Donnerstag, 21. April 2022

Geldanlagen im 1. Quartal 2022 - Der 24. Februar 2022 ist ein Datum, das die Welt verändert

 Im Jahr 2022 war das erste Quartal zweigeteilt. So dominierte zu Jahresbeginn eine  Zuversicht. Der DAX markierte mit 16.271 Punkten am 4. Januar 2022 einen historischen Höchstkurs. Ab Februar wurden die geopolitischen Risiken des sich zuspitzenden Ukraine Konflikts bewertet. Der Beginn des Ukrainekrieges am 24. Februar 2022 wirkte sich als Katalysator eines grundsätzlich negativen Sentiments aus. In der Folge kam es zu einem Tiefstkurs des DAX am 8. März 2022 bei 12.831 Punkten. In Folge des Konflikts nahm die Zuversicht in der Realwirtschaft, bei Verbrauchern und Finanzmarktteilnehmern markant ab. Dabei spielten die Aspekte Versorgungssicherheit im Rohstoffsektor und Anstieg der Preisinflation als auch damit assoziierte Zinserhöhungen prominente Rollen. Im weiteren Verlauf des Quartals kam es zu einer Stabilisierung an Aktienmärkten, jedoch nicht in der Realwirtschaft und an den Zinsmärkten, die auf Hoffnungen diplomatischer Lösungen basieren. Das Thema Corona-Pandemie spielte im ersten Quartal 2022 eine untergeordnete Rolle.

Europa Verlierer der Krise

In dieser aktuellen geopolitischen Krise war und ist die Ukraine der größte Verlierer. Menschenleben gingen und gehen verloren, Strukturen wurden und werden zerstört, Perspektivlosigkeit ist ausgeprägt. Russland zahlt im Hinblick auf die Folgen der westlichen Sanktionspolitik einen hohen Preis (EBRD BIP-Schätzung Russland 2022 eine Rückgang von -10 Prozent). Die Eurozone und die EU sind die am drittstärksten Betroffenen. Zum Zeitpunkt des Verfassens des Quartalsreport ist das Ausmaß der makroökonomischen Schäden hinsichtlich der geopolitischen Unwägbarkeiten bezüglich der Versorgungssicherheit (Verfügbarkeit und Lieferketten), der Teilung der Welt (Deglobalisierung) und der Preisentwicklung nicht vollständig abschätzbar. Zuletzt nahmen die deutschen Verbraucherpreise im Jahresvergleich um mehr als 7 Prozent zu. Damit wurde der höchste Anstieg seit 1981 markiert. Insbesondere für Europa ist der 24. Februar 2022 ein Datum, das die Welt veränderte. Die Risikocluster für die wirtschaftliche Entwicklung haben so stark wie nie zuvor in der Nachkriegsgeschichte zugenommen.

Wer am stärksten von der Globalisierung profitiert

Ins Auge gefasste staatliche Interventionen und Subventionen können in Teilen stabilisieren, jedoch die Schäden nicht neutralisieren. Als Konsequenz der Interventionen und Subventionen werden bei ohnehin prekären Haushaltslagen weiter hohe Staatsdefizite notwendig sein. Anders als in den USA und dem UK, wo es zu Zinserhöhungen kam, steht dieses Thema in der Eurozone voraussichtlich erst im vierten Quartal 2022 an. Die Kapitalmärkte haben aber bereits reagiert. So legte der Zins der 10-jährigen Bundesanleihe von circa -0,18 Prozent auf aktuell +0,58 Prozent zu. Der Preis der Defizitpolitik in den öffentlichen europäischen Haushalten erhöht sich entsprechend. Der 24. Februar 2022 erodierte die Stabilität Europas massiv. Die Kunst der Diplomatie entscheidet über den weiteren Verlauf der Wirtschaft und der Märkte.

USA - In Teilen Gewinner der Krise

Die Vereinigten Staaten waren und sind in Teilen Gewinner der Krise. Geopolitisch hat sich der Westen in einer vor Monaten noch kaum vorstellbaren Solidarität hinter der Krisenführung der USA versammelt. Auch sind die USA geografisch von dieser Krise nicht betroffen. Messbar war das unter anderem an dem Anstieg des USD gegenüber anderen Währungen in der Eskalationsphase der Krise. Derzeit wird dieser Anstieg des USD an den Devisenmärkten in Teilen korrigiert. Das von den USA initiierte Sanktionsregime gegenüber Moskau beinhaltet mittelfristig Risiken. So warnte der IWF am 31. März 2022, dass es zu Fragmentierungen des globalen Finanzsystems durch kleinere Währungsblöcke kommen könne, die die Rolle des USD als Leitwährung verwässern könnten.

Wirtschaftlich bot und bietet sich gegenüber Europa ein differenziertes Bild. Das Thema Energie belastet nicht vergleichbar zu Europa, da die Versorgungssicherheit gewährleistet ist. Der Preisanstieg der fossilen Brennstoffträger hat jedoch eine belastende Wirkung auf die US-Gesamtwirtschaft. Nicht abschätzbar sind derzeit die negativen Folgen bei anderen Rohstoffen für die USA (seltene Erden, Nickel etc.). Die Wiederbewaffnung der Welt nützt darüber hinaus der US-Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund einer minderen Belastung der US-Wirtschaft hat die Federal Reserve erwartungsgemäß den Leitzins im 1. Quartal 2022 um 0,25% angehoben und weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt.

Schwellenländer gehen eigenen Weg

Die Dynamikverluste der Weltwirtschaft wirkten und wirken sich in den Schwellenländern belastend aus. Die für die Weltwirtschaft bedeutenden Länder halten sich weitgehend aus der Ukraine-Krise heraus. So nehmen folgende Länder an den westlichen Sanktionspolitiken nicht teil: Türkei, Israel, Libanon, Syrien (Öl/Gas), Irak (Öl/Gas), Iran (Öl/Gas), Saudi-Arabien (Öl, Gas) Emirate (Öl, Gas), Pakistan, Indien, China, Vietnam, Argentinien (Agrarrohstoffe), Brasilien (Agrarrohstoffe, Erze), Venezuela (Öl, Gas), Mexiko (Öl, Gas), aber auch Nicaragua und Panama, um einige aufzuführen.

Für Nichtteilnehmer an den Sanktionen ergibt sich nicht nur ein soliderer Zugang zu Rohstoffen, sondern auch die Chance auf Preisabschläge gegenüber Weltmarktpreisen (China, Indien). Gegen den Trend der westlichen Zentralbankpolitik senkte Chinas Notenbank den Leitzins im Januar 2022 von 3,80 Prozent auf 3,70 Prozent. China wirkte damit auf die asiatische Region stabilisierend.

Märkte: Geopolitik bestimmte und bestimmt

Die Kapitalmärkte bewegten sich in der Taktung der Geopolitik. Die Aktienmärkte verloren nach guten Jahresstart an Boden, um sich im Zuge der diplomatischen Bemühungen zu stabilisieren. Der DAX markierte mit 16.271 Punkten am 4. Januar 2022 einen historischen Höchstkurs. Der Tiefstkurs des DAX lag am 8. März 2022 bei 12.831 Punkten. Aktuell notiert der DAX um 14.550 Punkte. Die Zinsen zogen an den Kapitalmärkten an. So legte die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe vom Jahresbeginn bei -0,18 Prozent auf derzeit +0,58 Prozent zu. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe stieg in dem identischen Zeitraum von 1,51 Prozent auf 2,32 Prozent. Der Ölpreis (Brent) stieg seit Jahresanfang von 79 USD in der Spitze bis auf 129 USD (9, März 2022), um aktuell bei 107 USD zu notieren. Die Entwicklung der Geopolitik wird weiter primär die Märkte bestimmen.

