Mittwoch, 8. Juni 2022

Investmentfonds und Steuern - Ihre Gebrauchsanweisung für 2022

 Es ist nicht entscheidend, wie hoch ihr angelegtes Vermögen ist und wie erfahren Sie im Umgang mit Fonds bereits sind: Die steuerliche Seite ihrer Geldanlage sollte man als Anleger kennen und verstehen. Durch die Investmentsteuerreform hat sich die Besteuerungssystematik bei Investmentfonds mit der Wirkung zum 1. Januar 2018 grundlegend geändert. Wesentlich ist hierbei die Abkehr vom bisher geltenden Transparenzprinzip mit dem Ziel, die Besteuerung für Fondsanleger einfacher und nachvollziehbarer zu gestalten. Dies soll durch ein sogenanntes pauschales Besteuerungssystem bei Investmentfonds erreicht werden. Deshalb sollte sich jeder Anleger auch mit der steuerlichen Seite seiner Geldanlage befassen.

Der Fondsanbieter Allianz Global Investors stellt ihnen eine aktualisierte, verständliche und anschauliche Broschüre zu dem Thema "Investmentfonds und Steuern 2022" für Privatanleger zur Verfügung. Eines der wichtigsten Anliegen war es, dem Verbraucher das zweifelsohne nicht immer ganz einfache Steuerrecht in einer verständlichen Form nahezubringen.

Steuerregeln für Investmentfonds

Dort finden Sie interessante Informationen zu:

  • Eine Art Gebrauchsanweisung für Investmentfonds
  • Investmentfonds und Steuern auf einen Blick
  • Abgeltungssteuer auf Fondserträge
  • Übergangsvorschriften 2017/2018
  • Befreiung von der Abgeltungssteuer
  • Fondserträge in der Einkommensteuererklärung 2021
  • So füllen Sie die Anlage KAP und KAP-INV für die Einkommensteuererklärung 2021 aus
  • Beantragen der Arbeitnehmer-Sparzulage
  • Beantragen der staatlichen „Riester-Förderung“
  • Potenzielle Meldepflichten aus der Fondsanlage
  • Häufig gestellte Fragen
  • Steuer-ABC
Das PDF-Dokument für Privatvermögen 2022 können Sie hier herunterladen.

Broschüre für Privatvermögen herunterladen

Ebenfalls erhältlich ist eine Broschüre für Investmentfonds im Betriebsvermögen. Diese möchte inländischen Firmenkunden die Prinzipien der Fondsbesteuerung und die damit verbundenen Bilanzierungsgrundsätze nach den Regeln des deutschen Handelsgesetzbuches (HGB) erläutern.

Das PDF-Dokument für Betriebsvermögen 2022 können Sie hier herunterladen.

Broschüre für Betriebsvermögen herunterladen

Die steuerliche Behandlung von Kapitalerträgen hängt von den persönlichen Verhältnissen des Anlegers ab und kann künftig Änderungen unterworfen sein. Für Einzelfragen, insbesondere unter Berücksichtigung seiner individuellen steuerlichen Situation, sollte man sich an seinen persönlichen Steuerberater wenden. Bei einer Anlageentscheidung ist auch die persönliche außersteuerliche Situation des Anlegers zu berücksichtigen.

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Freitag, 27. Mai 2022

Anlagekommentar April 2022 - Güternachfrage, Energie- und Nahrungsmittel treiben die Inflation nach oben

 Die Kapitalmärkte standen im April 2022 heftig unter Druck. Durch stark steigende Zinsen, neue Covid-19-Lockdowns in China, weiter steigende Preise, zunehmende Rezessionssorgen und der anhaltende Krieg in der Ukraine sorgten dafür, dass der globale Aktienindex MSCI World um -8,4 Prozent abstürzte. So waren Wachstumswerte nicht nur durch den rasanten Anstieg der Renditen langlaufender Staatspapiere belastet, sondern auch durch schwache Ergebnisse einiger US-Technologieunternehmen wie Netflix, Amazon oder PayPal. Die Diskussionen über ein Embargo von russischem Öl und Gas zeigten jedoch Wirkung: Je stärker die Abhängigkeit von russischen Energierohstoffen ist, desto höher fielen meist die Aktienmarktverluste der Länder aus.

Entwicklung der Anlagemärkte im April 2022

Wachstumswerte gaben bei ihren Kursen nach, da diese nicht nur durch den rasanten Anstieg der Renditen langlaufender Staatspapiere belastet wurden, sondern auch durch schwache Ergebnisse von bspw. Netflix, Amazon oder PayPal. Dies wirkte sich dahin gehend aus, dass der globale Index für Wachstumswerte mit -12 Prozent überproportional verlor.

Dies hatte auch Folgen für den weltweiten globalen MSCI World Index, der um -8,4 Prozent nach unten ging. Der NASDAQ Composite Index verlor mit -13,3 Prozent auch deutlich und die anderen amerikanischen Werte konnten sich diesem Trend nicht entziehen, was beim Dow Jones Industrial Average Index mit -4,9 Prozent zu buche schlug und der marktbreite S&P 500 Index musste mit -8,8 Prozent einen größeren Rückgang ertragen.

Die europäischen Börsen hielten sich dagegen etwas besser. So gab der Eurostoxx 50 Index nur -2,6 Prozent nach und der marktbreite europäische Stoxx Europe 600 Index sogar nur -1,2 Prozent. Auch in anderen einzelnen Ländern der Eurozone hielten sich die Rückgänge mit einer Brandbreite von -0,3 bis -3,1 Prozent ebenfalls in Grenzen. Die Thematik über ein Embargo von russischem Öl und Gas zeigten auch eine Wirkung: Je stärker die Abhängigkeit von russischen Energierohstoffen ist, desto höher fielen meist die Aktienmarktverluste der betroffenen Länder aus. So konnte sich der spanische Aktienindex IBEX 35 Index mit einem Plus von 1,6 Prozent positiv heraus stellen. Dagegen musste der deutsche DAX Index einen Rückgang von -2,2 Prozent hinnehmen, den Abhängigkeit von russischem Gas ist hier viel höher.

DAX Entwicklung

In Asien musste auch der chinesische Markt musste starke Kursrückgänge hinnehmen. Die Corona-Lockdowns belasten den Konsum, die Rohstoffpreise und die heimische Währung. Daraus folgte, dass die chinesische Wirtschaftsleistung nur noch um +4,8 Prozent stieg. Chinas Zentralbank versuchte, mit geldpolitischen Maßnahmen gegenzusteuern. Die geldpolitischen Lockerungen hatten jedoch ihren Preis: Der Renminbi erlitt im April 2022 den stärksten monatlichen Rückgang seiner Geschichte. Dies spiegelte sich auch im Hang Seng Index wieder, der einen Rückgang von -4,1 Prozent hinnehmen musste. Auch der NIKKEI 225 Index kam unter mit -3,5 Prozent unter die Räder.

An den Rentenmärkten bestimmte weiter die steigende Inflation und die daraus resultierenden Zinserhöhungen der Notenbanken das Geschehen. So zog die Inflationsrate in den USA im März auf 8,5 Prozent an, was den höchsten Stand seit 40 Jahren markierte. Die Marktteilnehmer spekulierten auf einen noch aggressiveren Zinserhöhungszyklus der Notenbank Federal Reserve System (Fed), was unter anderem zu einer kräftigen Aufwertung des US-Dollars führte. Dagegen verzeichnete der Euroraum im ersten Quartal noch ein geringes Wachstum der Wirtschaft. Auch hier machte sich die ausufernde Inflation inzwischen immer stärker bemerkbar. Unter dem Druck, auf die hohen Inflationszahlen zu reagieren, erklärte die Präsidentin der Europäische Zentralbank (EZB), dass die Geldhüter ihr Anleihekaufprogramm wahrscheinlich schon zu Beginn des zweiten Halbjahres beenden und die Zinsen vor Jahresende anheben werde.

