Freitag, 23. April 2021

Anlagekommentar März 2021 - US-Präsident Joe Biden legt ein hohes Tempo vor und treibt damit die Börsen zu neuen Höchstständen an

 Im Eiltempo nahm das US-Fiskalpaket in Höhe von 1,9 Billionen Dollar zur Bekämpfung der Pandemiefolgen die gesetzlichen Hürden. Neue 1.400 US-Dollar-Schecks für Bürger mit einem Jahresverdienst unter 80.000 US-Dollar und die Verlängerung der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung bis September dürften den Konsum kräftig beflügeln. Zudem enthält das Paket monetäre Hilfsleistungen für Bundesstaaten und Kommunen und Milliardensummen für die Impfkampagne und Teststrategien. Kurz nach der Unterzeichnung kündigte US-Präsident Joe Biden dann seinen Plan an, in den kommenden Jahren zwei Billionen US-Dollar für die Modernisierung der Infrastruktur und die Energiewende investieren zu wollen. Zur Finanzierung dieser Mammutaufgabe sollen die Unternehmenssteuer kräftig erhöht und internationale Gewinne künftig höher besteuert werden.

Entwicklung der Anlagemärkte im März 2021

Obwohl der März 2021 etwas holpriger als erwartet verlief, ist insgesamt die Monatsperformance aber durchaus ansprechend. Zwischenzeitliche Turbulenzen durch milliardenschwere Aktienverkäufe, die durch die Schieflage eines US-Hedgefonds ausgelöst wurden, sorgten zwischenzeitlich für heftige Kursverluste einiger amerikanischer und chinesischer Technologie- und Medientitel.

Der deutsche zyklisch geprägte DAX Index konnte angesichts seines hohen Gewichts an Automobilwerten 8,9 Prozent dazugewinnen. Im Eurostoxx 50 Index sorgen Banken- und Energiewerte für einen Anstieg um 7,8 Prozent. In den USA konnte der industriegewichtete Dow Jones Industrial Average Index erstmals die 33.000 Punkte-Marke überspringen und entwickelte sich besser als der marktbreite S&P 500 Index mit +4,2 Prozent. Dagegen hatten die Technologie- und niedrig kapitalisierten Werte das Nachsehen. Der NASDAQ 100 Index kam nur auf 1,4 Prozent Zuwachs und der deutsche TecDAX Index schloss den März mit 1,5 Prozent Anstieg nur unwesentlich besser ab. Im europäischen Markt konnte sich der britische FTSE 100 Index +3,6 Prozent auch gut behaupten. In Japan gab es dagegen auch nur einen geringen Zuwachs des japanischen NIKKEI 225 Index von nur +0,7 Prozent. Dagegen konnte sich der weltweite MSCI World Index dem positiven Trend mit einem Zugewinn von 6,5 Prozent anschließen.

DAX Entwicklung

Dagegen setzte an den Rohstoffmärkten eine Konsolidierung ein. Von Sorgen eines Nachfrageeinbruchs durch die Verlängerung der europäischen Lockdowns wurde die Marktstimmung belastet und der Ölpreis sank dadurch. Die überraschende OPEC-Entscheidung über einen Verzicht auf Fördermengenerhöhungen sorgte dann für eine Stabilisierung. Der Komplex der Industriemetalle notierte überwiegend schwächer, wobei Kupfer mit einem Preisrückgang von fast 4 Prozent die Liste anführte. Auch bei Gold und Silber ging es bergab und beide setzten ihren Abwärtstrend der Vormonate fort. Ein Ende der Konsolidierungsphase ist derzeit noch nicht absehbar.

Dagegen gab es an den Rentenmärkten keine nennenswerten Veränderungen. Alle wichtigsten Notenbanken der Welt blieben bei ihrer derzeitigen Strategie, so dass weiter keine Zinserhöhungen zur Debatte stehen. Auch das Ansteigen der Inflation bleibt weiter im Sinne der Notenbanken und erfordert derzeit keine geldpolitischen Gegenmaßnahmen. Aus der derzeitigen Sicht bleibt ein nachhaltiger Anstieg der Inflation weiter sehr unwahrscheinlich. Wenn beispielsweise die Inflation in den USA für einen gewissen Zeitraum lediglich auf etwas über 2 Prozent steigt, was der Absicht der Notenbank entspricht, dürfte der Einfluss auf die Börse überschaubar bleiben.

Corona-Impfungen sorgen für Rückenwind an den Aktienmärkten

Im März spiegelten gute Konjunkturindikatoren die Zuversicht wider, mit den fortschreitenden Impferfolgen in China und in den USA die Einschränkungen der Corona-Pandemie bald hinter sich lassen zu können. Dadurch bekamen die Aktienmärkten in Europa und in den USA Rückenwind. Auch das Corona-Hilfspaket der USA in Höhe von 1,9 Billionen US-Dollar wurde von den Marktteilnehmern begrüßt.

Der März 2021 konnte sich sehr erfreulich entwickeln, da die meisten Aktienmärkte mit wenigen Ausnahmen wie China und Hongkong zum Teil deutlich zulegen konnten. Der deutsche Aktienindex DAX erzielte ein Plus von 8,9 Prozent und notierte zum ersten Mal über der markte von 15.000 Punkten. Auch der breit aufgestellte europäische Index Stoxx Europe 600 konnte um 6,1 Prozent zulegen und der US-amerikanische Index S&P 500 stieg um 4,2 Prozent. Dagegen konnte der Hang-Seng-Index aus Hongkong seinen Wert nur um 0,48 Prozent steigern und der weltweite MSCI World Index legte um 6,5 Prozent zu.

Die guten Konjunkturindikatoren sorgten an den Aktienmärkten in Europa und in den USA für Rückenwind. So sprang der deutsche ifo-Geschäftsklima-Index von 92,4 auf 96,6 Punkte, und der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie stieg von 60,7 auf 66,6 Punkte, obwohl die deutsche Industrieproduktion im März um -2,5 Prozent gegenüber dem Vormonat zurückging. Beide Indikatoren spiegeln die Zuversicht wider, mit den fortschreitenden Impferfolgen in China und in den USA die Einschränkungen der Corona-Pandemie bald hinter sich lassen zu können. Auch beim deutschen Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen gab es einen Anstieg im März mit 50,08 Punkten und notierte damit zum ersten Mal seit einigen Monaten wieder über der Marke von 50, was eine expandierende Wirtschaft anzeigt.

So fiel auch in den USA die Arbeitslosenquote und das Verbrauchervertrauen stieg an. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für die Industrie konnte den höchsten Stand seit drei Jahren erreichen. Vor allem aber begrüßten die Marktteilnehmer Die Verabschiedung eines Corona-Hilfspakets in Höhe von 1,9 Billionen US-Dollar durch den US-Kongress, welches zu einem großen Teil als Helikoptergeld an die US-Amerikaner ausgezahlt wird, sorgte allerdings für die größte Begeisterung bei den Marktteilnehmern. Wenn es nach der Regierung von US-Präsident Joe Biden geht, so soll noch ein weiteres Paket in Höhe von 2 Billionen US-Dollar folgen, um hauptsächlich notwendige Infrastrukturprojekte anzuschieben, beziehungsweise umzusetzen. Für die Gegenfinanzierung dieser Ausgaben ist bereits die erste größere Steueranhebung in den USA seit 1993 im Gespräch, wobei die Unternehmenssteuern von aktuell 21 Prozent auf bis zu 28 Prozent steigen sollen. Auch die US-Notenbank versprüht Optimismus und korrigierte ihre Wachstumsprognose für 2021 von 4,2 auf 6,5 Prozent nach oben.

Auch in China konnten sich die Einkaufsmanagerindizes nach oben entwickeln, vor allem der für Dienstleistungen. So legten Chinas Exporte im Januar und Februar um 61 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu, die Industrieproduktion konnte um 35 Prozent zulegen und der Einzelhandel stieg um 34 Prozent. Für das laufende Jahr 2021 peilt die chinesische Regierung ein Wirtschaftswachstum von 6 Prozent an. Analog zu dieser Entwicklung konnte auch die OECD ihre Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft von 4 auf 5,6 Prozent erhöhen.

Auf der anderen Seite der Medaille beschleunigte sich aber auch die Inflation angesichts der in Schwung kommenden Konjunktur. So stieg diese im Euroraum gegenüber dem Vorjahr von 0,9 auf 1,3 Prozent, wofür allerdings vor allem steigende Energie- und Nahrungsmittelpreise verantwortlich waren. Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrung) ging dagegen von 1,1 auf 0,9 Prozent zurück. In den USA gab es eine ähnliche Entwicklung, bei der die Inflationsrate um 30 Basispunkte auf 1,7 Prozent stieg und die Kerninflationsrate um 10 Basispunkte auf 1,3 Prozent sank. In dieser Folge erhöhten die Notenbanken des Euroraums mit der Europäische Zentralbank (EZB) und der USA die Federal Reserve System (Fed) ihre Inflationserwartungen für das aktuelle Gesamtjahr auf 1,5 Prozent beziehungsweise 2,4 Prozent. Angesichts dieser Entwicklungen geriet der US-Rentenmarkt unter Druck und die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen erhöhte sich von 1,40 auf 1,74 Prozent. Dagegen konnten die deutschen Pendants mit -0,29 Prozent um drei Basispunkte niedriger rentierten.