Fazit
Das erste Quartal 2022 hat beachtliche Turbulenzen auf unterschiedlichsten Ebenen mit sich gebracht. Die regelbasierte Ordnung hat enormen Schaden genommen. Die regelbasierte Ordnung ist Grundlage des globalen Wirtschaftsverkehrs als auch der internationalen Politik. Das erodierte Vertrauen in das System hat strukturellen Schaden ausgelöst, der das Vertrauen in das System belastet. Die daraus mittel- und langfristigen Folgen werden nicht nur konjunkturell markant sein. Neue Strukturen werden sich in der Politik, der Finanz- als auch in der Realwirtschaft aus dieser Not heraus etablieren. Diese Veränderungen werden die Charakteristika einer multilateralen Ordnung sein, die zu Lasten der jetzt dominanten Ordnung gehen. Der 24. Februar 2022 ist das Datum, das die Welt verändert.

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Donnerstag, 14. April 2022

Russland-Ukraine-Konflikt - Politik und Wirtschaft stehen vor massiven Herausforderungen - eine Einordnung

 

Die positiven Ausblicke der internationalen und nationalen Wirtschaftsinstitute für das laufende Jahr 2022 wurden im 1. Quartal 2022 aufgrund der Ukraine-Krise zu irrelevantem Papier. Die völkerrechtswidrige militärische Eskalation Russlands in der Ukraine führte zu einer Sanktionsspirale seitens der meistens westlich orientierten Länder, die historisch einmalig ist und nicht nur gegen Russland wirkt, sondern Folgen für die gesamte Weltwirtschaft und zukünftige Weltpolitik mit sich bringt. Die Versorgungssicherheit mit elementaren Rohstoffen ist in Teilen nicht mehr gewährleistet oder steht zumindest infrage und die Frage der militärischen Sicherheit wird neu diskutiert und geplant.

Das Ergebnis dieser geopolitischen Krise wird weitreichende Folgen für alle Wirtschaftsräume der Welt mit sich bringen. Neue wirtschaftliche und/oder geopolitische Allianzen können vor dem Hintergrund der Versorgungsunsicherheit entstehen. Die „alten“ Allianzen, die Nato und die Kernländer der westlich geprägten Gemeinschaft gehen zunächst gestärkt aus dieser Krise hervor.

Status Quo: Bisherige Gewinner und Verlierer der Krise

Krisen wirken grundsätzlich disruptiv. Das gilt insbesondere für militärische Eskalationen, in denen Länder betroffen sind, die unverzichtbare Güter in der komplexen globalisierten Welt mit zumeist „just in time“ Lieferketten zur Verfügung stellen. Das ist derzeit mit Russland und der Ukraine der Fall. Die Reaktionen an den Rohstoff- und Aktienmärkten sind offensichtlicher Beleg. Der größte Verlierer ist die Ukraine, da der Konflikt auf dem Boden der Ukraine stattfindet. Menschenleben fallen diesem Konflikt zum Opfer. Wirtschaftsstrukturen werden zerstört. Perspektivlosigkeit greift Raum. Nachdem die Bevölkerung der Ukraine sich bei Gründung 1991 auf 52 Millionen Einwohner hochschnellte, lebten 2021 nur noch knapp 42 Millionen Menschen dort. Die aktuelle Flüchtlingsbewegung führt zu einer weiteren Reduktion. Insbesondere die jüngere Generation hat das Land verlassen. Seit 1991 kommt es damit zu einem „Brain-Drain“, der sich jetzt durch die aktuelle Krise verstärkt und das Potenzial des Landes beeinträchtigt.

Anzahl der Zuzüge und Fortzüge zwischen Deutschland und Russland, bzw. der Ukraine von 2000 bis 2021

Russland hat auf mehreren Ebenen deutlich an Boden verloren. Die „militärische Operation“ schadet dem Ansehen Russlands vor allen Dingen im Westen mit langfristigen politischen und wirtschaftlichen Folgen. Russland ist und wird vom Westen auf allen Ebenen isoliert. Das gilt vor allen Dingen für die Anbindung an das westliche Finanzsystem, was einen technischen Bankrott Russlands zur Folge haben kann. Diese westliche Sanktionspolitik führt zu hohen wirtschaftlichen Einbußen, aktuell und perspektivisch. Die Isolierung hinsichtlich der Weltwirtschaft ist jedoch nur partiell. Zum aktuellen Zeitpunkt verweigern sich unter anderem China, Indien, Vietnam, Pakistan, Iran, aber auch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel neben Brasilien, Argentinien, Venezuela, Mexiko und Panama.

Das westliche Europa ist Verlierer dieser Entwicklung. Hinsichtlich der politischen Bedeutung haben sowohl die EU als auch die Nationalstaaten Kontinentaleuropas als ernst zu nehmende Teilnehmer in Konfliktlösungen an Boden verloren (u.a. Mangel an Umsetzung von Minsk II). Die Heterogenität innerhalb der EU (u. a. Visegrád) Rohstoffabhängigkeit, aber auch die militärische Abhängigkeit wirken sich kontraproduktiv aus. Durch Rohstoffinflation drohen markante Wohlstandsverluste gekoppelt mit Risiken für die politische Stabilität im innenpolitischen Raum. Die Themen Mangelversorgung (Energie/Rohstoffe), Verlust der Standortqualität für Investitionen, Stagflation und Rezession drängen sich auf.

Für China ergibt sich ein differenziertes Bild. Peking betonte, dass man felsenfest an der Seite Moskaus stünde und bot sich als Moderator der gegenwärtigen Krise an. Die Abschwächung der Weltwirtschaft und die Zunahme der Rohstoffinflation trifft auch China. Dieser Schaden ist im Hinblick auf das Negativpotenzial in Europa jedoch überschaubar. Die Rohstoffversorgung ist in China mangels Sanktionspolitik gegen Russland anders als in Europa gewährleistet. Eher wird China von Russland bei dem Einkauf wie bisher hinsichtlich der Weltmarktpreise bevorzugt, was zu einem Standortvorteil Chinas an den Weltmärkten führen kann oder führen wird.

Auch für die USA ergibt sich ein differenziertes Bild. Rohstoffinflation und geringere weltwirtschaftliche Dynamik werden in den USA ihren Preis fordern. Die USA sind jedoch anders als Europa geografisch nicht betroffen. Entsprechend werden die direkten negativen Folgen zunächst überschaubar bleiben. Die Energieabhängigkeit der USA von Russland ist explizit kaum vorhanden, implizit hinsichtlich der Preisentwicklungen dennoch gegeben. Politisch haben die USA an Boden gewonnen. Die Kernländer des Westens konnten auf eine Linie gebracht werden. Inwieweit die vom Westen verfügten Finanzsanktionen gegen Russland das westlich dominierte USD-Finanzsystem, auf dem der Machtanspruch der USA aufbaut, untergraben wird, bleibt abzuwarten. Die Wahrscheinlichkeit, dass bedeutende Länder, die für die Grundversorgung der Welt im Rohstoffsektor die Sanktionen nicht mittragen, aus purem Eigeninteresse sich alternativen Systemen öffnen (Vermeidung von Erpressungspotenzial), ist perspektivisch als erheblich einzuordnen.

Ärmere Länder unserer Welt werden von dieser Krise im Hinblick auf die Versorgung mit Agrargütern erheblich betroffen sein. Eine dauerhafte Fortsetzung der Ukraine-Krise garantiert eine nennenswerte Welthungerkrise, die auch alle anderen wirtschaftlichen Entwicklungen dieser Länder unterminiert und global destabilisierend wirken würde.
Als Fazit ist erkennbar, dass es keine Gewinner in dieser Krise gibt. Es gibt nur Länder oder Wirtschaftsräume, die mehr oder weniger betroffen sind. Diese Konstellation deutet darauf hin, dass das Interesse an diplomatischen Lösungen unter rationalen Gesichtspunkten dominieren sollte.