Bei dem Rohstofflager kam es dagegen zu einer Ernüchterung: Angesichts der brachial aufkommenden Wachstumssorgen gab das Gros der Industrierohstoffe deutlich nach. Kupfer verbilligte sich um fast 6 Prozent, Aluminium sogar um über 12 Prozent und Nickel verlor 1 Prozent. Der Ölpreis schoss infolge der Diskussion um ein Embargo russischer Kohlenwasserstoffe wieder über die Marke von 100 US-Dollar je Fass.

Das Informationszeitalter steht vor einer nächsten Ausbaustufe

Nach dem Handelskrieg zwischen den USA und China, dem Ausbruch der Corona-Pandemie, folgt nun mit dem Ukrainekrieg der nächste Schlag gegen die wirtschaftliche Globalisierung der Welt. Durch gestörte Lieferketten und Engpässe bei Vorprodukten kann es zu drastischen Preiserhöhungen kommen. In Bereichen, die größtenteils auf Zulieferprodukte angewiesen sind, wie beispielsweise die Automobilproduktion, kommt es zeitweise sogar zum gesamten Stillstand der Produktionslinien. Dadurch sind Regierungen und Unternehmen gezwungen, auf die neuen Umstände zu reagieren. Für den Aufbau alternativer Bezugsquellen, wird einerseits Zeit benötigt und andererseits führt dies zu höheren Preisen. Verlässliche Lieferwege und eine Verbesserung der Versorgungssicherheit stehen für viele Branchen nun auf der Agenda. Um es auf den Punkt zu bringen: Das ganze ist nichts anderes als eine Umkehrung der Globalisierung. Die Folge dieser Entwicklung sind Effizienzverluste und damit höhere Konsumentenpreise. Unternehmen, die die höheren Preise nicht an ihre Kunden weitergeben können, werden den Geschäftsbetrieb mittelfristig einstellen müssen.

Das Fahrwasser für die Aktionäre wird flacher

Anleger, die in den letzten 10 bis 12 Jahren vom großen Erfolg der konsumentenorientierten Technologieunternehmen profitiert haben, kommen allmählich in ein flacheres Fahrwasser. Unternehmen wie Google, Apple, Facebook, PayPal oder Alibaba haben häufig große Anteile in Privatdepots. Die Merkmale dieser typischen Nasdaq-Titel haben sich in den letzten Jahren jedoch radikal gewandelt. Sie sind heute für einen Großteil der Gewinne in globalen Aktienindizes verantwortlich. Die Aussicht darauf, dass sie ihren Wachstumskurs der vergangenen Jahre fortsetzen, trübt sich jedoch zunehmend ein. Mittlerweile wird deutlich, dass diese Plattformen unter ihrer eigenen Größe leiden.

Oder anders ausgedrückt: Sie haben eine Dimension erreicht, die den Grenznutzen kleiner werden lässt, während die Kosten weiter steigen. Man spricht deshalb von negativen Skaleneffekten, denn der Konzern wird zunehmend wichtiger als das eigentliche Produkt. Aus Investorensicht wird die Kernfrage in den kommenden Jahren lauten, ob das verbleibende Wachstum den Rückgang der Bewertungsniveaus dieser Unternehmen überkompensieren kann. Trotz eines deutlichen Rückgang der Wachstumsgeschwindigkeit ist jedoch anzumerken, dass eine zunehmende Regulierung die Eintrittsbarrieren für mögliche Konkurrenz erhöht und den Fortbestand der bisherigen Geschäftsmodelle auf natürliche Weise schützt.

Was werden die FAANG-Aktien der nächsten zehn Jahre?

Die erste Phase des Informationszeitalters begann in den 1980er Jahren und nahm in den 90ern richtig Fahrt auf. Es ging um die flächenweite Einführung des PCs und darum die großen Unternehmen sowie Behörden und Regierungen mit Software auszustatten, Informationsflüsse zu digitalisieren und Daten zu speichern. Unternehmen wie Microsoft, SAP, Cisco, Dell, HP oder IBM waren maßgeblich an diesem Erfolg beteiligt. Die zweite Phase, welche in den 2000er Jahren begann, war die Verbreitung des Internets bei Konsumenten. Downloads von Ton- und Bildmaterial, Onlineshopping, Streaming, Informationsverbreitung in sozialen Netzwerken und die Einführung des Smartphones, waren die maßgeblichen Entwicklungen, die die Tech-Giganten von heute hervorbrachten.

Die Namen sind bekannt, jedoch haben die meisten Unternehmen der ersten Phase den Sprung in diese zweite bis heute andauernde Phase nicht geschafft. Microsoft ist eine von wenigen Ausnahmen. Die heutigen sogenannten Tech-Plattformen sitzen auf riesigen Gewinnen und haben durch ihre Oligopole eine stabile Position im Markt. Facebook und Google dominieren das Werbegeschäft, Amazon und Alibaba den Onlinehandel und Apple und Samsung den Smartphone-Markt. Doch nur wenige dieser heute dominanten Spieler werden auch in der dritten, gerade beginnenden Phase des Informationszeitalters erfolgreich sein.

Die nächste Dekade wird das Zeitalter der Digitalisierung der Produktion, der nachhaltigen Energieerzeugung, dem Einsatz künstlicher Intelligenz in diversen Bereichen und der Elektrifizierung der Fortbewegung sein. Teile, die einst durch Menschen gefertigt wurden, werden in einem Stück aus dem 3D-Drucker kommen und Produktionshallen werden kaum noch von Menschen besetzt sein. Teslas Gigafabriken in Berlin und Shanghai machen es vor. Global gibt es mittlerweile mehr als 3 Millionen Industrieroboter, die tags und nachts, wochentags und am Wochenende im Einsatz sind. Tendenz stark wachsend. Erst seit einigen Jahren sind die uns zur Verfügung stehenden Computer dazu im Stande, die Rechenleistung zu liefern, die notwendig ist, um selbstlernende Systeme und Automationslösungen in Fabriken zu installieren.

Diverse Branchen werden vermehrt auf den Einsatz von Robotern setzen, ob Sportschuhe oder Autoteile, ob Kosmetikartikel oder Logistikprozesse. Die Corona-Pandemie und die durch den Russland-Ukraine-Krieg weiter verknappten Lieferketten sind der wahrscheinlich stärkste Katalysator dieser Entwicklung, den man sich vorstellen kann. Unternehmen, die ihre Produktion aufgrund von Lieferengpässen nun lokaler aufstellen, stehen jetzt deutlich höheren Lohnkosten gegenüber. Der Preis für Industrieroboter hat sich in den letzten Jahren hingegen mehr als halbiert.

Preis für Industrieroboter gegenüber Lohnkosten in der Produktion

Wer sind die Gewinner dieser nächsten technologischen Welle

Es geht um Rohstoffe. Rohstoffe, die notwendig sind, um zu automatisieren, grüne elektrische Energie zu erzeugen, diese zu speichern und zu verbrauchen. Dies sind Halbleiter sowie Werkzeuge, um Halbleiter herzustellen. Doch auch echte Rohstoffe wie Nickel, Kupfer und Lithium sind unumgänglich bei dieser nächsten Phase des technologischen Wachstums. Die Folge werden gigantische Batteriekonzerne sein, möglichst vertikal integrierte E-Auto-Hersteller, Automatisierungsspezialisten und Entwicklern von Computerchips. Auch die aufstrebenden Cloudunternehmen werden weiter stark wachsen und künstliche Intelligenz wird unumgänglich. Die Firmen, die es schaffen, diese neue Technologie sinnvoll zu nutzen, gewinnen an Bedeutung. Die aussichtsreichsten KI-Anwendungsfelder sind Datensicherheit, Kreditanalyse, Roboterproduktion, Medizin, Genanalyse, Logistik, Werbung, Energieerzeugung und Autonomes Fahren.