Bei den Rohstoffen gab es gegensätzliche Befürchtungen, welche die Preise für Öl und Gold beeinflussten. So verbilligte sich Öl leicht von 66 auf 64 US-Dollar pro Fass, aus der Sorge heraus, dass die neuen Lockdown-Beschlüsse die Nachfrage beeinträchtigen würden. Auch der Goldpreis fiel von 1.727 auf 1.705 US-Dollar pro Feinunze weiter, vor dem Hintergrund steigender Zinsen und der sich belebenden Konjunktur.

Bei all den Wachstumszahlen, darf man nicht vergessen, dass diese aus dem "herunterfahren" des wirtschaftlichen Lebens durch die Corona-Pandemie resultieren. Es wird hier nur ein Nachholbedarf abgebildet, der sich wieder normalisieren wird. Dies betrifft die Wachstumszahlen, wie auch die Inflationsraten. Die geldpolitischen Probleme, welche bereits vor der Corona-Pandemie vorherrschten, sind bislang noch nicht gelöst und werden irgendwann wieder die Tagesordnung beherrschen.

Ein Blick auf die aktuellen Anlagestrategien

Die Volkswirtschaften in Europa bleiben zwar von andauernden Lockdowns geprägt, in der für die Kapitalmärkte wichtigen US-Wirtschaft zeichnet sich aber der Beginn einer Normalisierung gegen Ende des zweiten Quartals ab. Als Risikofaktor für die Kapitalmärkte ist ein zu erwartender recht deutlicher Anstieg der Inflation in den kommenden Monaten zu nennen, während höhere Anleihe-Renditen als Einflussgröße in aller Regel überschätzt werden. Die Aussicht auf eine Normalisierung der US-Wirtschaft dürfte möglichen negativen Inflationseffekten allerdings entgegenwirken.

So sprechen mittelfristig in einem weiter anhaltenden Nullzinsumfeld die Dividendenrenditen und Ertragsaussichten für Aktien für Erfolg. Aufgrund des aktuellen Wirtschaftsszenarios werden konjunktursensitive Werte und damit auch das Segment kleinerer und mittelgroßer Unternehmen auf Erholungskurs bleiben. Aber auch bei Value-Aktien gibt es weiterhin Potenzial und auch defensive Unternehmen mit einer soliden Dividendenhistorie sollten besser abschneiden als Unternehmensanleihen mit Anlagequalität.

Nach der derzeitigen längeren Phase eines insgesamt positiven Börsentrends sind Gewinnmitnahmen weiter wahrscheinlicher geworden. Ohne signifikante negative Nachrichten sind Korrekturphasen jedoch meist von kurzer Dauer und würden eher weiter Einstiegsmöglichkeiten zum Nachkaufen bieten. Anlagestrategisch sprechen in einem anhaltenden Nullzinsumfeld die Dividendenrenditen und Ertragsaussichten für weiter Aktien. Die Verteilung von Impfstoffen hat sich mittlerweile verbessert, aber die neuen Mutationen des Coronavirus bleiben vermehrt im Fokus. Die aktuelle Datenlage zu den Impfstoffen spricht allerdings derzeit nicht dafür, dass das wirtschaftliche Erholungsszenario gefährdet wäre. Die Wirtschafts- und Börsentrends werden aber auf jeden Fall nicht geradlinig verlaufen.

Trotz einer möglicherweise hohen Marktvolatilität in den kommenden Monaten, sollte man sich als Anleger zunehmend auf eine weitgehende Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität in den kommenden 12-24 Monaten einstellen. Zu berücksichtigen gilt auch, dass sich die relevanten Stellen, wie Regierungen, Gesundheitssysteme, Einzelpersonen und Unternehmen seit Monaten viel dazu gelernt haben, mit der Situation umzugehen. In der aktuellen Phase sind Unternehmen zu bevorzugen, die sich bisher in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewährt haben und eine solide Bilanz aufweisen.

Weiterhin sorgen dennoch Dividendenwerte für gute Erträge und der regionale Fokus im Aktienbereich bleibt weiter auf Europa und den USA gerichtet. Als interessantes langfristiges Thema zur Depotbeimischung kann der Fokus auf eine „Alternde Gesellschaft“ gelegt werden und über unterschiedliche Anlagemöglichkeiten abgebildet werden. Auch globale Immobilienaktienfonds können zur Depotdiversifikation beitragen, denn stabile Dividendenzahlungen durch regelmäßige Mieterträge und die Partizipation an aussichtsreichen Langfristtrends zeichnen diesen Anlagebereich aus. Da die Renditen für Staatsanleihen in Europas Kernländern bei kurzen bis mittelfristigen Laufzeiten oft negativ sind, bleibt das Umfeld für Anleihen-Investoren weiter eine Herausforderung. Auch nach dem die Kreditaufschläge in der letzten Zeit zurückgegangen sind, bleiben die Unternehmensanleihen weiterhin die bessere Ertragsperspektive als die Staatsanleihen. In diesem Umfeld sollten Unternehmensanleihen aus dem gesamten Euroraum weiter den Vorzug bekommen.

Anlagemärkte Entwicklung

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

Die Informationen sind unverbindlich und stellen weder eine Anlageempfehlung oder sonstige Beratung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch. Eine Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Anlegers. Die dargestellten Informationen, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten sowie das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
  • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
  • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London
Anlagekommentar als eBook herunterladen

Leseempfehlungen

Lesen Sie doch auch diese Artikel rund um das Thema Finanzen, wofür sich auch andere Leser interessierten:

Energiekosten sparen – So klappt ein Anbieterwechsel
Elektro- und Hybridfahrzeuge - Vorsicht beim Laden Zuhause!
Mit Fondssparplänen den Vermögensaufbau gestalten

Bildnachweis

Quelle: Bereich "Corona-Impfungen sorgen für Rückenwind an den Aktienmärkten" von DJE Kapital AG

Montag, 19. April 2021

Inflationsgespenst ist wieder da - Wird der Aktienmarkt abgewürgt?

 Das Inflationsgespenst ist zurück und mit ihm die Sorge um die Folgen dieser Entwicklung für die Aktienmärkte. Ob die Befürchtungen berechtigt sind, soll in diesem Beitrag unter die Lupe genommen werden. Denn in den letzten Wochen dominierte das Inflationsgespenst an den Finanzmärkten. Aktienmärkte reagierten mit Verunsicherung. Mit dem Jahreswechsel ergab sich ein sprunghafter Anstieg der Verbraucherpreise in der Eurozone von -0,3 Prozent per Dezember 2020 auf +0,9 Prozent per Januar/Februar 2021. Auch die Kernrate der Verbraucherpreise stieg nach der Anomalie bei 0,20 Prozent während des Zeitraums September bis Dezember 2020 auf jetzt 1,1 Prozent per Februar 2021. Die Betrachtung der Kernrate ist von hervorgehobener Bedeutung, da sie den Preisdruck aus der inneren Volkswirtschaft abbildet.

Für die Notenbanken ist die ansteigende Inflation eine Wunscherfüllung

Positiv ist anzumerken, dass damit das Kalkül der Europäischen Zentralbank (EZB) und der weiteren westlichen Zentralbanken aufgegangen ist, den deflationären Druck, der sich aus der Krise ergab, durch massive Maßnahmen in der Zins- und Geldpolitik in der Wirkung zunächst zu nivellieren und am Ende umzukehren. Die Finanzmärkte befürchteten hinsichtlich der veränderten Situation, dass die westlichen Zentralbanken in zeitlicher Nähe in ihrer Geld- und Zinspolitik umsteuern würden. Entsprechend agierten die Marktteilnehmer an den Kapitalmärkten mit einer Neubewertung bei langfristigen Staatsanleihen. In der Folge legte die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe von -0,50 auf bis zu -0,20 Prozent zu, während es in den USA zu einem markanten Anstieg von 0,50 auf bis zu 1,70 Prozent für 10-jährige Treasuries kam.

deutscher Verbraucherindex 2018 bis 2021

Im Rahmen dieser Neubewertung am Kapitalmarkt waren alle westlichen Zentralbanken bemüht, den internationalen Finanzmärkten zu signalisieren, dass kein abrupter Lastwechsel in der Zins- und Geldpolitik anstünde. Der Anstieg der Preisniveaus über das Jahresende kam für die Zentralbanken und professionelle Analysten nicht überraschend, denn der Anstieg der Preisinflation hat sehr viel mit exogenen Effekten zu tun. Da geht es einmal um Basiseffekte und um Rohstoffpreise. Aus diesem Grund haben westliche Zentralbanken hinsichtlich der Bewertung der Inflation lange im Voraus darauf verwiesen, dass man sich nicht an aktuellen Inflationsspitzen, sondern sowohl an langfristigen Durchschnitten der Preisentwicklung orientieren wird als auch ein temporäres Überschießen der Inflation tolerieren würde. Mithin ergibt sich eine Politik der ruhigen Hand bei den westlichen Zentralbanken bis weit in das Jahr 2022 oder sogar darüber hinaus.