Inflation: Das ist und bleibt ungemütlich

Die Preisinflation wird durch die aktuelle Ukrainekrise verschärft und längerfristig anhalten. Zentralbanken werden bezüglich ihrer Zinspolitik vorsichtiger als bis zum 24. Februar 2022 angedacht agieren. Das gilt insbesondere für die US-Notenbank Federal Reserve System (Fed), deren duales Mandat die Federal Reserve nicht nur auf Preisstabilität, sondern auch auf ein auskömmliches Wachstum verpflichtet. Damit wird die Politik der westlichen Zentralbanken fortgesetzt, real negative Zinsen sowohl am Geld- als auch am Kapitalmarkt im nennenswerten Umfang zu verankern mit Kaufkraft- und Wohlstandsverlusten für die allgemeinen Bevölkerungen.

Entwicklung der Inflation, in den USA, Deutschland und EU

Aktienmärkte: Einbruch, was nun?

Die Krise führte zu erhöhter Risikoaversion an den Aktienmärkten. In den westlichen Ländern stach Europa mit den größten Verlusten heraus. Die Bewältigung aller anstehenden Aufgaben in vielfältigen Branchen, auch bedingt durch die aktuelle Krise, zwingt zu wirtschaftlicher Aktivität. 7,8 Milliarden Menschen müssen weltweit versorgt werden.
So führt die Krise dazu, dass der Westen sich schneller von fossilen Brennstoffen lösen wird. Das bedingt beispielsweise mehr Investitionen in alternative Energien, allen voran dem wind- und sonnenunabhängigen Wasserstoff. Abhängig von dem weiteren Verlauf der Krisensituation nimmt die Chance bezüglich der reduzierten Bewertungskoeffizienten grundsätzlich auf eine Bodenbildung an den internationalen Aktienmärkten zu. Sektoral gilt es zu unterscheiden, welche Branchen Preissetzungsmacht haben, um ergebnistechnisch nicht Inflationsopfer zu werden.

Fazit: Menschen, Wirtschaft und Märkte in der Hand der Politik

Die im 1. Quartal 2022 entstandene Krisen- und Risikosituation ist ein „Game Changer“. Die hohen Unsicherheiten, die generiert wurden, lassen sich moderieren, jedoch kurz- und mittelfristig nicht neutralisieren. Massive globale Verluste und Schäden wurden generiert (Menschenleben, Kaufkraft, Bewertungen). Fortgesetzte Eskalation, ob von Russland oder dem Rest der Welt, würden zusätzlich belasten. Rationalität und Diplomatie wären Mittel, dieses Szenario zu entschärfen. Die Menschheit, die Wirtschaft und die Märkte sind wie selten zuvor in der Hand der Politik.

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Donnerstag, 31. März 2022

Anlagekommentar Februar 2022 - Invasion Russlands in die Ukraine löst den Zinsanstieg als hauptsächliche Anlegersorge ab

 Während sich die Kapitalanleger in der ersten Monatshälfte noch auf die weiter steigenden Inflationsraten und die zu erwartende Reaktion der Zentralbanken fokussierten, so dominierte die zweite Monatshälfte die Invasion Russlands in die Ukraine und deren Folgen. Die USA und die EU nahmen zwar von einem direkten militärischen Eingreifen Abstand, verhängten aber zumindest weitreichende Sanktionen gegen Russland und leiteten eine massive Waffenhilfe für die Ukraine in die Wege. Dadurch kamen besonders Aktien von Unternehmen unter Druck , die einem hohen Geschäftsanteil in Osteuropa haben. Dagegen gehörten Unternehmen aus der Öl- und Gasindustrie, dem Bergbau- und der Rüstungsindustrie zu den Gewinnern an der Börse. Der Ölpreis legte auf über 100 US-Dollar je Fass nach oben zu, was den höchsten Stand seit 2014 bedeutete. Auch der Preis für europäisches Gas ging um 36 Prozent nach oben.

Entwicklung der Anlagemärkte im Februar 2022

Russlands Großangriff auf die Ukraine traf die Kapitalmärkte hart. Im Zuge dieser Entwicklung verlor der Weltaktienindex MSCI World in Euro -2,8 Prozent. Die amerikanischen Werte konnten sich dem nicht entziehen, was beim Dow Jones Industrial Average Index mit -3,5 Prozent zu buche schlag, auch der der marktbreite S&P 500 Index verlor -3,1 Prozent und der US-Technologieindex NASDAQ Composite Index kam auf -3,4 Prozent Rückgang. In Asien gab es eine breite Spanne mit roten Vorzeichen: Der japanische NIKKEI 225 Index kam mit -1,8 Prozent glimpflich davon und der Hang Seng Index beendete dagegen mit -4,67 Prozent tief rot den Monat. Dagegen entwickelten sich die europäischen Aktienmärkte sehr unterschiedlich. So kam der DAX Index mit -6,5 Prozent sehr stark unter die Räder und Frankreichs CAC 40 Index mit -4,8 Prozent war nur leicht besser. Großbritanniens FTSE 100 Index konnte sich dem starken Rückgang entziehen und verlor nur -1,6 Prozent, was auch den IBEX 35 Index mit ebenfalls -1,6 Prozent gelang.

DAX Entwicklung

Auch an den Rentenmärkten spiegelte sich der Angriffskrieg von Russland gegen die Ukraine wieder. So konnten sich Staatsanleihen mit bester Qualität zwar relativ gut behaupten, mussten aber dennoch leichte Kursverluste verkraften. Denn wegen der hohen Unsicherheit stiegen die Zinsen global an. Zu groß war die Sorge, dass der Krieg die Inflationsraten auf ungeahnte Höhen treiben könnte. So haben zehnjährige deutsche Staatsanleihen 12 Basispunkte höher rentiert und waren damit auf dem höchsten Stand seit Anfang 2019. Die Staatspapiere der südlichen Euroländer traf es wesentlich heftiger, da sich infolge der zu erwartenden wirtschaftlichen Eintrübung die Kreditaufschläge deutlich ausweiteten. Dagegen waren die amerikanischen Pendants nicht so stark getroffen. Hier lag die Rendite am Monatsende bei 1,83 Prozent und das Protokoll des Offenmarkt-Ausschusses der US-Notenbank bestätigte die Bereitschaft der Fed, die Zinssätze zu erhöhen und bis zu Beginn des Krieges preisten die Marktteilnehmer einen großen US-Zinsschritt um 50 Basispunkte ein.

Auch die Rohstoffpreise explodieren, weil weitreichende Lieferengpässe befürchtet werden. So verzeichneten jene Rohstoffe heftige Preisausschläge, bei den die Ukraine und/oder Russland wichtige globale Exporteure sind. Der Weizenpreis stiegt so um fast 22 Prozent, Aluminium verteuerte sich um 11,5 Prozent und Nickel um knapp 9 Prozent. Dies verstärkte die Sorgen um eine Inflation, die außer Kontrolle geraten könnte. Eine Folge daraus wäre eine starke Belastung des privaten Konsums und mögliche Produktionsunterbrechungen wegen einer Potenzierung der Lieferkettenprobleme. Das Risiko einer Stagflation erschien auf einmal als eine sehr reale Situation und die guten volkswirtschaftlichen US-Daten wurden kaum noch wahrgenommen.

Die Invasion Russlands in die Ukraine und daraus folgende  globale wirtschaftliche Konsequenzen

Am 21. Februar 2022 hat der russische Präsident Putin bekanntgegeben, dass die Gebiete Donezk und Luhansk im ostukrainischen Donbass als unabhängige Staaten von Russland anerkannt werden und die Entsendung von Truppen in die Ostukraine angeordnet. Mit Datum vom 24. Februar 2022 ist eine Invasion Russlands in der Ukraine im Gange, die bis hin zu einer Annexion der gesamten Ukraine führen könnte. Der Westen hat im Falle einer Invasion Russlands in die Ukraine mit massiven wirtschaftlichen Sanktionen gedroht. Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine haben die USA und die EU zeitnah erste Sanktionen bekanntgegeben.