Die strukturellen Veränderungen erfordern eine besonders langfristige Ausrichtung bei der Kapitalanlage, die beispielsweise in den Anlagefonds MainFirst Global Equities Fund oder Allianz Thematica bereits heute umgesetzt werden. Damit werden Investmentthemen wie Auto der Zukunft, Cloud-Computing, Halbleiter, Künstliche Intelligenz und Automation berücksichtigt.

Ausblick auf die zukünftige Kapitalmarktentwicklung

Unmittelbar nach dem Einmarsch von Russland in die Ukraine war die Unsicherheit über die Auswirkungen auf die Kapitalmärkte am größten. Der Fokus hat sich mittlerweile wieder auf die fundamentalen Faktoren, wie Wirtschaftsdynamik, Inflation und Geldpolitik, verlagert. Nach der Erholung im Dienstleistungssektor mit dem Abklingen der ersten Omikron-Welle werden die in den letzten Wochen deutlich gestiegenen Energiepreise und erneute Störungen in Lieferketten zu einem Nachlassen der Konjunkturdynamik im zweiten Quartal führen.

Auch ist weiterhin ein Einfluss der Corona-Pandemie auf das Wirtschaftsgeschehen vorhanden, wie die lokalen Lockdowns in China zeigen. Das mittelfristige Szenario eines positiven, aber verhaltenen Wachstums der Weltwirtschaft und einer Inflation im Rahmen der Notenbankziele (2 Prozent in der Eurozone und den USA) lässt positive Kapitalmarkterträge erwarten. Eine Positionierung die sich an den mittelfristig zu erwartenden fundamentalen Entwicklungen orientiert ist empfohlen, wobei angesichts höherer als üblicher Risiken, insbesondere der Inflation, aber auch Restrisiken im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine vorerst weiterhin eine neutrale Aktienallokation sinnvoll ist.

Für den Weg in Richtung einer wirtschaftlichen Normalisierung bleibt die Inflation die zentrale Unwägbarkeit. Der Anstieg der Inflation ist eine indirekte Auswirkung der Corona-Pandemie, die vor allem von einer extrem hohen Güternachfrage in den USA getragen wird und damit auch für die Zentralbanken weitgehend Neuland ist. Da die Korrektur bei den Wachstumstiteln bereits weit fortgeschritten ist, scheint der zentrale negative Faktor für die Börsenentwicklung in den vergangenen Monaten allmählich nachzulassen. Somit sind die Erholungschancen für die Börsen intakt, wobei die Aussichten für Europa und die USA ähnlich sind. Im Zuge der zu erwartenden Verknappung des weltweiten Rohstoffangebots durch die Russland-Sanktionen dürften die Energiepreise noch für einige Zeit hoch bleiben, wobei ein weiterer deutlicher Anstieg nicht als Hauptszenario anzusehen ist. Der Trend bei den Anleiherenditen bleibt in der Tendenz nach oben gerichtet, wobei steigende Renditen allmählich Anlagechancen eröffnen.

Anlagemärkte Entwicklung

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

Die Informationen sind unverbindlich und stellen weder eine Anlageempfehlung oder sonstige Beratung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch. Eine Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Anlegers. Die dargestellten Informationen, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten sowie das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
  • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
  • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London
  • Quelle: Bereich “ Das Informationszeitalter steht vor einer nächsten Ausbaustufe“ von MainFirst GmbH

Anlagekommentar April 2022 als ePaper lesen

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Dienstag, 17. Mai 2022

Globale Wirtschaft – Achillesferse Lieferketten?

 Die Corona-Krise und der Krieg in der Ukraine haben die Fragilität internationaler Lieferketten offengelegt. Lieferzeiten stiegen deutlich an und Kosten für viele Rohstoffe oder Vorprodukte befeuern die bereits hohe Inflation noch weiter. Unternehmen und ganze Wirtschaftszweige zwingt die aktuelle Situation auch langfristig zum Umdenken. Wie bei allen globalen Trends, wird es auch in diesem Fall klare Gewinner und Verlierer geben.

Für die globale Wirtschaft werden die Lieferketten zur Achillesferse

Mehr als zwei Jahre haben das Coronavirus und die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung die Weltwirtschaft bestimmt. Gerade als eine langsame Abschwächung des Infektionsgeschehens erkennbar schien und sich Unternehmen immer besser auf die Schwierigkeiten in ihren Lieferketten einstellen konnten, schockierte der Ukraine-Krieg die Welt. Der Angriff russischer Truppen führte zu umfassenden Sanktionen und Boykotts, welche die Weltwirtschaft empfindlich trafen. Wachstumserwartungen wurden in der Folge nach unten korrigiert und die Inflation dafür in die Höhe getrieben. Schnell machten Unkenrufe über ein neues Zeitalter der „Deglobalisierung“ die Runde. Die Vernetzung der Weltwirtschaft durch Handel und globale Arbeitsteilung könnte demnach ins Stocken geraten oder sogar zurückgedreht werden.

Wer am stärksten von der Globalisierung profitiert

Erstes Anzeichen für diese Entwicklung war bereits der Handelskrieg zwischen den USA und China im Jahr 2018. Bekanntermaßen war ein Ziel des US-Präsidenten Trump dabei auch wieder Jobs aus China zurück in die Vereinigten Staaten zu holen, um Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und die heimische Industrie zu stärken. Während damals die konkreten Auswirkungen auf die Wirtschaft marginal ausfielen, waren sie in der Corona-Krise gravierend. Lockdowns und krankheitsbedingte Ausfälle in der Produktion eines Landes konnten schnell zu Produktionsstopps in einem anderen Land führen. Medizinische Schutzkleidung wurde in Deutschland knapp, da diese kaum noch im Inland produziert wurde. Besonders die in den letzten Jahrzehnten gewachsene Abhängigkeit von China wurde den westlichen Industrienationen deutlich vor Augen geführt.

Eine schnelle Rückholung der Produktion aus den Billiglohnländern ist nicht zu erwarten

Auch in diesen Tagen bekommen wir die Auswirkungen der Zero-Covid-Strategie Pekings zu spüren. Sei es durch längere Lieferzeiten diverser Produkte oder immer weiter steigende Preise. Die Bedeutung von Russland und der Ukraine sind für die Weltwirtschaft zwar ungleich kleiner als China, trotzdem ist gerade Europa auf russische Rohstoffe angewiesen. Es geht dabei nicht nur um Öl, Erdgas und Weizen, sondern auch um Metalle wie Palladium und Neon. Beide Rohstoffe werden insbesondere für die Halbleiterindustrie dringend benötigt. Also eine Industrie, die bereits vor Kriegsausbruch nicht die vorhandene Nachfrage bedienen konnte enorm. Eine Möglichkeit, sich von ausländischen Lieferketten unabhängiger zu machen, ist natürlich, die gesamte Produktion und damit verbundene Arbeitsplätze aus Billiglohnländern zurückzuholen. Dieser Prozess ist aber nicht auf die Schnelle durchzuführen und gleichzeitig mit gewaltigen Mehrkosten verbunden. Wenig überraschend stellte daher beispielsweise gerade erst die Handelskammer von Shanghai klar, dass aktuell keine US-Firmen ihre Produktion aus China in ihr Heimatland
verlagern.