Weltwirtschaft erholt sich trotz Corana-Pandemie weiter

Fakt ist, dass sich die Weltwirtschaft trotz anhaltender Corona-Pandemie erholt. Das gilt vor allen Dingen den industriellen Sektor. Aber auch der Dienstleistungssektor gewinnt global deutlich an Fahrt. Selbst in der Eurozone erreichten uns diesbezüglich jüngst positive Überraschungswerte, beispielsweise bei dem Markit Einkaufsmanagerindex, aber auch bei dem Verbrauchervertrauen der Eurozone. Die Corona-Problematik sollte im Jahresverlauf abnehmen und entsprechend Wachstumskräfte freisetzen. Die geplanten Wirtschaftsprogramme, die global aufgesetzt sind oder noch aufgesetzt werden (US-Infrastrukturprogramm Volumen circa 3 Billionen USD) werden Wachstum auf die nächsten drei bis vier Jahre forcieren. Damit wird das globale Wachstum in den kommenden Jahren überproportional ausfallen. Entsprechend fallen auch die BIP-Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für die Jahre 2021/2022 mit 5,5 Prozent/4,2 Prozent überdurchschnittlich aus. Eine derartige konjunkturelle Entwicklung wird von zunehmenden Inflationsdruck geprägt sein. Diesbezüglich ist auf jetzt bereits bestehende Engpässen bei Halbleitern und im Stahlsektor verwiesen, die Preisüberwälzungsspielräume eröffnen.

Entscheidend ist die Amplitude des voraussichtlichen Ausschlags. Für die Eurozone ist ein vorübergehender Anstieg auf Größenordnungen um 2,5 Prozent realistisch. Dann sollte es zu einer Anpassung in Richtung 1,5 Prozent - 2,0 Prozent kommen. An dieser Stelle ist ein Exkurs erforderlich, der deutlich macht, dass das Niedrigzinsniveau für westliche Länder und Wirtschaftsräume unverzichtbar ist. Die Krisen seit 2007 haben dafür gesorgt, dass die öffentlichen Haushaltslagen in vielen Ländern prekär sind. Anders ausgedrückt können sich diese Länder oder Wirtschaftsräume kein Marktzinsniveau wie vor 2007 leisten, da der Zinseszinseffekt ansonsten diskretionäre Politikgestaltung mangels finanzieller Mittel vereitelte. Das Risiko von Staatsbankrotten stünde im Raum. Die Finanzmärkte sind gut beraten, davon auszugehen, dass die repressive westliche Zentralbankpolitik nicht aufgegeben wird. Das heißt nicht, dass es auf nominaler Basis nicht zu leicht steigenden Zinsen kommen kann. Die Wirkung einer Zentralbankpolitik in einem Negativ-, Null- oder Niedrigzinsniveau hängt am Realzins. Der Realzins ist der Nominalzins abzüglich des Verbraucherpreises.

Realzinsen im Negativ-, Null- oder Niedrigzinsniveau

Sinkende Realzinsen sorgen für ökonomische Wirkung

An dem Beispiel wird deutlich, dass der Realzins seit Dezember 2020 von -0,20 Prozent auf zuletzt -1,20 Prozent gesunken ist. Der Realzins bei -1,20 Prozent erzielt, sofern dauerhaft verankert, eine deutlich höhere ökonomische Wirkung als ein Realzins bei -0,20 Prozent in einem Niedrigzinsregime. Hinsichtlich der Staatsverschuldung ist ein negativer Realzins Labsal. Die Staatsschulden haben grundsätzlich eine Durchschnittslaufzeit von circa 8 Jahren (Duration). Als Beispiel bietet sich Deutschland an. Vor der Lehman-Krise finanzierte sich Deutschland mit einem Durchschnittszins von 3,8 Prozent. Jetzt liegt der Durchschnittszins faktisch um 0 Prozent. Diese Zahl berücksichtigt Negativzinsen. Der Staat verbucht sie als Einnahmen. Damit sind Negativzinsen in der offiziellen Zinskostenstatistik unberücksichtigt. Inflation entwertet das reale Gesamtvolumen der Schulden (aktuell 2.172 Mrd. EUR). Auch wenn Zinsen steigen, unterläge nur die Neuverschuldung und die zu ersetzende Altverschuldung erhöhter Zinsbelastungen. Liegt der Durchschnittszins, der auf die Staatsschuld zu zahlen ist, unterhalb der Preisinflation, ergibt sich eine reale Entschuldung.

Hinsichtlich der Verschuldungsdynamik liefern die USA das kritischste Bild: US-Notenbankchef Jerome Powell rechnet mit einem Wirtschaftswachstum in Höhe von 6,5 Prozent per 2021. Die Prognose wird in der Grundtendenz quantitativ richtig sein, weil die US-Politik wie kein anderes Land Helikoptergeld in historisch einmaligem Maße verteilt und zusätzlich weitere Programme auf der Agenda hat. Die USA spielen das Modell „pimp my economy“ in einer nie zuvor dagewesenen Form. Lassen wir Zahlen sprechen: 6,5 Prozent Wachstum entspricht einer Größenordnung von 1.352 Mrd. USD. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) wird die öffentliche Neuverschuldung ohne Berücksichtigung des 1,9 Billionen USD Hilfspakets bei 11,8 Prozent des BIP liegen. Das sind 2.454 Mrd. USD. Inkludiert man dieses Programm ist eine Größenordnung von 18 Prozent des BIP realistisch. Das wären 3.744 Mrd. USD. Für einen Output von 1.352 Mrd. USD 3.744 Mrd. USD auszugeben, ist meines Erachtens kein Ausdruck von realer Stärke, sondern von massiver Schwäche struktureller Natur. Wegen dieser massiven US-Verschuldungsdynamik ist die Fortsetzung der alimentierenden Fed-Politik und die Verankerung eines Niedrigzinsregimes für die USA von elementarer Bedeutung.

Ergo argumentiert die Federal Reserve System (Fed): Die Konjunkturerholung sei bei weitem noch nicht abgeschlossen. Die Fed würde die Wirtschaft so lange stützen, wie es nötig sei. Die Federal Reserve System (Fed) rechne mit einem Anziehen der Inflation, doch seien das voraussichtlich nur vorübergehende Effekte. Der Umfang der monatlichen Wertpapierkäufe in Höhe von 120 Mrd. USD würde beibehalten. Das ist das Skript, dem auch die EZB folgen wird. Würde die Europäischen Zentralbank (EZB) sich von dieser US-Repression unabhängig machen, käme es zu einer markanten Aufwertung des Euros. Damit würden deflationäre Impulse gesetzt und die Konkurrenzfähigkeit der Eurozone würde an internationalen Märkten beschädigt. Das will man weder im EZB-Rat noch in süd-, aber auch nordeuropäischen Gefilden.

Fazit

Als Fazit lässt sich ziehen, dass die globale Wirtschaft stark laufen wird, dass es zu weiteren nominalen Anpassungen am Kapitalmarkt unter Schwankungen kommen wird und dass das Niedrigzinsregime mit größtenteils negativen Realzinsen uns noch lange begleiten wird. Ein derartiges Szenario kann Aktienmärkte kurzfristig verschrecken und in Korrekturen zwingen. Es erscheint jedoch ungeeignet, um eine Trendumkehr einzuleiten, denn das BIP-Wachstum als auch die Inflation liefern positive Skaleneffekte in Umsatz und Gewinn für die Unternehmen.

Leseempfehlungen
Lesen Sie doch auch diese Artikel rund um das Thema Finanzen, wofür sich auch andere Leser interessierten:

Die expansive Geldpolitik und die Folgen für die Aktienmärkte
Elektro- und Hybridfahrzeuge - Vorsicht beim Laden Zuhause!
Baufinanzierung – Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB

Bildnachweis

Quelle: Folker Hellmeyer, Chefanalyst bei Solvecon-Invest

Freitag, 2. April 2021

Die expansive Geldpolitik und die Folgen für die Aktienmärkte

 Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus ziehen die Regierungen und die Zentralbanken weltweit alle Register. Allerdings ist dies noch mit ungewissem Ausgang. Welches Szenario am wahrscheinlichsten ist und was Anleger bis dahin tun können, soll in in diesem Artikel beleuchtet werden.

Wie Regierungen und Zentralbanken alle Register ziehen

Zwischen Aktienmärkten und Zentralbanken besteht eine besondere Beziehung. Zwar schauen beide auf dieselben Wirtschaftsindikatoren. Indem die Zentralbanken die Zinsen festlegen, nehmen sie im Unterschied zu den Märkten jedoch Einfluss auf die Wirtschaft. Aktien wiederum zeichnen sich im Wesentlichen durch zwei Merkmale aus: Sie preisen erstens zukünftige Unternehmensgewinne und damit Wirtschaftswachstum ein. In extremen Phasen des Konjunkturzyklus weichen Aktienkurse daher von der Konjunkturentwicklung ab. Tatsächlich ist der Aktienmarkt einer der Frühindikatoren, auf die Zentralbanken achten. Zweitens verstärken Aktien die Signale, die den Markt erreichen, was insbesondere die Signale der Zentralbanken gilt.

MSCI im Vergleich mit Fair Value

Merkmale des aktuellen Zyklus

Gegenwärtig sind die Zinsen so niedrig wie nie zuvor. In Europa und Japan sind sie inzwischen unter die Marke von 0 Prozent gefallen, in manchen Fällen sogar bei langen Laufzeiten. Um die Auswirkungen dieses Szenarios beurteilen zu können, hilft ein kurzer Abriss der jüngeren Vergangenheit: Zu Beginn der Achtzigerjahre setzte eine Disinflation ein, die sich nach der Finanzkrise des Jahres 2008 zu einem Deflationsrisiko entwickelte.