Das erste Sanktionspaket umfasst unter anderem ein Handelsverbot für russische Staatsanleihen und Vermögenswerte von mehreren Hundert Personen und Unternehmen sollen eingefroren werden. Ziel ist es, Russland den Zugang zu den internationalen Kapital- und Finanzmärkten zu begrenzen. Die Risiken für die Weltwirtschaft sind eng mit dem Ausmaß der Wirtschaftssanktionen gegen Russland verbunden. Aus aktueller Sicht, sollten selbst bei einer vollständigen Invasion der Ukraine die Sanktionen so ausfallen, dass sie die Weltwirtschaft nicht massiv treffen werden. Während sich eine Änderung in dem wirtschaftlichen Normalisierungsszenario derzeit nicht aufdrängt, bedeuten aber weiter steigende Energiepreise dennoch eine gewisse Belastung des privaten Konsums.

So wird die Kapitalmarkt-Entwicklung, zumindest in der kurzen Zeitfrist von Russlands Invasion in die Ukraine geprägt. In den kommenden Wochen dürften aber die Entwicklungen von Konjunktur und Inflation wieder zusehends stärker im Vordergrund stehen. Historisch betrachtet steigen die Risikoprämien von Risikoanlagen in solchen Situationen, während deren Kurse sinken. Dies gilt besonders im Vorfeld und zu Beginn kriegerischer Auseinandersetzungen, wenn die Unsicherheiten über den weiteren Verlauf am höchsten sind. Die Lage an den Kapitalmärkten entspannt sich in aller Regel, wenn die Unsicherheiten geringer werden, besonders wenn absehbar wird, dass ein Konflikt lokal begrenzt bleibt. In den bisherigen Äußerungen Wladimir Putins steht die Machtübernahme in der Ukraine im Zentrum, weshalb eine Ausweitung kriegerischer Handlungen über die Ukraine hinaus eher unwahrscheinlich sein dürfte. Ebenso dürfte der Vorstoß Russlands unter der Einschätzung erfolgt sein, dass eine Machtübernahme rasch erfolgen kann.

Deshalb dürften für die Kapitalmärkte in den kommenden Wochen zusehends weniger Risikoüberlegungen als die globalen wirtschaftlichen Konsequenzen aus der Invasion Russlands in der Ukraine im Vordergrund stehen. Als Übertragungsmechanismus des Konflikts sind die Rohstoffpreise, insbesondere die Energiepreise eine zentrale Größe. Denn die Energiepreise werden auch vom Ausmaß der Wirtschaftssanktionen gegen Russland bestimmt. Aktuell kann man davon ausgehen, dass die Sanktionen der europäischen Länder und der USA so gewählt werden, dass keine starken negativen Rückkopplungseffekte auf die Weltwirtschaft durch massiv höhere Energiepreise oder gar Versorgungsengpässe entstehen. Unabhängig vom Ukraine-Konflikt bleiben steigende Energie- und Rohstoffpreise aber ein möglicher Belastungsfaktor für die Weltwirtschaft, da zu erwarten ist, dass die Rohstoffpreise allein im Gefolge der wirtschaftlichen Normalisierung steigen werden.

Ausblick auf die zukünftige Kapitalmarktentwicklung

Für die Kapitalmärkte bleibt die wirtschaftliche Normalisierung das Kernthema. Dies impliziert eine positive Grundtendenz. Nach der ausgeprägten Aktien-Rallye seit den ersten Lockdowns 2020 stehen in den kommenden sechs bis zwölf Monaten sicherlich tiefere Erträge an, da sich das Wirtschaftswachstum vom gegenwärtig immer noch überdurchschnittlich hohen Niveau auf normale Zuwachsraten verlangsamen wird. Letzteres dürfte aber vor allem ein Thema für die zweite Jahreshälfte oder gar 2023 sein. Damit sind auch eher Korrekturen zu erwarten, wobei Rückschläge als Einstiegsmöglichkeit genutzt werden können.

Auf der politischen Agenda stehen unter anderem die Präsidentschaftswahlen in Frankreich im April, die Zwischenwahlen in den USA im November sowie mögliche Auswirkungen im Zuge der Invasion von Russland in der Ukraine. Eine zentrale wirtschaftliche Unwägbarkeit bleibt die Inflationsentwicklung in den USA, wobei diese durch den Ukraine-Konflikt etwas in den Hintergrund rückt. Dazu bleiben die seit Monaten angebotsseitigen Störungen, wie ein starker Anstieg der Erdgaspreise, Engpässe und Lieferverzögerungen bei Komponenten, Zwischenprodukten und im Transportwesen, was die Weltwirtschaft insgesamt und ausgewählte Unternehmen belasten. Allerdings werden die positiven Grundtrends dadurch nicht in Frage gestellt.

Kurzfristig hat eine gewisse Entspannung an den Energiemärkten, bei den Transportkosten und in den Lieferketten leicht positive Auswirkungen. Die Güterpreisinflation, die vor allem in den USA präsent ist und sich auch global auswirkt, wird die Märkte noch einige Zeit beschäftigen. Selbst bei anhaltend hoher Güterpreisinflation wäre eine markante Straffung der US-Geldpolitik unwahrscheinlich, da damit in der Wirtschaft insgesamt erheblicher Schaden entstehen würde. In der Summe bleibt die Anlagestrategie weiter vorwiegend auf Aktien und Unternehmensanleihen ausgerichtet. Regional sollte man aktienseitig auf Europa und die USA weiterhin fokussiert bleiben. Die Risiken im aufstrebenden Asien haben abgenommen, auch was die Marktstimmung betrifft. Dadurch kann man dort in den kommenden Monaten mit einem ähnliches Ertragsprofil wie in westlichen Industrieländern rechnen.

Anlagemärkte Entwicklung

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Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
  • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
  • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London

Anlagekommentar Februar 2022 als ePaper lesen

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Mittwoch, 16. März 2022

Mobilitätstrends der Zukunft - Veränderungen der Infrastruktur in den Städten und Metropolregionen beeinflussen auch die Anlagemärkte

 

Wir stehen vor dem Beginn eines neuen, multimobilen Zeitalters. Technische Innovationen und veränderte Bedürfnisse der Menschen werden zum Motor neuer Formen der Fortbewegung: vernetzt, postfossil und geteilt. Die Elektromobilität nimmt an Fahrt auf. Laut der Internationalen Energie-Agentur vergrößerte sich die weltweite Elektroauto-Flotte von 2 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2017 auf 5 Millionen im Jahr 2018, was einer massiven Einsparung an CO2-Emissionen gleichkommt. Wir erleben derzeit eine Evolution der Mobilität, die durch den technologischen Fortschritt, den Klimaschutz, die Urbanisierung und die Ressourcen-Problematik beschleunigt wird. So könnten ab 2025 selbstfahrende Taxis auf den Straßen zu finden sein und 2030 könnte autonomes Fahren auch im gesamten Individualverkehr zum Alltag gehören. Das eröffnet Chancen, insbesondere für nachgelagerte Branchen. Nach Angaben des Zentralverbands der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie waren in einem Auto im Jahr 2019 durchschnittlich Prozessoren im Wert von 337 Euro verbaut. Ein Elektrofahrzeug benötigt zusätzliche Prozessoren für 410 Euro, und durch automatisiertes Fahren kommen weitere geschätzte 910 Euro für Mikroprozessoren hinzu.