Die globalen Lieferkettenstörungen

Stattdessen diversifizieren Unternehmen ihre Lieferketten lieber, indem sie Lieferanten-Netzwerke erweitern, um nicht mehr auf einzelne Unternehmen und Wirtschaftsregionen angewiesen zu sein. Kleinere, flexiblere und wachsende Unternehmen sind hier in der Regel im Vorteil, da sie diese Netzwerke erst aufbauen und nicht erst gewachsene Strukturen aufbrechen müssen. Unterstützung könnte das sogenannte Reshoring – also das zurückholen von Arbeitsplätzen aus dem Ausland – auch aus der Politik erhalten. Als Reaktion auf die aktuellen Krisen haben sich etwa viele europäische Staaten das Ziel gesetzt, die Versorgungssicherheit bei strategischen und lebensnotwendigen Gütern wie Medikamenten, Energieträgern und Technologie zu verbessern. Schlüsselprodukte und -technologien sollen zukünftig also möglichst „Made in EU“ sein. Beispiel hierfür ist der geplante Bau zweier Halbleiterfabriken in Magdeburg durch die Firma Intel. Damit sollen nicht nur 3.000 Arbeitsplätze geschaffen, sondern laut der Bundesregierung auch für „resiliente Lieferketten sowie wettbewerbsfähige und leistungsfähige Produktionsstrukturen in Deutschland und Europa“ gesorgt werden.

Die aktuellen Krisen sorgen für eine neue Sichtweise für eine europäische Industriepolitik

Die aktuellen Krisen scheinen auch der entscheidende Anlass zu sein, um die EU endlich zu einer gemeinsamen Industriepolitik zu zwingen, über die im letzten Jahrzehnt nur endlos debattiert wurde. Wenn zukünftig deutsche Unternehmen ihre Produktion doch wieder verstärkt im Inland oder europäischen Ausland ansiedeln möchten, wäre dies aus Kostengründen wohl nur bei einem hohen Grad an Automatisierung und dem Einsatz von Industrierobotern möglich. Dies bietet selbstverständlich Chancen für entsprechende Robotik- oder KI-Unternehmen, aber auch für Firmen, die bereits über stark automatisierte und digitalisierte Prozesse verfügen.

Fazit

Corona-Krise und Ukraine-Krieg sind zu einem Weckruf für die Industrie geworden. Zu lange wurden Abhängigkeiten von einzelnen Ländern oder Lieferanten einfach hingenommen und der Aufbau eines stabilen Netzwerks aus Lieferketten verschlafen. Ziehen europäische Unternehmen die richtigen Lehren aus der aktuellen Situation, kann sich das für Anleger gleich in mehrfacher Hinsicht auszahlen: Zukünftige Krisen mit Lieferengpässen oder Probleme bei Zulieferern sollten dann nicht mehr zu Produktionsausfällen oder stark steigenden Kosten führen. Dies sorgt für Stabilität in den Bilanzen und an den Börsen. Europäische Regierungen wollen zudem die Vorherrschaft der USA und Asien im Technologiesektor nicht mehr als Gott gegeben hinnehmen und kündigen entsprechende Förderprogramme an. Besonders im Fokus dabei das 5G-Netz, digitale Infrastruktur und Klimatechnologie. Gerade bei grünen Technologien gibt es in Europa einige Kandidaten, die auch auf dem globalen Markt eine führende Rolle einnehmen könnten.

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Mittwoch, 4. Mai 2022

Russland-Ukraine-Krieg sorgt für steigende Rohstoffpreise

 Die geopolitische Lage ist weiterhin unübersichtlich, denn der Krieg in der Ukraine überschattet auch an den Finanzmärkten das Tagesgeschehen. Mit dem Investmentthema in diesem Artikel geht es um eine Situation, die aktuell alle Menschen, auch außerhalb der Finanzbranche, beschäftigt bzw. über die hohe Volatilität der Preise betrifft.

Massiver Einfluss auf die Energiepreise - kommt die Energiewende schneller?

Eine bemerkenswerte Auswirkung der Krise auf den Finanzmarkt ist, dass russische Vermögenswerte kaum noch investierbar sind. Die Moskauer Börse wurde geschlossen und der Rubel erfuhr eine starke Abwertung. Die Aktienmärkte, vor allem in Europa, waren durch einen Anstieg der Volatilität gekennzeichnet und die Energiepreise standen unter Aufwärtsdruck. Wir erleben einen sprunghaften Anstieg sowohl der Öl- als auch der Gaspreise. Mit der Verschärfung des Konflikts wird der Ölpreis aller Voraussicht nach weiter unter Druck bleiben. Die USA beschlossen ein Importverbot gegen russisches Öl bzw. Gas und suchen neue Anbieter. Die Rohstoffpreise sind stark gestiegen, insbesondere bei solchen Rohstoffen, für die Russland ein wichtiger Exporteur ist, wie Aluminium und Weizen.

Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte

Die Folgen für Europa sind weitreichender als für die USA. Russland ist der fünftwichtigste Handelspartner der EU und macht 5 Prozent des EU-Handels aus, während das Land für die USA mit 1 Prozent des US-Handels nur an 30. Stelle steht. Außerdem profitieren die USA davon, dass sie vergleichsweise energieunabhängig sind. Rohstoffe sollten in dieser Hinsicht eine besonders wichtige Rolle spielen.

Öl: Die russischen Ausfuhren nach Europa belaufen sich auf etwa 4 Mio. Barrel/Tag (etwa die Hälfte der Gesamtausfuhren, während die Gesamtproduktion etwa 10 Mio. Barrel/Tag beträgt). Zum Vergleich: Das entspricht fast 30 Prozent des europäischen Ölverbrauchs. Diese Menge wird in naher Zukunft kaum durch die OPEC ersetzt werden können. Abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen gibt es heute eine allgemeine Zurückhaltung beim Kauf von russischem Öl und die weltweite Verknappung und der Preisdruck dürften in nächster Zeit anhalten.

Rohstoffpreise im Aufwind

Getreide: Die Ukraine ist für Europa von großer Bedeutung. Die Einfuhren von Mais aber auch von anderen Gemüsesorten sind erheblich. Der Wert der europäischen Agrarimporte aus der Ukraine entspricht fast der Hälfte des Wertes der Öleinfuhren aus Russland, gerechnet in US-Dollar.

Palladium: Hier ergibt sich ein komplexes Bild. Die russischen Ausfuhren werden au 6,5 Mrd. US-Dollar (1/4 des weltweiten Gesamtvolumens) geschätzt, davon erfolgen Lieferungen im Wert von 3 Mrd. US-Dollar nach Europa. Die Abhängigkeit Europas von russischen Palladium-Exporten ist also enorm.

Erdgas: Europa importiert 40 Prozent seines Gases aus Russland. Aus unseren Simulationen zum Klimawandel wissen wir, dass es angeraten ist, Kohle durch Gas zu ersetzen, was die Nachfrage nach Letzterem ankurbelt. Das Umfeld für 2023 und 2024 dürfte noch schwieriger sein, wenn man bedenkt, welche Gesamtmenge Europa benötigt, um den Bedarf für die nächsten Winter zu decken.

Ausblick auf die wirtschaftliche Lage Europas

Europa muss sich rasch auf die energetische Unabhängigkeit, eine gemeinsame Verteidigung und das steigende kurzfristige Wirtschaftsrisiko konzentrieren. Im Mittelpunkt der europäischen Agenda sollte die Notwendigkeit stehen, Russland bei den Öl- und Gasimporten durch neue Handelspartner zu ersetzen und die Energiewende zu beschleunigen, ohne weiteren Inflationsdruck zu verursachen. Dadurch dürfte auch der europäische Rahmen gestärkt werden. Beispielsweise wird Deutschland zwei LNG-Terminals (Flüssiggas) bauen, um seine Energieabhängigkeit von Russland zu überwinden. Und die UN hat für März eine außerordentliche Anleiheemission angekündigt, um den Mitgliedstaaten Darlehen zu gewähren und Gaspreisschwankungen abzufedern.

nominalen Preise ausgewählter Rohstoffe

Drei mögliche Szenarien für die weitere Rohstoffpreisentwicklung:

Pessimistisches Szenario: 30 Prozent

Erneuter Einbruch in Richtung Stagflation
Ein langanhaltender Krieg in der Ukraine beeinträchtigt das Vertrauen und die Wirtschaftstätigkeit, treibt die Rohstoff- und Energiepreise langfristig in die Höhe und unterbricht die Versorgungsketten

Zentrales Szenario: 60 Prozent

Holpriger Weg, regionale Divergenzen
Der Krieg in der Ukraine beeinträchtigt das Vertrauen und treibt die Rohstoff- und Energiepreise vorübergehend in die Höhe

Optimistisches Szenario: 10 Prozent

Integratives und nachhaltiges Wachstum
Der Krieg in der Ukraine endet schnell und die Beeinträchtigung des Energie- und Rohstoffmarktes ist begrenzt.

