem Weckruf für die Industrie geworden. Zu lange wurden Abhängigkeiten von einzelnen Ländern oder Lieferanten einfach hingenommen und der Aufbau eines stabilen Netzwerks aus Lieferketten verschlafen. Ziehen europäische Unternehmen die richtigen Lehren aus der aktuellen Situation, kann sich das für Anleger gleich in mehrfacher Hinsicht auszahlen: Zukünftige Krisen mit Lieferengpässen oder Probleme bei Zulieferern sollten dann nicht mehr zu Produktionsausfällen oder stark steigenden Kosten führen. Dies sorgt für Stabilität in den Bilanzen und an den Börsen. Europäische Regierungen wollen zudem die Vorherrschaft der USA und Asien im Technologiesektor nicht mehr als Gott gegeben hinnehmen und kündigen entsprechende Förderprogramme an. Besonders im Fokus dabei das 5G-Netz, digitale Infrastruktur und Klimatechnologie. Gerade bei grünen Technologien gibt es in Europa einige Kandidaten, die auch auf dem globalen Markt eine führende Rolle einnehmen könnten.

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Mittwoch, 4. Mai 2022

Russland-Ukraine-Krieg sorgt für steigende Rohstoffpreise

 Die geopolitische Lage ist weiterhin unübersichtlich, denn der Krieg in der Ukraine überschattet auch an den Finanzmärkten das Tagesgeschehen. Mit dem Investmentthema in diesem Artikel geht es um eine Situation, die aktuell alle Menschen, auch außerhalb der Finanzbranche, beschäftigt bzw. über die hohe Volatilität der Preise betrifft.

Massiver Einfluss auf die Energiepreise - kommt die Energiewende schneller?

Eine bemerkenswerte Auswirkung der Krise auf den Finanzmarkt ist, dass russische Vermögenswerte kaum noch investierbar sind. Die Moskauer Börse wurde geschlossen und der Rubel erfuhr eine starke Abwertung. Die Aktienmärkte, vor allem in Europa, waren durch einen Anstieg der Volatilität gekennzeichnet und die Energiepreise standen unter Aufwärtsdruck. Wir erleben einen sprunghaften Anstieg sowohl der Öl- als auch der Gaspreise. Mit der Verschärfung des Konflikts wird der Ölpreis aller Voraussicht nach weiter unter Druck bleiben. Die USA beschlossen ein Importverbot gegen russisches Öl bzw. Gas und suchen neue Anbieter. Die Rohstoffpreise sind stark gestiegen, insbesondere bei solchen Rohstoffen, für die Russland ein wichtiger Exporteur ist, wie Aluminium und Weizen.

Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte

Die Folgen für Europa sind weitreichender als für die USA. Russland ist der fünftwichtigste Handelspartner der EU und macht 5 Prozent des EU-Handels aus, während das Land für die USA mit 1 Prozent des US-Handels nur an 30. Stelle steht. Außerdem profitieren die USA davon, dass sie vergleichsweise energieunabhängig sind. Rohstoffe sollten in dieser Hinsicht eine besonders wichtige Rolle spielen.

Öl: Die russischen Ausfuhren nach Europa belaufen sich auf etwa 4 Mio. Barrel/Tag (etwa die Hälfte der Gesamtausfuhren, während die Gesamtproduktion etwa 10 Mio. Barrel/Tag beträgt). Zum Vergleich: Das entspricht fast 30 Prozent des europäischen Ölverbrauchs. Diese Menge wird in naher Zukunft kaum durch die OPEC ersetzt werden können. Abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen gibt es heute eine allgemeine Zurückhaltung beim Kauf von russischem Öl und die weltweite Verknappung und der Preisdruck dürften in nächster Zeit anhalten.

Rohstoffpreise im Aufwind

Getreide: Die Ukraine ist für Europa von großer Bedeutung. Die Einfuhren von Mais aber auch von anderen Gemüsesorten sind erheblich. Der Wert der europäischen Agrarimporte aus der Ukraine entspricht fast der Hälfte des Wertes der Öleinfuhren aus Russland, gerechnet in US-Dollar.

Palladium: Hier ergibt sich ein komplexes Bild. Die russischen Ausfuhren werden au 6,5 Mrd. US-Dollar (1/4 des weltweiten Gesamtvolumens) geschätzt, davon erfolgen Lieferungen im Wert von 3 Mrd. US-Dollar nach Europa. Die Abhängigkeit Europas von russischen Palladium-Exporten ist also enorm.

Erdgas: Europa importiert 40 Prozent seines Gases aus Russland. Aus unseren Simulationen zum Klimawandel wissen wir, dass es angeraten ist, Kohle durch Gas zu ersetzen, was die Nachfrage nach Letzterem ankurbelt. Das Umfeld für 2023 und 2024 dürfte noch schwieriger sein, wenn man bedenkt, welche Gesamtmenge Europa benötigt, um den Bedarf für die nächsten Winter zu decken.

Ausblick auf die wirtschaftliche Lage Europas

Europa muss sich rasch auf die energetische Unabhängigkeit, eine gemeinsame Verteidigung und das steigende kurzfristige Wirtschaftsrisiko konzentrieren. Im Mittelpunkt der europäischen Agenda sollte die Notwendigkeit stehen, Russland bei den Öl- und Gasimporten durch neue Handelspartner zu ersetzen und die Energiewende zu beschleunigen, ohne weiteren Inflationsdruck zu verursachen. Dadurch dürfte auch der europäische Rahmen gestärkt werden. Beispielsweise wird Deutschland zwei LNG-Terminals (Flüssiggas) bauen, um seine Energieabhängigkeit von Russland zu überwinden. Und die UN hat für März eine außerordentliche Anleiheemission angekündigt, um den Mitgliedstaaten Darlehen zu gewähren und Gaspreisschwankungen abzufedern.

nominalen Preise ausgewählter Rohstoffe

Drei mögliche Szenarien für die weitere Rohstoffpreisentwicklung:

Pessimistisches Szenario: 30 Prozent

Erneuter Einbruch in Richtung Stagflation
Ein langanhaltender Krieg in der Ukraine beeinträchtigt das Vertrauen und die Wirtschaftstätigkeit, treibt die Rohstoff- und Energiepreise langfristig in die Höhe und unterbricht die Versorgungsketten

Zentrales Szenario: 60 Prozent

Holpriger Weg, regionale Divergenzen
Der Krieg in der Ukraine beeinträchtigt das Vertrauen und treibt die Rohstoff- und Energiepreise vorübergehend in die Höhe

Optimistisches Szenario: 10 Prozent

Integratives und nachhaltiges Wachstum
Der Krieg in der Ukraine endet schnell und die Beeinträchtigung des Energie- und Rohstoffmarktes ist begrenzt.

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