Auf die Dotcom-Krise im Jahr 2000 reagierten die Zentralbanken mit Zinssenkungen, die Subprime-Krise im Jahr 2008 veranlasste sie zu unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen. Die Corona-Pandemie indes wird durch eine Kombination aus Haushalts- und Geldpolitik bekämpft. In gewisser Weise kann man dies als letztes Gefecht gegen mit den Regierungen das Wachstum anzukurbeln die Deflation betrachten, in jedem Fall werden Regierungen und Zentralbanken nach Ansicht von Fachleuten alle Register ziehen.

Frühere bedeutende Zyklen haben gezeigt: Um eine positive Entwicklung anzustoßen, müssen die Inflationserwartungen steigen.

Welches Szenario aus Anlegersicht am wahrscheinlichsten ist und die damit verbundenen Risiken

Die aktuelle Krise ist in ihrer Art beispiellos. Sollte die Pandemie zu einem natürlichen Ende kommen, etwa durch ein Medikament oder einen Impfstoff, können wir mit deutlich steigenden Konsumausgaben und einem wirtschaftlichen Aufschwung rechnen. Davon würden sowohl zyklische Aktien, Small Caps und sogar Value-Aktien profitieren, deren Bewertungslücke zu Growth-Aktien zwischenzeitlich ein Rekordniveau erreicht hatte.

MSCI im Vergleich mit Value ompensite Premium

Darüber hinaus haben Regierungen und Zentralbanken ihre Entschlossenheit unter Beweis ge-stellt, die Wirtschaft zu stützen. Falls nötig, dürften sie ihre Konjunkturprogramme nochmals ausbauen. Erneute Volatilitätsausschläge sind möglich. In Anbetracht mangelnder Alternativen dürften Anleger mit langfristigem Horizont diese nutzen, um ihre Aktienpositionen auszubauen.

Fazit zum Thema: Die expansive Geldpolitik und ihre Folgen für die Aktienmärkte

Die Zentralbanken haben nun die Aufgabe, gemeinsam und die Inflationserwartungen zu stärken. Ihre Funktion mag sich wandeln, doch Zentralbanken bleiben die wichtigste Stütze des Anlagezyklus. Solange die Krise anhält, dürften sie für Liquidität sorgen und die Zinsen niedrig halten.

Bei Bedarf könnten sie sogar noch weiter gehen und die Zinsen am langen Ende kappen, wie sie es während des Zweiten Weltkriegs getan haben, um die Kriegsausgaben zu finanzieren. Dieser „Put“ der Zentralbanken sollte einen Absturz der Aktienkurse verhindern, sollten diese pandemiebedingt wieder fallen oder die Märkte nicht länger auf Hilfe der sehr viel langsameren Regierungen warten wollen.

Leseempfehlungen
Lesen Sie doch auch diese Artikel rund um das Thema Finanzen, wofür sich auch andere Leser interessierten:

Der Hype um GameStop, AMC & Co. – Zockerei oder Zukunft?
Vermögensaufbau mit Fonds - So funktioniert der langfristige Vermögensaufbau
Aktienrückkäufe – nicht immer die beste Wahl für langfristige Investoren

Bildnachweis

Quelle: Thomas Kruse, Amundi

Donnerstag, 25. März 2021

Der Hype um GameStop, AMC & Co. - Zockerei oder Zukunft?

 Die GameStop-Aktie war noch vor wenigen Wochen hierzulande höchstens Insidern bekannt und wurde durch einen Finanz-Flashmob jäh ins Rampenlicht gerückt. Was von dem Hype zu halten ist und worauf Anleger achten sollten, soll in diesem Artikel beleuchtet werden. Nachdem Kleinanleger im Kampf gegen die großen Hedgefonds und Shortseller zunächst Aktien von GameStop, AMC, Nokia & Co. in die Höhe getrieben hatten, stürzte sich die Reddit-Community auf Silberwerte, bevor sie dann Cannabis-Unternehmen ins Visier nahmen. Diese Spekulanten haben sich an nichts von dem gehalten, was professionelle Anlageberater seit Ewigkeiten predigen, denn sie haben die tatsächliche Faktenlage ignoriert und auf kurzfristiges Spektakel gesetzt.

Warum der Hype mehr Glücksspiel als Geldanlage ist
Sofern durch einen solchen „Finanz-Flashmob“ eine bestimmte politische Weltanschauung zum Ausdruck gebracht werden sollte, ist dieses Phänomen allerdings eher dem Bereich Meinungsäußerung zuzuordnen und taugt nicht als Vorbild für das nachhaltige Streben nach Rendite. Denn sind unter den Kleinanlegern auch manche, die in kürzester Zeit Millionäre wurden, verloren andere möglicherweise Hunderttausende von Dollar und sitzen heute auf einem Schuldenberg. Nicht bei allen Beteiligten dürfte dabei das ideologische Signal gegen „die Hedgefonds“ und „die Short Seller“ im Vordergrund gestanden haben, viele haben wohl auch auf satte Profite gehofft.

Handelsvolumen GameStop Aktie

Gezielte Verabredung zur Kursmanipulation?
Das kann man machen. Und herzlichen Glückwunsch all denen, die im GameStop-Spiel den richtigen Einstand, aber - und das ist viel wichtiger - auch den richtigen Ausstieg gefunden haben. Dieser Glückwunsch ist aber einer, der auch allen gilt, die auf das richtige Pferd, auf das richtige Ergebnis beim Fußball oder sonst bei einer Wette gewonnen haben. Mit Geldanlage oder zukunftsorientiertem Investieren hat dies alles nichts zu tun. Und ob nicht noch Strafprozesse auf die Reddit-Community wegen Marktmanipulation zukommen, bleibt abzuwarten. Aber zurück zur GameStop-Aktie. Eine rationale Erklärung aufgrund des Geschäftsmodells für den Anstieg gab und gibt es bis heute nicht. Weder hat GameStop, ein eher stationär ausgerichteter Anbieter von Computerspielen, einen Strategieschwenk noch eine neue Produktinnovation angekündigt. Es gab keine Erkenntnisse, die eine solche Bewertung fundamental hätte rechtfertigen können.

Welche Akteure den Kursverlauf befeuern
Was hier passiert ist, ist vielmehr eine Mischung aus Protestbewegung, Aktionismus und Gier. Aktivisten haben den vermeintlich bösen Hedgefonds den Kampf angesagt, die Robinhood-Trader sind auf den Zug aufgesprungen und dann wurde mit Eifer und Zorn das Finanzestablishment bekämpft. ‚Occupy Wallstreet is back‘, könnte man sagen. Denn mit diesen konzertiert auftretenden Flashmobs könnten auch in Zukunft weiter die Kurse von Unternehmen signifikant beeinflusst werden. Aber solche Wellen sind erfahrungsgemäß auch irgendwann wieder vorbei. Was aber sagen solche Ereignisse über die Anfälligkeit und die Effizienz der Märkte aus? Die These von der Effizienz der Kapitalmärkte konnte noch nie wirklich überzeugen, blendet sie doch aus, dass Anleger auf Basis von - subjektiven - Analysen handeln, dass es erzwungene Verkäufe gibt, und dass passive Produkte Entwicklungen verstärken, weil sie einem Index folgen.

Angst und Gier sind die wesentlichen Faktoren an der Börse. Aus Sicht eines Value-Investors ist deshalb bei Entscheidungen immer auch der manisch-depressive Mr. Market zu berücksichtigen. Weiter steht bei diesem Anlageansatz nicht die kurzfristige Rendite, sondern die langfristige Qualität der Unternehmen im Mittelpunkt. Gesucht wird nach Qualitätstiteln. Darunter versteht man Unternehmen, die durch strukturelle Wettbewerbsvorteile einen wirtschaftlichen Burggraben um ihr Geschäft bilden können. Das sorgt für Preissetzungsmacht und ermöglicht es höhere Kosten an Kunden weiterzugeben. Darüber hinaus muss eine gesunde Bilanz vorliegen, die sich durch hohe Liquidität und eine angemessene, auf das jeweilige Geschäftsmodell abgestimmte Verschuldung auszeichnet. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen auf Dauer existieren und Mehrwert schaffen kann. Des Weiteren sind Geschäftsmodelle zu bevorzugen, die für organisches Wachstum so wenig Kapital wie möglich benötigen.

Worauf man statt Reddit für langfristige Rendite achten sollte
Dabei lehrt die Erfahrung, dass eigentümergeführte Unternehmen in der Regel eher auf ein langfristiges, nachhaltiges Wachstum ausgerichtet sind, weil diese als Mitbesitzer die besten langfristigen Entscheidungen für das Unternehmen treffen. Weisen solche Unternehmen eine attraktive Gesamtkapitalrendite (ROIC) und nachhaltige Wachstumsraten auf, erfüllen sie alle Kriterien eines sogenannten wonderful business. Das birgt für Anleger die Chance auf mittel- und langfristig überdurchschnittliche Renditen. Das braucht manchmal etwas Zeit, auf jeden Fall mehr als ein Besuch im Casino. Nichts gegen einen solchen Besuch von Zeit zu Zeit. Warum nicht, wenn man Spaß am Nervenkitzel hat? Darüber hinaus ist es sogar noch legal. Denn man gerät nicht in Verdacht, an einer breit angelegten Marktmanipulation beteiligt zu sein.