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Donnerstag, 28. April 2022

Anlagekommentar März 2022 - Im Ukrainekrieg ist keine rasche Lösung in Sicht und die rasant steigenden Preise setzen die EZB unter Zugzwang

 Die Kampfhandlungen in der Ukraine hielten unvermindert an. So hat sich auch die Hoffnung auf eine schnelle Verhandlungslösung, welche die Finanzmärkte kurzfristig immer wieder nach oben trieb, sich zum Monatsende zerschlagen. Während die Europäer zauderten und den Öl- und Gashandel aus den Sanktionen gegen Russland ausnahm, verhängten die USA einen Einfuhrstopp für russisches Öl. Volatile Kapitalmärkte, rasant steigende Zinsen und neue Höchststände der Energierohstoffe kennzeichneten den März 2022. Die Aktienmärkte konnten sich dennoch von ihren Tiefständen vom Monatsanfang deutlich verbessern. Neben den geld- und geopolitischen Risiken stand auch die Sorge vor einem Wachstumseinbruch Chinas im Fokus.

Entwicklung der Anlagemärkte im März 2022

Seit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine sind fünf Wochen vergangen, in denen aus reiner Kapitalmarktperspektive anfänglich große Unsicherheit geherrscht und Kursrückschläge an den Börsen zu verzeichnen waren. Seit knapp zwei Wochen haben sich aus reiner Kapitalmarktperspektive wiederum der Nachrichtenfluss und die damit verbundenen globalen Unsicherheiten bezüglich der Ukraine nicht weiter verschlechtert.

So konnte der Weltaktienindex MSCI World  mit +3,5 Prozent zulegen. Auch die amerikanischen Werte konnten diesem Trend folgen, was beim Dow Jones Industrial Average Index mit +2,3 Prozent zu buche schlug, auch der der marktbreite S&P 500 Index schaffte +3,6 Prozent Zuwachs und der US-Technologieindex NASDAQ 100 Index kam sogar auf +4,2 Prozent. In Asien gab es eine breite Spanne mit unterschiedlichen Vorzeichen: Der japanische NIKKEI 225 Index kam mit +4,9 Prozent ebenfalls gut davon, während der Hang Seng Index dagegen mit -3,2 Prozent tief rot den Monat beendete. Auch die europäischen Aktienmärkte entwickelten sich sehr unterschiedlich.

Anlagemärkte Entwicklung

So kam der DAX Index mit -0,3 Prozent etwas unter die Räder, wogegen  Großbritanniens FTSE 100 Index ein Zuwachs von +1,3 Prozent vermelden konnte und Frankreichs CAC 40 Index mit +0,02 Prozent nur auf der Stelle getreten ist. Spaniens IBEX 35 Index hatte einen ähnlichen Verlauf wie der DAX und beendete mit -0,4 Prozent den März. Heftige Verluste von über -6 Prozent verzeichnete dagegen der SSE Composite Index. Der Caixin Einkaufsmanagerindex fiel auf ein Zweijahrestief, was auf diesem Niveau einen kräftigen Wachstumseinbruch signalisiert. Japans NIKKEI 225 Index konnte sich dagegen mit einem Zuwachs von +4,9 Prozent von diesem Trend absetzen. Japans Zentralbank konstatierte, dass man auch künftig an der ultralockeren Geldpolitik festhalten wolle.

Den Rentenmärkten machte weiter die Zinssteigerung der Notenbanken zu schaffen. Dies drückte auf die Kurse und verunsicherte die Finanzmaktteilnehmer. Dagegen ging es an den Rohstoffmärkten weiter aufwärts. Der Ölpreis stabilisierte sich nach seinem 14-Jahreshoch bei 139 US-Dollar je Fass um die 100-Dollar-Marke und die Preise für Industriemetalle und Agrarrohstoffe stiegen merklich an. Auch an den Devisenmärkten war eine anhaltende Stärke des US-Dollars zu beobachten. Ausgehend von den Erwartungen der Marktteilnehmer, dass die Sanktionen und der Ukrainekrieg die Wirtschaften in Europa stärker negativ beeinflussen als die amerikanische Volkswirtschaft stieg der handelsgewichtete Dollarwert um 1,7 Prozent an, während das Pendant für den Euro 1,8 Prozent abgab.

Die EZB steht durch die rasant steigenden Preise unter Zugzwang

Im Euroraum stieg die Inflationsrate auf ein neues Rekordhoch von 7,5 Prozent und setzte die europäische Zentralbank unter Druck. Daraus folgend kündigte die Europäische Zentralbank (EZB) überraschend an, dass Anleihekaufprogramm bereits im dritten Quartal 2022 auslaufen zu lassen. Dadurch bereitete die EZB einem Ausverkauf bei europäischen Staatsanleihen den Boden. Aus dieser Überraschung folgte, dass die Rendite der zehnjährigen deutschen Staatspapiere um über 0,4 Prozent nach oben schoss. Aus der derzeitigen Marktlage sollten Zinserhöhungen jedoch nicht vor dem vierten Quartal 2022 vorgenommen werden. Denn die Geldhüter wollen zunächst den Einfluss des Ukrainekriegs auf die Realdaten in den kommenden Wochen abwarten. Derzeit zeigt sich allerdings kaum eine Eintrübung. Die Einkaufsmanagerindizes für Industrie und Dienstleistungen gingen zwar leicht zurück, bewegten sich jedoch nach wie vor solide im Expansionsbereich. Die Arbeitslosenquote fiel im Februar 2022 sogar auf ein Rekordtief von 6,8 Prozent.

Seit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine sind fünf Wochen vergangen, in denen aus der reinen Kapitalmarktperspektive anfänglich eine große Unsicherheit geherrscht hat und Kursrückschläge an den Börsen zu verzeichnen waren. Seit knapp drei Wochen haben sich der Nachrichtenfluss und die damit verbundenen globalen Unsicherheiten bezüglich der Ukraine aus reiner Kapitalmarktperspektive nicht weiter verschlechtert. Da Kapitalmärkte auf Veränderungen im Nachrichtenfluss und der wahrgenommenen Risiko-
und Unsicherheitslage reagieren, ist eine gewisse Erholung der Aktienkurse und ein Nachlassen des Goldpreises in den vergangenen Tagen nachvollziehbar. Aus der Kapitalmarktperspektive ist es zum gegenwärtigen Zeitpunkt von zentraler Bedeutung, dass sich der Konflikt nicht über die Ukraine hinaus ausweitet, wofür es derzeit kaum Anhaltspunkte gibt. Anmerkung: Die Nüchternheit der Analyse soll nicht über das Leid hinwegtäuschen, welches die ukrainische Bevölkerung gegenwärtig erfährt. In einem solchen Szenario kann der Konflikt für die Kapitalmärkte als nicht weiter von herausragender Bedeutung angesehen werden. Es bleibt allerdings das Restrisiko, dass weiter steigende Energiepreise und Engpässe in der Versorgung (hauptsächlich in Europa) einen Einfluss auf die Konjunktur und das Konsumentenvertrauen haben können.