Bis 2030 wird sich der Elektroantrieb durchsetzen

Das knappe Angebot an Halbleitern hat dafür gesorgt, dass mehrere Zulieferer der Automobilbranche ihre Produktion zurückfahren mussten. Das hat das weltweite Angebot an Fahrzeugen insgesamt verknappt. Besonders in den USA war der Fahrzeugbestand so niedrig, dass einige bedeutende Autohersteller schwerwiegende Auswirkungen zu spüren bekamen. Innovative Transportmöglichkeiten von Gütern Bei der Mobilität der Zukunft geht es allerdings um mehr als um die individuelle Mobilität von Menschen, sondern ganz klar auch um neue Transportmöglichkeiten im Güterverkehr. Die Zunahme des Onlinehandels hat zu einem starken Anstieg des Lieferverkehrs in den Städten geführt. Weil die Infrastruktur dafür auf Dauer nicht ausgelegt ist, und die Belastungen durch Abgase und Feinstaub in der Kritik stehen, werden neue Formen des Transports von Gütern entwickelt. Elektrische Drohnen zur Auslieferung von Paketen stehen hier an erster Stelle und auch die Wasserstofftechnologie wird ihre Rolle finden.

Für Stadt und Land klimafreundliche Mobilität möglich

Metropolen fungieren als Vorreiter

Das hat auch unmittelbare Auswirkungen auf die urbane Infrastruktur. Viele Jahrzehnte wurden Städte autogerecht geplant und umgebaut. Doch wer sich die jüngsten Stadt- und Quartiersentwicklungen anschaut, liest immer wieder von autoarmen Konzepten, autofreien Zonen, Mobilitäts-Hubs und Sharing-Angeboten. Oslo hat sogar als erste europäische Hauptstadt ein Verbot für Privat-PKWs in der Innenstadt ausgesprochen. Während die Kritik an der ungezügelten privaten PKW-Nutzung vor allem in den Metropolen zunimmt, wird der ÖPNV in vielen Städten massiv ausgebaut. Außerdem gewinnt das Radfahren immer mehr an Bedeutung, gefördert durch den großzügigen Ausbau der Radwegenetze. Der Vorrang für den ÖPNV und neue Radwege auf ehemaligen PKW-Fahrstreifen hat also unmittelbaren Einfluss auf den PKW-Verkehr. Gerade während der Pandemie entstanden zahlreiche neue Pop-up-Radwege, die zum Teil für dauerhafte Lösungen gesichert werden – dieser Trend scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein.

Mikromobilität im Zeichen des Wachstums

Bis 2030 könnte der Mikromobilitätsmarkt einen Wert von 500 Mrd. US-Dollar erreichen, so die Consultingagentur McKinsey. Viele Großstädte wie Paris oder Seattle sehen sich dazu veranlasst, Straßen für den Autoverkehr zu sperren und mehr Fahrradwege zu bauen. Zudem hat die COVID19-Pandemie dazu geführt, dass die Menschen sich wieder mehr auf ihre lokale Umgebung konzentrieren – ein Trend, der sich im Konzept der „15-Minuten-Stadt“ widerspiegelt, in der alle wichtigen Einrichtungen und Angebote in diesem Radius für die Bürger erreichbar sind.

Regeln für die Verkehrswende - automatisiert, vernetzt, versichert

Individualverkehr neu gedacht

Natürlich wird dafür viel mehr Infrastruktur benötigt, wie z. B. flächendeckende Lademöglichkeiten in den Metropolregionen. Außerdem können wir uns auf mehr Regulierung und Kontrolle einstellen – sowohl der Mikromobilitätsunternehmen als auch der Nutzer. Und das Potenzial geht über die physische Infrastruktur hinaus. Intelligente Städte und Unternehmen, die auf Mikromobilität setzen, können diese durch Apps, die
einen Anreiz zu ihrer Nutzung bieten, erleichtern und fördern. Und wenn doch das Auto gebraucht wird, muss es vor allem für die jüngere Generation nicht mehr das eigene Fahrzeug sein. Zwar ist das Auto weiterhin sehr wichtig für die jüngere Generation, es muss sich aber in einen aktiven, umweltbewussten Lebensstil integrieren lassen. Fahrräder, Scooter, Shuttles und Skateboards hingegen prägen immer mehr das Bild unserer Städte. Klein, leicht, umweltfreundlich und einfach mit anderen zu teilen – die Vorherrschaft des Autos als Verkehrsmittel der Wahl wackelt. Willkommen in der Mikromobilitätsrevolution!

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Freitag, 11. Februar 2022

Anlagekommentar Januar 2022 - Westliche Zentralbanken schlagen zur Zinspolitik und Inflationsentwicklung ungewohnt schärfe Töne an

 Die amerikanische Federal Reserve System (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) haben zur Zinspolitik und Inflationsentwicklung deutliche aggressivere Töne an den Tag gelegt. So sorgen die zunehmenden geopolitischen Spannungen zwischen Russland und der Ukraine für kräftig steigende Energiepreise bei Öl und Gas. Auch zunehmend knappe Lagerbestände bei den sechs wichtigsten Industriemetallen sind ein weiterer Preistreiber. Mehrere US-Notenbanker äußerten sich besorgt über den Anstieg der amerikanischen Inflationsrate auf den höchsten Wert seit 40 Jahren von 7,5 Prozent und brachten so ein schnelleres und stärkeres Anheben der Leitzinsen wieder auf die aktuelle Agenda.

Mit knapp 5 Prozent im Vorjahresvergleich blieb auch in der Eurozone die Inflation weiter hoch, obwohl die meisten Analysten mit einer abnehmenden Inflationsrate gerechnet hatten. So hat sich auf die europäische Zentralbank der Druck erhöht, früher als erwartet mit Zinserhöhungen gegenzuhalten. Diese Umstände führten zu deutlich steigenden Renditen bei kurzlaufenden Staatsanleihen und sorgten für vorsichtige Ausblicke der berichtenden Industrieunternehmen. Dadurch gab es bei den Aktienmärkten die schlechteste Monatsentwicklung seit der Finanzkrise im Jahr 2009.

Entwicklung der Anlagemärkte im Januar 2022

Im Zuge dieser Entwicklung gab der globale MSCI World Index -5,3 Prozent ab, wobei amerikanische Werte überproportional verloren. So verlor der marktbreite S&P 500 Index -5,3 Prozent und der US-Technologieindex NASDAQ Composite Index kam sogar auf -9 Prozent Rückgang. Auch in Asien gab es eine Dominanz mit tiefroten Vorzeichen: Der japanische NIKKEI 225 Index verlor -6,2 Prozent und der SSE Composite Index beendete sogar mit -7,7 % den Monat. Dagegen konnten sich die eher zyklischen europäischen Aktienmärkte besser schlagen. So kam der DAX Index nur auf - 2,6 Prozent und Frankreichs CAC 40 Index auf -2,2 Prozent. Großbritanniens FTSE 100 Index konnte sich sogar gegen den Trend stemmen und um +1,1 Prozent zulegen.

DAX Entwicklung

An den Rentenmärkten waren die deutlich steigende Renditen kurzlaufender Staatsanleihen das beherrschende Thema. Vor allem ein möglicher großer Zinsschritt um 50 Basispunkte bei der nächsten Sitzung der US-Zentralbank Federal Reserve System (Fed) besorgte die Marktteilnehmer. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sprang in diesem Zuge um 0,27 auf 1,78 Prozent nach oben. Durch den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), früher als erwartet mit Zinserhöhungen gegenzuhalten, nahm ebenfalls zu. Dies sorgte dafür, dass zehnjährige deutsche Staatspapiere erstmals seit drei Jahren wieder im positiven Bereich rentierten. Für Rentenfonds bedeutete dies einen Kursrückgang, wobei mittelfristig durch die nun wieder zu erzielenden Renditen über die Ausschüttungen eine Kompensation erfolgt.