Leseempfehlungen
Lesen Sie doch auch diese Artikel rund um das Thema Finanzen, wofür sich auch andere Leser interessierten:

Baukindergeld läuft bald aus – Fristverlängerung endet am 31. März 2021
Wie ist ein Schaden am geliehenen Schullaptop versichert
Marktneutrale Strategien – Renditen unabhängig von der allgemeinen Marktentwicklung

Bildnachweis

Quelle: Frank Fischer, Shareholder Value Management

Montag, 15. März 2021

Anlagekommentar Februar 2021 - Verunsicherung durch anziehende Inflation und steigende Zinsen an den Finanzmärkten

 Die anziehende Geschwindigkeit der Impfungen in den USA und die dadurch nachlassenden negativen Coronaschlagzeilen sorgten im Februar 2021 für einen Wendepunkt der Zukunftsperspektiven an den Finanzmärkten. Zur Randnotiz geriet dabei, dass viele europäische Staaten aus Angst vor der zunehmenden Verbreitung der britischen, südafrikanischen und brasilianischen Virusmutationen die bestehenden Lockdowns verlängerten. Für die Finanzmärkte war es viel entscheidender, sich mit den Sorgen der Investoren zu beschäftigen, dass die derzeitige mächtige Fiskalspritze, in einen starken und dauerhaften Inflationsschub münden werde. Der überschießende Preisanstieg, so die Logik der Kapitalmarktteilnehmer, werde dann die Zentralbanken der Industrieländer zu Gegenmaßnahmen zwingen.

Diese Erwartungen wurden durch die kräftig steigenden Rohstoffpreise noch verstärkt. Der Ölpreis zog wieder an, Kupfer verteuerte sich auf ein neues Zehn-Jahreshoch und der Aluminiumpreis ging auch nach oben. Mit steigenden Inflationserwartungen sprangen die Zinsen für langlaufende Staatspapiere nach oben. So zog in den USA die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen auf 1,4 Prozent an und lag damit fast auf dem Vor-Coronaniveau. Auch das deutsche Pendants legte zu und rentierte auf einem Acht-Monats-hoch. Die Verantwortlichen der Europäische Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Federal Reserve System (Fed) signalisierten zwar mehrfach, dass man die Anleihekäufe bei zu stark steigenden Renditen beschleunigen werde. Doch erst die Rede von Fed-Präsident Powell vor dem amerikanischen Kongress konnte die Marktteilnehmer mit dem Versprechen beruhigen, eine geldpolitische Normalisierung nicht vor einer vollständigen Restoration am Arbeitsmarkt anzugehen.

Entwicklung der Anlagemärkte im Februar 2021

So kannte die zweite Monatshälfte klare Gewinner und Verlierer. Staatsanleihen, qualitativ hochwertige Unternehmensanleihen und Gold litten besonders unter dem raschen Zinsanstieg. Die hoch bewerteten Technologie- und Nachhaltigkeitsaktien wurden doppelt getroffen. So haben sich die Technologieindizes im Monatsverlauf kaum von der Stelle bewegt. Der amerikanische NASDAQ 100 Index gab um 0,1 Prozent nach und der deutsche TecDAX Index ging mit 0,2 Prozent ins Minus. Dagegen legten die Aktienindizes mit einer hohen Gewichtung zyklischer Werte deutlich zu. Der S&P 500 Index stieg um 2,6 Prozent, der japanische NIKKEI 225 Index zog sogar um 4,7 Prozent an. In Europa stachen die relativen Verlierer der Corona-Pandemie, die Aktienindizes der großen südlichen Euroländer Spanien, Frankreich und Italien, mit je fast sechs Prozent Zuwachs hervor. Der DAX Index beendete den Februar mit +2,6 Prozent und auch der britische FTSE 100 Index konnte um 1,2 Prozent zu legen. Dementsprechend gut schnitt auch der Eurostoxx 50 Index mit einem Zuwachs von 4,45 Prozent ab. Der Schweizer Swiss Market Index, in dem defensive Werte stark gewichtet sind, verlor gegen den Trend um 0,7 Prozent. Auch der weltweite MSCI World Index schloss sich positiven Trend mit einem Zugewinn von 2,5 Prozent an.

DAX Entwicklung

Dagegen gab es an den Rentenmärkten durch die anziehenden Zinsen gemischte Ergebnisse. Der Grund warum im allgemeinen Zinsen am langen Ende der Renditekurve steigen können sind in der Regel entsprechende zinspolitische Aktionen der Notenbanken oder gestiegene Inflationserwartungen. Nachdem von den wichtigsten Notenbanken der Welt keine Zinserhöhungen in Aussicht gestellt wurden, waren es letztendlich die gestiegenen Inflationserwartungen, welche die Zinskurve in den USA in den letzten Wochen merklich ansteigen ließ. Die Zinsen der 10-jährigen US Staatsanleihen sind von rund 1 Prozent auf 1,5 Prozent gestiegen. Dies wirkt absolut betrachtet, nicht besonders viel, ist aber doch ein Anstieg von 50 Prozent, was für den Anleihemarkt doch recht hoch ist. Dagegen konnten die Kurse von Hochzinsanleihen leicht ansteigen und durch den merklichen Rückgang der Kreditaufschläge konnten die Verluste durch den Zinsanstieg kompensiert werden.

Prinzipiell war das wieder Ansteigen der Inflation durchaus im Sinne der Notenbanken. Allerdings sorgt diese sogenannte Reflation aber zwangsläufig für eine Unsicherheit hinsichtlich ihres weiteren Verlaufes. Und hierin liegt der kritischen Punkt: Nichts ist für den Aktienmarkt schädlicher, als Unsicherheit. In der jetzigen Phase des Wirtschaftszyklus, welche durch nach wie vor mit unausgelasteten Kapazitäten gekennzeichnet ist, ist ein nachhaltiger Anstieg der Inflation allerdings sehr unwahrscheinlich.

100 Tage Brexit - Für Großbritannien nehmen die negativen Auswirkungen zu

Der Brexit hat schon innerhalb der ersten 100 Tage die britische Wirtschaft tiefgreifend verändert. Und diese negative Entwicklung ist längst nicht abgeschlossen, denn laut aktueller Berechnungen der Europäischen Kommission wird der Schaden für die britische Wirtschaft bis Ende 2022 auf mehr als 40 Milliarden Pfund beziffert. Das entspricht bei einem Bruttoinlandsprodukt von rund 2 Billionen etwa 2,25 Prozent. Im Vergleich dazu: Für die EU-Staaten wird ein durchschnittlicher Verlust von rund 0,5 Prozent erwartet. Insbesondere die durch den Brexit entstandenen erschwerten Handelsbedingungen würden die Wirtschaft belasten, so das Ergebnis von Experten. Zwar hätten sich Großbritannien und die EU auf ein Freihandelsabkommen einigen können, wodurch der Handel weiterhin zollfrei bleibe, gleichzeitig hätte sich aber der bürokratische Aufwand signifikant erhöht. So müssten britische Unternehmen nachweisen, dass in die EU exportierte Waren überwiegend im eigenen Land produziert worden seien.

In einer globalisierten Wirtschaft mit teils komplexen Lieferketten ist dies keine einfache Aufgabe. Hinzu kommen Gesundheits- und Sicherheitskontrollen, Mehrwertsteuern auf Importe und andere zeitraubende, den Handel einschränkende Hindernisse. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, fühlen sich den bürokratischen Herausforderungen nicht gewachsen und haben den Export vorübergehend ganz eingestellt. Laut der New York Times sei das Volumen der Exporte, die im Januar den Kanal überquerten, im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zwei Drittel eingebrochen. Betroffen sind vor allem Produzenten von Fisch, Fleisch- und Milchprodukten. Zum Teil wird von tonnenweise verrottenden Lebensmitteln berichtet, die es nicht durch den bürokratischen Dschungel in die Häfen Frankreichs und der Niederlande geschafft haben.

Auch der Finanzstandort London lässt weiter Federn

Die britische Finanzindustrie galt lange Zeit als das wichtigste Zentrum für den Wertpapierhandel in Europa bekommt die Folgen des Brexits immer stärker zu spüren. So hat sich der Aktienhandel quasi über Nacht nach Kontinentaleuropa verschoben, insbesondere nach Amsterdam und Paris, während der Derivatehandel zum größten Teil nach New York gewandert ist. Dazu stehen noch weitere Veränderungen an, denn die Regeln für die zukünftigen Handelsbeziehungen werden immer noch verhandelt und erste Streitpunkte rund um die Sonderregeln für Nordirland zeigen, dass das Kapitel Brexit noch lange nicht abgeschlossen ist.