Die Verfügbarkeit von Rohstoffen außerhalb des Energiekomplexes ist für ausgewählte Industrien zentral. So benötigt beispielsweise die Halbleiterindustrie Neon, dass zu 90 Prozent aus der Ukraine kommt, Palladium und andere Rohstoffe. Die Automobilindustrie verarbeitet Platin und Palladium. Mangelnde Verfügbarkeit ausgewählter Komponenten aus der Ukraine haben zudem bereits zu ersten Produktionsunterbrüchen bei Autoherstellern in Westeuropa geführt, wobei die Lieferketten der Automobilhersteller weit anfälliger sind als in der Industrie sonst üblich. So wird der Krieg in der Ukraine die Kapitalmärkte hauptsächlich durch Veränderungen der Energie- und Rohstoffpreise beeinflussen. Ein Friedensabkommen und ein starker Rückgang der Notierungen von Energie (Erdöl und Erdgas) wären positive Signale, entsprechend negativ wären massiv höhere Energie- und Rohstoffpreise und erneut steigende Unsicherheiten aufgrund des Kriegsverlaufs.

In der Summe bleiben die wirtschaftlichen Risiken, welche von einem auf die Ukraine begrenzten Konflikt ausgehen könnten, in Westeuropa höher als in Amerika und Asien. Denn Europas Banken sind beispielsweise zudem am stärksten von der Isolation Russlands aus dem globalen Finanzsystem betroffen. Nüchtern betrachtet werden die Gewinne global führender Unternehmen durch den Ukrainekrieg in der Summe wenig beeinflusst. Mittelfristig wird auch die Wirtschaftsleistung der Welt, wenn man das wenig bedeutende Russland ausklammert, vom Krieg nicht beeinflusst. Damit kann mittelfristig weiterhin von einem konstruktiven Szenario für die Weltwirtschaft ausgegangen werden.

Ausblick auf die zukünftige Kapitalmarktentwicklung

Nachdem das Marktgeschehen bis vor kurzem vorrangig durch Risiken geprägt wurde, haben sich die Aktienmärkte in den letzten Tagen deutlich erholt. Von den klar identifizierbaren Tiefs in Europa am 7. März 2022 und einer sich hinziehenden Bodenbildung in den USA, kann sich die Stimmung an den Finanzmärkten stabilisieren. Dazu kommt, dass China nach einem Ausverkauf vor allem von Technologieaktien die Börsen stützen will, hat die Anlagemärkte dort beruhigen können. Zwei Trends konnten in diesem Jahr das Börsengeschehen bisher prägen. Der dominante Trend in den USA und in Europa war das Ende der Outperformance von „Growth"-Aktien (Wachstumsaktien) im vergleich zu günstiger bewerteten „Value"-Aktien. Als weiterer Einflussfaktor für das Börsengeschehen hat der Krieg in der Ukraine, besonders der damit verbunden vorübergehend sehr starke Anstieg der Energiepreise, die Börsen belastet, vor allem jene in Europa. Damit sind auch eher Korrekturen zu erwarten, wobei Rückschläge als Einstiegsmöglichkeit genutzt werden können.

Auf der politischen Agenda stehen unter anderem die Präsidentschaftswahlen in Frankreich im April, die Zwischenwahlen in den USA im November sowie mögliche Auswirkungen im Zuge der Invasion von Russland in der Ukraine. Eine zentrale wirtschaftliche Unwägbarkeit bleibt die Inflationsentwicklung in den USA, wobei diese durch den Ukraine-Konflikt etwas in den Hintergrund rückt. Dazu bleiben die seit Monaten angebotsseitigen Störungen, wie ein starker Anstieg der Erdgaspreise, Engpässe und Lieferverzögerungen bei Komponenten, Zwischenprodukten und im Transportwesen, was die Weltwirtschaft insgesamt und ausgewählte Unternehmen belasten. Allerdings werden die positiven Grundtrends dadurch nicht in Frage gestellt.

Kurzfristig hat eine gewisse Entspannung an den Energiemärkten, bei den Transportkosten und in den Lieferketten leicht positive Auswirkungen. Die Güterpreisinflation, die vor allem in den USA präsent ist und sich auch global auswirkt, wird die Märkte noch einige Zeit beschäftigen. Selbst bei anhaltend hoher Güterpreisinflation wäre eine markante Straffung der US-Geldpolitik unwahrscheinlich, da damit in der Wirtschaft insgesamt erheblicher Schaden entstehen würde. In der Summe bleibt die Anlagestrategie weiter vorwiegend auf Aktien und Unternehmensanleihen ausgerichtet. Regional sollte man aktienseitig auf Europa und die USA weiterhin fokussiert bleiben. Die Risiken im aufstrebenden Asien haben abgenommen, auch was die Marktstimmung betrifft. Dadurch kann man dort in den kommenden Monaten mit einem ähnliches Ertragsprofil wie in westlichen Industrieländern rechnen.

DAX Entwicklung

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Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
  • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
  • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London

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Donnerstag, 21. April 2022

Geldanlagen im 1. Quartal 2022 - Der 24. Februar 2022 ist ein Datum, das die Welt verändert

 Im Jahr 2022 war das erste Quartal zweigeteilt. So dominierte zu Jahresbeginn eine  Zuversicht. Der DAX markierte mit 16.271 Punkten am 4. Januar 2022 einen historischen Höchstkurs. Ab Februar wurden die geopolitischen Risiken des sich zuspitzenden Ukraine Konflikts bewertet. Der Beginn des Ukrainekrieges am 24. Februar 2022 wirkte sich als Katalysator eines grundsätzlich negativen Sentiments aus. In der Folge kam es zu einem Tiefstkurs des DAX am 8. März 2022 bei 12.831 Punkten. In Folge des Konflikts nahm die Zuversicht in der Realwirtschaft, bei Verbrauchern und Finanzmarktteilnehmern markant ab. Dabei spielten die Aspekte Versorgungssicherheit im Rohstoffsektor und Anstieg der Preisinflation als auch damit assoziierte Zinserhöhungen prominente Rollen. Im weiteren Verlauf des Quartals kam es zu einer Stabilisierung an Aktienmärkten, jedoch nicht in der Realwirtschaft und an den Zinsmärkten, die auf Hoffnungen diplomatischer Lösungen basieren. Das Thema Corona-Pandemie spielte im ersten Quartal 2022 eine untergeordnete Rolle.

Europa Verlierer der Krise

In dieser aktuellen geopolitischen Krise war und ist die Ukraine der größte Verlierer. Menschenleben gingen und gehen verloren, Strukturen wurden und werden zerstört, Perspektivlosigkeit ist ausgeprägt. Russland zahlt im Hinblick auf die Folgen der westlichen Sanktionspolitik einen hohen Preis (EBRD BIP-Schätzung Russland 2022 eine Rückgang von -10 Prozent). Die Eurozone und die EU sind die am drittstärksten Betroffenen. Zum Zeitpunkt des Verfassens des Quartalsreport ist das Ausmaß der makroökonomischen Schäden hinsichtlich der geopolitischen Unwägbarkeiten bezüglich der Versorgungssicherheit (Verfügbarkeit und Lieferketten), der Teilung der Welt (Deglobalisierung) und der Preisentwicklung nicht vollständig abschätzbar. Zuletzt nahmen die deutschen Verbraucherpreise im Jahresvergleich um mehr als 7 Prozent zu. Damit wurde der höchste Anstieg seit 1981 markiert. Insbesondere für Europa ist der 24. Februar 2022 ein Datum, das die Welt veränderte. Die Risikocluster für die wirtschaftliche Entwicklung haben so stark wie nie zuvor in der Nachkriegsgeschichte zugenommen.