Die Rohstoffmärkte profitierten dagegen von den geopolitische Spannungen zwischen Russland und der Ukraine. So konnte ein Fass Brent-Öl einen Zuwachs von +18 Prozent verbuchen, was den höchsten Stand seit dem Jahr 2014 markierte. Dagegen konnte der Goldpreis davon nicht profitieren, er verlor infolge des Zinsausblicks und der starken US-Währung -1,8 Prozent.

Ausblick auf die zukünftige Kapitalmarktentwicklung

Für die Kapitalmärkte bleibt die wirtschaftliche Normalisierung das Kernthema. Dies impliziert eine positive Grundtendenz. Nach der ausgeprägten Aktien-Rallye seit den ersten Lockdowns 2020 stehen in den kommenden sechs bis zwölf Monaten sicherlich tiefere Erträge an, da sich das Wirtschaftswachstum vom gegenwärtig immer noch überdurchschnittlich hohen Niveau auf normale Zuwachsraten verlangsamen wird. Letzteres dürfte aber vor allem ein Thema für die zweite Jahreshälfte oder gar 2023 sein. Damit sind auch eher Korrekturen zu erwarten, wobei Rückschläge als Einstiegsmöglichkeit genutzt werden können.

Auf der politischen Agenda stehen unter anderem die Präsidentschaftswahlen in Frankreich im April, die Zwischenwahlen in den USA im November sowie mögliche Ereignisse im Zuge des noch ungelösten Ukraine-Konflikts. Eine zentrale wirtschaftliche Unwägbarkeit bleibt die Inflationsentwicklung in den USA. Seit Monaten gibt es  angebotsseitige Störungen, wie ein starker Anstieg der Erdgaspreise, Engpässe und Lieferverzögerungen bei Komponenten, Zwischenprodukten und im Transportwesen, was die Weltwirtschaft insgesamt und ausgewählte Unternehmen belasten. Allerdings werden die positiven Grundtrends dadurch nicht in Frage gestellt.

Kurzfristig hat eine gewisse Entspannung an den Energiemärkten, bei den Transportkosten und in den Lieferketten leicht positive Auswirkungen. Die Güterpreisinflation, die vor allem in den USA präsent ist und sich auch global auswirkt, wird die Märkte noch einige Zeit beschäftigen. Selbst bei anhaltend hoher Güterpreisinflation wäre eine markante Straffung der US-Geldpolitik unwahrscheinlich, da damit in der Wirtschaft insgesamt erheblicher Schaden entstehen würde. In der Summe bleibt die Anlagestrategie weiter vorwiegend auf Aktien und Unternehmensanleihen ausgerichtet. Regional sollte man aktienseitig auf Europa und die USA weiterhin fokussiert bleiben. Die Risiken im aufstrebenden Asien haben abgenommen, auch was die Marktstimmung betrifft. Dadurch kann man dort in den kommenden Monaten mit einem ähnliches Ertragsprofil wie in westlichen Industrieländern rechnen.

Anlagemärkte Entwicklung

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

Die Informationen sind unverbindlich und stellen weder eine Anlageempfehlung oder sonstige Beratung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch. Eine Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Anlegers. Die dargestellten Informationen, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten sowie das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
  • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
  • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London

Anlagekommentar Januar 2022 als ePaper lesen

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Schwellenländer - Wieder ein zuversichtlicher Blick für die Geldanlage

 

Für die Schwellenländer lief das Jahr 2021 eher durchwachsen. Allen voran die Regulierungswelle im chinesischen Technologiesektor setzte den Märkten ebenso zu wie die Probleme im Immobiliensektor - ganz zu schweigen von den politischen Spannungen mit Hongkong und Taiwan. Im neuen Jahr sehen Experten aber auch in China wieder Aufholpotenzial wegen der inzwischen relativ niedrigen Bewertungen. Wir richten aber auch einen Blick nach Brasilien und Indien.

Es sprechen unterschiedliche Gründe dafür, den Weg der Schwellenländer ins Jahr 2022 mit Optimismus zu betrachten. In den Aktienbewertungen scheint viel Vorsicht eingepreist zu sein, weshalb sie auf einen attraktiven langfristigen Wert hindeuten. Die Bewertungen des chinesischen Marktes dürften sich einem Tiefpunkt nähern und sollten sich davon ausgehend nach den negativen Meldungen im Jahr 2021 wieder erholen. Zwar könnten die kurzfristigen Belastungen durch die regulatorische Ungewissheit und die „Null-Covid“-Strategie bis ins Jahr 2022 anhalten, doch die politischen Entscheidungsträger sind bereit dazu, das Wirtschaftswachstum bei Bedarf zu stabilisieren.

Es herrscht ein gemäßigter Optimismus

2021 war ein schwieriges Jahr für die Schwellenländer. Durchwachsene Impffortschritte in den einzelnen Ländern trugen zu Fehlentwicklungen bei der Überwindung der Pandemie bei. Die wirtschaftliche Wiederbelebung in den Schwellenländern und die Wiederaufnahme des Handels an ihren Aktienmärkten blieben folglich hinter dem Tempo in den Industrieländern zurück. Vor allem China bereitete Sorgen: Eine straffere Fiskal- und Geldpolitik, die Kampagne „Allgemeiner Wohlstand“ mit regulatorischen Änderungen in vielen Branchen und eine Null-Covid-Politik dämpften die Anlegerstimmung. Sorgen angesichts der Inflation und des geldpolitischen Kurses in den USA rückten ebenfalls in den Vordergrund. Wichtige Schwellenländer wie Brasilien, Mexiko, Russland und Südkorea kamen den Industrieländern mit der Absicht, den Preisdruck zu dämpfen, bei der Anhebung der Zinssätze zuvor.

Entwicklung von ausgewählten Schellenländerfonds

Dennoch gibt es mehrere Gründe, den Weg der Schwellenländer ins Jahr 2022 mit Zuversicht zu betrachten. Beispielsweise scheint in den Aktienbewertungen viel Vorsicht eingepreist zu sein, weshalb sie auf einen attraktiven langfristigen Wert hindeuten. Auch die Aussichten für Anleihen sind ermutigend, da die Realrenditen in den Schwellenländern über jenen der Industrieländer liegen. Auch die Haushalts- und Leistungsbilanzen der Schwellenländer sind in besserer Verfassung als zuvor. Die institutionellen Reformen der letzten Jahrzehnte in wichtigen Schwellenländern haben deren wirtschaftliche Disziplin und Krisenresistenz gestärkt. Die hohen Rohstoffpreise der letzten sind ein zusätzlicher Glücksfall für die Exporteure. Die bessere Finanzlage der Schwellenländer lässt hoffen, dass es keine Wiederholung der extremen Marktspannungen gibt, denen die Schwellenländer in früheren Abschwungphasen ausgesetzt waren.

Vielfältige Triebkräfte in den Emerging Markets

Die Bewertungen des chinesischen Marktes scheinen sich einem Tiefpunkt zu nähern und dürften sich davon ausgehend nach den negativen Meldungen im Jahr 2021 wieder erholen. Zugegebenermaßen könnten sich manche kurzfristigen Belastungen allerdings bis ins Jahr 2022 hineinziehen. Es steht zu erwarten, dass China seine Null-Covid-Strategie bis weit in das neue Jahr hinein beibehalten wird, um den Erfolg der Olympischen Winterspiele und des 20. nationalen Parteitags der Kommunistischen Partei Chinas nicht zu gefährden. Beschränkungen des internationalen Reiseverkehrs und sonstige Mobilitätseinschränkungen werden die Wirtschaftstätigkeit bremsen.