Das britische Pfund ist trotz Erholung weit von dem Vor-Brexit-Niveau entfernt

Das britische Pfund konnte trotz der Startschwierigkeiten seit dem EU-Austritt gegenüber dem Euro deutlich zulegen. So lag die britische Währung im Dezember 2020 noch bei rund 1,10 Euro und heute ist ein Pfund schon 1,16 Euro wert. Das hängt zum einen sicherlich mit der deutlich erfolgreicheren Impfkampagne in Großbritannien zusammen. Zum anderen stütze die verschwundene Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Brexit die Währung. Die Regierung in London - so die verbreitete Meinung vieler Brexit-Befürworter - hat nun sein außenpolitisches und wirtschaftliches Schicksal wieder selbst in der Hand und das zeigt sich nicht nur im Erfolg der Impfkampagne, sondern zukünftig auch in widererstarkten Handelsbeziehungen außerhalb von Europa, beispielsweise mit China oder den USA. Allerdings gehört auch zur Wahrheit, dass die Erholung des Pfunds von einem historisch extrem niedrigen Niveau ausgegangen ist und von dem Vor-Brexit Niveau von über 1,40 Euro noch weit entfernt ist. Kurzfristig könnte die Stärke des Pfunds sicherlich noch weiter zulegen, langfristig bleibe aber abzuwarten, ob die Regierung in London aus der vermeintlich wiedererlangten Souveränität und dem Impfvorsprung einen nachhaltigen wirtschaftlichen Vorteil ziehen kann.

Ein Blick auf die aktuellen Anlagestrategien

In den letzten Wochen war die Nachrichtenlage insgesamt neutral bis unterstützend bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung, den Impfstoffen und den Unternehmensgewinnen.  Der deutliche Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen ist als möglicher Risikofaktor hinzugekommen, zumal der Anstieg weitgehend durch höhere Inflationserwartungen und weniger durch veränderte reale Renditen zustande gekommen ist. Deshalb gilt ist ein Wechsel der Notenbanken bei der Inflationsbetrachtung derzeit als wenig wahrscheinlich. Es ist auch zu erwarten, dass sich bei einem weiteren Anziehen der Renditen vor allem die Realrenditen erhöhen, was im Einklang mit den Wirtschaftsperspektiven steht. Mangels empirischer Hinweise, dass ein Anstieg von Anleiherenditen einen deutlichen Rückschlag an den Kapitalmärkten wahrscheinlich macht, sollte eine leichte Übergewichtung von Risikoanlagen weiter verfolgt werden.

Nach der derzeitigen längeren Phase eines insgesamt positiven Börsentrends sind Gewinnmitnahmen etwas wahrscheinlicher geworden. Ohne signifikante negative Nachrichten sind Korrekturphasen jedoch meist von kurzer Dauer und würden eher weiter Einstiegsmöglichkeiten zum Nachkaufen bieten. Anlagestrategisch sprechen in einem anhaltenden Nullzinsumfeld die Dividendenrenditen und Ertragsaussichten für weiter Aktien. Die Verteilung von Impfstoffen ist bisher langsamer vorangeschritten als gedacht und auch die neuen Mutationen des Coronavirus stehen vermehrt im Fokus. Die aktuelle Datenlage zu den Impfstoffen spricht allerdings derzeit nicht dafür, dass das wirtschaftliche Erholungsszenario gefährdet wäre. Die Wirtschafts- und Börsentrends werden aber auf jeden Fall nicht geradlinig verlaufen.

Trotz einer möglicherweise hohen Marktvolatilität in den kommenden Monaten, sollte man sich als Anleger zunehmend auf eine weitgehende Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität in den kommenden 12-24 Monaten einstellen. Zu berücksichtigen gilt auch, dass sich die relevanten Stellen, wie Regierungen, Gesundheitssysteme, Einzelpersonen und Unternehmen seit Monaten viel dazu gelernt haben, mit der Situation umzugehen. In der aktuellen Phase sind Unternehmen zu bevorzugen, die sich bisher in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewährt haben und eine solide Bilanz aufweisen.

Weiterhin sorgen dennoch Dividendenwerte für gute Erträge und der regionale Fokus im Aktienbereich bleibt weiter auf Europa und den USA gerichtet. Als interessantes langfristiges Thema zur Depotbeimischung kann der Fokus auf eine „Alternde Gesellschaft“ gelegt werden und über unterschiedliche Anlagemöglichkeiten abgebildet werden. Auch globale Immobilienaktienfonds können zur Depotdiversifikation beitragen, denn stabile Dividendenzahlungen durch regelmäßige Mieterträge und die Partizipation an aussichtsreichen Langfristtrends zeichnen diesen Anlagebereich aus. Da die Renditen für Staatsanleihen in Europas Kernländern bei kurzen bis mittelfristigen Laufzeiten oft negativ sind, bleibt das Umfeld für Anleihen-Investoren weiter eine Herausforderung. Auch nach dem die Kreditaufschläge in der letzten Zeit zurückgegangen sind, bleiben die Unternehmensanleihen weiterhin die bessere Ertragsperspektive als die Staatsanleihen. In diesem Umfeld sollten Unternehmensanleihen aus dem gesamten Euroraum weiter den Vorzug bekommen.

Anlagemärkte Entwicklung

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

Die Informationen sind unverbindlich und stellen weder eine Anlageempfehlung oder sonstige Beratung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch. Eine Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Anlegers. Die dargestellten Informationen, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten sowie das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
  • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
  • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London
Anlagekommentar als eBook herunterladen

Leseempfehlungen

Lesen Sie doch auch diese Artikel rund um das Thema Finanzen, wofür sich auch andere Leser interessierten:

Nachhaltigkeit und Corona-Pandemie – Sauber durch die Krise
Vermögensaufbau mit Fonds - So funktioniert der langfristige Vermögensaufbau
Baufinanzierung – Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB

Bildnachweis

Quelle: Bereich "100 Tage Brexit - Für Großbritannien nehmen die negativen Auswirkungen zu" von ETHENEA Independent Investors S.A.

Dienstag, 9. März 2021

Nachhaltigkeit und Corona-Pandemie - Sauber durch die Krise

 In Krisen wie dieser bleibt keine Anlageklasse ungeschoren. Allerdings konnten viele nachhaltig orientierte Unternehmen und Fonds ihre Verluste begrenzen und stärker von der folgenden Erholung profitieren. Warum das Thema Nachhaltigkeit auch darüber hinaus gerade jetzt für Anleger spannend ist, wird in diesem Artikel behandelt. So gewannen Nachhaltigkeitskriterien im Jahr 2020 immer mehr an Bedeutung, wenn es darum geht, Unternehmen zu beurteilen.

Warum Nachhaltigkeitsfonds die Pandemie besser meistern
So kamen nachhaltig wirtschaftende Unternehmen vergleichsweise gut durch die Corona-Krise und Themen wie Wasserstoff und erneuerbare Energien gehören zu den wichtigsten Megatrends des Jahres. Dass hiervon auch Anleger direkt profitieren können, beweisen aktuell Nachhaltigkeitsfonds. Zwar verzeichnen beinahe alle Anlageklassen bei Krisen dieses Ausmaßes zwischenzeitlich Verluste, also auch nachhaltig orientierte Unternehmen und Fonds. Allerdings konnten diese ihre Verluste strukturell begrenzen. Während des Höhepunktes der Krise, im März 2020, verlor etwa der MSCI World 13,2 Prozent, der nachhaltige SRI-Index hingegen nur 10,8 Prozent. Gleichzeitig konnten sie auch von der folgenden Erholung überproportional profitieren.

Verwaltetes Vermögen nachhaltiger Fonds

Warum? Besonders betroffene Sektoren, wie Energie, Rohstoffe, Tourismus und Transport, werden in vielen Nachhaltigkeitsfonds und Nachhaltigkeitsindizes kaum berücksichtigt. Außerdem dominieren defensive und nicht zyklische Werte (unter anderem Gesundheit und Basiskonsum), die ihre Erträge stabil halten konnten. Da passt es doch, dass der EU-Aktionsplan für die Finanzierung nachhaltigen Wachstums zügig voranschreitet. Am 10. März 2021 soll eine entsprechende Offenlegungsverordnung in Kraft treten. Anstatt die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards aufzuerlegen, sieht sie nur einheitliche Offenlegungspflichten vor und baut im Ergebnis auf den öffentlichen Druck der Investoren und der Gesellschaft an sich: Fondsmanager müssen dann darlegen, wie mit Nachhaltigkeitsrisiken und Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren umgegangen wird. Dies soll nur eines der Mittel sein, um die sehr ambitionierten Ziele des Pariser Klimaabkommens umzusetzen. Und es benötigt auch eine Menge Geld, um bis 2030 Treibhausgas-Emissionen und Energieverbrauch zu senken sowie erneuerbare Energien zu fördern. Geld, für das die EU-Töpfe allein nicht ausreichen.

Wie Brüssel Geldströme in ESG-Produkte umlenken will
Brüssel schätzt die Finanzierungslücke pro Jahr auf 175 bis 290 Milliarden Euro. Um diese gewaltige Lücke zu schließen, will die EU die Finanzindustrie in die Pflicht nehmen. Die Idee: Investitionen sollen mit Nachdruck in nachhaltige Technologien und Industriezweige umgelenkt werden. Darüber hinaus will man Nachhaltigkeitsfaktoren im Risikomanagement verankern sowie Transparenz und Langfristigkeit fördern. Was auf den ersten Blick recht vage klingt, hat in Form von Gesetzesvorschlägen längst konkrete Formen angenommen. Die Regulierung kommt - allein schon deshalb, weil die EU kaum andere Möglichkeiten hat, ihre selbst gesteckten Klimaziele zu erreichen. Mit keiner anderen Stellschraube im Brüsseler Handwerkskasten lassen sich so große Geldsummen in Richtung nachhaltige Wirtschaft bewegen. Und Deutschland - so will es die Bundesregierung - sogar der führende „Sustainable Finance“-Standort in Europa werden.