Wer am stärksten von der Globalisierung profitiert

Ins Auge gefasste staatliche Interventionen und Subventionen können in Teilen stabilisieren, jedoch die Schäden nicht neutralisieren. Als Konsequenz der Interventionen und Subventionen werden bei ohnehin prekären Haushaltslagen weiter hohe Staatsdefizite notwendig sein. Anders als in den USA und dem UK, wo es zu Zinserhöhungen kam, steht dieses Thema in der Eurozone voraussichtlich erst im vierten Quartal 2022 an. Die Kapitalmärkte haben aber bereits reagiert. So legte der Zins der 10-jährigen Bundesanleihe von circa -0,18 Prozent auf aktuell +0,58 Prozent zu. Der Preis der Defizitpolitik in den öffentlichen europäischen Haushalten erhöht sich entsprechend. Der 24. Februar 2022 erodierte die Stabilität Europas massiv. Die Kunst der Diplomatie entscheidet über den weiteren Verlauf der Wirtschaft und der Märkte.

USA - In Teilen Gewinner der Krise

Die Vereinigten Staaten waren und sind in Teilen Gewinner der Krise. Geopolitisch hat sich der Westen in einer vor Monaten noch kaum vorstellbaren Solidarität hinter der Krisenführung der USA versammelt. Auch sind die USA geografisch von dieser Krise nicht betroffen. Messbar war das unter anderem an dem Anstieg des USD gegenüber anderen Währungen in der Eskalationsphase der Krise. Derzeit wird dieser Anstieg des USD an den Devisenmärkten in Teilen korrigiert. Das von den USA initiierte Sanktionsregime gegenüber Moskau beinhaltet mittelfristig Risiken. So warnte der IWF am 31. März 2022, dass es zu Fragmentierungen des globalen Finanzsystems durch kleinere Währungsblöcke kommen könne, die die Rolle des USD als Leitwährung verwässern könnten.

Wirtschaftlich bot und bietet sich gegenüber Europa ein differenziertes Bild. Das Thema Energie belastet nicht vergleichbar zu Europa, da die Versorgungssicherheit gewährleistet ist. Der Preisanstieg der fossilen Brennstoffträger hat jedoch eine belastende Wirkung auf die US-Gesamtwirtschaft. Nicht abschätzbar sind derzeit die negativen Folgen bei anderen Rohstoffen für die USA (seltene Erden, Nickel etc.). Die Wiederbewaffnung der Welt nützt darüber hinaus der US-Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund einer minderen Belastung der US-Wirtschaft hat die Federal Reserve erwartungsgemäß den Leitzins im 1. Quartal 2022 um 0,25% angehoben und weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt.

Schwellenländer gehen eigenen Weg

Die Dynamikverluste der Weltwirtschaft wirkten und wirken sich in den Schwellenländern belastend aus. Die für die Weltwirtschaft bedeutenden Länder halten sich weitgehend aus der Ukraine-Krise heraus. So nehmen folgende Länder an den westlichen Sanktionspolitiken nicht teil: Türkei, Israel, Libanon, Syrien (Öl/Gas), Irak (Öl/Gas), Iran (Öl/Gas), Saudi-Arabien (Öl, Gas) Emirate (Öl, Gas), Pakistan, Indien, China, Vietnam, Argentinien (Agrarrohstoffe), Brasilien (Agrarrohstoffe, Erze), Venezuela (Öl, Gas), Mexiko (Öl, Gas), aber auch Nicaragua und Panama, um einige aufzuführen.

Für Nichtteilnehmer an den Sanktionen ergibt sich nicht nur ein soliderer Zugang zu Rohstoffen, sondern auch die Chance auf Preisabschläge gegenüber Weltmarktpreisen (China, Indien). Gegen den Trend der westlichen Zentralbankpolitik senkte Chinas Notenbank den Leitzins im Januar 2022 von 3,80 Prozent auf 3,70 Prozent. China wirkte damit auf die asiatische Region stabilisierend.

Märkte: Geopolitik bestimmte und bestimmt

Die Kapitalmärkte bewegten sich in der Taktung der Geopolitik. Die Aktienmärkte verloren nach guten Jahresstart an Boden, um sich im Zuge der diplomatischen Bemühungen zu stabilisieren. Der DAX markierte mit 16.271 Punkten am 4. Januar 2022 einen historischen Höchstkurs. Der Tiefstkurs des DAX lag am 8. März 2022 bei 12.831 Punkten. Aktuell notiert der DAX um 14.550 Punkte. Die Zinsen zogen an den Kapitalmärkten an. So legte die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe vom Jahresbeginn bei -0,18 Prozent auf derzeit +0,58 Prozent zu. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe stieg in dem identischen Zeitraum von 1,51 Prozent auf 2,32 Prozent. Der Ölpreis (Brent) stieg seit Jahresanfang von 79 USD in der Spitze bis auf 129 USD (9, März 2022), um aktuell bei 107 USD zu notieren. Die Entwicklung der Geopolitik wird weiter primär die Märkte bestimmen.

Fazit
Das erste Quartal 2022 hat beachtliche Turbulenzen auf unterschiedlichsten Ebenen mit sich gebracht. Die regelbasierte Ordnung hat enormen Schaden genommen. Die regelbasierte Ordnung ist Grundlage des globalen Wirtschaftsverkehrs als auch der internationalen Politik. Das erodierte Vertrauen in das System hat strukturellen Schaden ausgelöst, der das Vertrauen in das System belastet. Die daraus mittel- und langfristigen Folgen werden nicht nur konjunkturell markant sein. Neue Strukturen werden sich in der Politik, der Finanz- als auch in der Realwirtschaft aus dieser Not heraus etablieren. Diese Veränderungen werden die Charakteristika einer multilateralen Ordnung sein, die zu Lasten der jetzt dominanten Ordnung gehen. Der 24. Februar 2022 ist das Datum, das die Welt verändert.

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Donnerstag, 14. April 2022

Russland-Ukraine-Konflikt - Politik und Wirtschaft stehen vor massiven Herausforderungen - eine Einordnung

 

Die positiven Ausblicke der internationalen und nationalen Wirtschaftsinstitute für das laufende Jahr 2022 wurden im 1. Quartal 2022 aufgrund der Ukraine-Krise zu irrelevantem Papier. Die völkerrechtswidrige militärische Eskalation Russlands in der Ukraine führte zu einer Sanktionsspirale seitens der meistens westlich orientierten Länder, die historisch einmalig ist und nicht nur gegen Russland wirkt, sondern Folgen für die gesamte Weltwirtschaft und zukünftige Weltpolitik mit sich bringt. Die Versorgungssicherheit mit elementaren Rohstoffen ist in Teilen nicht mehr gewährleistet oder steht zumindest infrage und die Frage der militärischen Sicherheit wird neu diskutiert und geplant.

Das Ergebnis dieser geopolitischen Krise wird weitreichende Folgen für alle Wirtschaftsräume der Welt mit sich bringen. Neue wirtschaftliche und/oder geopolitische Allianzen können vor dem Hintergrund der Versorgungsunsicherheit entstehen. Die „alten“ Allianzen, die Nato und die Kernländer der westlich geprägten Gemeinschaft gehen zunächst gestärkt aus dieser Krise hervor.