Auch die regulatorische Ungewissheit könnte andauern. So sind die jüngsten regulatorischen Änderungen zum Teil auf den politischen Zyklus in China zurückzuführen, der im 20. nationalen Parteitag seinen Höhepunkt erreichen dürfte. Wenn sich der politische Wirbel gelegt hat, dürfte wie in den vergangenen politischen Zyklen endlich wieder Klarheit über die Rechtsvorschriften herrschen. Die chinesische Politik hat jedoch erfreulicherweise zum Ausdruck gebracht, dass sie nach wie vor eine starke wachstumsfördernde Agenda verfolgt und nicht die Absicht hat, den Privatsektor mit Vorschriften zu ersticken. China verfügt über die politischen Instrumente zur Stabilisierung des Wachstums und ist bereit, sie bei Bedarf einzusetzen, wie die jüngste Senkung des Mindestreservesatzes im Land gezeigt hat.

In Brasilien sind die Bewertungen auf ein extrem niedriges Niveau gesunken, was interessante Investitionschancen eröffnet. Bedenken in Bezug auf eine mögliche fiskalische Nach Lässigkeit, steigende Zinssätze und die Wahrscheinlichkeit eines Wiedererstarkens linker politischer Kräfte bei den Parlamentswahlen im nächsten Jahr haben zu einem Ausverkauf an den Märkten geführt. Selbst in dieser Situation erscheinen die brasilianischen Fundamentaldaten solider als je zuvor seit der letzten Rezession. In jüngster Zeit haben sich die brasilianische Haushalts- und Leistungsbilanz verbessert, wobei dem Land als Nettoexporteur von Öl die höheren Ölpreise zugute kamen. Die günstigen makroökonomischen Bedingungen machen sich auch auf Unternehmensebene bemerkbar. So konnte beispielsweise der staatliche Ölproduzent Petrobras dank Rationalisierung und steigenden Cashflows, die durch die höheren Ölpreise ermöglicht wurden, seine Schulden in den letzten Jahren deutlich abbauen.

In Indien ist nach der zweiten Corona-Welle eine Erholung der Wirtschaftstätigkeit zu verzeichnen. Der Kreditzyklus zeigt Anzeichen eines Aufschwungs, und die großen Banken verzeichnen ein gesundes Kreditwachstum. Auch der Wohnimmobilienzyklus nimmt an Fahrt auf, seit Häuser und Wohnungen bezahlbarer geworden sind. Gleiches gilt für den Infrastrukturzyklus im Zuge der von der Regierung eingeleiteten Infrastrukturmaßnahmen. Indiens Konjunkturbelebung geht mit einer soliden Haushalts- und Leistungsbilanz einher.

Langfristige Chancen nutzen

In den Schwellenländern sind weiterhin positive strukturelle Kräfte zu beobachten, die neue Investitionschancen eröffnen dürften. Die Digitalisierung ist ein wichtiges Thema. Indiens florierende Internetwirtschaft zieht Kapital von Anlegern an, die auf der Suche nach neuen Wachstumsbereichen sind, vor allem angesichts des regulatorischen Wandels in China. Der elektronische Zahlungsverkehr, Lebensmittellieferungen und andere disruptive Geschäftsmodelle sind auf dem Vormarsch und veranlassen selbst traditionelle Unternehmen zu Innovationen, um der Konkurrenz standzuhalten. In China gewinnt die Digitalisierung der Industrie an Fahrt, da die Wirtschaft einen Aufstieg in der Wertschöpfungskette anstrebt. Weltweit unterstreicht die anhaltende Halbleiterknappheit die enorme Nachfrage nach Chips aufgrund des technologischen Fortschritts, und so werden starke Gewinne für einige der weltweit größten Halbleiterunternehmen in Märkten wie Taiwan und Südkorea erwartet.

Aufstellung der Bevölkerung in wichtigen Industrie- und Schwellenländern

Die Dekarbonisierung ist ein weiterer Trend, den es zu beobachten gilt. Die Zusagen der großen Schwellenländer, CO2-Neutralität zu erreichen, dürften die Initiativen rund um Elektrifizierung und erneuerbare Energien verstärken und damit auf mehrere Jahre hinaus für eine Belebung in den betreffenden Branchen sorgen. Wir haben erlebt, wie sich das Wachstum südkoreanischer Hersteller von Elektrofahrzeugbatterien und chinesischer Solarenergieunternehmen stark beschleunigt hat und sie dadurch zu weltweit führenden Unternehmen aufgestiegen sind.

Widerstandsfähigkeit inmitten von Risiken

Bestimmte Risiken könnten den Gesamtausblick für die Schwellenländer verändern, wenngleich sie nicht Teil des Basisszenarios sind. So könnte beispielsweise ein plötzlicher und starker Anstieg der US-Leitzinsen eine Marktvolatilität auslösen. Umgekehrt könnte eine unerwartet lockere US-Politik den Schwellenländern helfen, die Industrieländer zu überflügeln. Gleichzeitig könnten gefährlichere COVID-19-Varianten auftauchen. Die Marktschwankungen, die auf die jüngste Entdeckung der Omikron-Variante folgten, erinnern an die nach wie vor bestehenden Ungewissheiten, auch wenn die bisherigen Anzeichen darauf hindeuten, dass die Symptome der Variante milder ausfallen könnten als befürchtet. Auch die Beziehungen zwischen China und Taiwan gilt es im Auge zu behalten, da sich die Spannungen zwischen den beiden Ländern zuspitzen. In dem sich weiterentwickelnden Anlageumfeld ist in den Schwellenländern vor allem auf die Widerstandsfähigkeit ihrer Volkswirtschaften und Unternehmen zu
achten.

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Freitag, 4. Februar 2022

Bei Immobilienbewertungen rücken ESG-Risiken in den Fokus

 

In Europa entfallen nach Schätzungen der EU-Kommission rund 40 Prozent des Energieverbrauchs auf Gebäude. Deshalb kann der Immobiliensektor durch entsprechende Maßnahmen viel zum Klimaschutz beitragen. Immobilienunternehmen stehen zunehmend in der Pflicht, nachhaltige Kriterien bei Umweltschutz, Sozialstandards und guter Unternehmensführung (ESG) stärker als bisher zu beachten.

Klimawandel ruft bei Immobilien die Politik auf den Plan

Immobilienunternehmen sind schon heute dazu angehalten, für mehr Nachhaltigkeit beim Bau und Betrieb von Gebäuden zu sorgen. Die neue Bundesregierung wird ihre Anstrengungen zum Klimaschutz weiter forcieren. Nach Einschätzung von Benita Schneider, Leiterin des europäischen Immobilien Asset Managements der DWS, kommt zunächst nichts völlig Unerwartetes auf die Branche zu. Denn Nachhaltigkeit bei Immobilien ist schon seit Jahren ein Thema. Was stärker wiegt, ist das gestiegene Bewusstsein, dass der Klimawandel ein gemeinsames und inzwischen vor allem ein rasches Handeln fordert. Das hat über die Jahre vermehrt die Politik auf den Plan gerufen und Forderungen nach einem stärkeren ordnungspolitischen Rahmenwerk vergrößert.