Wieso jetzt nachhaltig allokieren bald sehr profitabel sein kann
Die gesetzlichen Vorgaben - durch Vorgaben für Berater, Einführung von Öko-Labeln und ESG-Indizes - könnten für eine zusätzliche Nachfrage bei entsprechenden Unternehmen und damit für Kursgewinne sorgen. Anleger und Fondsmanager, die solche Werte jetzt schon allokieren, könnten zukünftig die großen Nutznießer einer solchen Regulierung sein. Es ist zu erwarten, dass auch die Anzahl an nachhaltigen Anlagefonds weiter steigt. Zu Beginn des Jahres 2018 ging der Report „Global Sustainable Investment Review“ in den fünf wichtigsten Anlagemärkten weltweit von einem nachhaltigen Anlagevermögen im Volumen von 30,7 Billionen US-Dollar aus. Das bedeutet einen Anstieg von 34 Prozent gegenüber 2016. Nachhaltig Investieren hat demnach in jeder Region einen beträchtlichen Anteil des professionell verwalteten Vermögens erreicht - von 18 Prozent in Japan bis 63 Prozent in Australien und Neuseeland. Es liegt auf der Hand, dass nachhaltige Investitionen eine wichtige Kraft auf den globalen Finanzmärkten darstellen, heißt es in dem Report.

Fazit
Nachhaltige Unternehmen zeigen sich bisher robust in der Krise. Und nicht nur ausgewiesene Nachhaltigkeitsfonds berücksichtigen inzwischen ESG-Kriterien. Immer mehr Gesellschaften und Fondsmanager legen teils sehr strenge Kriterien für ihre Anlagen fest und profitieren aktuell von dieser Entscheidung. Nachhaltige Investments sind aber nicht nur bei Verbrauchern im Trend, sondern werden zukünftig auch immer stärker durch die Politik gefördert. Anleger sollten trotzdem nicht blind den Marketingaussagen von Produktanbietern Vertrauen schenken. Wo „Sustainable“ drauf steht, sind leider nicht immer auch wirklich nachhaltige Unternehmen drin. Eine Analyse der Anlagekriterien und des Portfolios bleibt auch in Zukunft notwendig.

Leseempfehlungen

Lesen Sie doch auch diese Artikel rund um das Thema Finanzen, wofür sich auch andere Leser interessierten:

Versicherungen kündigen – Tipps zu Fristen, Formulierungen und auf was man sonst noch achten sollte
Vermögensaufbau mit Fonds - So funktioniert der langfristige Vermögensaufbau
Aktive und passive Anlagestrategien – Es kommt auf die richtige Mischung an

Bildnachweis

Montag, 1. März 2021

Anlagekommentar Januar 2021 - Mutationen, Engpässe und Spekulationen sorgen für einen uneinheitlichen Jahresauftakt an den Börsen

 Während es zur wirtschaftlichen Entwicklung und Impfstoffen derzeit wenig Potenzial für positive Überraschungen bestehen, gibt es ermutigende Trends bei den Unternehmensgewinnen, da viele Unternehmen während der Pandemie ihre Kostenstrukturen optimiert haben und die Margen dadurch die Niveaus vor der Pandemie übertreffen dürften, wenn sich die Umsätze wieder erholen. Die Bewertungen sind nicht generell stark überhöht und das am US-Markt prominent vertretene "Growth"-Segment (d.h. insbesondere Technologie), hat während der Corona-Pandemie massiv zugelegt. Während eine gewisse Höherbewertung von nachhaltig wachsenden Unternehmen als gerechtfertigt erachtet werden kann, dürfte sich die Bewertungsschere zwischen den "Growth" und "Value" Aktien (letztere sind in Europa stark vertreten) etwas zu weit auseinander gegangen sein. Mittel- bis längerfristig werden Wachstumswerte und damit der US-Markt und ergänzend das aufstrebende Asien gegenüber Europa im Vorteil sein. Allerdings dürfte das aktuelle Jahr 2021 bezüglich dieser Präferenzordnung ein Übergangsjahr sein, mit besseren als üblichen Chancen für Europa.

Entwicklung der Anlagemärkte
Viele Aktienindizes in den Industriestaaten konnten in der ersten Januarhälfte noch neue Rekordstände markieren. Doch dann sorgten der anhaltende Mangel an Impfstoffen, die Unsicherheit über die Effizienz der zugelassenen Impfstoffe gegen die sich ausbreitenden Coronamutanten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien und steigende Inflationserwartungen in den USA dafür, dass die Kapitalmärkte nach unten korrigierten. Allerdings konnten Technologiewerte und Titel mit einer geringen Marktkapitalisierung sich gegen den Trend entwickelten. So stieg in den USA der NASDAQ Composite Index um 1,4 Prozent an, der deutsche technologieorientierte TecDAX Index konnte gar über fünf Prozent zulegen. Für die hochkapitalisierten Werte ging es dagegen bergab. Durch die prekäre Coronalage in Europa sind die Verluste für den DAX Index und Eurostoxx 50 Index mit -2,1 Prozent respektive -2 Prozent deutlicher ausgefallen als in den USA. Dort gab der S&P 500 Index nur um 1,1 Prozent nach. Dagegen meistern die asiatischen Länder die Corona-Pandemie besser als die westliche Welt, wodurch dort die Aktienindizes im Januar leicht anzogen. Der Hang Seng Index konnte um 6,1 Prozent und der japanische NIKKEI 225 Index um 2,4 Prozent zulegen. Dagegen musste der weltweite MSCI World Index (EUR) einen Rückgang von -0,4 Prozent verbuchen.

DAX Entwicklung

Dagegen gab es an den Rentenmärkten spürbare Auswirkungen durch die Spendierlaune des neuen US-Präsidenten Joe Biden. So zogen mit steigenden Inflationserwartungen der Verbraucher und Investoren die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit neun Monaten an. Dagegen blieben diese in der Eurozone unverändert. Die Folge des steigenden Zinsabstands zugunsten der USA machte sich bei der Währung und dem Goldpreis bemerkbar. Der Euro wertete zum Dollar leicht ab, der Goldpreis sank um fast 3 Prozent. Die zunehmende Inflationserwartungen sind für Rohstoffe ein positives Signal. Der Preis für das Rohöl sprang für die amerikanische Benchmark WTI um über 7 Prozent nach oben und für Kupfer und Silber verteuerten sich die Preise leicht auch nach oben.

E-Commerce-Boom: Schäden für die Umwelt oder Chancen für die Investoren?
Seit mehr als 20 Jahren stellt das E-Commerce bereits einen dynamisch wachsenden Markt dar und stellt mittlerweile keine Neuigkeit mehr dar. Durch die COVID-19-Pandemie kam es jedoch zu einem explosionsartigen Anstieg der Wachstumsraten, was viele Fachleute in diesem Ausmaß überrascht hat. So stieg der Anteil von Onlinekäufen in den USA sprunghaft auf über 20 Prozent des gesamten Einzelhandels in 2020 an und im Dezember 2020 nach neuesten Zahlen sogar auf bis zu 23,4 Prozent. Global betrachtet wird bis 2023 ein Anstieg der Online-Umsätze auf ein gewaltiges Volumen von 6,5 Billionen US-Dollar pro Jahr erwartet. Diese beeindruckenden Zahlen sind nicht zuletzt für Investoren interessant. Doch wie sieht es mit der CO2-Bilanz dieses Geschäftsmodells aus?

Nach dem Platzen der Dot.com-Blase im Jahr 2000, als das Internet für Konsumenten noch in den Kinderschuhen steckte, verteilte sich der Onlinehandel auf wenige Pioniere wie Amazon oder Ebay. Die Eintrittsbarrieren für Händler waren damals größer und viele nutzten ausschließlich diese großen Plattformen. Heute ist es einfacher und weniger kapitalintensiv Produkte in einem eigenen Online-Shop selbst zu vertreiben. Lösungen für Zahlungsabwicklung, Webshop, Warenlager, Corporate Design sowie Werbung auf Social Media sind mittlerweile einfach und kostengünstig einzurichten. Immer mehr Unternehmen nutzen heute ihren eigenen Marktplatz. Der Pionier Zalando macht es vor: Mode lässt sich perfekt durch eine redaktionelle Auswahl und stimmige Kampagnen auf einer eigenen Plattform erfolgreich verkaufen. Es entwickeln sich Marktplätze für Leasingfahrzeuge, Apothekenartikel, verschreibungspflichtige Medikamente oder sogar Möbel und jeder ist davon höchstspezialisiert auf die Anforderungen an das Produkt und an die des Kunden.

Wie umweltschädlich ist das E-Commerce?
Täglich werden nur in Deutschland mehr als 5 Millionen Pakete aus Onlinebestellungen ausgeliefert und die Tendenz ist weiter steigend. Im Durchschnitt wird jedes sechste Paket zurückgeschickt und diese Retouren verursachen hohe CO2-Emissionen. Ein Vergleich auf die CO2-Bilanz mit dem des stationären Einzelhandels ist jedoch schwierig, denn beim Einkaufen im Ladengeschäft oder Supermarkt entstehen ebenfalls schädliche Treibausgase, etwa durch die Beheizung und Beleuchtung der Verkaufsflächen, die Belieferung der Geschäfte mit Ware oder durch die Anreise des Kunden mit seinem Auto.