Status Quo: Bisherige Gewinner und Verlierer der Krise

Krisen wirken grundsätzlich disruptiv. Das gilt insbesondere für militärische Eskalationen, in denen Länder betroffen sind, die unverzichtbare Güter in der komplexen globalisierten Welt mit zumeist „just in time“ Lieferketten zur Verfügung stellen. Das ist derzeit mit Russland und der Ukraine der Fall. Die Reaktionen an den Rohstoff- und Aktienmärkten sind offensichtlicher Beleg. Der größte Verlierer ist die Ukraine, da der Konflikt auf dem Boden der Ukraine stattfindet. Menschenleben fallen diesem Konflikt zum Opfer. Wirtschaftsstrukturen werden zerstört. Perspektivlosigkeit greift Raum. Nachdem die Bevölkerung der Ukraine sich bei Gründung 1991 auf 52 Millionen Einwohner hochschnellte, lebten 2021 nur noch knapp 42 Millionen Menschen dort. Die aktuelle Flüchtlingsbewegung führt zu einer weiteren Reduktion. Insbesondere die jüngere Generation hat das Land verlassen. Seit 1991 kommt es damit zu einem „Brain-Drain“, der sich jetzt durch die aktuelle Krise verstärkt und das Potenzial des Landes beeinträchtigt.

Anzahl der Zuzüge und Fortzüge zwischen Deutschland und Russland, bzw. der Ukraine von 2000 bis 2021

Russland hat auf mehreren Ebenen deutlich an Boden verloren. Die „militärische Operation“ schadet dem Ansehen Russlands vor allen Dingen im Westen mit langfristigen politischen und wirtschaftlichen Folgen. Russland ist und wird vom Westen auf allen Ebenen isoliert. Das gilt vor allen Dingen für die Anbindung an das westliche Finanzsystem, was einen technischen Bankrott Russlands zur Folge haben kann. Diese westliche Sanktionspolitik führt zu hohen wirtschaftlichen Einbußen, aktuell und perspektivisch. Die Isolierung hinsichtlich der Weltwirtschaft ist jedoch nur partiell. Zum aktuellen Zeitpunkt verweigern sich unter anderem China, Indien, Vietnam, Pakistan, Iran, aber auch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel neben Brasilien, Argentinien, Venezuela, Mexiko und Panama.

Das westliche Europa ist Verlierer dieser Entwicklung. Hinsichtlich der politischen Bedeutung haben sowohl die EU als auch die Nationalstaaten Kontinentaleuropas als ernst zu nehmende Teilnehmer in Konfliktlösungen an Boden verloren (u.a. Mangel an Umsetzung von Minsk II). Die Heterogenität innerhalb der EU (u. a. Visegrád) Rohstoffabhängigkeit, aber auch die militärische Abhängigkeit wirken sich kontraproduktiv aus. Durch Rohstoffinflation drohen markante Wohlstandsverluste gekoppelt mit Risiken für die politische Stabilität im innenpolitischen Raum. Die Themen Mangelversorgung (Energie/Rohstoffe), Verlust der Standortqualität für Investitionen, Stagflation und Rezession drängen sich auf.

Für China ergibt sich ein differenziertes Bild. Peking betonte, dass man felsenfest an der Seite Moskaus stünde und bot sich als Moderator der gegenwärtigen Krise an. Die Abschwächung der Weltwirtschaft und die Zunahme der Rohstoffinflation trifft auch China. Dieser Schaden ist im Hinblick auf das Negativpotenzial in Europa jedoch überschaubar. Die Rohstoffversorgung ist in China mangels Sanktionspolitik gegen Russland anders als in Europa gewährleistet. Eher wird China von Russland bei dem Einkauf wie bisher hinsichtlich der Weltmarktpreise bevorzugt, was zu einem Standortvorteil Chinas an den Weltmärkten führen kann oder führen wird.

Auch für die USA ergibt sich ein differenziertes Bild. Rohstoffinflation und geringere weltwirtschaftliche Dynamik werden in den USA ihren Preis fordern. Die USA sind jedoch anders als Europa geografisch nicht betroffen. Entsprechend werden die direkten negativen Folgen zunächst überschaubar bleiben. Die Energieabhängigkeit der USA von Russland ist explizit kaum vorhanden, implizit hinsichtlich der Preisentwicklungen dennoch gegeben. Politisch haben die USA an Boden gewonnen. Die Kernländer des Westens konnten auf eine Linie gebracht werden. Inwieweit die vom Westen verfügten Finanzsanktionen gegen Russland das westlich dominierte USD-Finanzsystem, auf dem der Machtanspruch der USA aufbaut, untergraben wird, bleibt abzuwarten. Die Wahrscheinlichkeit, dass bedeutende Länder, die für die Grundversorgung der Welt im Rohstoffsektor die Sanktionen nicht mittragen, aus purem Eigeninteresse sich alternativen Systemen öffnen (Vermeidung von Erpressungspotenzial), ist perspektivisch als erheblich einzuordnen.

Ärmere Länder unserer Welt werden von dieser Krise im Hinblick auf die Versorgung mit Agrargütern erheblich betroffen sein. Eine dauerhafte Fortsetzung der Ukraine-Krise garantiert eine nennenswerte Welthungerkrise, die auch alle anderen wirtschaftlichen Entwicklungen dieser Länder unterminiert und global destabilisierend wirken würde.
Als Fazit ist erkennbar, dass es keine Gewinner in dieser Krise gibt. Es gibt nur Länder oder Wirtschaftsräume, die mehr oder weniger betroffen sind. Diese Konstellation deutet darauf hin, dass das Interesse an diplomatischen Lösungen unter rationalen Gesichtspunkten dominieren sollte.

Inflation: Das ist und bleibt ungemütlich

Die Preisinflation wird durch die aktuelle Ukrainekrise verschärft und längerfristig anhalten. Zentralbanken werden bezüglich ihrer Zinspolitik vorsichtiger als bis zum 24. Februar 2022 angedacht agieren. Das gilt insbesondere für die US-Notenbank Federal Reserve System (Fed), deren duales Mandat die Federal Reserve nicht nur auf Preisstabilität, sondern auch auf ein auskömmliches Wachstum verpflichtet. Damit wird die Politik der westlichen Zentralbanken fortgesetzt, real negative Zinsen sowohl am Geld- als auch am Kapitalmarkt im nennenswerten Umfang zu verankern mit Kaufkraft- und Wohlstandsverlusten für die allgemeinen Bevölkerungen.

Entwicklung der Inflation, in den USA, Deutschland und EU

Aktienmärkte: Einbruch, was nun?

Die Krise führte zu erhöhter Risikoaversion an den Aktienmärkten. In den westlichen Ländern stach Europa mit den größten Verlusten heraus. Die Bewältigung aller anstehenden Aufgaben in vielfältigen Branchen, auch bedingt durch die aktuelle Krise, zwingt zu wirtschaftlicher Aktivität. 7,8 Milliarden Menschen müssen weltweit versorgt werden.
So führt die Krise dazu, dass der Westen sich schneller von fossilen Brennstoffen lösen wird. Das bedingt beispielsweise mehr Investitionen in alternative Energien, allen voran dem wind- und sonnenunabhängigen Wasserstoff. Abhängig von dem weiteren Verlauf der Krisensituation nimmt die Chance bezüglich der reduzierten Bewertungskoeffizienten grundsätzlich auf eine Bodenbildung an den internationalen Aktienmärkten zu. Sektoral gilt es zu unterscheiden, welche Branchen Preissetzungsmacht haben, um ergebnistechnisch nicht Inflationsopfer zu werden.

Fazit: Menschen, Wirtschaft und Märkte in der Hand der Politik

Die im 1. Quartal 2022 entstandene Krisen- und Risikosituation ist ein „Game Changer“. Die hohen Unsicherheiten, die generiert wurden, lassen sich moderieren, jedoch kurz- und mittelfristig nicht neutralisieren. Massive globale Verluste und Schäden wurden generiert (Menschenleben, Kaufkraft, Bewertungen). Fortgesetzte Eskalation, ob von Russland oder dem Rest der Welt, würden zusätzlich belasten. Rationalität und Diplomatie wären Mittel, dieses Szenario zu entschärfen. Die Menschheit, die Wirtschaft und die Märkte sind wie selten zuvor in der Hand der Politik.

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