Kühle Luft - Energieverbrauch für die Raumkühlung in Wohn- und Geschäftsgebäuden

Immobilienunternehmen beachten ESG-Risiken stärker als bisher

Langfristig orientierte Anbieter von Immobilienfonds fungieren schon längere Zeit als eine Art Risikomanager, die auch die sogenannten ESG-Risiken ins Kalkül ziehen. Die Nichtbeachtung von ökologischen, sozialen Aspekten sowie Kriterien der Unternehmensführung, birgt zusätzliche Risiken im Investmentprozess.
Da ist zunächst das Carbon Transition Risk, das sich durch die Umstellung einer Gesellschaft auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft ergibt. Daneben besteht das Physical Climate Risk. Dabei werden die physischen Auswirkungen des Klimawandels auf einen bestimmten Immobilienstandort betrachtet, beispielsweise bei Gebäuden in Küstennähe oder – ganz aktuell – im Überschwemmungsbereich von Flüssen. Schließlich darf man das Social Norms Risk nicht aus den Augen verlieren. Auch die Immobilienwirtschaft kann sich nicht der sozialen Verantwortung entziehen, die sich aus den geänderten Ansprüchen der Gesellschaft, von Mietern und Investoren in Bezug auf Klimawandel und Nachhaltigkeit ergeben.
Diese Risiken werden im Management von Immobilienfonds bereits heute berücksichtigt, indem festgelegt werde, bei welchen Immobilien Maßnahmen ergriffen werden müssen, um deren CO2-Fußabdruck zu verringern. Schließlich ist eine der Aufgaben eines treuhänderischen Verwalters von Immobilienfondsvermögen, die Objekte auf dem neuesten Stand der Technik zu halten, um deren Attraktivität für die Mieter und deren Werthaltigkeit für die privaten und institutionellen Anleger zu erhalten beziehungsweise im Idealfall zu steigern.

Noch keine verbindlichen Standards

Wohn- und Gewerbeimmobilien gelten wegen ihres hohen Energieverbrauchs als einer der Schlüsselfaktoren, um die Erderwärmung zu begrenzen und die EU bis 2050 kohlenstoffneutral zu stellen. Den einen verbindlichen Standard, die Energieeffizienz im Bestand zu steigern, gibt es nicht, aber viele Wege dorthin. So kann man bei einem Neubau statt einer Gasheizung eine Wärmepumpe oder statt einer Klimaanlage Kühldecken einbauen oder eine sonnenabweisende Fassade planen. Beim Bestand kann man zumindest für die Allgemeinflächen auf Anbieter grüner Energieformen zurückgreifen, oder mit einer extern entwickelten Software an das Gebäudeleitsystem einer Immobilie ankoppeln. Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz können so Ineffizienzen aufgedeckt und die Energieeffizienz des Gebäudebetriebes nachhaltig erhöht werden. Das hilft nicht nur, CO2-Emissionen zu reduzieren, sondern ermöglicht auch Energie- und Kosteneinsparungen in den Gebäuden. Das ist auch für die Mieter ein großes Plus, wenn dadurch die Nebenkosten sinken.
Beim Neuerwerb von Immobilien sollten Fondsgesellschaften die Möglichkeit nutzen, die zuvor erwähnten drei ESG-Risiken im Rahmen des Due Diligence Prozesses zu bewerten und somit zu analysieren, ob ein Objekt bezüglich des Rendite-Risiko-Profils den eigenen Erwartungen und denen ihrer Anleger entspricht.

Neue Firmenzentrale von Atlassian - Ein 180-Meter-hoher-Holzhybridbau

Möglicher Wertverfall durch Umweltauflagen

Zudem besteht die Möglichkeit, anhand des europäischen Carbon Risk Real Estate Monitors (CRREM) zu prüfen, ob und wann ein Wertverfall des Gebäudes infolge strengerer Umweltauflagen droht, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird. Anhand dieser Indikation und der Kalkulation möglicher Kosten kann der Fondsmanager dann entscheiden, ob ein Objekt für den Kauf in Frage kommt oder nicht.
Die von der EU geforderte Klimaneutralität bezieht sich nicht nur auf die CO2-Emissionen, die durch den Gebäudebetrieb entstehen. Auch Baumaterialien selbst haben unterschiedliche CO2-Fußabdrücke, so stellt sich die Frage, wie sich diese Treibhausgase im Immobilienbaumanagement berücksichtigen lassen. Hier wird in der Praxis zwischen Neubau und Sanierung unterschieden. Bei Sanierungen entsteht CO2 auf unterschiedlichen Wegen, etwa beim Abriss durch Transport und Entsorgung von Schutt oder beim Wiederaufbau durch den Einsatz von Zement. Daher sollte sorgfältig abgewogen und geprüft werden, inwieweit Gebäudesubstanz erhalten werden kann. Zum anderen kann mit alternativen Materialien wie Holz gebaut werden, die CO2 sogar langfristig binden, oder auf Baustoffe zurückgegriffen werden, die mittels CO2-armer Prozesse hergestellt werden.

Die Einbindung von Mietern

Ein wichtiges Instrument, um ESG-Kriterien in „grünen“ Mietverträgen für einen nachhaltigen Gebäudebetrieb zu implementieren, ist die Einbindung von Mietern in Maßnahmen zu mehr Nachhaltigkeit. In vielen Ländern etwa ist der Mieter nicht verpflichtet, Verbrauchsdaten mit dem Vermieter zu teilen. Aber je mehr solcher Daten zur Verfügung stehen, desto besser lässt sich ein Gebäude analysieren. Weitergehende Vereinbarungen lassen sich etwa bezüglich des Einkaufs sogenannter grüner Energie, der Reduzierung von Abfällen oder der Verwendung von umweltschonenden Putzmitteln bei der Reinigung in den verwalteten Immobilien treffen. Um eine nachhaltige Nutzung und Bewirtschaftung der Immobilie zu erreichen ist der Besitzer der Immobilie auf die Kooperation der Mieter angewiesen, dies kann nicht einseitig durchgesetzt werden.

Regelmäßige energetische Überprüfungen

Jede Nutzungsart hat ihre Besonderheiten in Bezug auf Energieverbrauch und Energiemix. Die genaue Erfassung und Auswertung von Daten ist wesentlich, um den Nachhaltigkeitserfolg zu bewerten. Dies wird in der Regel innerhalb eines Immobilienportfolios sichergestellt, indem beispielsweise für jeden Fonds ein Strategie entworfen wird, die das Ziel verfolgt , die CO2-Emissionen und den Energieverbrauch der Fondsimmobilien zu reduzieren. Darin ist aufzuführen, welche Maßnahmen für welche Immobilien eingeleitet und welche weiteren Maßnahmen darüber hinaus noch erforderlich sind. Auch sollten die Bestandsobjekte im regelmäßigen Abstand einiger Jahre einer energetischen Prüfung unterzogen. Im Zentrum dieser Überprüfung steht die Frage: Entspricht die Gebäudetechnik dem aktuellen Stand und was wäre nötig, um die Energieeffizienz des Gebäudes weiter zu verbessern? Neben der damit verbundenen Einsparung von Energie- und anderen Betriebskosten wirkt sich dies auch positiv auf die Gebäudezertifizierung aus, was wiederum ein bestimmtes Maß an Verantwortungsbewusstsein signalisiert, für Nachhaltigkeitsaspekte sensibilisiert und die Wettbewerbsfähigkeit eines Gebäudes erhöht.

Gesundheit und Wohlbefinden in Immobilien

Eine weitere Frage ist, inwieweit sich Zertifizierungen auf die Vermietbarkeit von Gebäuden auswirken. Schon heute sind Zertifizierungen ein gutes Argument, ihre Bedeutung wird weiter zunehmen. Das gelte auch auf Mieterseite, Stichwort „Carbon Transition Risk“ beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft. Denn Mieter werden zunehmend energieeffiziente Gebäude nutzen wollen, nicht nur weil deren Betriebskosten niedriger sind, sondern weil sie selbst als Unternehmen ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten wollen. Einen immer höheren Stellenwert nimmt auch das Thema Gesundheit und Wohlbefinden in Immobilien ein. Das Installieren von Plasma-Luftreinigungssysteme in den Aufzugskabinen der Fahrstühle sind nur ein Beispiel, um Viren und andere schädliche Partikel zu eliminieren und die Nutzung von Fahrstuhlkapazitäten selbst in Corona-Zeiten wieder auf Normalniveau zu bringen.

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