Wer klimaschonend einkaufen möchte, sollte deshalb mit dem Fahrrad fahren und im Internet möglichst wenige Retouren verursachen. Doch wie umweltschädlich ist E-Commerce wirklich und welche Faktoren haben einen wesentlichen Einfluss auf die Umweltbilanz? So ist nicht nur das genutzte Verkehrsmittel, die Länge des Anfahrtsweges sowie der verbrauchte Kraftstoff für eine Paketlieferung ein bedeutender Faktor des Vergleichs. Auch das Warenlager, das Betreiben von Datenservern und die Retourenquote sind zu berücksichtigen. So hat das Öko-Institut in Berlin, in einem Fallbeispiel den digitalen versus stationären Kauf eines Paars Turnschuhe in einer Großstadt im Hinblick auf die CO2-Bilanz Sicht mit teils überraschenden Ergebnissen unter die Lupe genommen.

Online oder Einzelhandel - CO2 Bilanz

Bei der Belieferung eines Großhändlers durch den Produzenten der Turnschuhe gibt es kaum einen Unterschied zwischen Onlinekauf und Einzelhandel. Beides geschieht meist per Schiff oder Flugzeug, dann per Speditionen mittels Diesel-LKW. Beim Onlinehandel entstehen noch etwas mehr Kohlendioxidemissionen für die Serverleistung, den Umschlag im Verteilerzentrum und die PC-Nutzung des Kunden beim Bestellen. Bis zu diesem Punkt ist die Bilanz für ein paar Schuhe aufgrund der hohen Skaleneffekte der Lieferung bei beiden Vertriebswegen jedoch überschaubar. Die Paketzustellung schlägt mit 230 g zu buche. Jedoch weisen Bekleidungsartikel die höchsten Rücksendequoten mit etwa 0,7 Rücksendungen pro verkauftem Artikel auf. Somit entstehen durch Verpackung und Rücksendung im Mittel weitere 250 g CO2.

Doch laut der Studie ist der Onlinehandel klar im Vorteil. Er benötigt keine Verkaufsflächen, die mit Strom und Wärme versorgt werden müssen. Hier geht das Öko-Institut von 1 kg pro verkauftem paar Schuhe aus. Trotz Berücksichtigung der durchschnittlich hohen Retourenquote fallen Online nur ca. 919 g CO2 an, beim Einkaufen im Ladengeschäft hingegen ca. 1.270 g. Das Endergebnis der Studie fällt vernichtend zulasten des stationären Einzelhandels aus, denn auch die Anreise des Kunden muss zusätzlich mit einer durchschnittlichen Verkehrsmittelwahl berücksichtigt werden.

Im Hinblick auf die CO2-Bilanz könnte es sich also durchaus lohnen, wenn wir gegenüber neuen Einkaufskonzepten offen sind. Die Elektrifizierung von Zustellfahrzeugen hat teilweise schon begonnen und geschieht wahrscheinlich schneller als beim Automobil des Durchschnittbürgers. Nicht zuletzt bieten steigende Auslastungen und kürzere Lieferwege weiteres CO2-Einsparpotenzial für den Onlinehandel. Abschließend lässt sich feststellen, dass Investoren durch gezielte Anlagen in E-Commerce Unternehmen nicht nur positive Performance-Effekte realisieren, sondern in Kombination mit einem Nachhaltigkeitsfokus auch gezielt positiv die Öko-Bilanz unterstützen können.

Ein Blick auf die aktuellen Anlagestrategien
Bei den Risikoanlagen, insbesondere Aktien (die zyklischen und die von der Pandemie stark betroffenen Segmente) und Unternehmensanleihen, aber auch Rohstoffen (Energie und Industriemetalle), haben seit November 2020, als mit den Impfstoff-Wirksamkeitsstudien eine wirtschaftliche Normalisierung absehbar wurde, stark zugelegt. Im Januar 2021 haben die Kapitalmärkte die Aussicht auf weitere massive Ausgabenprogramme der neuen US-Regierung positiv interpretiert, wobei Erhöhungen der US-Unternehmenssteuern nötig sein werden, damit die Ausgabenprogramme finanziert werden können. Es ist daher, auch aufgrund der jüngsten Aussagen der US-Regierung, noch zu früh, um dies für die Vermögensallokation zu berücksichtigen.

Die Verteilung von Impfstoffen ist bisher langsamer vorangeschritten als gedacht und auch die neuen Mutationen des Coronavirus stehen vermehrt im Fokus. Die aktuelle Datenlage zu den Impfstoffen spricht allerdings derzeit nicht dafür, dass das wirtschaftliche Erholungsszenario gefährdet wäre. Nach einer längeren Phase mit positivem Nachrichten an den Börsen sind allerdings auch Gewinnmitnahmen an den Kapitalmärkten etwas wahrscheinlicher geworden. Die Korrekturphasen sollten aus heutiger Datenlage aber meist nur von kurzer Dauer sein und würden eher Einstiegsmöglichkeiten bieten. Die Wirtschafts- und Börsentrends werden aber auf jeden Fall nicht geradlinig verlaufen. Anlagestrategisch sprechen in einem anhaltenden Nullzinsumfeld weiter die Dividendenrenditen und Ertragsaussichten für Aktienanlagen.

Trotz einer möglicherweise hohen Marktvolatilität in den kommenden Monaten, sollte man sich als Anleger zunehmend auf eine weitgehende Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivität in den kommenden 12-24 Monaten einstellen. Zu berücksichtigen gilt auch, dass sich die relevanten Stellen, wie Regierungen, Gesundheitssysteme, Einzelpersonen und Unternehmen seit Monaten viel dazu gelernt haben, mit der Situation umzugehen. Daher sollte eine Anlagestrategie defensiv gestaltet sein. Gleichzeitig ergeben sich aber besonders bei Aktien auch Chancen für mittelfristig und langfristig agierende Anleger. In der aktuellen Phase sind Unternehmen zu bevorzugen, die sich bisher in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewährt haben, eine solide Bilanz aufweisen.

Weiterhin sorgen dennoch Dividendenwerte für gute Erträge und der regionale Fokus im Aktienbereich bleibt weiter auf Europa und den USA gerichtet. Als interessantes langfristiges Thema zur Depotbeimischung kann der Fokus auf eine „Alternde Gesellschaft“ gelegt werden und über unterschiedliche Anlagemöglichkeiten abgebildet werden. Auch globale Immobilienaktienfonds können zur Depotdiversifikation beitragen, denn stabile Dividendenzahlungen durch regelmäßige Mieterträge und die Partizipation an aussichtsreichen Langfristtrends zeichnen diesen Anlagebereich aus. Da die Renditen für Staatsanleihen in Europas Kernländern bei kurzen bis mittelfristigen Laufzeiten oft negativ sind, bleibt das Umfeld für Anleihen-Investoren weiter eine Herausforderung. Auch nach dem die Kreditaufschläge in der letzten Zeit zurückgegangen sind, bleiben die Unternehmensanleihen weiterhin die bessere Ertragsperspektive als die Staatsanleihen. In diesem Umfeld sollten Unternehmensanleihen aus dem gesamten Euroraum weiter den Vorzug bekommen.

Anlagemärkte Entwicklung

wichtiger Hinweis:
Dieser Bericht dient ausschließlich zu Informationszwecken und die Angaben wurden mit Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Investmentfondsanteilen sind die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jährlichen Rechenschaftsberichte. Diese sind Grundlage für die steuerliche Behandlung der Fondserträge. Die auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung) wurden berücksichtigt. Die auf Kundenebene anfallenden Kosten (Ausgabeaufschlag und Depotkosten) sind ggfs. nicht berücksichtigt. Bei Fremdwährungen kann die Rendite infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen.

Die Informationen sind unverbindlich und stellen weder eine Anlageempfehlung oder sonstige Beratung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Sie ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch. Eine Anlageentscheidung bedarf der individuellen Abstimmung auf die persönlichen Verhältnisse und Bedürfnisse des Anlegers. Die dargestellten Informationen, Analysen und Prognosen basieren auf dem Wissensstand und der Markteinschätzung zum Zeitpunkt der Erstellung. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Daten sowie das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Erläuterungen zu den Berechnungsgrundlagen:
Die Entwicklungen bzw. Endbeträge und Volatilitäten werden auf EUR-Basis berechnet.
Grundlage für die Berechnung der Volatilität: Monatliche Returns, logarithmiert, annualisiert. Eventuelle Ausschüttungen bei Investmentfonds werden wieder angelegt. Die Wertentwicklung basiert auf 100 Prozent des Kapitaleinsatzes, die Wertentwicklungen p.a. und Volatilitäten werden aus dem gesamten der Auswertung zugrundeliegenden Zeitraum (wie angegeben) bestimmt.

Externe Quellen:

  • Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH über das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
  • Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
  • Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
  • Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London
Anlagekommentar als eBook herunterladen

Leseempfehlungen

Lesen Sie doch auch diese Artikel rund um das Thema Finanzen, wofür sich auch andere Leser interessierten:

Value-Aktien – Stehen die Substanzwerte vor einer Renaissance?
Wie ist ein Schaden am geliehenen Schullaptop versichert
Die Risiken im Portfolio sinnvoll managen

Bildnachweis

Quelle: Bereich "E-Commerce-Boom" von MainFirst Affiliated Fund Managers (Deutschland) GmbH